Boys don´t cry

30.03.2010 um 03:15 Uhr

It´s better to burnout as to fade away

von: Ryan

Mein Zustand nervt mich schrecklich. Ich hab langsam keine Lust mehr auf krank geschrieben sein und Burn-out und den ganzen Quatsch. Ach, ich untertreibe, ich bin super ober angepisst von mir und meinem Seelenzustand. Es nervt, es ist scheisse, ich mag einfach nicht mehr. Ich hatte mal grade zwei gute Tage, in denen Steffi und ich viel unterwegs waren- und jetzt ist alles wieder wie vorher. Ich habe aus dem Nichts heraus Panikattacken und weiss nicht wohin mit mir. Es fällt mir schwer einkaufen zu gehen, es fällt mir schwer Anrufe zu tätigen. Ich möchte am liebsten den ganzen Tag nur schlafen, damit ich sowenig wie möglich mitkriege. Abends trinke ich, damit ich wenigstens ein paar ruhige Stunden am Tag habe, in denen ich nicht ober angespannt und doof in der Gegend rumlaufe.

Neulich ist mir ein Zitat besonders aufgefallen. Von Kurt Cobain: It´s better to burn out as to fade away. Mein ganzes Leben lang hab ich den Ausspruch unterschrieben. Ich kann brennen, ich kann mich sehr begeistern, ich kann fast schon mit manischer Freude etwas tun und viel investieren usw. Und es fühlt sich gut an, wenn ich so bin. Aber ich hätte nicht gedacht wie sehr es wehtut ausgebrannt zu sein.

Ich ertrag so wenig. Mich selbst auch kaum noch. Ich lenke mich dauernd ab, meistens funktioniert es. Aber irgendwie daddel ich doch nur rum. Ich hab Internet-Spiele für mich entdeckt und verbringe jetzt echt zuviel Zeit vorm PC. Aber was hab ich sonst? Ich hab nix, zumindest fühlt sich das so an. Im Moment schaffe ich es sogar mich dauernd mit meinen Mitmenschen zu streiten. Gut, die einzigen beiden Mitmenschen, die an mich rankommen: Steffi und mein Bruder Chris. Vom Rest kapsel ich mich ja ab. Wir waren ja neulich bei Ikea und ich wollte unsere neue Kommode aufbauen, bin aber ziemlich schnell an meine Grenzen gestossen. Zum einen bin ich eh überhaupt nicht handwerklich begab, zum zweiten hab ich mich unter Druck gesetzt "mal wieder der Mann im Hause zu sein". Ich kann sowas nicht so gut und ich hab manchmal das Gefühl, ich müsse Steffi was beweisen. In ihrer Familie sind die Männer die Handwerker. Ihr Vater ist Schweißer, ihr einer Bruder Elektriker, der andere KFZ-Mechaniker.

Ihr Vater und ihr Onkel haben ihr Elternhaus mit ihren eigenen Händen gebaut. Und ich kann sowas einfach nicht. Ich bin musisch veranlagt. Ich kann Schlagzeugspielen, ich kann malen, aber ich brauche leider doppelt solange ne simple Ikea Kommode zusammen zu bauen als andere. Zu meiner Schande muss ich sogar gestehen: Alle Lampen in unserer Wohnung hat mein Bruder angebracht, sämtliches Werkzeug in unserem Haushalt gehört Steffi. Ich bin schon massiv überfordert in der handhabung eines Akku-Schraubers. Naja, nachdem ich immer lauter fluchte beim Kommode zusammenschrauben, schickte Steffi irgendwann Chris zu mir, er solle mal gucken ob er mir helfen könnte. Natürlich hatte ich am anfang noch nen fatalen Fehler reingebaut, ein blöder Spruch von Chris (keinesfalls böse gemeint), Steffi lacht noch drüber und was passiert? Ich flipp entnervt total aus. 

Gut, sie haben mir beide schnell verziehen, aber es ärgert mich selbst so sehr. Übermorgen hab ich den Termin beim Therapeuten. Ich stell mir so nen Termin total anstrengend vor. Also emotional anstrengend, wenn man solange übber den Abgrund seiner Seele sprechen muss. Mal sehen. Aber es wäre toll, wenn ich in Stück weiter raus aus meinem Loch komme. Ich will nicht mehr so eine zerbröselte Persönlichkeit sein. Ich will wieder aufstehen können ohne mich zu fragen wann die nächste Panikattacke kommt oder was meine Psyche heute für doofe neue Symptome für mich auf Lager hat. Einfach nur aufstehen und Kaffeetrinken. 

Mittlerweile muss ich zugeben, bin ich zunehmen paranoid. Ich kann kaum einschlafen, weil ich dauernd denke, ich müsse bald sterben. Ich fühle nen kleinen Strich im Bein und denke sofort: Ich hab eine Thrombose. Ich denke es nicht nur, nein, ich weiss es. Ich habe eine Thrombose, und wenn ich aufstehe lockert sie sich, wandert in meine Lunge und ich muss sterben. Sobald ich irgendwo in meinem Körper ein Kribbeln fühle, checke ich sofort ob ich nen Schlaganfall hatte. Ich kontrolliere mehrmals täglich meinen Puls, ob ich Herzrhythmusstörungen hab. Ich weiss, dass es Schwachsinn ist. Ich bin jung, mein Körper ist gesund. Aber ich weiss nicht, was ich gegen die Angst machen soll. Sie ist dann da und auch sehr real. 

Gibts gegen sowas Tabletten? Ach, selbst wenn ich Tabletten nehme, krieg ich Angst vor nem anaphylaktischen Schock oder sonst was für schweren Nebenwirkungen. Aber es wäre doch super einfach eine Kapsel zu nehmen und alles wäre wie vorher. Eine glücklich-mach-Tablette und fertig. Ich könnte arbeiten, ich könnte Freunde treffen, ich könnte wieder auf die Sonnenseite des Lebens. 


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