Boys don´t cry

13.01.2012 um 00:50 Uhr

Neues Jahr - neue Vorsätze - neue Tiere

von: Ryan

Lange nicht geschrieben, es wird mal wieder Zeit. Eigentlich nicht viel passiert. Weihnachten war nicht ruhig und besinnlich - ich hab alle Weihnachtstage gearbeitet und es war nicht schön. Station voll, alle nöllig und missmutig. Kein schönes Fest. Mittlerweile bin ich wirklich an einem Punkt, an dem ich keine Lust mehr auf meinen Job hab. Ich hangel mich durch meine Arbeitstage und versuche mich nur noch auf meine Freitage zu konzentrieren. Alles ist mir über. Jede Erwachsenen-Windel ist eine zuviel, die ich wechseln muss. Ich bin jetzt seit 4 Jahren auf der gleichen Station, mache dauernd das Gleiche, immer die gleichen Beschwerden, jeden Tag bestimmte Dinge putzen. Ich bin echt satt.

Für das neue Jahr hab ich mir vorgenommen: Ich möchte Dinge tun und verändern, die ich tun wollte und bislang noch nicht gemacht habe. Egal aus welchen Gründen - ich werde dieses Jahr 28, wenn ich all diese Dinge tun will, dann muss ich mal langsam anfangen. 

Ich bin eigentlich ein Mensch, der für morgen lebt. Ich bin sparsam, horte mein Geld anstatt es auszugeben, bereite dauernd irgendwas vor. Wenn ich früh aufstehen muss, lege ich mir am Abend vorher schon Kleidung raus und stelle mir Müsli in der Küche zurecht. Ich möchte mehr im hier und jetzt leben. 

Mein Vorsatz: Ich muss von dieser Station weg. Ich will wechseln. Ich will in meinem Krankenhaus bleiben, aber ich will auf eine ruhiger Station wechseln. 3 meiner liebsten Kolleginnen haben gekündigt, ich gehe auch weg, ich hab keine Lust mehr auf dieses ganze Überstress und Tot-Gerenne auf der Arbeit. Ich will eine ruhige Arbeit, wo ich auch mal in Ruhe etwas dokumentieren kann, ohne dass mir die Zeit im Nacken sitzt oder mich irgendwer 12 mal von meinem Papierkram wegholt. Ich hab einen guten Kumpel, mit dem ich die Ausbildung gemacht. Er ist Leitung auf einer der hausinternen Psychiatrien. Ich werd ihn anrufen, ein Bier mit ihm trinken und fragen ob er ein gutes Wort für mich einlegen kann. Gleichzeitig werd ich mit meinem obersten Chef einen Termin machen und ihn  bitten mich zu versetzen. Ich mag meine Kolleginnen allesamt super gerne, aber ich bin meine Arbeit so satt. Ich brauch was Neues.

Was ich schon gemacht hab: Ich möchte seit einiger Zeit weitere Tiere. Nachdem ich jetzt 2 Jahre lang zwei Ratten hatte, wollte ich ein ganzes Rudel Ratten. 4 minimum, am liebsten mehr. Großer teurer Käfig. Alles teuer, teuer. Und arbeitsaufwändig. Aber ich hab´s gemacht.

Seit einer Woche bin ich stolzer Rattenpapa von 6 "Kleinkind"-Ratten. Großer, teurer Käfig gekauft, aufgebaut, eingerichtet. 6 kleine Ratten haben ein neues Zuhause, machen irre viel Dreck und ich bin jetzt täglich  mehrer Stunden mit ihnen beschäftigt. Im Moment bin ich in der "Zähmungsphase". Freundschaft schliessen mit den neuen Mitbewohnern. Jede wird mindestens 2 täglich rausgenommen, sollen sich dran gewöhnen aufm Arm wohl fühlen, werden mit Leckerlies gelockt. Und ich muss stolz sagen: Es läuft gut, zwei hab ich mittlerweile soweit, dass sie von alleine auf meinem Arm hüpfen, auf meine Schulter krabbeln und sich durch die Gegend tragen lassen. Eine ist besonders verkuschelt, sie konnte ich sogar heute Abend mit auf´s Sofa nehmen und ist beim Kraulen eingeschlafen auf meinem Schoss. Oh ich liebe diese Tiere so sehr.

Meine beiden "alten" Ratten waren nicht ganz so zahm, ich hatte sie ausm Tierheim, da waren sie schon 1 Jahr alt. Die beiden waren schon "versaut" in ihrer Erziehung. Ich hab sie beide sehr geliebt, aber sie mochten sich nicht gerne anfassen lassen oder gar streicheln. Und ganz schlimm bei den beiden: Angstbeissen. Selbst wenn ich ihnen ein Leckerlie geben wollte, haben sie sofort in die Finger gehackt. Ich hab sie immer meine "Anguck-Ratten" genannt. Jetzt hab ich auch "Anfass-Ratten".

Steffi fand die Idee erst gar nicht gut: "Warum soviele? Du weisst schon, dass die mehr Arbeit und mehr Dreck machen? Können wir nicht wieder nur ein Pärchen haben? Zwei reichen doch!" und am Ende einer Diskussion kam immer: "Du weisst, es sind dann DEINE Ratten, ich kümmer mich kein Stück drum!" Hab ich auch nicht erwartet. Wir hatten nur eine Vereinbarung: Kein übereilter Kauf. Ich musste wirklich 2 Nächte drüber schlafen, als ich dann DIE Ratten gefunden hatte, die ich unbedingt wollte. Also mein bester, schwuler, extrem tierlieber Kumpel mitgeschleppt zum Ratten kaufen. Und plötzlich steht Steffi in der Tür und verkündet: "Ich will auch mitkommen die Ratten aussuchen!" Da war ich schon sehr überrascht.

Zu Steffi muss ich kurz erklären: Steffi hatte nie Haustiere. Sie erinnert sich dunkel an einen Hamster, der nach wenigen Monaten "weggelaufen" ist (lag tot im Käfig, haben die Eltern dann schnell entsorgt, bevor alle 4 Kinder angefangen haben zu heulen). Steffi ist nicht so der Tiermensch. Für sie sind Tiere dann halt auch nur Tiere. Ich hab ja vor einigen Monaten über 3 Tage tieftraurig auf der Couch verbracht, nachdem ich meine eine Ratte einschläfern lassen musste.

Kommen wir zurück zum Ratten-Abholtag: Also drei Leute in unseren kleinen Bus gequetscht, Transport-Box dabei und ab zum Züchter. Und dann standen mein Kumpel und ich vor dem Rattenkäfig voll mit 7 Wochen alten Welpen und waren irre aufgeregt und fingen schon an eifrig auszusuchen, wer mit uns nach Hause kommt.  Und plötzlich kommt von hinten von Steffi: "Ich will die schwarze Ratte, sie soll Mary heissen!" Schweigen, verwundetes Umdrehen. "Okay ... dann nehmen wir die Schwarze auch mit." 

Und jetzt hat Steffi auch ihre eigene Ratte - Mary lebt natürlich bei ihren Geschwistern und gehört zu einer der zahmeren Tieren. Ich komm nach Hause von der Arbeit, Steffi kommt schon mit Mary auf der Schulter auf mich zu: "Mary ist von alleine auf meine Schulter gekommen!!! Das macht nur Mary bei mir!! Mary ist so eine coole Ratte!"

Heute war dann das Theater groß: Mary schnupft seit einigen Tagen und niest. Das kann bei Tieren gefährlich sein, muss aber nicht. Schlimm wurde als Mary kurz aufgeqiekt hat beim Niesen. Steffi sofort: "Oh Gott, das Tier leidet. Ryan, was bedeutet das? Mary ist krank!" Mary eingepackt, ab zum Tierarzt (auch für Steffi Primäre) und jetzt gibts Antibiotika-Spritzen, weil das Tier einen Schnupfen hat. Noch 2 mal, je 20 Euro, macht locker 60 Euro insgesamt. Wow, Tiere können echt teuer sein.

Tierarzt: "Schnupf eines der anderen Tiere?" - "Nein, nur Mary alleine." Und kaum kommen wir nach Hause, essen was, gucken etwas fern und plötzlich schnupfen 3 weitere Ratten ... morgen hol ich erstmal Vitamintropfen. Apropo mehr Dreck durch mehr Tiere: überall in der Wohnung ist Kleintierstreu. Wir laufen am Käfig vorbei, die Ratten haben das Streu rausgeschmissen, wir haben das Streu unter den Hausschuhen/Socken und plötzlich ist es überall. Im Bett, weil Steffi mit Socken ins Bett gegangen ist, sogar in der Jackentasche (Mary hat beim Tierarzt sich einmal versucht in meiner Jackentasche zu verstecken). 

Aber ich liebe meine Tiere.


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