Boys don´t cry

23.06.2004 um 13:17 Uhr

Noch ein Tag in meinem Leben

von: Ryan

Ich hab so richtig viel Zeit im Moment. Das kotzt mich jetzt schon an. Eigentlich kann ich jetzt nur warten, dass die sich von der Schwesternschule endlich melden, wann mein Vorstellungsgespräch ist, bzw. ob die mich überhaupt nehmen oder ablehnen oder was auch immer ...

Also was tue ich? Ich steh morgens auf, chill rum, ess was, dusche und geh wieder schlafen. Jupp, das ist mein äußerst produktiver Tag.

Außerdem isses nicht gut wenn ich zuviel Zeit hab. Ich wirtschafte meinen Körper mal wieder systematisch runter.

Was hab ich gestern gegessen? Eine Scheibe Vollkornbrot, 2 Scheiben Knäckebrot, ne Hand voll Katjes Jogurthzeugs und ne Kanne Kaffee. Ich hab nicht mal Hunger.

Und ich fühl mich so unwahrscheinlich fett, das glaubt mir kein Mensch wie fett ich mich fühlen kann. Ich seh überall Fett und ich weiss ganz genau, was ich jetzt wiege, will ich nicht wiegen. Ich will eigentlich nur 3-5 kg abnehmen.

Natürlich erzähl ich das keinem, sonst krieg ich wieder von allen Seiten nen Vogel gezeigt. Aber mal davon abgesehen mag ich auch nicht mehr essen. Ich weiss nicht, ich hab kaum Hunger. Und als ich gestern einkaufen war, hab ich echt nur das eingekauft, was ich mir vorher aufm Zettel geschrieben hab als ich fernsehen geguckt hab und da Werbung lief. Ansonsten würd ich wahrscheinlich ncihts einkaufen oder ewig meine Standart-Einkäufe.

Aber Rotwein steht meistens auf meinem Einkaufszettel. Ich betrink mich ja nicht dauernd mit Rotwein, nee ich trink ja ganz oft auch einfach nur Rotwein-Schorle oder zwei Gläser weil ich einfach net mehr trinken will.

"Du trinkst schon wieder so regelmäßig!" - "Hast du keine eigenen Probleme, worum du dich kümmern kannst?!"

Wenns mir schlecht geht, kriegt das trotzdem keiner mit.

 

Mal davon abgesehen hab ich diese und letzte Woche nichts mehr getrunken. Ich vermiss auch nix. Und ich versuch mir grad das Cutten abzugewöhnen, in der Ausbildung kommt das nicht so gut, wenn man dauernd an sich rumschnippelt.

Ich weiss nicht mal wie ich das nennen soll. Cutten? Schneiden? Naja, egal, ich will das jetzt eh aufhören.

Was mach ich? Ich weiche erstmal auf andere Dinge aus, also viel Kaffee trinken, hungern, kotzen, kiffen ... vom Kiffen nimmt man ab, selbst wenn man nen Fressflash kriegt, ist doch besser als Kotzen?

 

Mama will Freitag 10 Tage nach Californien. Ich wollte eigentlich mit, aber ich hab Angst dass ich dann da abticke. Ich mag die Leute da, ich hab viel Spaß mit meinem Cousin, wir könnten den ganzen Tag Surfen und Abends saufen ... ich weiss nicht ob mir solche Leute grade gut tun. Ich mein, die Leute da sind jetzt so 19-20 und dürfen legal noch nicht saufen, also tun sie es exessiv. Und Kiffen natürlich, wie konnte ich sowas vergessen?

Naja, zumindest bin ich ganz froh, dass ich in Deutschland aufwachsen durfte. Hier bin ich ja schon seit fast 2 Jahren "Erwachsen" und in Amerika haben die noch ein Jahr vor sich, bevor sie in solchen Genuß kommen. Das macht doch einiges aus.

Mal davon abgesehen möchte ich nicht, dass meine Freundin nen neuen Grund kriegt zu meckern. Und vielleicht hat sie dazu auch noch nen kleines bissle schlechtes Gewissen, dass ich wegen hier da geblieben bin ... nein das werd ich ihr natürlich nicht einreden ... so ne linke Sau bin ich nun auch net.

 

Ja und irgendwie ist mir grade furchtbar aufgefallen, ich schreib hier nur rein, wenn es mir schlecht geht oder ich mal über die ganze Welt meckern muss ... wenns mir gut geht, hab ich irgendwie andere Dinge zu tun.

Hallo, lieber Leser meines Tagebuches, ich bin NICHT dauernd depressiv und motz über jede Kleinigkeit. Ich kann auch ein sehr lebensfroher und liebenswerter Mensch sein, aber nicht hier. Die tollen Erlebnisse meines Lebens kommen in ein anderes Tagebuch.

Ryan

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenCentaurea schreibt am 24.06.2004 um 18:40 Uhr:Du liebe Güte, ich hoffe doch, du bist in Behandlung. Ernsthaft.

    Anstelle deiner Mutter wäre ich schon ein duzend Mal ausgezogen, da gibt es doch sicher Institutionen, die einem in so einem Fall helfen. Außerdem gehört der Mann eingesperrt, ein Verbrecher, egal wie krank er ist.



    Sie bleibt derzeit vielleicht wegen der Kinder beim Vater, aber ihr wird es nicht im geringsten besser gehen, wenn ihr ausgezogen seid. Eher im Gegenteil denke ich.

    Der macht euch doch völlig kaputt.
  2. zitierenRyan schreibt am 25.06.2004 um 12:52 Uhr:Hi Centaurea, lieb dass du antwortest.

    Nein ich bin noch nicht in Therapie, ich hatte es eigentlich diese Woche vor, aber meine Freundin musste viel Arbeiten und sie hatte mir versprochen mitzukommen wenn ich zum Arzt gehe um mir ne Überweisung zu holen.



    Ich anstelle meiner Mutter hätte alle zwei Wochen ausziehen können ... ich weiss nicht, ich hab 2 Jahren versucht sie wirklich dazu zu bewegen, dass sie sich trennt. Aber ich hab mir den Mund fusselig geredet, genauso wie meine Brüder und dann nickte sie auch immer ganz brav und meinte: \"Ja, stimmt ja, ihr habt recht.\"

    Zwei Stunden später handelt sie wieder gegenteilig ... ich habs aufgegeben.

    Ich hab dann noch versucht beim Jugendamt, ProFamilia und etc. versucht rauszukriegen, ob ich meine kleine Schwester da noch rausholen kann, aber no Way.

    Ich werd weihnachten ausziehen wenn ich meinen Ausbildungsplatz hab, und dann hab ich mit dem Teil meines Lebens abgeschlossen.

    Man muss auch bedenken, sie beiden sind seit fast 30 Jahren verheiratet und dass ein Mann in einer solchen Familiensituation zum tyrannen wird, passiert leider zimelich oft.

    ich bin ne Quasseltante ;-)

    Aber eigentlich wollte ich mir nur für deinen Kommentar bedanken (ich wusste gar net dass den Mist hier soviele Leute lesen, aber ich freu mich drüber).

    Also noch mal Danke =)

    Liebe Grüße

    Ryan
  3. zitierenCentaurea schreibt am 25.06.2004 um 13:47 Uhr:Zuerst: Freut mich, dass du dich dazu entschlossen hast. Ich wünsche dir Kraft und Ausdauer und allem voran den Willen, das durchzuziehen.



    Ich finde es immer traurig, wenn Mann und Frau nur zusammenbleiben, weil sie es so gewohnt sind, wegen der Kinder oder weil sie Angst vor dem Alleinsein haben. Aber im Fall deiner Mutter verstehe ich es nun überhaupt nicht. Dennoch mag ich mir kein Urteil erlauben; Man weiß nie, wie schwer die Last ist, die man nicht trägt.

    Vielleicht hofft sie verzweifelt, dass er sich ändert?



    Ich wünsch euch alles Gute und drück die Daumen!



    Liebe Grüße,

    Centaurea

Diesen Eintrag kommentieren