Boys don´t cry

02.04.2010 um 00:43 Uhr

Primäre

von: Ryan

Primäre: erste Therapie. Besser gesagt: Verhaltenstherapie. Komische Sache. Zwischendurch dachte ich, ich sei im falschen Film, wenn ich zum Beispiel mir selbst sagen sollte, dass ich wertvoll bin. Natürlich laut und deutlich damit auch mein Unterbewusstsein es mitkriegt. Mein Therapeut ist ein seltsamer Mann. Irgendwie undurchsichtig. Sowas macht mir irgendwie Angst, grade bei Männnern. Ungewohnt. Ich mag Menschen eigentlich nicht so gerne, die für mich schwer einschätzbar sind.

Aber er hat schon mal ne Theorie. Wenn ich das so richtig wiedergeben kann, ist der Teil in mir, der dauernd perfekt sein will,einen viel zu großen Stellenwert in meiner Persönlichkeit eingenommen. Irgendwie einleuchtend. Immerhin bin ich sehr wertefixiert, sehr darauf bedacht allen zu gefallen und ja alles richtig zu machen. Ich hab hohe Ansprüche, vor allen an mich selbst. Mir hat mal ne Azubine gesagt, ich erwarte viel. Und ich sagte: "Ich warte von dir weniger als von mir selbst." und sie sagte sowas wie: "Na, dann will ich gar nicht erst wissen, was du von dir erwartest." Also wenn ich schon so hohe indirekte Ansprüche an andere hab, wie soll ich mir selbst gerecht werden?

Und unter meinem viel zu großen Über-Ich, ist meine emotionale Seite verkümmert. Sie stirbt sogar. Sie hat Todesangst. Daher meine Angstattacken. Sie versucht mir dringend zu zeigen, dass sie da ist, dass sie auch dringend gesehen werden muss. Und macht mir damit große Beschwerden, weil sie sich ja nicht anders wehren kann. Hört sich soweit alles einleuchtend an. Ich hab mich vorher nicht so emotional eingeschätzt, aber irgendwie dann schon. Ich kann sehr empathisch sein. Aber vielleicht ist das nur eine Rolle in meiner Fassade, also gar nicht echt. 

Oh man, willkommen in der Psychoanalyse. Also musste meine emotionale Seite meiner perfekten Seite laut sagen, dass sie auch noch da ist und eine Dasein-Berechtigung hat. Und zwar laut. Da kam ich mir irgendwie doof vor. Außerdem hoppelte ich immer zwischen den beiden Stühlen hin und her um auch körperlich meine Abspaltung zu machen. Hmpf. Anstrengend. Geheult hab ich natürlich auch. War ja klar. Aber vielleicht muss das sein.

Was mir nicht so gut gefiel: ich hab echt kurz geredet und irgendwie war dann alles schon klar. Er wusste dann scheinbar schon was Sache ist alleine an den Eckdaten. Mmh, vielleicht ist das so. Vielleicht auch nicht. Aber erstaunlicher Weise gehts mir den ganzen Tag schon echt gut. Nix dunkel, nix traurig. Ich bin heute sehr mittig. Finde ich gut.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenVomFeuerkind schreibt am 11.04.2010 um 17:42 Uhr:wow... ich finde das ist ein wirklich guter Anfang. Und dass du anfängst auf die Emotionale Seite zu hören, klingt wirklich gut.

Diesen Eintrag kommentieren