Boys don´t cry

16.03.2008 um 01:05 Uhr

Der schlimmste Job der Welt

von: Ryan

Musik: Green Day

Ich weiss gar nicht was ich schreiben soll, aber irgendwie sollte ich mal wieder Tagebuch schreiben - allerdings passiert im Moment so rein gar nichts, was irgendwie interessant sein könnte.

Ich arbeite - viel und dauernd. Kaum hab ich mal ein Wochenende frei (ich mein, ich arbeite eh von 4 Wochenenden im Monat 3 und zwischendurch ja auch noch), und an dem einzigen freien Wochenende, was ich habe, habe ich auch noch Rufbereitschaft. Dauernd der Blick aufs Handy, braucht mich die Station? Muss ich jetzt kommen? Es ist furchtbar.

Ich arbeite nur noch - ich schäme mich langsam aber sehr sicher. Nur arbeiten - und wenn ich mal einen Tag frei habe, dann verschlafe ich diesen, weil ich so erschöpft und müde bin, dass ich nicht aufstehen mag.

Meine Freundin war gestern Abend bei mir und sie sagte so Sätze wie: "Ich mache mir Sorgen um dich. Du bist dauernd müde. Du wirkst immer unzufrieden und erschöpft." Und das Schlimme: Sie hat recht. Ich bin immer unzufrieden und erschöpft.

Und kein Mensch kriegt das scheinbar mit - zumindest nicht die, die es mitkriegen sollten, also unsere Bosse, die da so alles organsieren und was zu sagen haben. Kein Lob, kein Danke, nix. Ich krieg nur aufm Deckel, wenn irgendwas schief läuft. Aber wenn ich die schlimmsten Schichten meistere, kriegt das keiner mit. Keiner kriegt mit, dass ich mittlerweile wieder 70 Überstunden angesammelt habe, dass ich irgendwie immer da bin, dass meine freien Tage aus dem Dienstplan gestrichen werden, dass ich die meisten Nachtdienste mache, dass ich die Fehler meiner Kollegen ausbügeln muss ... es kotzt mich alles so an und mittlerweile bin ich an dem Punkt, an dem selbst ich sage, dass meine Talent Perlen vor die Säue ist.

Ich mein, ich bin gut und ich weiss das auch ganz genau. Und mein Talent besteht nicht darin, dass ich es schaffe 17 Patienten innerhalb von einer Stunde umzuziehen, die Schutzhosen zu wechseln und allen Blutdruck zu messen und nebenbei noch nen bisschen nett zu sein und die Akten zu kontrollieren.

2 Wochen noch und dann werde ich versetzt - auf eine Station, die sich von der Arbeit her nichts nimmt, aber vielleicht tut mir einfach das andere Klima sehr gut. Und dann schauen wir weiter. Mittlerweile bin ich wirklich so unzufrieden und angenervt, dass ich kündigen möchte. Einfach nur raus und woanders hin, wo man erkennt, was ich leiste, was ich in Extremsituationen leisten kann und was ich alles weiss fachlich.

Meine Freundin sagte gestern: "Im Moment lebst du um zu arbeiten und nicht andersrum!" Und es ist ja leider auch so. Ich schöm mich fast, dass ich immer tue als habe ich den schlimmsten Job dieser Welt, aber im Moment kommt es mir so vor. Ich bleibe pro Tag mindestens ne halbe bis ne ganze Stunde länger und schaffe trotzdem nur das Nötigste. Wann hab ich das letzte Mal nem Patienten die Zähne geputzt am Abend? Ich kann mich nicht erinnern ...  Satt und sauber ... anders geht gar nicht. Alle müssen ne neue Schutzhose anhaben, halbwegs saubere Nachthemden, im bett sein und ihre Schlaftabletten geschluckt haben ... und nen vollen Bauch vom Abendbrot und eventuell ne Infusion, weil sie zu wenig getrunken haben, aber mehr schaffe ich nicht.

Ich habe seit Wochen wieder keine Pause machen können in meinen Diensten und ich hab eigentlich Anrecht auf ne halbe Stunde Pause pro Schicht ... Aber das kriegt auch keiner mit und keiner reagiert auf meine 70 Überstunden. Wenn nicht sogar mehr, denn ich bin seit Wochen zu faul um meine neuen Überstunden dazu zu rechnen. Es nervt mich alles so an ...


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