Boys don´t cry

31.03.2013 um 18:19 Uhr

Katholiken Fun

von: Ryan

Ich weiß nicht, was heute los ist, aber ich kann mich nicht richtig einloggen auf der deutschen Blogigo-Seite - auf der internationalen schon - hoffentlich ist das nicht gleich alles weg, wenn ich speichern will ...

Ich habe grade einen sehr interessanten Blogeintrag kommentiert, über Nahtod-Erfahrungen (hoffentlich ist der gespeichert worden). Fazit dieses Kommentars war, dass ich Artheist bin. Es ist jetzt nicht so, dass ich ein Erlebnis hatte, dass es mir wie Schuppen von den Augen riss, eher so eine Ansammlung mit den Jahren. Vielleicht ändert sich meine Meinung nochmal, wenn ich mein erstes Kind im Arm habe, aber im Moment sehe ich die ganze Sache ziemlich nüchtern. Ich muss sogar sagen, dass es mir manchmal große Angst macht. An eine höhere Macht zu glauben, lässt doch alles etwas sinnvoller erscheinen.

Ich weiß nicht, ob ich das schon mal erwähnt habe, aber ich bin Katholik. Meine Mutter hat uns alle katholisch taufen lassen, weil sie selbst aus einer sehr religiösen Familie kommt. Meine Großeltern waren streng katholisch, das volle Programm: Sonntags Kirche, Beichten gehen, Freitags kein Fleisch, wenn man einmal verheiratet ist, bleibt man verheiratet. Bei ihren Kindern war der Glaube schon wieder etwas "aufgeweicht", also Kirchenbesuche fielen ab und zu mal aus, zugunsten eines sonntäglichen Vormittagsschläfchen.

Steffi kommt zufällig auch aus einer katholischen Familie - gab Pluspunkte bei ihrem Vater für mich damals. Das war der erste panische Satz, als ich ihn damals kennen gelernt hab. "Ich bin Ryan und katholisch!!" Man ist ja immer sehr aufgeregt und kurz vor einer Panikattacke, wenn man den Mann kennenlernt, dessen Tochter man jede Nacht "schändet". Und das Schlimme bei der Sache: er weiß es. Mittlerweile sind wir alle eine Familie und alles ist cool, aber beim ersten Treffen hab ich schon 5 km vor Steffis Heimatdorf im Auto hyperventiliert.

Eigentlich ist es blanker Zufall, dass ich eine katholische Freundin habe. Steffi ist jetzt aber nicht tiefreligiös, sie hat Heiligabend mal das Bedürfnis in die Kirche zu gehen, aber sonst eigentlich nicht. Ich würde sie auch heiraten, wenn sie Moslimin wäre oder irgendeinen seltsamen hawaiianischen Kult angehören würde.

Damit kommen wir aber zum Problem, was wir haben: Wir haben die Möglichkeit uns kirchlich trauen zu lassen - was unsere Eltern auch erwarten. Vor allem ihr Vater. Dem müssen wir das auch nochmal sachte beibringen, dass wir nur standesamtlich heiraten werden. Und dass ein Pastor (evangelisch) anwesend sein wird, liegt nur daran, wir mit ihm befreundet sind.

Und damit kommen wir zu vorgestern Abend. Wir waren was trinken mit - Trommelwirbel - mein spezieller Technofreund, seiner Freundin (Persönlichkeitsstörung hoch drei, aber ich finde sie unterhaltsam) und Steffis Cousin. Und weil ich die alle schon kenne, wollte ich gar nicht mit, bis Steffi mich besabbelt hat und mir eingeräumt hat, ich dürfe mich betrinken, wenn ich wolle. (Am Ende war´s dann so, dass Steffi fast 4 Liter Bier alleine getrunken hatte und sich nicht mal mehr alleine ausziehen konnte - die Ossi-Frauen können aber auch saufen ...)

Naja, dieser Cousin zumindest ist auch tiefkatholisch und hat uns dann aufgeklärt, dass wir vor Gott bereits verheiratet wären, weil wir das Bett miteinander teilen. Und dann dieses Kein-Sex-vor-der-Ehe-Gesabbel. Er und seine Ehefrau (komisches Wort) hätten ja gewartet bis sie verheiratet waren - haben aber auch geheiratet, nachdem sie sich 4 Monate kannten. Kann man jetzt drüber streiten, ob das eine kluge Entscheidung war oder ob die Katastrophe vorprogrammiert ist. Ich muss aber zugeben, (dank zwei Gin-Tonic) war der Abend recht amüsant - für mich zumindest. Technotyp und der Jesus-Fan fanden Teile des abends nicht so witzig wie ich.

Und dann kam so ein Satz wie: "Wollt ihr nicht als Liebesbeweis ab jetzt bis zur Hochzeit keusch leben?"  Steffi hat gleich Bier über den ganzen Tisch geprustet und ich hab an den Fingern abgezählt, dass das im schlimmsten Fall 14 Monate keinen Sex bedeutet. Und glaub mal nicht, dass in der Hochzeitsnacht was passiert - mein Bruder sagte, er war so fertig nach seiner Hochzeitsfeier, dass er und seine Frau nur noch schlafen wollten. Selbst Steffis hochreligiöser Vater hat das nicht geschafft - Steffi wurde erst vor zwei Jahren klar, dass ihre Eltern im Juli geheiratet haben und sie im gleichen Jahr im Oktober geboren wurde. Ich weiß noch wie heute, wie ich auf der Silberhochzeit ihrer Eltern sie drauf aufmerksam machte und sie mich völlig entgeistert anstarrte.

Katholiken sind schon ein seltsames Völkchen. Aber mein Bruder berichtete mal, grade weil er katholisch sei und alles verboten ist, macht das Verbotene doppelt Spaß. Kiff mal als Jugendlicher und lass einen Katholiken dabei sein. Das ist immer derjenige, der brüllt: "Ich will zuerst!"

Steffis Vater ist in seinem Glauben auch schon wieder ... wie drücke ich es aus ... amüsant? Urig? Wir haben Steffis Eltern damals Internet eingerichtet, und da sie nicht wussten wozu sie es brauchen - sie rufen sonst fast täglich bei uns in Hamburg an und wollen, dass wir ihnen was raussuchen. Kinozeiten, Aldi-Sonderaktionen usw. Also haben wir ihnen gezeigt, wie man die Aldi-Homepage aufruft und wie man Navigationsprogramme nutzt. Und von der Satellitenansicht war ihr Vater völlig schockiert. Und als wir ihm sein Haus von oben gezeigt haben, rief er: "Steffi, lauf mal schnell in den Garten und winke mal." Blöd wie wir sind, ist Steffi echt in den Garten und ich zeigte auf ein verschwommenes Pixel und sagte: "Da ist sie." Ihr Vater starrte mich nur entsetzt an und sagte sowas wie: "Teufelszeug!" (Steffi und ich haben so gelacht).

So, und jetzt dürcke ich mal auf die Speichern-Taste, damit mein gotteslästerlicher Blogeintrag nicht verschwindet.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenBloomsbury schreibt am 31.03.2013 um 19:00 Uhr:*kicher*

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