Boys don´t cry

17.06.2007 um 03:05 Uhr

Aus der Kneipe ins Seelenleben

von: Ryan

Keine 10 Minuten nachdem ich nach dem Eintrag meinen Laptop runtergefahren hatte, klingelte das Telefon alla: "Hey, ich will was machen, kommste mit." - Es gibt doch Menschen, die mich mögen und ihren Abend mit mir verbringen wollen. Also haben wir uns getroffen ... und das alte theathralische Theater begann: Freundin 1 ist unglücklich, hat Tränen in den Augen, wenn man sie anspricht (wie seit 10 Jahren phasenweisen immer mal wieder) - Freundin 2 springt hinterher als Freundin 1 panisch zur Toilette flüchtet ... ebenfalls wie seit 10 Jahren. Und in den ersten 6 Jahren bin ich jedes mal mit aufgesprungen ... mittlerweile ist das albern. Es geht keinem Menschen PERMANENT schlecht - außer man sucht krampfhaft Gründe, denn dann findet man sie auch.

Irgendwann müssen die Menschen rausfinden warum es ihnen schlecht geht (das ist meist einfach, schmerzhaft aber einfach), und dann müssen sie dran arbeiten was zu veränden (und das ist weniger schmerzhaft, aber schwer und langjährig - ich komm ja auch nicht über alle meine Verhaltensmuster hinweg). Aber wenn man permanent zwischen "Ich weiss, warum es mir schlecht geht - UND ES DARF MIR SCHLECHT gehen" und "Ich kann NICHTS ändern" feststeckt, ist das scheisse ... einfach nur scheisse. Dann gehts einem echt nicht schlecht genug. Ich will nicht verallgemeinern, aber ich kenn Freundin 1 zu gut mittlerweile und sie hat nen ganz großen "Krankeheitsgewinn" (so nennen wir Fachpflegekräfte das).

Ich bin auch nen Mensch, der viel jaulen kann, wenn er nen Ohr dafür gefunden hat - aber ich komm nur weiter, wenn ich etwas ändern will. Ich ändern meistens dann was, wenn ich an nem Punkt bin, wo es nicht mehr weitergeht. Und einige Leute müssen die Erfahrung machen an diesem Punkt abgekommen zu sein. Ich hab oft gedacht, dass mein Leben nicht schlechter werden kann ... und es konnte schlechter werden. Und grade wenn ich dachte, es geht nicht weiter und ich halte das alles nicht aus, hab ich gemerkt wieviel Reserven noch in mir waren und dass es immer irgendwie weiter geht - irgendwie - und WIE will ich mittlerweile selbst bestimmen. Kann ich mittlerweile auch, was ich lange Zeit nicht konnte.

TROTZDEM war es ein schöner Abend. Freundin 1 ignoriert (ich bin ein Schwein, aber ich kann ihr nicht helfen, ich kann und will nicht mehr, da ist echt ganz viel passiert womit ich auch Bücher füllen könnte), Freundin 2 war dann auch irgendwann weg - Zeche geprellt ... geil. Das mach ich in Zukunft auch so ... Alkohol for free für das leidende Volk. Das wäre doch mal ne Maßnahme.

Ansonsten: Ich bin müde vom lernen ... ich hab vor nicht mal 30 Minuten meine Zulassung für das Krankenpflegeexamen ausm Briefkasten geholt ... jetzt wird´s ernst ...

Meine Freundin (wie lange hab ich das nicht mehr gesagt? Unglaublich dass ich als Langzeit-Single nochmal ne Frau für mich begeistern kann, von der ich auch begeistert bin) trifft morgen wieder in Hamburg ein ... ich werd sie vom Bahnhof abholen und überraschen. Ich freu total drauf - ich vermiss sie schon sehr, obwohl ich auch gut ohne sie zurecht kam (ich kenn´s ja nicht anders als Single). Und ab Montag arbeiten wir mal ne Woche zusammen ... ich weiss nicht wie ich das durchstehe ... ich sehe meine Steffi 8 Stunden jeden Tag ... und keiner darf wissen wie verliebt wir sind ... sie wird einfach nur eine Kollegin sein ... ich glaube, dass wird mir sehr, sehr schwer fallen ...

Und sonst so ... ich hab mich das letzte Mal im Oktober 2006 verletzt und ich hab grade, bzw. letzte Woche stark das Bedürfnis dazu. Aber ich hab´s nicht getan ... dafür esse ich ziemlich viel. Ich hatte 4 kg abgenommen (4 kg vom vorläufigen Zielgewicht entfernt) - ich glaub, die hab ich wieder drauf. Ich trau mich nicht auf die Waage, ich hab auch in den letzten Tag mindestens 1 mal gekotzt ... heute gabs nur Salat ... und Wiskey ... diese Esstörung nervt mich, aber ich hab noch nicht diesen Leidensdruck (siehe oben das Thema), um wirklich was zu verändern. Ich versuche es halbherzig, aber wahrscheinlich muss ich wieder auf ner Intensivstation landen, um zu begreifen was ich da mache. Alles an Sucht kann man mir ja auch nicht nehmen. Ich trinke in der Zeit nicht, wo ich arbeiten muss (meistens), ich verletze mich nicht mehr, damit meine Freundin diese Wunden nicht finden muss, ich kiffe bis zum Examen überhaupt nichts - also kotze ich? Irgendwie kann´s das ja auch nicht sein - und die Weight Watchers-Scheisse funktioniert maximal 3 Wochen und dann werde ich ungeduldig weil ich zuwenig Gewicht verliere. Aber ich weiss noch nicht wie ich das halbwegs unbeschadet rauskomme ... oder sollte ich solche Dinge bis nachm Examen verdrängen?

Und der exentrische Ryan sagt ganz laut (schon seit Wochen): ICH WILL EIN NEUES TATTOO!! Belohn mich mit diesem Tattoo!! - und ich habe mindestens 3 Vorschläge und kann mich nicht entscheiden ...


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