Boys don´t cry

09.04.2006 um 12:03 Uhr

Ein freier Tag

von: Ryan

Arbeiten ist schon echt anstrengend. Ich hab wirklich diese körperliche Erschöpfung vergessen. Ich hab jetzt 6 Tage am Stück gearbeitet, ich komme aus dem Krankenhaus raus, mir tun die Füsse weh, versuch in der U-Bahn einen freien Platz zu ergattern um mich hinzusetzen, komm nach Hause und irgendwie war da auch nicht mehr viel mit mir anzufangen.

Steffi hat das einen Tag gemerkt, an dem ich gar nichts mehr sagen konnte. Ich hab schon um 19.00 auf der Couch gesessen und hab gegen die Müdigkeit angekämpft.

Eigentlich macht die Arbeit großen Spaß. Ich kann wieder meine medizinischen Fähigkeiten ausbauen, spritzen, Infusionen anhängen, Drainagen anhängen, OP Vor- und Nachbereitungen, Verbände wechseln, kaum Sachen wie Waschen - genau mein Ding.

Die Patientinnen sind sehr nett und freundlich. Allerdings grade Gynäkologie ist irgendwie ... nicht ganz einfach. Wir haben viele Brustamputationen, Ausscharbungen nach Fehlgeburten und ähnliches. Das Härteste war ein junges Mädchen von 14 Jahren, die ne Ausscharbung nach ner Totgeburt hatte. Mehr Kind als junge Frau, im Alter meiner kleinen Schwester. Da passt man dann schon noch ne Ecke mehr drauf auf, dass es so "angenehm" vor sich geht wie möglich, wenn man überhaupt von angenehm sprechen kann. Ein bisschen mehr Händchenhalten, ein wenig mehr auf Intimsphäre achten - ich hab nen Lob gekriegt, weil ich die Kleine noch direkt vorm OP zum Lachen gekriegt hab.

Irgendwie hab ich sehr hohe Erwartungen an mich selbst. Ich bin einen Tag zum Beispiel völlig sauer und geladen nach Hause gekommen, weil ich "nur" Blutdruck messen durfte und Bettmachen. Irgendwie war das unter meinem Nivaue - gut, ich bin noch in der Ausbildung, aber ich weiss, dass ich mehr kann. Vielleicht war das auch der Fehler von meinem vorrigen Stationen, dass mir zuviel zugemutet wurde - da hab ich ja ne Schicht lang meine festen 10 Patienten gehabt, die ich ganz alleine zu versorgen hatte - und ich hab ALLES gemacht bis auf Medis und Infusionen.

Und jetzt sagt mir die Station: "Okay, du bist inner Ausbildung, du brauchst hier keine Verantwortung zu übernehmen - du sollst in erster Linie mitgehen, lernen und wir sind ganz stolz auf dich, wenn du zum Ende hin 1-3 Patienten alleine versorgen kannst."

Mir juckst jetzt schon in den Fingern zu sagen: "Gib mir Zimmer 1 bis 3, ich mach die alleine und die stehst daneben und guckst ob ich alles richtig mache." Aber ich weiss nicht ob die dann denken, dass ich mich eventuell überlade.

Jetzt fällt mir ein, dass ich noch ne Freundin anrufen wollte, die grade mit der Ausbildung angefangen hat. Neugierig fragen wie es so bei ihnen abläuft.

Ansonsten hab ich mir für meinen freien Tag ne Menge vorgenommen, Abwaschen, Wohnung putzen (mein Zimmer sieht aus wie sau, weil ich nach der Arbeit zu nichts mehr komme), in mein Zettelchaos Ordnung bringen, kochen und abends kommt Steffi.

Ich hab mir diese tolle Bebe Holiday Skin Body Lotion geholt, die ist ja geil ... an den Beinen schlägt das Zeug am besten an, aber auch so mit den weissen Klamotten und den gebräunten Armen ... das sieht total toll aus.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenno_name schreibt am 10.04.2006 um 14:56 Uhr:Ja die Gynokologie ist sicher ein spezielles Gebit / Abteilung. Kann mir schon vorstellen das man da anders mit den Patientinnen umgehen muss als auf einer Normalen Station.



    Aber ich könnte mir vorstellen das auf der IPS noch mehr geschaut werden muss. Also doch noch etas tiefer geht das ganze. Da findet man alles, von jung bis alt, Mann und Frau, Krankheit, Unfall.... und da wird man auch am meisten mit dem Tod konfrontiert und ich denke das da nicht jeder zu gemacht ist, da zu arbeiten.



    Auf der gynokologischen hast aber viel freudiges, neues Leben wird geboren, Glückliche mütter udn Väter. Ja sicher, nicht immert aber sehr oft. Und ich denk so viel Glücksmomente findet man auf der IPS nicht.



    Aber egal.... wenn man sich wirklich in die Patiennten einfühlen will, kostet es so oder so viel Einfühlungsvermögen. Und ja, das kann sehr anstrengend sein. Vielleicht noch anstrengender als die körperliche Arbeit.



    Gruss und viel Kraft und Mittgefühl für deinen Job.



    Lieber Gruss no name

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