Boys don´t cry

16.11.2007 um 23:19 Uhr

Arbeit ist das halbe Leben ... und die andere Hälfte bin ich auch auf der Arbeit

von: Ryan

Im Moment ist mal wieder ganz schlimm ... das sehen meine lieben Leser bestimmt auch daran, dass ich so selten poste ... ich komm ja auch zu nix, wenn ich mal zuhause bin - dann muss ich putzen, abwaschen, Wäsche waschen, Anrufe beantworten und natürlich ausreichend Schlaf kriegen, um wieder fit auf der Arbeit zu erscheinen.

Es kotzt mich echt an - die Station ist seit Wochen mehr als nur einfach VOLL - knackenvoll - mit Patienten, mit denen man nicht arbeiten kann - wir sind ja ne geriatrische Reha, bringen den Leuten wieder Laufen bei, wenn sie gestürzt sind und sich was gebrochen haben ... dazu müssen die Leute aber in Mindestmaß an kognitiver Ressourzen mitbringen, damit man denen überhaupt verständlich machen kann, was wir von denen wollen ... wir haben maßenhaft Patienten, bei denen diese Ressourcen fehlen ... da ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie bei uns wieder stürzen und sich noch ne andere Gliedmaße brechen wesentlich höher, als dass wir bei denen was bewirken. Aber ist ja egal, hauptsache den Patienten wird ne gute Pflege angedeiht und vor allem: Die Betten müssen ja voll sein. Das heisst wir nehmen fleissig auf ... egal was kommt ... gut ... das macht Spaß ...

Nebenbei werden grade ganz, ganz viele Leute gekündigt, teilweise begründet, und andere eben aus unbekannten Gründen ... so innerbetriebliche Gründe, was weiss ich ... demenstprechend fehlen grade ÜBERALL Leute, und die Leute die da noch arbeiten, werden rumgeschoben so alla: "Mach mal nen Frühdienst auf der Intensivstation." Ja klar, mach ich ... man wird ja nicht mal mehr gefragt ob man das machen würde ... sondern immer dieses "Mach mal." Kein Dankeschön und nix ... musst natürlich noch dein Bestes geben, sonst könntest du aus innerbetrieblichen Gründen gekündigt werden ... zumindest hab ich das Gefühl.

Und da die anderen Leute, die gekündigten ersetzen müssen, arbeiten wir doppelt soviel. Ich hab grade überhaupt keine Lust mehr auf meinen Job. Es ist ne tolle Arbeit und ich mag sie ... aber, wenn ich nicht so abartig viele Patienten hätte in so kurzer Zeit und so unter Zeitdruck arbeiten muss, wie ich im Moment arbeite (und das ist im Moment heftig), würde ich sogar gerne zur Arbeit gehen.

Und das Geld ... ich arbeite zu jeder Tages- und Nachtzeit ... werde angekotzt, angeschissen, angepinkelt und was auch immer, aus dem Körper eines Menschens rauskommen kann, hab ne große Verantwortung mit Medikamenten, Venenzugängen usw., arbeite körperlich hart (Omas wuchten ersetzt mir das Fitnessstudio) ... und kann grade mal von meinem Gehalt so leben ... und ich hab noch nicht mal nen Auto.

Ich bin unmotiviert zur Arbeit zu gehen ...

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenSusanne schreibt am 16.11.2007 um 23:31 Uhr:Hallo Ryan! Du kennst mich nicht, ich les aber schon seit vielen, vielen Monaten deinen Blog. Und diesmal muss ich doch kommentieren:
    Ich hab genau aus diesen Gründen (alle die du aufgezählt hast incl. Geld) Deutschland verlassen und lebe und arbeite jetzt glücklich in den USA. Mit noch mehr Verantwortung, weniger Arbeit (da man als/pro RN meistens drei ausgebildete Helfer um sich rum hat) und dreimal mehr Geld. Und mehr Anerkennung und Spaß.
    Ich hoffe, du packst das - du hast schließlich eine liebe Freundin, die dich versteht. Laß dich nicht hängen und vor allem bekomme keine Burn Out!
  2. zitierenRyan schreibt am 17.11.2007 um 00:29 Uhr:Vielen Dank Susanne, für deinen Kommentar - aus solchen Gründen gehen viele ins Ausland, ich kenn auch einige Pfleger, die allerdings (meist wegen Beziehungen ) wieder zurück nach Deutschland gegangen sind. Aber diese Leute erzählen halt viel, wie es woanders läuft. Zum Beispiel finde ich es sehr schade, dass es die Ausbildung zum KPH nicht mehr gibt.
    Was mich total reizt, wäre Österreich - 3 Tage arbeiten maximal alla 12 Stunden pro Schicht (ich arbeite jetzt auch schon ca. 10 Stunden am Tag)und nen wesentlich besseres Gehalt - allerdings bin ich leider nen Gewohnheitstier, ich war ja nicht mal bereit für die Ausbildung aus meiner Heimatstadt Hamburg wegzuziehen ...
    Ich hab ganz grob meine "Karriere" so geplant: Erstmal die Geriatrie weiter machen für maximal 3-4 Jahre (wenn man mich da noch haben will), also Pflege festigen und gut sein in dem was ich mache, hart arbeiten - und dann irgendwann auf Intensivpflege wechseln - und irgendwann, wenn der Rücken kaputt ist Psychiatrie oder Arztpraxis oder Lehrer für Krankenpflege. Ich brauch nur erstmal Praxiserfahrung bevor ich weiter planen kann, sonst nimmt mich kein Mensch später. Und ich denke, da wo ich jetzt bin werde ich sehr viel Erfahrungen sammeln können und fit bleiben.
    Und noch was: Danke dass du meinen Blog liest, ich bin immer total überrascht, wenn ich höre, dass es Leute gibt, die längere Zeit den Müll lesen, den ich so von mir gebe ;-)
  3. zitierenSusanne schreibt am 17.11.2007 um 16:42 Uhr:Ich hab 5 Jahre in der Pflege in Deutschland gearbeitet, somit weiß ich zu schätzen, was ich jetzt hab.
    Dein Plan klingt gut, ich hab lachen müssen über den kaputten Rücken und den Wechsel in die Psychatrie..! Stick with it!

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