Boys don´t cry

22.04.2007 um 05:21 Uhr

Das Übliche, wenn jemand furchtbar verliebt ist

von: Ryan

Ich könnte zerfliessen vor Sehnsucht. Wirklich zerfliessen - was für ein furchtbarer Zustand. Das letzte Mal war es so schlimm, als der Mann mit dem komischen Namen mir gesagt hatte, dass es zwischen uns vorbei ist und ich wusste, dass wir uns nicht wiedersehen. Und er war unerreichbar in dem Moment ... so unerreichbar, dass es wehgetan hat. Und genauso unerreichbar ist sie auch, weil ich so zerrissen bin. Und so zurückhaltend und ich könnte tausend Gründe aufzählen aber im Grunde genommen liegt es nur an einem: Weil ich den Mund nicht aufmache.

Aber wie sagt man sowas? Ich würde wahrscheinlich völlig debil vor ihr stehen: "Ich muss dir was sagen ... ich ... also ... ich ..." so in etwa würde das wahrscheinlich ablaufen. Ich möchte ihr soviel mitteilen, kann das aber nicht in Worte fassen. Mittlerweile isses mir sogar egal, was die auf der Arbeit in der Klinik sagen würden. Natürlich würden sie sich das Maul zerreissen und ständig würde einer fragen: "Sag mal Ryan, stimmt das, dass du mit Steffi zusammen bist?!" - "Ja, das stimmt." - "Wie kommt das denn plötzlich?" - ach, das wäre mir alles egal. Irgendwann hört das auch auf.

Worum ich mir eben auch so Gedanken mache, ist mein Stand und ihr Stand. Also die Startposition, auf der wir beide stehen. Sie ist nen sehr bodenständiger Mensch. Witzig, angenehm, aber man würde ihr irgendwelche Lebenseskapaden nicht zutrauen. Sie ist ausgeglichen, denkt positiv und sie schafft´s auch nie irgendwo bei irgendjemanden nen schlechten Eindruck zu hinterlassen. Auf jeder Station, auf der ich war und sie vor mir, und wir so auf das Thema kamen wer so in meiner Klasse ist und das Thema auf Steffi kam: "Ja das ist ne ganz Liebe, die ist fleissig." oder "Das ist ne Hübsche." Sie ist einfach ein unglaublich angenehmer Mensch. Sie war nen halbes Jahr mit ihrem komischen Exfreund zusammen (der mir ja irgendwie verdächtich ähnlich sah), der aber total bratzig zu ihr war und irgendwie so gar nicht zu ihr passte. So ein fundamental unangenehmer Mensch.

Gut, ich daneben: Mich kennt jede Station. Ich fall ja immer mit der Tür ins Haus und richte scheinbar so bleibende Eindrücke an, dass alle bei dem Namen Ryan sofort wissen wer ich bin und was ich alles schon angestellt hab. Ich bin im Gegensatz zu Steffi total unausgeglichen, total extrem. Vielleicht hinterlasse ich auch so bleibende Eindrücke, weil ich der jüngste Mann bei uns inner Ausbildungsklasse bin. Und nachdem dann raus war, dass ich Single geworden war, war ich sicherlich nochmal doppelt so interessant (der Rest der männlichen hetero Pflegeschüler ist vergeben). Alleine die Geschichte mit der Ärztin, die mich mal kennen lernen wollte, weiss mittlerweile jeder. Entweder von ihr in der Version: "Der arrogante Pflegeschüler flirtet mich dauernd an und als ich mal nen Schritt nach vorne gemacht habt, blockt er ab - aber flirtet 4 Minuten später mit 3 anderen Krankenpflegeschülerinnen aufm Flur rum." oder in meiner Version: "Was fällt der Ärztin überhaupt ein mich zu fragen, ob wir uns kennen lernen können? Wir sind inner Klinik und nicht beim allgemeinen Single-Treff! Das ist doch klar, dass ich mich danach bei Tanja, Steffi und Ramona ausheulen musste!"

Es ist auch allgemein bekannt, dass ich angeblich mit allen FSLerinnen und Praktikantinnen was hätte. Ich hatte nen Date mit einer (die noch nicht mal bei uns inner Klinik gearbeitet hat) und prompt heisst es bei jeder neuen Praktikantin sofort: "Und Ryan? Wär die was für dich?" Gut, ich hatte viele Dates in den letzten 1,5 Jahren, in denen ich Single war. Und auch viele Abstürze - der Durchschnittsdeutsche (hab ich neulich gelesen), hat 7,2 Sexualpartner in seinem Leben. Da bin ich defintiv drüber - alleine im letzten Jahr. Und eigentlich bin ich gar nicht der Typ für sowas - ich bin auch echt nicht stolz auf meine Abstürze. Ich hab nen wunderschönes Zitat gefunden von Goethe:

"Du verklagst die Frau. Sie schwanke von einem zum anderen?  - Tadle sie nicht, sie sucht nur einen beständigen Mann."

Das trifft es. Klar kann man(n) das immer im nachhinein sagen und Männer sind ja eh alle gleich und ... ja genau, das isses. Vielleicht hat sie auch irgendwie Angst mit so nem "Helden" wie mir was anzufangen. Jeder Mann kann einer Frau die große Liebe beichten - aber wie sagt man ihr, dass es wirklich so ist? Und nicht nur so für eine Nacht. Sondern so "Ich möchte immer mit dir Händchenhaltend durch die Gegend laufen" - "Ich möchte dich dauernd bei mir haben und nicht loslassen müssen" - Sie ist so nen Mensch, bei dem ich echt voller Optimismus sagen kann: Du löst was in mir aus, dass ich ein besserer Mensch sein möchte. Es ist so kitschig und so sülzig und so alles, was ich sonst gar nicht bin ... und wie ich mich auch nicht kenne. Ich möchte, dass sie mich kennt mit allem - mit meinen Problemen, meiner Vergangenheit und allem was ich für sie fühle. Ich möchte, dass sie der erste Mensch ist, den ich sehe und der letzte, wenn ich einschlafe. Und stundenlang wachliegen nur um ihr beim schlafen zuzusehen. Und ich möchte ihre Familie kennen lernen, ihre Eltern, ihre Geschwister, mit ihren Großeltern Kaffeetrinken und so nen Kram. Ich stell mir solche Sachen grade so toll vor - und merke wie verknallt ich bin.

Ich bin ja immer der Meinung, dass man/frau sich in sowas reinsteigern kann - diesmal hab ich es nicht versucht und es ist so gekommen. Ich war auch immer ein großer Redner mit dem Satz "Dann musst du dich eben entlieben" und grade bei mir selbst scheint es nicht zu klappen. Kein Stück, mit jeder zufälligen Berührung wird es schlimmer.

Wir haben uns noch nicht mal geküsst - ich weiss gar nicht wie sie küsst, von allem anderen mal abgesehen. Aber wie erklärt man das? Wie gesteht man, dass es einen zerreisst, wenn man nur umarmt wird bei jeder Verabschiedung? Ich weiss es nicht.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenChrimel schreibt am 22.04.2007 um 14:20 Uhr:Vielleicht ist es jetzt einfach Zeit für Veränderungen? Zeit, deine Extreme und die Unausgeglichenheit abzulegen und ein neues Leben zu beginnen, mit Steffi?
    Mach Dir nicht so viele Gedanken über andere und was andere wohl sagen werden. Denn Ausreden, es nicht zu versuchen, findet man immer.
    Und letztlich schaffst Du es doch, Deine Gefühle auszudrücken und zu sagen, was in Dir vorgeht. Zumindest uns gegenüber. Aber es funktioniert zumindest. Jetzt mußt Du nur noch einen Weg finden, es ihr auch zu sagen. Sag ihr, was Dich bewegt, was in Dir vorgeht. Wenn ihr wirklich so gut befreundet seid, solltet ihr über alles reden können und sie sollte es auch verstehen. Und sie scheint Dir ja nicht abgeneigt zu sein, nur wahrscheinlich ebenso schüchtern wie du.
    Oder wenns mit dem Reden nicht funktioniert, schreib ihr einen Brief. Schreib Dir von der Seele, was Dich bewegt. Das wird denke ich nicht dazu führen, daß Eure Freundschaft in die Brüche geht.

    Nur es muß eben mal was passieren. Oder willst Du jetzt noch Wochen, Monate, Jahre weiter leiden????
  2. zitierenStrawberry84 schreibt am 22.04.2007 um 18:34 Uhr:Ich lese nun seit Monaten dein Blog und muss auch mal was sagen.
    Findest du nicht, dass deine Traumfrau es auch mal verdient hat, zu wissen, dass es auf dieser Welt eine Person gibt, die sie so schätzt, verehrt, ja sogar vergöttert wie du?
    Mittlerweile dürfte ja klar sein, dass sie einer Beziehung mit dir nicht abgeneigt wäre. Aber was ist, wenn sie irgendwann das Warten aufgibt? Irgendeiner muss mal den ersten Schritt tun. Was machst du, wenn sie eines Tages aus lauter Frust mit einem anderen Typen was anfängt? Mit nem Typen der sie vielleicht schlecht behandelt oder einfach nicht so liebt, wie du sie liebst?
    Du versteckst dich hinter tausend Gründen, warum du keine Beziehung mit ihr haben kannst. Die Prüfung, deine Selbstzerstörung, eure Freundschaft die kaputt gehen könnte. Du willst nur das Beste für sie und um nichts falsch zu machen, machst du lieber gar nichts.
    Aber das ist Schwachsinn.
    Wenn du wirklich das Beste für sie willst und sie so liebst, wie du in deinem Blog schreibst, dann geh jetzt zu ihr und sag ihr was los ist.

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