Boys don´t cry

23.05.2008 um 21:34 Uhr

Hässliche Dienste mit einem fiesen Typen

von: Ryan

Schreckliche Woche, hoffentlich schönes Wochenende. Die Arbeit kickt mich im Moment so sehr, es ist stressig chaotisch oder wie meine Oma (die olle Krankenschwester) immer sagte: "Ein hässlicher Tag."- jeden Tag wieder. 20.000 Sachen zu erledigen mit zu wenig Leuten, zuviele Patienten, zuviele Aufnahmen, zuviele Versorgungsprobleme, zuviele viel zu alte Leute, die viel zu krank sind. Zu wenig Ärzte, die zuviel Arbeit haben und noch weniger Schwestern, die zuviel organisieren und managen müssen. Zuviel was nicht klappt, zuviele Leute, die pampig reagieren und zuviel Telefon-Geklingele nebenbei.

Ich wusste heute morgen nicht, wie ich all die Dinge, die ich zu erledigen hatte, umsetzen sollte als ich meinen Dienst begonnen hab - aber ich hab´s gut gewuppt. Ich weiss nicht wie, aber es hat geklappt. Vielleicht ist auch genau DAS das Problem. Trotz Personalmangel laufen die Dinge irgendwie doch ganz gut, weil jeder all seine Energiereserven mobilisiert und Hackengas gibt. Über 8 Stunden lang voll durch powern - aber es hat geklappt.

Ich bin mal wieder unzufrieden - alle sind chronisch unzufrieden im Moment. Dank stark-koffeinhaltiger Getränken bin ich nicht all zu kaputt. Aber irgendwie muss sich was ändern - ich merke selber mittlerweile, dass ich so gnadenlos gereizt bin. Das ist mir heute echt ganz stark aufgefallen. Ich musste zu jedem Kleinscheiss, der nicht der rede wert ist, meinen unqualifizierten Kommentar dazugeben. Ohne nachzudenken, einfach Druck ablassen - boah, wie ich so ne Leute hasse und jetzt bin ich selber so. Zu den Patienten versuche ich wirklich immer nett und freundlich zu sein, aber sobald mich nen Kollege "anpickst", knall ich ab. Ich muss mich dringend zusammenreissen und nicht alles, was mir so über die Leber geht, darf ohne durch den Kopf zu gehen in meinen Mund gelangen. Ich hab so ein vorlautes Mundwerk gekriegt - gut, hatte ich schon immer - aber im Moment bin ich unüberlegt und ungerecht und echt fies.

In meinem Tag war heute irgendwie alles: Notfälle, zuviel Krankheiten, jammerige Omas, zornige Opas, zickige Mitarbeiterinnen - aber ich war die Oberzicke und mittlerweile bin ich auch einer, der das Feuer im "Hexenkessel" am lodern hält. Klatsch und Trasch, Lästereien, ich bin immer mitten drin und hab zu allem ne Meinung - ich könnt kotzen. Mein Perfektionismus macht den Rest - die Kollegen, die nicht so schnell und "vollständig" arbeiten wie ich, sind sofort doof, faul und keine Ahnung was. Ich ärger mich auch sofort wenn was nicht läuft, bzw. ne Kollegin das nicht zuende bringen kann, was ich angefangen hab zu organisieren. Oder noch schöner: Die Nachtschwester: "Der Spätdienst hat gestern sogar noch diese und jene Untersuchung organisiert." Ich hab empört aufgeschrien: "Nein, das war ich!" Ich bin sofort beleidigt und stinksauer. Wegen NIX. Ist doch scheiss egal ... hauptsache der Ablauf stimmt - nein, Ryan macht die oberbeleidigte Leberwurst für ne halbe Stunde wegen so nem Kleinviehmist. Macht mich die Arbeit zu dem fiesen Kerl oder bin ich einfach so ne gemeine Nudel von Natur aus? Ich bin froh, dass ich frei hab ...

Am Wochenende hab ich nur schöne Dinge geplant. Morgen ist grillen mit Freunden angesagt - ich freu mich so sehr darauf. Alle ewig nicht gesehen, tausend Sachen zu erzählen. Im Moment warte ich auf Steffi, die vom Spätdienst zu mir kommt - auch seit über 4 Tage nicht gesehen und noch viel, viel länger keine Nacht mehr neben ihr geschlafen. Ich fühle mich ausgehungert nach sozialen Kontakten, die über den Stationsalltag hinaus gehen. Ich brauche vernünftige und gesunde junge Menschen um mich herum. Und nen Bier. Ich freu mich auf nen kaltes Bier heute Abend.

Hab ich erwähnt, dass Steffi und ich genau 1 Jahr zusammen sind? Ja, es ist schon 1 Jahr her - ein ganzes Jahr wie im Flug vergangen.

Was macht mein "Buch"? Ich hab Ideen und ich hab mich sogar dazu durchgerungen einige Seiten zu schreiben - aber ich finde es beim wiederholten Lesen immer schrecklicher und verliere zunehmenst mein Selbstvertrauen, dass ich sowas wirklich auf die Reihe kriege und noch viel mehr: Es wirklich durchziehen. Ich werd´s erstmal als Freizeitprojekt betrachten - alles andere würde mich zu sehr unter Druck setzen Ich setze mich ja gerne unter Druck und dann klappt so nen Projekt wie "Selbstverwirklichung" erst recht nicht.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitiereninge schreibt am 23.05.2008 um 22:40 Uhr:glückwunsch zum einjährigen!! genieß das wochenende und ruh dich aus! ich glaube schon, dass man unter dem stress, unter dem du arbeitest automatisch irgendwann so "gemein" wirst.... da muss sich doch echt bald mal was ändern....

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