Boys don´t cry

17.05.2010 um 01:08 Uhr

I don´t know, what to do with myself

von: Ryan

Es ist furchtbar. Nein, ich bin furchtbar. Es ist furchtbar wie ich mich fühle, wie ich mich verhalte ... ich weiss einfach nicht weiter. Ich stehe auf - möglichst spät, damit ich nicht soviel von meiner Depression mitkriege. Dann versuche ich irgendwas sinnvolles zu machen, zum Beispiel duschen und frühstücken. Aber alles fällt mich unendlich schwer. Und gleichzeitig bin ich wahnsinnig unkonzentriert. Ich denke etwas, oder plane etwas, und plötzlich ist es weg. Einfach so weg. Der Gedanke, den ich grade gedacht hab. Ich kann mich nicht konzentrieren. Furchtbar. Selbst wenn ich nicht dauernd anfangen würde zu weinen, würde ich nicht arbeiten. Ich hätte große Angst, dass ich durch meine Unkonzentration richtig großen Mist machen würde. Richtig große Fehler auf der Arbeit. Und ich würde es nicht mal mitbekommen.

Ich fühle in meine Brust hinein - ich soll das regelmäßig machen, sagt mein Therapeut. Und ich soll es zulassen. Mit all der Härte, die es mit sich bringt. Aber grade jetzt geht das nicht. Ich fühle in mich rein und es ist so unerträglich, dass ich es nicht weiter zulassen kann. Unruhe, wahnsinnige Unruhe. Mein Herz schlägt zu schnell und ich bin unruhig. Fast schon getrieben. Aber mein Körper ist gleichzeitig träge. Ein furchtbarer Zustand. Ich versuche, um es Chris und Steffi zu erklären und mir selbst natürlich auch, es mit einer Wetterlage zu beschreiben. Manchmal scheint die Sonne und es ist ein wenig windig. Das ist okay und aushaltbar. Wenn ich traurig bin, regnet es in meiner Brust. Wenn ich depressiv bin, regnet es dauernd dicke fette Regentropfen, und der Himmel ist tiefdunkel. Und wenn ich unruhig bin, dann ist es windig. In den letzten Tagen wechseln sich Dauerregen und sturmflutartige Regenschauer ab. Sturmflut - und Orkanwarnungen wechseln sich dauernd ab. 

Und neurotisch bin ich auch. Ich hab nen paar wichtige Dinge vor mir, morgen. Ich muss organisieren, dass ich nicht arbeiten kann. Also zum Arzt und krankschreiben lassen. Aber wie soll man jemanden erklären was los ist? Das wird mir schwer fallen. Ich stell es mir furchtbar vor mal wieder zu meinem Hausarzt zu gehen und ihm zu erklären wie es in mir aussieht. Ich mag das nicht mehr. Ich möchte nur, dass es mir gut geht. Aber das ist im Moment nicht so. Aber ich mag mich nicht dauernd erklären. Ich mag meinen Seelenzustand nicht mehr offenlegen. Und noch schlimmer: Das Offenlegen muss ich auch noch bei meiner Geschäftsführung. Ja, das werd ich müssen. Ich muss die noch anrufen morgen. Und meinen Urlaub beantragen. Unbezahlt natürlich. Wäre okay für mich. Alle sagen, ich soll das nicht machen, aber ich hab´s überlegt, und es wäre fairer meinem Team gegenüber, da die dann wen anderes einstellen können auf meinem Gehalt. Ja, ich denke, das wäre fair. Obwohl schon ne Kollegin sagte: "Krank ist krank, lass dich nicht übern Tisch ziehen, du hast Anrecht auf Lohnfortzahlung, das ist total kurupt dich in nen unbezahlten Urlaub zu schieben." Aber ich denke, ich mach´s. Nun die Frage, über die ich mir heute schon mein verschusseltes Gehirn zerbreche: Wie lange? 4 Wochen müssten es schon sein. Oder länger? Das letztes Mal war ich auch 4 Wochen krank, und es hat mir nur in der letzten Woche Besserung gebracht. Und jetzt mal super igoistisch gedacht: Wenn ich 2 Monate nicht arbeiten müsste, das wäre schon irgendwie nicht-reizlos. 8 Wochen frei. Den ganzen Sommer keine einzige Schicht. Ich könnte die ganze WM durchfeiern. Jeden Sommertag im Juni und Juli draussen verbringen solange ich will. Kein Stress, keine Patienten, nix, nur ich und der Sommer. 

Chris sagt: "Mach so lange wie möglich!" Steffi sagt: "Mach so wenig wie möglich, dir fällt die Decke auf den Kopf und du drehst durch." Und beide haben recht. Aber morgen muss ich erstmal ne Menge Anrufe tätigen, schwere Anrufe mit Überwindung. Ich hasse so ne Tage. Und ich hoffe nur, dass meine Geschäftsführung nicht auf ein persönliches Gespräch pocht. Ich kann schon kaum ohne Panikattacken die Strasse hoch und runter laufen, wie soll ich da die Geschäftsführung treffen ohne mich nach 2 Minuten vor lauter Angst unter nem Tisch zu verstecken? Und dann muss ich meine Kolleginnen noch anrufen und sagen: "Hey, ich weiss, ihr habt Überstunden ohne Ende, weil ich dauernd krank war - aber ich werd in nächster Zeit nicht mehr kommen, damit ihr von euren Überstunden runterkommt. Nein, ihr werdet meinen Arbeitsplatz weiter mitabfangen. Tut mir leid, aber ich leg zuhause nen paar Wochen die Füsse hoch, wärend ihr euch den Arsch ab arbeitet." Scheiss Gefühl. Ich fühl mich so schuldig - vielleicht hab ich auch deswegen die Sturmflutwarnung in meiner Brust. Und ich hab natürlich wie schon immer in meinem Leben riesige Angst vor "Liebesentzug". Ich hab riesige Angst, dass Menschen, die ich mag, mich nicht mehr mögen könnten. Und ich würde es meinen Kolleginnen grade nicht mal verübeln - obwohl sie alle sehr verständnisvoll zu sein scheinen. Aber ich habe Angst, ich bin neurotisch, ich mache mich irre durch solche Gedanken und Ängsten. 

Und zum Psychiater will Steffi mich auch schleppen. Sie sagt, so wie ich jetzt bin, geht es nicht ohne Tabletten. Also noch ein Anruf beim Psychiater und nen Termin machen. Ich werd mir also Antidepressiva verschreiben lassen. Natürlich vorher alles wieder erklären, mein privates Seelenleben offfen legen (kotz) und er wird mir Antidepressiva verschreiben. Ich weiss noch nicht, ob ich das möchte. Aber wenn mein Psychiater denkt, dass ich es müsste, dann muss ich. 

Ich hab morgen nen schweren Tag vor mir. Ich hab ne Menge vor mir und zuwenig Antrieb oder Kraft um das alles zu schaffen. Mal davon abgesehen, dass Steffi ganz recht hat: ich muss mich beschäftigen. Mein nächstes Malen-Nach-zahlen-Bild ist unterwegs, müsste morgen ankommen. Dann kann ich wenigstens malen tagsüber und bin beschäftigt. 

 

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenausderFerne schreibt am 17.05.2010 um 05:51 Uhr:Ich moechte eigentlich keine Ratschlaege erteilen. Es ist schlimm zu lesen, wie schlecht es Dir geht. Dein schlechtes Gewissen ist mit Sicherheit auch Teil Deiner Depression.
    Ich gebe Steffi recht, es geht nicht mehr ohne Antidepressiva. ich bin kein Freund von Medikamenten, aber davon ueberzeugt, dass es Dir helfen wird.
  2. zitierenIcke schreibt am 17.05.2010 um 08:24 Uhr:btw. krank is krank und wenn du jetzt in unbezahlten Urlaub gehst setzt du Kollegen die ein ähnliches Problem haben unter Druck deinem Beispiel zu folgen...und viele können sich unbezahlten Urlaub nicht leisten. Stell dir vor jemand ist allein und hat kaum Erspartes, wie soll der mal eben 1 oder 2 Monate ohne Gehalt über die Runden bringen. (Miete, Versicherung, Essen,...)

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