Boys don´t cry

02.04.2010 um 23:26 Uhr

Boykott

von: Ryan

Ich fühl mich eigentlich ganz gut. Nicht so gut wie gestern, aber das erwarte ich für den Anfang noch nicht. Eigentlich will ich davon berichten, dass es wie immer ist. Also am Wochenende. Die Gretchen-Frage: Was machen wir? Steffi hat Nachtdienst, Chris und ich dümpeln alleine in der Wohnung rum.

SMS von einer guten Freundin, die zufällig um die Ecke wohnt: "Hey was machste heute?" Ja keine Ahnung, aber egal was, wir sind dabei! Also was machen wir? Tanzen gehen im Kampnagel? (Kampnagel = ne alte Fabrik in Barmbek, wo regelmäßige Partys sind) Problem: Heute ist keine Party im Kampnagel. Okay, nächste SMS: "Kino?" - "Nö, keine Lust." Chris und ich hatten eher Lust auf ´nen Bier. "Was trinken gehen?" - "Wo?" - "Weiss nicht, sagt was." - "Da vielleicht?" - "Nö zu laut." - "Oder da?" - "Nein, zu voll." - "Oder dahin?" - "Nö, zuleer." - "Film ausleihen?" - "Welchen?" Und das geht ewig so weiter. Also wurde es nichts.

Nächste Freundin: "Lust aufm Bier zu kommen?" - Eigentlich schon, aber diese Freundin wohnt nun nicht grade um die Ecke, sondern südlich der Elbe, was ergo bedeutet mindestens eine Stunde Bahnfahrt. Auto fahren geht auch nicht, weil Chris aus lauter Streitfrust mit seiner Exfreundin aka Mutter seiner Tochter schon ein Bier getrunken hatte. Außerdem hatte der noch vor mehr heute Abend zu trinken.

Also was machen wir? Wir sitzen hier, schauen "Da Vinci Code" (kannte ich vorher noch nicht", ich trinke Rotwein, Chris Bier. Nicht grade eine großartige Variante um nen langes Wochenende zu geniessen. Aber ne Ruhige.

Ansonsten ist familiär mal wieder richtig Stress. Es nimmt mich sehr mit und ich mach mir große Sorgen. Mein Stiefvater ist mal wieder zu Höchstleistung hochgefahren, trinkt ohne Unterlass, rastet aus und ist jetzt auch gegen meine liebe Mama gewaltätig. Und obwohl ich sie eigentlich immer als sehr starke Frau erlebt hab, ist sie in der Sache viel zu weich und emotional. "Er will ja nicht mehr trinken, er hört morgen auf, ganz bestimmt, ich kann ihn dich nicht alleine lassen wenn er es diesmal ernst meint. Er weiss, dass es seine letzte Chance ist." Die letzte Chance, Nummer 3011. Es hilft mir, dass Chris da ist und sich auch sorgt. Und sehr ähnlich denkt wie ich. Den gleichen alten Schrecken in den Knochen spürt und eine ähnliche Angst. 

Doof wie wir sind haben natürlich unsere anderen Geschwister in Kenntnis gesetzt. Mutter will ja immer nix sagen, um uns nicht zu belasten. Wir sind ja immerhin ihre Kinder, auch wenn ich als jüngster Sohn schon 25 bin. Aber sie hat´s mir dann doch gesagt. Ich hab´s Chris erzählt und der dem Rest. Mutti hat uns eingeladen zum Osteressen. Erst haben alle zugesagt, nur ich sagt: Ich komme nicht, wenn der Typ dabei ist. Ich kann nicht an einem Tisch mit nem Kerl sitzen, der meine Mama schlägt. Mach ich nicht, will ich nicht, muss ich nicht haben. Ich muss mich schützen. Punkt, Ende, aus. Ich will ihn nicht sehen. Vielleicht niemals mehr. Er wird nicht eingeladen sein auf meiner Hochzeit, er wird meinen Kinder nicht zu nahe kommen, er wird gar nichts solange ich es so einrichten kann. 

Das hab ich Mutti brutal offen gesagt, sie schluckte und sagte, sie versteht es. Ich bin auch entschuldigt, ich bin ja im Moment labil. Natürlich hab ich Chris das auch erzählt und der hat daraufhin auch abgesagt. Er findet, es ist ne gute Idee das Osteressen zu boykottieren. So aus Protest gegen meinen Stiefvater. Natürlich fand Chris die Idee großartigst und hat sie meinen anderen Brüdern auch mitgeteilt. Und was soll ich sagen? Keiner meiner Geschwister (außer meiner Schwester, aber die wohnt bei Mama) geht mehr zum Osteressen. Mein Bruder Mike hatte schon riesen Stress mit seiner Ehefrau, weil sie ja anfangs zugesagt haben und sie ihn jetzt für trotzig und kindisch hält. Ähnlich muss es bei Steve´s Familie aussehen. 

Fazit: Familienosteressen findet statt. Frauen und einige Enkel sind dabei. Mike zum Beispiel ist auch der Ansicht, dass seine Kinder bei ihm bleiben und da nichts zu suchen haben. Steve konnte sich da nicht so durchsetzen, oder er hat´s nicht so verstanden. Steve und ich stehen uns auch nicht so sehr nahe. Er ist ausgezogen als ich noch ziemlich klein war, weil er eben der Älteste ist. Aufgewachsen bin ich die meiste Zeit mit Mike, Christopher und meiner kleinen Schwester Christina.

Naja Ende vom Lied: Beim Essen wird nur meine Schwester sitzen, aber kein einziger von Mamas Söhnen. Die Schwiegertöchter kommen alle. Aber mehr aus Anstand und ich glaube, weil sie Mama den Wunsch nicht abschlagen wollten. Chris und ich haben uns vorhin überlegt ob wir was alternativ machen wollen. Uns gemeinsam betrinken oder sowas. Billard spielen, Pommes essen. Irgendwas sollten wir machen.


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