Boys don´t cry

30.11.2008 um 03:03 Uhr

Psycho friends - but most times i´m ok with it

von: Ryan

Musik: i´ve been searchin´

Vielleicht ist es unpassend, vielleicht sollte ich sowas auch nicht schreiben - aber es geht "mal wieder" um eine Frau - eine Freundin. Eine sehr gute Freundin. Mit der ich mich gestritten hab und die seitdem keinen Kontakt mehr haben möchte mit mir - bzw. Ich hab ihr zuerst an den Kopf geknallt, dass ich keinen mehr haben kann, wenn sie sich so verhält wie sie es getan hat ... und jetzt ist einige Zeit verstrichen ... und sie fehlt mir. Sie fehlt mir so sehr.

Das zwischen uns war irgendwie was sehr besonderes. Und sie fehlt mir. Sie fehlt mir sehr. Sie gehörte mit allem was sie ausmachte zu mir. Ich hab ihr viel erzählt, vieles was ich nicht so einfach von mir geben würde. Sie weiss viel über mich, vieles hab ich ihr anvertraut und nun ist sie "weg". Und ich trau mich nicht ihr zu sagen wie sehr sie mir fehlt, weil man im Streit immer Dinge sagt, die einem später leid tun, aber man, bzw. Ich mich schwer tue solche Zugeständnisse zu machen.

Zu diesem Zeitpunkt konnte ich nicht mehr, ich konnte es nicht ertragen, die Situation, ihren zunehmenden Verfall - es ging ihr schlecht und sie liess sich nicht helfen oder besser: ich fühlte mich so machtlos und ausgebrannt, dass ich keine andere Chance sah als sie fallen zu lassen. Ich weiss nicht ob so noch einmal reagieren würde, vielleicht. Ich hab sie für meine Hilflosigkeit verantwortlich gemacht und bestraft. Das ist unfair. Ich weiss.

Aber das soll nicht das Thema sein. Das Thema ist: Sie fehlt mir. Sie fehlt mir mehr als ich es gedacht hätte. Sie fehlt mir sehr.

Und was mir mal wieder klar wird: Sowas passiert mir dauernd. Meine besten Freunde sind psychisch "nicht gesund" um es nett auszudrücken. Ich suche mir Menschen mit schildernden Persönlichkeiten. Menschen, die mich faszinieren, die ich lieb gewinne und dann passiert sowas und alles ist dahin. Und ich verliere diese Menschen, die mir soviel bedeuten.

Anderes Beispiel von einer anderen Freundin. Wir waren beste Freunde über 3-4 Jahre hinweg. Sie hatte es noch nie leicht, war Waise seit ihrem 13. Lebensjahr, hat sich so durchgeschlagen, trotzdem erfolgreich Abitur gemacht und studiert. Irgendwann brach der Kontakt so ab, ich meldete mich nicht mehr, sie auch nicht. Das ist nun 3 Jahre her, seitdem der Kontakt abgebrochen ist. Meine Ex ist ne sehr gute Freundin von ihr und von ihr musste ich erfahren, dass meine damals beste Freundin tief depressiv schon seit über nem halben Jahr in einer geschlossenen psychiatrischen Station irgendwo in Hamburg verwahrt wird nach nem halben duzend Selbstmordversuchen innerhalb von wenigen Tagen und das die Prognose schlecht aussieht, dass sie jemals wieder ihr Leben alleine regeln wird.

Oder mein damals bester Freund - so nen Nachbarsjunge. Unsere Mütter waren super gute Freundinnen. Wir haben unsere Kindheit und Jugend miteinander verbracht. Und obwohl er sich irgendwann als schwul outete, blieb er mein aller bester Freund. Wir haben alles zusammen durchgestanden. Und nun? Nun hat er die Diagnose "bipolare Störung", was genau übersetzt heisst: manisch-depressiv. Plus Angst- und Panikstörung. Wenn jemand dir sowas erzählt, was du hast, wie läuft dein Leben dann ab? Hast du überhaupt noch Zukunftspläne oder willst du einfach nicht mehr da sein? Das ist doch schrecklich.

Gegen Lungenentzündung gibts Antibiotikum, gegen Krebs kann man mit Bestrahlung und Chemotherapeutika arbeiten, aber was ist wenn dir jemand sagt: "Die Tiefe deiner Persönlichkeit hat ne schwere Störung und es wird sehr viel Kraft und Arbeit und Zeit erfordern, bis wir das halbwegs so in den Griff gekriegt haben, so dass Sie sich ohne fremde Hilfe versorgen können."

Selbst meine Exfreundin, mit der ich 3 Jahre lang zusammen war, hat sich aufgrund dieser Vorfälle zum Psychologen begeben und macht nun ne Therapie. Diagnose: Borderline-Persönlichkeit.

Als mir das alles vor wenigen Wochen klar wurde, musste ich erstmal schlucken. Verdauen kann ich das immer noch nicht. Und die Frage aller Fragen: Und was hab ich? Welche Diagnose würde mich erwarten? Borderline? Helfer-Syndrom? Auf mich würden viele Dinge zutreffen, wenn man mich fragen würde. Aber ich hab natürlich ne andere Sichtweise auf mich selbst als andere Außenstehende. Meine Mom ist immer noch der Meinung, dass ich was hab, was man "sentimentale, verletzliche Seele" nennt. Ich sei zu warmherzig. Aber meine Mom stellt viele Theorien auf nachm 2. Glas Wein. Daher verlasse ich mich auf solche Schreckenstheorien nicht. Obwohl meine Mom natürlich einmal bestätigt wurde: Meine kleine Schwester (17) hat ne leichte Autismus-Form und das Tourette-Syndrom, was ihrer Brüder aber nicht hindert, sie ne verwöhnte Göre zu nennen. Sicher hat sie zu kämpfen, aber ihr Autismus ist kaum wahrzunehmen (außer man kennt sie genau mit den Symptomen aus) und mit ihrer Ticksstörungen kommen alle gut klar. Sie weiss auch mittlerweile wann diese Ticks vermehrt auftreten und ihre Freunde sehen das scheinbar nicht mehr oder finden es nicht schlimm, denn sie hat viele Freunde und hatte auch schon diverse feste Boy-Friends. Eben so wie jedes andere 17. Jahre alte Mädchen.

Ich, ihr Bruder, bin aber 24. Ich hab erfolgreich ne eigene Wohnung seit über 4 Jahren, kann diese bezahlen, schaffe es meine Wäsche sauber zu halten, unabhängig zu leben, Freunde zu haben und mich selbst nebenbei nicht so runter zu wirtschaften, dass ich kaputt gehe. Noch ... manchmal denke ich ganz laut: NOCH ... vielleicht ist eine Arbeit ne neue Art der Selbstzerstörung. Ich arbeite soviel, bis ich kaputt bin. Ich weiss das und nehme es in Kauf. Auch jetzt wo meine Lebensgefährtin mir eröffnet hat, dass sie der Unterhalt für ihren Sohn und Kindsvater so ruinieren wird, dass wir auf mein Gehalt angewiesen sind. Also Zähne zusammen beißen und weiter arbeiten. Bis es nicht mehr geht? Was krieg ich für ne Diagnose? Burnout? Irgendeine Persönlichkeitsstörung, die ich ausgereizt habe bis sie ausbricht?

Solche Ängste erschüttern mich bis ins Fundamentalste. Wo sind meine Freunde, die mir helfen? Ach, ich vergass. Denen muss man ja helfen. Das ist fies, ich weiss. Ultrafies. Aber was mach ich jetzt? Ich bin halt da mit meinen Gedanken und meinen Überlegungen und überlege wen ich damit belästigen kann ... und mir fällt eigentlich niemand ein.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenEngelsche schreibt am 01.12.2008 um 11:33 Uhr:Uns... uns kannst du jederzeit damit belästigen!

    Aber, und das ist etwas, was ich mir derzeit überlege... je älter man wird (ich mittlerweile 35), desto weniger will man seine Freunde mit den eigenen Problemen belämmern. Die haben selber genug. Und deswegen wäre so ein Therapeut vielleicht gar nicht so schlecht. Jemand der einem beim reflektieren hilft. Jemand den man unendlich mit seinem Mist bequatschen kann. Der sogar noch ne professionelle Sicht darauf hat und einen vielleicht wirklich in dem einen oder anderen Punkt weiter bringt. Warum denn nicht? Mein einziges Problem: Wer zahlt das? Bloss, weil ich nicht mehr, wie im Teenie-Alter, meine Freunde mit meinen Problemen belasten will, kann ja kaum die Krankenkasse dafür einspringen. Kann ich ja wohl kaum die Solidargemeinschaft dafür zahlen lassen...
    Aber Du Ryan, du hast andere Vorzeichen: SSV, Essstörung, Burneout, sowas könntest Du jedem Arzt erzählen, da würdest Du eine Behandlung bekommen, oder? Da würde das die Kasse doch übernehmen?

    Wie auch immer: Nase oben halten!

    Wünsch dir alles Gute!
  2. zitierenClarice schreibt am 01.12.2008 um 16:52 Uhr:klingt nicht gut das ganze - vielleicht solltest du wirklich mal in ruhe mit jemandem reden. drück dir die daumen, dass es wieder besser wird.
  3. zitierenApfelsinia schreibt am 05.12.2008 um 12:34 Uhr:Das ist nicht einfach für dich. Freunde die problembeladen sind, können dir quasi gar nicht helfen, da sie nur mit sich zu tun haben - ist meine Erfahrung. Ich kenne das etwas - ich habe lange Zeit auch oft Freunde gehabt mit Problemen. Wenn man z.B. eine schwere Kindheit hatte trifft man auf ähnliche Menschen, erzählt sich davon und fühlt sich "verbunden". Ich habe auch gerade mit meiner besten Freundin so eine Situation, wo ich denke....ist sie es noch?

    In Zukunft werde ich wohl sehr problembeladene Menschen nicht mehr so an mich ran lassen oder ihnen raten, sich professionelle Hilfe zu suchen - denn ich bin kein Therapeut. Klingt hart, aber wir müssen uns auch selbst schützen, davor dass andere nicht unsere ganze energie ziehen. Es sollte ein Nehmen und Geben sein - und sich die Waage halten. Alles Gute und Grüße da lass ;)
  4. zitierenklax schreibt am 24.03.2009 um 09:53 Uhr:hallo, eine seite wie diese habe ich gesucht!!!das ist so ein wichtiges, aber irgendwie auch unterrepräsentiertes thema.. als ich deinen eintrag gelesen habe, hat es mich etwas getröstet, dass es anderen ähnlich geht, obwohl es mich natürlich auch traurig macht. ich kenne das, ich habe auch ständig psycho-freunde, bin aber selber auch einer und inzwischen in behandlung. ich kann keine freundschaft aufrechterhalten (bin schon 29) und werde dadurch auch immer trauriger. mein problem ist, dass ich zu wenig selbstbewußtsein habe, extrem harmoniesüchtig bin und unfähig, andere zu kritisieren oder kritik entgegenzunehmen. doofe mischung irgendwie, die mich auch in eine krasse handlungsunfähigkeit drängt, die die anderen, wie mir jetzt erst bewußt wurde, als kälte empfinden. ich kann jetzt durch die therapie auch verstehen, wie anstrengend ich sein muss, aber es geht gerade nicht anders....außerdem habe ich mich wegen dieses mangelnden selbstbewusstseins auch immer einfach mit jedem angefreundet, der irgendwie nett zu mir war, leider waren das oft dominante, herrschsüchtige leute, die sich eben wen schüchternen zum rumkommandieren gesucht haben. das will ich jetzt ändern. ich lasse nicht mehr jeden an mich ran, arg problembehaftete menschen momentan auch nicht (bin ich ja selber, das überfordert), und wenn ich dann eine zeitlang nur wenige freunde habe, ist das auch o.k. ich habe immer versucht, es allen recht zu machen und war dabei immer weniger ich selbst und enorm gestresst. das wichtigste für mich ist es zu lernen, meine meinung zu sagen und grenzen zu ziehen und die schuld nicht immer nur bei mir zu suchen....wenn man psycho-freunde hat, helfen vielleicht gespräche über genau solche verhaltensmuster und strukturen, ohne sich in datails zu verlieren. manchmal habe ich auch das bedürfnis, den leuten zu sagen:" sorry, ich bin schüchtern, also wenn ich mich komisch benehme, meine ich das nicht böse.... "das würde diesen enormen druck mindern. mache ich aber nicht, ich hätte dann das gefühl, dann finden die anderen mich erst recht komisch...ich glaube auch, heute ist der anspruch an menschen und freundschaften so perfektionistisch und dabei so weit entfernt von der realität......schade, aber man kann ja an sich arbeiten. wenn man sich immer wieder psycho-freunde sucht, hat das wohl auch etwas zu bedeuten. herauszufindenn, was genau, ist dabei eine wichtige aufgabe...
    so long

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