Boys don´t cry

01.09.2006 um 13:06 Uhr

Nächtliche, angetrunkene Philosophie

von: Ryan

Ist es arrogant zu glauben, dass man was besseres haben kann, als was einen selber will?

Ich sehne mich nach so viel aber ich glaube nicht, dass ich etwas anfangen sollte, was ich grade haben kann, dass ich damit wirklich glücklich sein könnte. Also lass ich es oder ziehe die guten Sachen heraus und stelle die Fronten klar. Gleichzeitig bin ich so anspruchsvoll, dass mir scheinbar keiner genügt. Vielleicht bin ich auch einfach nur sehr vorsichtig geworden bei dem ich absehen kann, dass ich nicht glücklich ein werde, oder befürchte es in der Zukunft nicht sein zu werden. Davor hab ich wahnsinnige Angst mich in so einer Beziehung zu finden oder sogar bewusst hinein zu gehen, aus Angst alleine zu sein oder zu bleiben.

Ich möchte vorraus sehend und vorsichtig sein und vorher schon abschätzen, was negativ auffallen könnte - eines Tages vielleicht. Prophylaktisches Handeln quasi. Dabei muss ich einsehen, dass ich völlig rational sortiere, weil da im Moment keine Gefühle dabei sind. Sicherlich würde ich anders handeln, wenn ich verliebt wäre. Und alleine dieser Mangel an Gefühlen wäre Grund genug jemanden abzuweisen. Das Einfache "Du bist nicht mein Typ" oder "Es hat nicht gefunkt" reicht mir scheinbar nicht als Entschuldigung. Ich muss den Mann noch mit meinen Werten und Vorstellungen messen und als nicht gut genug (für mich) befinden. Macht mich das arrogant oder grade selbstbewusst?

Ich verliere auch die Geduld an Suchen, kennenlernen und enttäuscht werden. Ich werde sehr leicht enttäuscht. Uneinigkeit zwischen meinen Erwartungen und den tatsächlichen Menschen - vielleicht aus mangelnden Gefühlen - es dreht sich alles im Kreis.

Es ist *scheinbar* einfach so. Ich muss das Beste daraus machen. Ich sollte danach leben, bzw. tue es bereits ohne mich dabei zu verschliessen oder meine Offenheit zu verlieren.

Vielleicht hat es auch mit meinem Über-Ich und meinem Perfektionismus zu tun. Alles in meinem Leben soll perfekt sein, mein Charakter - denn ich zeige nur das Beste von mir - alles andere wird versteckt und nur alleine ausgelebt. Mein Körper - meine Esstörung ist das Beste Zeichen meines ambivalenten Verhaltens. Meine Umgebung - die verzweifelte Wohnungssuche an deren unperfektionismus ich scheitere und unzufrieden bin. Meine Freunde - seltsamer Weise sind sie perfekt, weil ich in anderen Menschen immer das Beste sehen und schätzen kann. Ich kanns bei allen Menschen, nur nicht bei mir. Oder bei Menschen, die mir nahe kommen sollen, oder über die ich meine Gefühle definieren muss, wie z.B. zukünftige Partner - die müssen wiederrum wieder sehr, sehr perfekt sein, weil sie was mit mir zu tun haben.

Ich bin so sehnsüchtig, aber habe soviele Grenzen und Hindernisse in mir, dass ich mit dem was ich zur Zeit habe oder haben kann diese Sehnsucht nicht stillen kann. Also blockiere ich mich selbst, ich bin Schuld an meinem Verhalten. Aber wie komme ich da raus, wo mir das doch alles so bewusst ist? Ich komm nicht über mich selbst hinweg.

Da kann man nichts tun außer versuchen abzuwarten, Geduld zu haben und schauen, was die Zeit bringt. Was anderes belibt mir kaum übrig. Also muss ich genau das pben. Das gehört ganz sicher zum Erwachsenwerden dazu. Also muss ich da durch.

Und dann gibt es da noch einen leisen, unscheinbaren Lichtblick. Ein mann, der scheinbar alles hat, was ich will. Der mich begeistern kann - vielleicht. Den ich bewundere und vielleicht sogar vergöttern kann. Und alleine diese Hpffnung macht mir Mut und lässt mich wieder träumen von besseren Zeiten und dass sich so einige Wünsche und Hoffnungen erfüllen mögen - eines Tages. Ich bin so unendlich ungeduldig. Jeder Tag ist einer zuviel an dem ich warten muss. Vielleicht bestimmt sowas auch eine Sturm- und Drang-Zeit. Aber ich glaube, dass auch diese zu Ende geht und ich befürchte, dass ich sie dann nicht richtig ausgenutzt habe, weil sie dann vorbei ist. Vielleicht kann ich irgendwann nicht mehr träumen und hoffen. Obwohl beides sehr gedämpft scheint durch die Angst, die ich scheinbar latent die meiste Zeit in mir habe.

Ich will alles - und davon nur das Beste. Dementsprechend macht es alles kompliziert. Und ich will kien komplizierter Mensch sein. ich weigere mich auf der einen Seite mich von Gefühlen hinreissen zu lasse, die mich bestimmen könnten, aber dadurch verliere ich auch ganz viel, weil ich Kontrolle behalte. Ich bin nur bereit meine Kontroll her zu geben, wenn ich mir sehr sicher bin.

Ich werde mich nicht fallen lassen können - furchtbare Vorstellung. ich möchte etwas, was sich einfach nur gut anfühlt - ohne Angst und und Befürchtungen, was später sein könnte. Ich will in dieser Welt nicht nur das was ich auch sicher haben kann - ich will etwas ganz Großes, etwas ganz Besonderes. Und ich frage mich ob ich das wert bin oder warum ich es nicht wert sein sollte.

Ich will mich unsterblich verlieben in einen unglaublichen Menschen, der mich positiv überraschen kann, der mich genauso unglaublich findet. Und für den ich endlich großartige Gefühle haben werde und dieser Menschen genauso für mich. Wer wünscht sich das nicht? Das große Happy-End. Eine großartige perfekte Romanze. Aber ich bin so ungeduldig und einsam, dass ich kaum noch aushalte zu warten. 

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierendragonRune schreibt am 02.09.2006 um 15:45 Uhr:Erstmal - sehr schöner Blog, lese schon lang mit. :)

    Dieser Wunsch, das alles perfekt sein muss - den kenne ich irgendwie. Was aufmunterndes fällt mir nicht ein, aber ich denke dass das alles durch Medien hervorgerufen wird, in Filmen etc gibt's ja immer ein Happy-End und Romanzen bis zum abwinken. Sowas im richtigen Leben zu finden...? Unheimlich schwer - glaube ich.

    Gruß
  2. zitierenliebesleben schreibt am 02.09.2006 um 22:00 Uhr:Glück ist eine Entscheidung.
  3. zitierenRyan schreibt am 10.09.2006 um 07:33 Uhr:@dragonRune
    Mag sein, darüber ich hab noch nie so drüber nach gedacht, aber es steckt viel Wahres in deiner Aussage.

    @Liebesleben
    Nee, sorry, sehe ich nicht so.

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