Boys don´t cry

01.02.2007 um 21:59 Uhr

Ein Tag, der kickt

von: Ryan

Heute war nen seltsamer Tag. Obwohl ich dachte, ich wäre in einer stabilen Lage, hab ich heute wieder festgestellt, wie schnell sich dies ändern kann. Eine kleine Erinnerung hier und ein Wort zu viel reicht aus, dass mir die Tränen in die Augen steigen. Aber: Boys don´t cry. Tränen runterschlucken und warten bis sich die Anspannung im Körper löst. Nicht weiter drüber nachdenken woher man kommt und dass man nicht das ist was man zu sein scheint für seine Umwelt. Nicht ins Gedankenkarussel einsteigen, Augen zu und durch. Und irgendwann wurde es auch besser.

Und trotzdem habe ich das Gefühl, dass es mir wahnsinnig nachhängt wie ein Kater nach einer durchsoffenen Nacht. Ich bin wieder in meiner unendlichen Unzufriedenheit drin. Ich möchte am liebsten heulen und schreien, weil ich mich so einsam und alleine fühle. Und vor allem: irgendwie ungeliebt. Gut, mich mögen viele Leute, aber vieleicht ertragen sie mich auch nur, weil sie nicht anders können. Es ist eigentlich unpassend sowas über seine Freunde zu denken, aber ich bin so wahnsinnig empfindlich. Ich mag mich selbst so wenig, dass ich es kaum für vorstellbar halte, dass es jemand anderen anders geht als mir. Vielleicht male ich im Moment auch nur deswegen soviel, weil ich mir unterbewusst erhoffe, dass jemand mich zu wertschätzen weiss, wenn er merkt, dass ich halbwegs Talent habe. Ich arbeite so hart, damit meine Kollegen mich aufgrund meiner Arbeit zu wertschätzen lernen. Ich achte deswegen so auf mein Äußeres, damit die Leute mich nicht noch aufgrund dessen hassen können. Ich achte auf mein Essverhalten, damit niemand sagen kann: "Ryan ist aber ganz schön in die Breite gegangen." Zumindest kommt es mir im Moment alles so vor. Als ob ich ein Nichts wäre, nichts könnte und es nichts liebenswertes an mir geben würde. Und genau auf diese Behauptungen bin ich heute gestossen, als ich in meine Vergangenheit blicken durfte. Mir wurde das Jahre lang erzählt und niemand hat mir gesagt, dass das alles nicht wahr ist und nur die dummen Behauptungen eines Alkoholikers, der alles und jeden runterputzen muss, um sein kleinen Rest Selbstachtung zu behalten.

Super viele Leute sagen immer, dass ihre Kindheit wahnsinnig schön war, unbeschwert, man muss sich um nichts Sorgen machen. Die Probleme fingen dann erst mit der Verantwortung und dem Erwachsenwerden an. Ich hab nen sehr guten Freund, der immer mal wieder seufzend in melancholischen Momenten sagt: "Ich wäre so gerne nochmal Kind."

Bei mir ist das anders, ich würde nie wieder in meinem Leben Kind sein wollen. Zumindest nicht das Kind unter den Umständen wie es früher war. Ich war unglücklich, ängstlich, allen lässtig, alleine und völlig verlassen. Und es war schön erwachsen zu werden und zu merken, dass ich unabhängig von dem ganzen Familienchaos sein kann. Und dass ich mir selbst helfen kann, wenn es schon kein anderer tut. Die einzig schöne Zeit in meinem Kindheit war als meine kleine Schwester geboren wurde. Da war irgendwie mal alles ganz harmonisch - für ne kurze Zeit.

Und um nochmal was positives zu sagen heute: Obwohl mir echt elend war und ich mich bedrückt und furchtbar klein und ungeliebt fühle, hab ich irgendwie geschafft den Tag "normal" durchzustehen. Ich hab zuviel gegessen, vor allem von meiner Schokolade und mein Marmeladenglas - und ich fühlte mich so elend und fett und mir war echt so nach Kotzen wie lange schon nicht mehr ... und ich dachte mir: "Nee, ein Rückfall und du bist wieder drin. Du willst das nicht, das geht nicht mehr, du willst gesund sein, ich will´s nicht." An den meisten Tagen fällt es mir leichter normal zu essen und nicht zu kotzen, und heute fiel mir beides extrem schwer. Aber ich will´s schaffen.

Und mir wird heute mal wieder klar, warum ich diesen Blog führe - weil ich das Gefühl habe, dass ich mit niemanden reden kann. Alle halten mich für so selbstbewusst, offen, freundlich, humorvoll und bla bla und ich hab Angst, dass ich Freunde verliere, wenn ich mit "meiner persönlichen Wahrheit" rauskomme. Nen bisschen hab ich auch Angst, dass ich dann zu sehr in Selbstmitleid verfalle, wenn ich so nen Rückblick bewusst veranstalte. Ich zwinge mich schon sehr die meiste Zeit nach vorne und nicht in mich hinein zu blicken. Und andere Leute, die mehr von mir wissen geben mir ständig das Gefühl, dass sie es nicht ertragen, wenn ich die Frage "Wie geht´s dir?" wahrheitsgemäß beantworte. Oder sie fangen sofort an mit: "Also bei mir ..." und ich funktioniere wieder als seelischer Mülleimer. Und dann krieg ich so Sätze an den Kopf geschmissen wie: "Und mir gehts gut, oder was?" - und ich möchte in solchen Moment ein einziges Mal richtig explodieren und sagen: "Es geht hier mal NICHT UM DICH!" Es geht immer um die anderen - weil sie es von mir erwarten - weil ich es so gewohnt bin und mein Selbstbild sich nicht in einen totunglücklichen, selbstmitleidigen, egoistischen Idioten verwandeln soll, der sich jeden Tag dreimal fragt wie sein psychischer Zustand ist um ihn dann auch genau für alle definieren zu können. Nein - auf der anderen Seite hab ich das Gefühl, ich höre allen immer nur zu und ich bleibe selbst sehr auf der Strecke - aber es fällt mir unglaublich schwer bei dieser Sache einen Mittelweg zu finden.

Soviel dazu ... Blogigo, die seelische Müllhalde für verkappte Spinner wie mich ... ich hab grade beschlossen mir ein hochkalorische Bier der Marke Astra aufzumachen, dieses zu trinken, obwohl wir Donnerstag Abend haben und ich keine Zeit mehr habe die überschüssigen Kalorien abzubauen ... und dann werde ich ganz einfach nur schlafen gehen - und morgen sieht mein Leben wieder ganz anders aus.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenLast_Chance schreibt am 01.02.2007 um 22:52 Uhr:Ja, das kenne ich auch, dieses Gefühl>Und andere Leute, die mehr von mir wissen geben mir
    ständig das Gefühl, dass sie es nicht ertragen, wenn ich die Frage "Wie geht´s dir?" wahrheitsgemäß beantworte. Oder sie fangen sofort an mit: "Also bei mir ..." und
    ich funktioniere wieder als seelischer Mülleimer.<.... und dann bin ich nach Hause gegangen,
    habe in mein Kopfkissen gebissen und innerlich laut geschrien - über den Schmerz in mir!
  2. zitierenannala schreibt am 18.02.2007 um 00:01 Uhr:ich bin auch im club dabei - wir paar arme leutchen.
    ich bin gerne ein seelischer mülleimer - geteiltes leid ist halbes leid!

    deine einträge sind immer schön

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