Boys don´t cry

12.02.2011 um 15:39 Uhr

Eigentlich - und uneigentlich

von: Ryan

EIGENTLICH war der Eintrag von gestern fast zu euphorisch - stelle ich bin erneuten lesen heute fest. Eigentlich ist grade alles ganz gut. Ich glaube, den Großteil meines Burn-outs hab ich hinter mir. Aber irgendwie ist dann doch mal wieder einiges im argen.

Die Arbeit kotzt mich im Moment mal wieder mehr als gewöhnlich an. Irgendwie ist mal wieder auf Station Katastrophe. Nur alte, verwirrte, anstrengende Patienten. Einer alleine kann einen die ganze Schicht beschäftigen - und von der Sorte haben wir nen dutzend. Also Überstunden vorprogrammiert. Die Organisation ist auch mal wieder grottenschlecht - noch mehr Überstunden, keine Pausen, zuhause halbtot ins Bett fallen. Nee, das ist echt uncool und doof. Aber ich nicht der einzige der angenervt ist, meinen Kollegen gehts haargenauso.

Meine Feierei - eigentlich positiv - aber nachdem ich letztes Jahr fast gar nicht gefeiert hab, hole ich jetzt alles doppelt und dreifach wieder auf. Im Januar war ich auf der Reeperbahn in nem Club mit Freunden feiern. Zu meiner Vereidigung: alle waren sternhagelvoll, ich war lange nicht der Besoffenste von uns. Aber ich hab´s geschafft im Suff ne Treppe runterzufallen, dass ich mir so derartig die Schulter und den Arm geprellt hab, dass ich den nächsten Tag damit mal die Notaufnahme besuchen musste. Mal ganz davon zu schweigen wie der blaue Fleck aussah noch Wochen später.

Mit Steffi läuft´s auch grade nicht so gut. Wir mögen uns noch sehr, aber wir leben irgendwie so nebeneinander her. Wenn sie frei hat, muss ich arbeiten und andersherum. Zum Beispiel hat sie grade Nachtdienst, ich feier den Geburtstag meiner besten Freundin. Das heisst wir erleben irgendwie kaum was zusammen. Sie ist schon echt nörgelig, weil ich dauernd unterwegs bin und sie nie mit kann. Gut, sie war jetzt auch auf Feiern und Geburtstagen, an denen ich Nachtdienst geschoben, an denen ich aber auch gerne teilgenommen hätte.

Ja, und wie es dann so ist: Ich bin mal wieder unzufrieden mit irgendwie allem. Keine Ahnung warum. Ich finde vieles im Moment doof: dass Steffi dauernd tagsüber schläft, weil sie nur Nachtdienste macht, ich find meine Arbeit grade doof, ich find doof, dass meine Lieblingskollegin gekündigt hat, ich find mein Handy doof, weil das dauernd abstürzt, ich find meine Tiere doof, weil die im Moment viel beissen, ich find das Wetter und die Jahreszeit doof, weil ich mir zu dunkel und zu kalt ist ... ich könnt stundenlang so weiter machen.

Und dann bin ich auch schon wieder so zerrissen und widersprüchlich zu mir selbst. Ich liebe Steffi und möchte mit ihr zusammen bleiben, am besten für immer. Würde ja auch nix im Weg stehen, aber ich bin ja wieder doof. Ich fang mal von vorne an: Ich hab Leute kennengelernt. Ne Wohngemeinschaft, die sind super nett, eine Wellenlänge, hören die gleiche Musik wie ich, mein Alter, wohnen im Nachbarhaus. Und ich hab rausgefunden, dass unser Nachbarhaus Party-Zone Nummer 1 in unserem Stadtteil ist. Da wohnen halt mehrere WG´s, wie gesagt alle mein Alter, super nett, super witzig. Wenn mir abends langweilig ist, sitze ich nicht mehr vorm Rechner, sondern klingel mich einmal durch´s Nachbarhaus - irgendwer ist schon zuhause und hat Bock "abzuhängen". Mittlerweile bin ich schon mit einigen so dicke, dass wir dauernd zusammen frühstücken, gegenseitig CD´s brennen und so ´nen Kram. Silvester haben wir zum Beispiel unsere Partys alle zusammen gelegt in eine Wohnung und hatten plötzlich eine große Party mit über 100 Leuten. Ist super cool, ich find´s klasse. Ich bin eh nen geselliger Mensch, ich komm aus ner Großfamilie, ich mag sowas total gerne.

Jetzt kommt das Problem: da gibt´s nen Mädchen, sagen wir mal sie heisst Melli. Ich mag sie super gerne - und wir sind betrunken so ein wenig "abgestürzt". Wir haben uns nicht geküsst, wir hatten keinen Sex, wir haben uns nicht komisch angefasst, nix! Aber es hat geknistert wie Hölle. Und das wissen wir beide, und sie hat mir jetzt auch gesteckt, dass sie sich ´nen bisschen in mich verguckt hat. Sie weiss, dass ich ne Freundin hab und sie sagt auch, Treue sei in einer Beziehung alles und sie legt es auch auf nix an. Ich glaub, sie ist eher so nen Mensch, der so nen Typen wie mich von der Bettkante schubbsen würde, weil sie weiss dass ich liiert bin. Aber trotzdem verbringen wir viel Zeit miteinander, wir sehen uns schon echt täglich - und wenn auch nur auf ne Zigarette. Aber es ist irgendwie echt ne komische Situation und ich denke halt viel drüber nach. Warum bin ich mit Steffi zusammen? Liebe ich sie, oder ist das Gewohnheit? Ich bin echt nen Mensch mit super großen Verlustängsten - ich konnte meine Exfreundin damals auch nicht loslassen emotional obwohl die Beziehung schon lange tot war. Wieso finde ich andere Leute attraktiv? Oder ist das einfach normal, wenn man ne Libido hat, dass man auch mal andere Leute toll findet? Alles verwirrend.

Wie gesagt, ich denke viel nach, liege viel wach nachts, schlafe wenig. Und heute ist schon wieder ne Party, Steffi ist schon wieder nachts arbeiten, und bei Melli ist heute auch Party. Und wir beiden sind zum vorglühen verabredet, bevor unsere Leute kommen. Wie immer eigentlich. Im Moment ist es wirklich immer so. Nur ich hab mir heute vorgenommen mich nicht so umzuballern wie sonst. Ich bin in letzter Zeit viel zu oft mit ´nem dicken Kopf aufgewacht. Drückt mir die Daumen!

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenmiry schreibt am 12.02.2011 um 19:57 Uhr:Zu dem Beziehungsproblem ist momentan ein sehr schöner Artikel (wie ich finde) in der Februarausgabe der NEON zu lesen. Ich zitiere:
    "Unendlich viele Beziehungen zerbrechen daran, dass man im Modus des Bleibens plötzlich jemanden trifft, mit dem man in den Modus des Verknalltseins verfallen möchte. Und sich die Illusion macht, dass mit dem neuen Menschen eine Art dauerhaftes Verliebtsein realisierbar wäre. [...] Matthias [der Neue] passte überhaupt nicht besser zu mir als Sebastian, ich kannte ihn nur schlechter. Nach einem Dreivierteljahr verließ er mich für eine Andere.
    Was die Suche nach dem richtigen Menschen so schwer macht, ist der Widerspruch zwischen der theoretisch unbegrenzten Wahlfreiheit und dem Anspruch, den wir an unsere Beziehungen stellen. [...]
    Weil ich begriffen habe, dass jede Beziehung, so gut sie sich am Anfang anfühlen mag, kaputtgehen kann, und es auch eine Sache des Wollens ist, eine Partnerschaft am Leben zu erhalten. Liebe ist eine seltsame Pflanze, die am Anfang von alleine wächst und später ständig gedüngt werden muss."
  2. zitierenRyan schreibt am 13.02.2011 um 04:46 Uhr:Danke für deinene Kommentar, Miry. ich hab den Artikel auch gelesen (ich hab nen Abo). Aber er erklärt einiges, glaube ich. Danke auf jeden Fall!

Diesen Eintrag kommentieren