Boys don´t cry

01.02.2013 um 16:52 Uhr

Neues Jahr, neue Chancen

von: Ryan

Lang nix geschrieben - eigentlich wollte ich schon früher, kam aber nicht dazu oder dieses manchmal unlogische Portal hat mir den Eintrag gefressen.

Ja, viel geschehen. Die Euphorie um meine Person bei den Azubis hat nachgelassen. Die Euphorie um meine Person bei meinen Freunden dafür zugenommen. Nachdem ich jetzt fast 8 Wochen kaum jemanden gesehen hab (natürlich telefoniert man, aber selbst das hatte stark abgenommen) , war ich innerlich schon verzweifelt. Man fühlt sich als hätte man keine Freunde - und jetzt bin ich dies Wochenende gleich doppelt und dreifach verabredet. Finde ich gut. Schön, so muss das sein.

Ziwschendurch hatte ich wieder eine sehr nachdenklich, fast trübsinnige Phase, in der ich will nachgegrübelt habe und mich zeitweise in fast panische Angst reingesteigert hab. Grade in der Zeit als mein Kollege gestorben ist und ich mir wieder super viele Gedanken über Leben und Sterben gemacht hab. Das hatte mich mehr mitgenommen als ich selber gemerkt hab. Aber was hab ich gelernt? Ich bin Herr über meine Gedanken. Also habe ich ganz aktiv beschlossen mir im Moment keine Gedanken mehr dazu zu machen.  Das hört sich jetzt so einfach an, aber ich hab ein paar Tage gebraucht bis ich das verinnerlicht hatte. Steffi hatte sich schon wirklich Sorgen gemacht, weil ich versucht hab meine Panik in Rotwein zu ertränken. Ja, ich muss mittlerweile zugeben, mein Trinkverhalten ist problematisch. Ich trinke nicht tagsüber und auch nicht morgens oder so, und ich wache morgens nicht mit zitternden Händen auf oder hab jemals gehört, dass ich morgens nach Alkohol rieche. Aber ich trinke, wenn ich eine problematische Phase durchmache und das alleine macht mir schon Sorgen. Wenn ich panisch bin oder merke, dass ich es werde, trinke ich oder auch ganz klassisch: wenn ich nicht schlafen kann ein halbes Glas Wein. Ich muss damit echt aufhören.

Sonst so, ich versetzt. Ja, man mag es kaum glauben, ich hab einen neuen Arbeitsplatz. Nicht meine Traumstation aber es ist was anderes. Aufregend auf jeden Fall. Soweit sind alle Kolleginnen nett, aber anders. Auf meiner alten Station war ich der Vorlauteste, jetzt übertönen mich mindestens drei andere Mädels, weil (man mag es kaum glauben), sie einfach lauter sind als ich, also in ihrer Art. Es ist soweit spannend, ist ja auch ein ganz neues Fachgebiet, aber nicht mein Lieblingsgebiet - aber ich hab Spaß im Moment. Das Problem ist eher, die Station und die Abläufe ist so durchstrukturiert, dass man nix falsch machen kann, aber auch nicht selber denken muss. Ich glaube, das wird sehr schnell langweilig. Aber im Moment bin ich der Neue und werde natürlich nicht laut verkünden, dass mich diese Arbeit unterfordern wird. Schön ist: ich hab immer pünktlich Feierabend. Ich bin ganz anderen Arbeitsaufwand gewöhnt und dementsprechend bin ich natürlich schnell fertig mit meinem Kram.

Seitdem ich jetzt den neuen Arbeitsplatz hab, bin ich plötzlich so süchtig nach "Neuem". Vielleicht liegt´s am Schlafmangel - ich hab in den letzten Frühdiensten so schlecht geschlafen, vielleicht durch den ganzen Input oder die Aufregung mit neuen Leuten zu arbeiten. Eigentlich bin ich ein Gewohnheitstier. Ich finde Veränderungen beängstigend oder reissen mich aus meiner gewohnten Sicherheit. Und jetzt will ich alles Neu - außer die Verlobte, keine Sorge. Wie erkläre ich das? Ich war letzte Woche beim Friseur und eigentlich hab so meine Standartfrisur und ärger mich irre, wenn die Friseurin das nicht so hinbekommt wie vorher war. Und nun saß ich letzte Woche beim Friseur, die Frau hinter mir wuselt in meinen Haaren rum und sagt sowas wie: "Ich schneid mal bisschen mehr ab." und ich entspannt: "Jo, mach mal" und das tat sie dann auch ... zuhause hatte ich dann erstmal ´nen halben Herzinfarkt, weil ich so anders aussah.

Oder anderes Beispiel. Ich bin eigentlich sehr knauserig mit dem Geld, oder um es höflicher auszudrücken: ich bin schon sparsam und gucke, was ich brauche und was eben nicht. Aber diese Woche hab ich meinen halben Kleiderschrank in die Altkleiderkiste geschmissen und mir neue Klamotten gekauft. Und der Zahnarztphobiker hat einen Zahnarzttermin. Man mag es kaum glauben.

Und ich hab´s endlich geschafft: ich hab ja schon lange vor mir weitere Tattoos stechen zu lassen. Nun ist mein Bruder ja Tätowierer, aber ich hab ´ne Abneigung davor, dass er mir abends aufm Sofa mal eben den Arm zutackert. Und was ich natürlich nicht sage: es gibt Bessere.  Aber für die Vorbesprechung hab ich jetzt auch ´nen Termin und wenn alles gut läuft hab ich im Sommer bereits den Arm voll.

Beim Schreiben frage ich mich grade, ob ich einen manischen Schub hab. Ich schaffe im Moment soviel mehr als sonst. Im Dezember hab ich wieder angefangen zu lesen, mache ich sonst auch eher selten, aber ich versuche täglich ein paar Seiten zu schaffen und hab jetzt innerhalb von einem Monat das dritte dicke Buch in der Hand. Thema "Alles neu" ich hab angefangen Fanatasyromane zu lesen. Eigentlich bin ich ganz weit weg von Nerd-Sein, ich hab auch nur ´ne blasse Vorstellung wie Elfen aussehen sollen, weil ich wie Milliarden anderer Menschen Herr der Ringe im Kino gesehen hab. Doch jetzt lese ich einen Roman, wo nur Elfen mitspielen. 

Solange neue Büchergenres und neue Klamotten mein einziges Problem sind, ist alles noch ganz in Ordnung. Aber heute Vormittag war ich mit einer Freundin unterwegs, die im Tierheim mit den Hunden Gassi-geht und ich komm regelmässig mal mit und begleite sie - und musste mich doch arg zusammenreissen keinen Hund mitzunehmen. Die Vorstellung ein Herrchen zu sein, war einfach extrem verlockend.

Was aber noch viel schlimmer ist - und ich muss echt auf mich aufpassen, wenn ich so euphorisch teils manisch durch die Welt laufe und alles neu und anders haben will, und mir wirklich plötzlich alles vorstellen kann - Thema Babys. Normaler Weise bin ich ja der abgeklärte Typ: Babys machen Arbeit, das wird eine sehr einschneidende Veränderung, lieber nochmal 2-3 Jahre Feier und Ausschlafen bis es richtig los geht. Generell will ich Kinder, Steffi und ich reden auch häufig darüber. Ich fang nicht an zu quitschen, wenn ich ein Baby sehe und brabbel unverständliches Zeug, ich find´s auch nicht süß, wenn sie mich ansabbern, aber generell sind Kinder schon cool. Steffi ist auch keine Frau, die bei Kleinkindern völlig abrastet, eher die hinter vorgehaltener Hand sagt: "Ich hab schon hübschere Kinder gesehen". Meine jüngste Nichte ist ja auch schon Dauergast bei uns in der Wohnung, grade wenn meine Schwägerin und mein Bruder arbeiten müssen, aber die ist auch schon so groß und wird dieses Jahr schon 6, kann beim Tisch abräumen helfen, kann ihren Namen schreiben und ganze Märchen nacherzählen. Und was ich viel cooler finde, sie hat eine komplett eigene Meinung. Ja, ich muss stolz sagen, Steffi und ich gehören in den kleinen Kreis engerer Bezugspersonen für sie.

Worauf wollte ich jetzt hinaus? Ach ja, selber Kinder - also obwohl wir nie die Kinderfanatiker waren oder sind, wollen Steffi und ich auch Kinder und nicht grad wenige. Steffi und ich sind beide mit 4 Geschwistern aufgewachsen und so um den Dreh stell ich mir das auch vor. Auf 4 Kinder haben wir uns jetzt geeinigt, natürlich wenn alles gut läuft - ja, da haben wir uns einiges vorgenommen für die Zukunft. Hört sich jetzt kitschig an, aber ich weiss auch schon wie mein erster Sohn heissen soll. Bislang hatte ich aber noch nicht das Bedürfnis Vater zu werden, sondern die ganze Kiste noch vor mir herzuschieben. 

Im Moment hab ich aber eine Phase, in der das anders ist. Irgendwie hab ich das Bedürfnis genau jetzt ein Kind mit Steffi zu bekommen. Ich weiss nicht woran´s liegt, es ist auch nicht nur die Vorstellung oder der Zukunftstraum einer harmonischen kleinen Familie. Ich kenn das so von mir gar nicht. Können nur Frauen einen starken Kinderwunsch haben? Sicherlich isser bei mir nicht halb so ausgeprägt wie eine Frau das empfinden kann, aber wesentlich ausgeprägter als ich es in meinem ganzen Leben vorher kannte. Ich frag mich sogar, ob meine biologische Uhr mir was sagen will. Oder ob ich vielleicht einfach grad so glücklich und gefestigt in meiner Beziehung bin, dass das der nächste Schritt wäre. Was ich für wahrscheinlicher halte: weil´s grad nicht geht. Steffi hat grade erst angefangen mit ihrer Fachausbildung, die dauert 2 Jahre und in der Zeit geht´s einfach nicht.

Also ist wenigstens einer von uns beiden grade vernünftigt. Das war auch der einzige Gedanke, der mich heute daran gehindert hat eine Hund aus´m Tierheim mitzubringen, nämlich das Steffi als vernünftiger Part unserer Beziehung zuhause zurecht so dermaßen ausrastet, wie wahrscheinlich noch nie ein Mensch auf dieser Erde ausgerastet ist, wenn ich ohne was abzusprechen ´nen Hund anschleppe.

 

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenKris schreibt am 23.02.2013 um 21:40 Uhr:Na, dann doch keine Burgerbude erst mal :D Mist, hatte mich schon auf meine Pommes bei dir gefreut ;)

    Was wäre denn deine Traumstation eigentlich? (Und auf was für einer biste nun?)
    Na wenigstens sind nun die etlichen Überstunden auf der Inneren Geschichte, da kann man doch gratulieren!

    Dieses Alles-muss-neu kann ja vielleicht auch daher kommen, dass du vorher so- "blockiert" oder festgefahren warst, unzufrieden mit deinem Job usw. Manchmal merkt man gar nicht, wie sehr einen sowas "lähmt"... und sobald sich da was ändert, oder manchmal sogar schon in dem Moment, wo man etwas "entscheidet" zu ändern, ZACK, fühlt man sich wie- befreit. Und voller Tatendrang... zumindest hab ich sowas bei mir kürzlich erlebt. :) Bißchen wie n Coffein-Depot, aber mir gefällts :D

    Das mit den Kindern- meinst echt, das kommt daher, dass es grade eh nicht geht? Oft genug will der Mensch ja echt immer genau das, was er nicht hat, oder nicht bekommen kann- aber auch bei so nem Thema?
    (Bist du 26, wie in deiner Beschreibung steht, oder ist das schon n bischn älter und nicht aktualisiert? Wirkst ja zumindest deutlich reifer, aber das täuscht bei manchem, aber ich hätte dich jetzt auf mein Alter geschätzt, also Anfang 30).
    Tja, mit der inneren Uhr- 4 Kinder brauchen ja auch Zeit, wenn nicht grade Mehrlingsgeburten bei deiner Familie häufiger sind. Man kann ja nicht direkt nach der Entbindung gleich wieder schwanger werden- zumindest SOLLTE man das nicht. Und immer vorausgesetzt, dass es gleich auf Anhieb klappt, sobald man dann nicht mehr verhütet... SO gesehen, solltet ihr vllt wirklich bald anfangen wenn ihr 4 Kinder wollt ;)
    (Würden meine Freundin und ich Kinder haben wollen, hätte ich sicher längst angefangen, wenn ich 4 wollte, denn ich würd nicht kurz vor der Rente sein wollen, wenns jüngste grad Abi macht...)

    Und ich denke sehr wohl, dass ein Mann einen ebenso starken Kinderwunsch haben kann, wie eine Frau. Wieso auch nicht? Weil er es nicht austrägt, sondern die Frau? Es ist doch der KINDERwunsch- und nicht das Bedürfnis, dass etwas in einem anfängt zu wachsen- das ist ja nur die Folge des schwanger werdens.
    (Ich hab als Mann definitiv nen grösseren Kinderwunsch, als meine Freundin)

    N Hund, wenn beide berufstätig sind- finde ich nicht so prall. Weil ich dann immer an den Hund denk. Klar, scheint heute "normal" zu sein, dass Hunde viel allein gelassen werden, und ist ja bei fast jedem so, aber deswegen wirds meiner Meinung nach nicht richtiger. N Hund braucht sein Rudel um sich rum... und das nicht nur morgens zum Gassi gehen, und abends nach Feierabend. Der wär am liebsten den ganzen Tag bei seinem Rudel, und daher hole ich mir auch keinen Hund, so lange ich ihm das nicht bieten kann, da steck ich meinen Egoismus eben dem Lebewesen zuliebe zurück.
    Und nen Job, zu dem er mitgenommen werden kann, habt ihr beide nicht...
    Und ich kenn so viele Hunde, die tagsüber allein gelassen werden, und die dann den ganzen Tag rumbellen oder -heulen, und wenns schlimm kommt, nen Knacks bekommen deswegen...
    http://www.blogigo.de/Ryan/Neues-Jahr-neue-Chancen/5446/#comments
    Ich glaub du wirst n cooler Dad, so süß, wie du von deiner Nichte immer schreibst :D
    Ist der Name deines Erstgeborenen geheim, oder verrätst du den? :D

    Was liest denn grade an Fantasy? Ne Reihe, oder einzelne Bücher?
    Bei Fantasy empfehl ich ja "Lied von Eis und Feuer" (Game of Thrones).

    Sonst les ich nicht so viel Fantasy ausser Gay-Fantasy :D
  2. zitierenKris schreibt am 23.02.2013 um 21:43 Uhr:Mir ist nicht ganz klar, was der Link da unten in meinem Text macht- ist der Kommentar zu lang? Hmm.

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