Boys don´t cry

08.08.2009 um 01:43 Uhr

McDreamy

von: Ryan

12 Tage am Stück Schicht. Kein Tag frei dazwischen. Für die meisten Mensch unvorstellbar, die bei der 5-Tage-Woche schon ächzen und stöhnen. Sowas hab ich grade wieder hinter mir. Und obwohl ich zugeben muss, dass meine Schichten grade verhältnismäßig "lauschig" waren - wir stecken graden mitten im Sommerloch - war ich doch unheimlich kaputt. Die Müdigkeit erreicht mich erst, wenn ich einen Tag frei habe und mich nach 16 Stunden Tiefschlaf immer noch gerädert fühle. Das ist immer so, der Körper holt eben zurück, was er entbehren musste. Erholung, Ruhe, Schlaf. Alle das fordert er ein.

Dabei wollte ich gar nicht frei haben. Ich fühlte mich gut, vital, aktiv - ach, die paar Schichten zusätzlich ... zusätzlich mit meiner Schwärmerei zu verbringen ... mit dem Doktor. Mein persönlicher McDreamy.

McDreamy hin oder her - ich bin leiirt. Aber mittlerweile - nachdem ich zwei Tage Zeit hatte mich ohne McDreamy zu regenieren, mein Schlafdefizit nachzuholen und endlich ein paar ruhige Stunden zu verbringen, sehe ich meine Situation nicht so auswegslos und theatralisch wie noch vor einigen Tagen.

Ich war äußerst gestresst. 12 Dienste ... hey, da dreht man schon mal ab. Dann kaum mehr als 5 Stunden Schlaf. Meine Freundin fehlte mir und wenn wir uns sahen, mussten wir organisatorische Dinge klären, die sich so im Zusammenleben auftun und geregelt werden müssen. Dann hatten wir noch Streit - nicht nur einmal. Einmal weil ich total überdreht war und sie mich in einer sehr dünnhäutigen Minute falsch getroffen hat, ein anderes Mal weil sie etwas für mittlerweile selbstverständlich gehalten hatte, was aber nicht selbstverständlich sein sollte. Und als sie dann noch schmunzelnd nach Hause kam und sagte, dass der neue Azubi auf ihrer Station sie gefragt hatte, ob sie sich näher kennen lernen könnten, bin ich total ausgeflippt. (Natürlich geht sie nicht mit ihm aus, natürlich hat sie ihm gesteckt, dass sie nen Freund hat, aber ... ich war trotzdem auf 180) Türenknallendes Eifersuchtsdrama meinerseits, kurz vorm Schlafengehen um Mitternacht, obwohl ich um 4 Uhr wieder aufstehen musste. Der Tag danach war dann dementsprechend, ich fühlte mich verletzt (im übrigen der 12. Tag und der vorerst letzte mit meinem McDreamy) und hab nur nach Ausreden gersucht, ihm viel zu lange in seine blauen Augen zu sehen.

Er hat mich auch viel zu lang angesehen - glaube ich - gut, ich bin ja "nur" der Krankenpfleger, aber ich bilde es mir zumindest ein. Vielleicht muss ich mein Ego auch nur wieder aufwerten, um zu wissen, dass mich jemand will, denn ich auch möchte. Alleine diese Erkenntnis versetzt Berge im Bewusstsein, auch wenn da körperlich nix ist.  Ansonsten hab ich mich versucht auch sonst sehr unnahbar zu geben. Ich hab versucht mich ihm gegenüber zwar lieb und herzlich zu zeigen, aber gleichzeitig so zu tun als wäre das nichts besonderes, denn meinen Kolleginnen gegenüber war ich wie immer auch sehr nett und herzlich. Auf jeden Fall darf er nicht mitkriegen, dass er McDreamy ist.

Und dann gestern Abend im Bett, meine Freundin kam spät von der Arbeit heim und ich ging mit ihr - nach über 3 Wochen - zeitgleich ins Bett. Wir sind sehr lange nicht mehr gemeinsam eingeschlafen und wir hatten lange nicht mehr intensiv miteinander geredet.

Vielleicht passieren aus solchen Situationen blöde Gefühle, die man nicht zuordnen kann. Oder ist der Wurm drin? Ich versuche es als Phase zu sehen, ich hatte schon einige Mal solche Phasen, weniger intensiv als diese, aber ich versuch das zu schaffen. Ich bin mir sicher, meine Freundin ist mein Glück. Wenn ich das wegwerfe für einen McDreamy, eine kurze heftige Schwärmerei, dann wäre ich doch blöd.


Diesen Eintrag kommentieren