Boys don´t cry

08.07.2012 um 01:37 Uhr

Nach Sonne kommt dann auch mal Regen

von: Ryan

Regentraufe ... in meinem Leben. Nachdem alles mal wieder grade richtig super war, ist jetzt grade gar nichts so richtig super. Meine Familie dreht durch wegen der kaputten Herzklappe meines Bruders, obwohl der Kardiologe sagte, er wolle nach 3 Monaten nochmal untersuchen - und dann entscheiden, ob OP und wenn wann ... aber meine Familie dreht durch. Ständige Telefonate, wenn irgendwer auf eine dumme Idee kommt. "Ryan, aber wenn das Herz kaputt geht in den nächsten 3 Monaten und er dann ein neues braucht? Und wie kriegt er dann ein Neues?!" - ich versuche zu beruhigen: "Das wird nicht passieren, sonst wäre der Kardiologe nicht so cool. Der entscheidet das, der macht das jeden Tag, das ist sein JOB!" Es gehen alle vom Schlimmsten aus, keine Erholungspause.

Apropo Job, mein Job ist am Arsch ... ich hatte mich schon länger beworben um eine neue Stelle, alsoe ine hausinterne Versetzung. Hingehalten haben sie mich. "Hr. A., Sie werden verstehen, wenn sich die Geschäftsetage erst Mitte des Jahres mit ihrem Versetzungsantrag beschäftigen kann." Ja, sicher ... Verständnis genug hatte ich, Monate lang. Jetzt reicht´s. Und als ich schon gar nicht mehr damit rechnete, direkt vorm Urlaub: "Ryan, kommst du mal, die Abteilungsleitung will mit dir sprechen." und was sagen die mir: "Hr. A., wie sie sicherlich wissen, fehlen uns allgemein Pflegekräfte, insbesondere Männer, vor allem auf den somatischen Station. Wir können daher ihrer Bitte nicht nachkomen, sie zu versetzen, sie werden DRINGENST auf der Inneren gebraucht."

5 Jahre sitze ich schon auf dieser ätzend anstrengenden Station fest. 5 Jahre täglich Überstunden, 5 Jahre kaum Pausen, 5 Jahre kaum eine Schicht, in der du dir nicht den Arsch abhetzt, um das Notwenigste zu erledigen. 5 Jahre ... und das war´s dann auch mal für mich. Ich hab diverse Kollegen gehen sehen, die den ganzen Stress und Mist nur halb so lange ausgehalten haben wie ich. Als die Abteilungsleiterin mir diese Sätze sagte, dass ich mir die Versetzung abschminken kann, war das als ob das letzte bisschen Liebe für meinen Job gestorben ist. Ich fühlte mich, als ob sie die Gitterstäbe einer Haftanstallt vor mir geschlossen hat und mir grinsend sagt: "Willkommen am beschissensten Ort der Welt, sie kenne sich hier ja aus!" und den Schlüssel weggeschmissen hat.

Urlaub im Arsch ... danke für die Ansage. Ich fühl mich unter Wert verkauft, betrogen und verraten. Eigentlich müsste doch einem Arbeitgeber daran liegen, seine Mitarbeiter ihren Fähigkeiten entsprechend einzusetzen. Nein, bei uns geht alles nach Sympathie. Ich glaube, ich hab´s mir verscherzt, weil ich in meinen mittlerweile 8 Jahre Zugehörigkeit ein/zwei Mal mit der Abetilungsleiterin diskutiert hab. Dabei waren das nicht mal Dinge, in den ich Unrecht hatte. Nein, ganz im Gegenteil. Ich werde bei sowas nicht ausfallend oder ähnliches. Ich hab nur gesagt, dass ich nicht ihrer Meinung bin, ich hatte gute Argumente ... ach, aber das interessiert ja keine Sau ... 

Gut, ich bin durch mit dem Thema. Ist jetzt halt so. Nach´m Urlaub, keine Diskussionen mehr, nur noch eine Ansage, und die kommt von mir. Ich werde mein Arbeitszeugnis verlangen und die Kündigung zum nächst möglichen Zeitpunkt. Ich hab keinen Bock mehr, nicht auf die Art und Weise, nicht unter diesen Arbeitsbedingungen. Gott, ich lass das schon so ewig lange mit mir machen. 

Im Moment gebe ich mir selbst noch etwas Schonfrist. Ich hab den Arsch noch nicht hochgekriegt Bewerbungen zu schreiben, ich bin noch in der Phase, in der ich sauer bin, traurig und generell alles grade doof ist. Ich schlafe zu lange, trinke täglich 2-3 Bier und gebe dauernd Geld für CD´s aus, um den ganzen Tag mit Kopfhörern aufm Sofa zu liegen. Ich lese viel, ich will von der Welt da draussen gar nicht soviel mitkriegen. Wetter ist ganz passend, dann nervt Steffi nicht dauernd, dass sie ins Freibad will oder sonst was unternehmen. Ich muss mir erstmal ´nen Kopf machen, was ich jetzt mit meiner neugewonnen Freiheit anstellen will. Wenn ich keinen Job mehr hab, steht mir alles frei.

Ich war sogar zwischendurch von der Idee begeistert wegzuziehen. Sachen packen, alles was ich nicht mitnehmen will/kann verkaufen, Wohnung und Job in einer ganz anderen Stadt. Neuanfang deluxe. Steffi war ganz baff, als ich ihr davon erzählte. Sie sagte, sie dachte immer ich sei so sehr mit Hamburg verwurzelt, dass sie mir das nicht zugetraut hatte. Sie hat mir auch gleich ihre volle Unterstützung ausgesprochen. Natürlich wär´s nicht leicht, ich könnte zurück kommen nach 1-2 Jahren, wenn´s mir nicht gefällt, oder sie kommt nach, allerdings erst, wenn sie ihre Fachausbildung zuende gemacht hat, das wäre also auch frühestens in 2 Jahren. Bis dahin Fernbeziehung. Steffi traut uns beiden zu, dass wir das könnten, nicht ohne viel Leid und Tränen, aber wir könnten das. Ich bin mir da nicht so sicher. Die Idee ist wieder vom Tisch. Ideen sind auch dazu da, um sie zu verwerfen. 

Zwei weitere Ideen sind aber noch da: Erstens ich such mir einen neuen Job. Irgendwas, was ich cool finde. Notaufnahme, Rettungswagen fahren. 6 Monate Fortbildung und ich könnte meinen Rettungsassistenten machen und mit ´nem Notarzt durch die Gegend fahren. Da hatte ich immer schon richtig Bock drauf. 

Oder Idee Nummer zwei (und Steffis Lieblingsidee): Wir kriegen jetzt ein Kind. Da Steffi mitten in der Fachausbildung steckt, müsste ich die Elternzeit nehmen und das Schönste und Verlockenste daran: mein alter Arbeitsgeber müsste mir 1,5 Jahre mein Gehalt weiter zahlen, obwohl ich nicht einmal auf Arbeit erschienen bin. Der negative Aspekt: 9 Monate (im Besten Fall) weiter Zähne zusammen beissen und buckeln, bis das Baby dann mal da wäre. Noch ein doofer Aspekt: ich fühle mich noch nicht nach Kindern, gut ich werde in wenigen Tagen 28, Steffi wird dieses Jahr 29, wir sollten vielleicht langsam anfangen. Aber ich fühle mich noch nicht so. Ich fühl mich viel jünger, viel unreifer, ich hab noch einiges vor, bevor wir Kinder kriegen können. Vielleicht ist in einem halben Jahr alles anders, aber jetzt grade kann ich mich mit dem Gedanken nicht anfreunden. Sicher will ich Kinder, aber erst wenn ich "erwachsen" bin. Gott, ich fühle mich als wäre ich seit 8 Jahren 21. Meine Falten sagen Gott sei dank nichts anderes. Ich war vor ein paar Tagen mit meinem schwulen besten Freund feiern und ich wurde diverse Male nach´m Ausweis gefragt, als ich Bier bestellen wollte und habe diverse Mal bestättigt bekommen, dass ich sehr jung aussehe. Wenigstens brauche ich mir keine Sorgen machen, wie ich an das Geld für Botox rankomme. Man(n) ist halt eitel.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenKris schreibt am 20.07.2012 um 00:09 Uhr:Hmm, klingt zwar verlockend, aber nur dafür, dass dein alter Arbeitgeber Elternzeit zahlt, was jeder deiner neuen Arbeitgeber auch zahlen müsste, noch über 10 Monate da buckeln? Ist es DAS wert? Klar, wenn dir das irre Befriedigung verschafft- tu es!
    Aber ansonsten wiegt das doch die Quälerei nicht auf, oder?

    28... da sollte man mit der Familienplanung anfangen, wenn man kein Opi-Papa sein will ;) Muss ja nicht heute abend sein, aber man kann das doch mal konkreter planen für die nächsten ein oder 2 Jahre zb? Vielleicht wollt ihr vorher noch ne Safari machen oder heiraten?

    Fühlen wirst dich vielleicht auch in 10 Jahren noch nicht danach, und ich kenn niemanden in unserem alter, der sich NICHT viel viel jünger und unreifer fühlt, aber auch wenn man sich mit 40 heute noch so unreif wie mit 25 fühlt, wärs dann ja schon fast ne Risikoschwangerschaft...

    Was hast du denn noch vor, bevor du Kinder willst? Mach doch mal, zumindest im Kopf, ne Liste, und teil es ein- was musst du unbedingt machen, bevor das Kind da ist, welche Träume kann man vielleicht auch umsetzen MIT Kindern dabei (ausserdem gibts Babysitter und Großeltern ;) ), und was ist sowieso nicht drin auch ohne Kinder, weils zb am finanziellen scheitert?

    Vielleicht braucht man auch Träume für die Zeit wenn die Kinder groß und aus dem Haus sind... ne Route 66 Motorradtour KÖNNTE man zb auch mit 55 noch machen...

    ...nur meine übermüdeten Gedanken zu dem Thema...
  2. zitierenRyan schreibt am 30.07.2012 um 00:51 Uhr:Danke für deinen Kommentar, du hast mir einige gute Gedankenanstösse gegeben. Klar ist das Leben nicht vorbei, sobald man einen schreienden Säugling zuhause hat. Irgendwie weiss ich im Moment noch nicht recht was ich mit meinem Leben anfangen soll before having Kids - mir will es nicht einfallen. Aber irgendwas ist da noch ...

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