Boys don´t cry

25.06.2010 um 22:48 Uhr

Resume: Festival-Wochenende

von: Ryan

Nur ein kurzer Beitrag: Festival war wirklich toll. Trinken, gute Musik, 4 Tage unter freiem Himmel. Freiheit pur. Ein bisschen wie Woodstock. Alle sind nett, egal wen du ansprichst, alle sind nett, entspannt, aufgeschlossen, freundlich und immer bereit nen Bier mitzutrinken. Das Wetter hätte besser sein können - aber auch wesentlich schlechter. Also kein Grund zu meckern.

Ich hatte nur vergessen wie unendlich schmutzig es ist. Wenn du grade mal 10 Minuten über den Acker gelaufen bist, kannste deine Schuhe wegschmeissen. Egal bei welchem Wetter. Wenn´s trocken ist, staubt es ohne ende - wenn es nass ist, läufst du durch Matsch. Aber das war mir selbst nüchtern ziemlich egal. Und ich hab den Komfort eines Badezimmers wieder schätzen gelernt. Einfach mal im Nebenraum die Hände waschen - aufm Festival ein Unding oder ein Ding, was dich mindestens ne viertel Stunde deines Lebens kostet, bis du mal endlich irgendwo bist wo es auch fliessend Wasser gibt, Seife musst du selbst dabei haben und Hände abtrocknen musste an der Hose ... und komischer Weise muss ich nachts nie auf´s Klo - außer ich lieg in nem Zelt und die Dixies sind 10 Minuten Fussmarsch entfernt. Ist ja klar ... 

Aber die Stimmung war großartig. Meine Brüder waren ja dabei, meine Nichte (anfang 20) durfte ja angeblich nur mit, weil der Papa ja aufpasst. Ihr Kommentar dazu: "Pffff!!!" Und sehr spannend dabei: Sie meistens nüchtern, ähnlich wie ich nur 2-3 Dosen Bier auf 24 Stunden ... ihr Vater dagegen dauernd hackestramm. Mein Bruder Lukas und mein Bruder Chris teilten sich ein Zelt, haben sich gegenseitig wachgemacht sobald der erste wach war und aufm Weg zur Dusche morgens um 7 das erste Bier auf die Hand. Und zum Frühstück ein zweites und nachm Frühstück ein drittes ... das ging meistens solange bis die beiden sich mittags gegen 16.00 dringend mal "hinlegen" mussten oder pünktlich zum Mittagessen kotzen mussten. 

Auch sehr witzig: Was man da so sieht, ist besser als Fernsehen. Alle betrunken, sehr witziges Outfits darunter - ich ann mich zum Beispiel an einen erinnern, der die ganze Zeit im Ernie&Bert-Erwachsenen-Strampler durch die Gegend lief. Oder wiederrum ein anderer, der wirklich 4 Tage am Stück nen Anzug mit Krawatte trug. Solche Leute stechen natürlich raus unter 70.000 Besucher. Und weil´s bei uns im Zeltlager so witzig war, hab ich total viele Bands verpasst. Dann trinkt man doch nochmal nen Bier mit und lacht sich schlapp, und schwupp ist die Zeit wie im Flug vergangen. 

Ich hab zig-tausend kleine Geschichten im Kopf, die super witzig waren - aber die ich sicherlich nicht gut nacherzählen kann - Situationskomik eben. All meinen Freunden, denen ich davon erzählt hab, haben grade mal müde geschmunzelt über ne Anekdote, über die Chris, Steffi und ich jetzt noch brüllen vor lachen - weil wir dabei waren. 

Zum Beispiel (ich versuch´s jetzt einfach mal), Nacht von Freitag auf Samstag. Wir sitzen im Zeltlager, trinken, es ist ungefähr 2-3 Uhr nachts. Keiner hat ne Uhr um, mein Bruder taummelt zu unseren Zeltnachbarn, ein Mann kommt ihm entgegen und Chris lallt: "Wie spät ist es?!" - Und der Typ lallt wie aus der Pistole geschossen: "Samstag!" Nicht so witzig, wenn man es erzählt - hätten wir es aber gefilmt und auf YouTube gestellt, hätte es schon die halbe Welt gesehen und drüber gelacht. Oder ne andere Geschichte, die auch sehr nett war: Mein Bruder Lukas hat zwar Jura studiert, aber davon merkste aufm Festival rein gar nichts. Auch so ein Phänomen: Die Leute sind ganz anders als im wahren Leben. Lukas zum Beispiel: abgefüllt ohne Ende, hat sich 5 Tage nicht rasiert, in 4 Tagen nur ein einziges Mal geduscht (und auch nur sehr kurz), hatte 4 Tage die gleiche eklige stinkende Hose an, schmutzige Fingernägel als hätte er nen Friedhof alleine umgegraben, ihm lief beim Essen der Fleischsaft aus den Mundwinkeln und liess jeglichen Müll dort fallen wo er grade stand oder lag ... und Montag morgen ist alles vorbei, er duscht, rasiert sich, zieht seinen Anzug an, bindet seine Krawatte und ist wieder Anwalt von Beruf. Nur das Festival-Bändchen an seinem Handgelenk erinnert an das verlotterte Wochenende. Das ganze Festival ist eine Ansammlung von Musik-Fans, die einfach mal 3-4 Tage die Sau rauslassen und frei sind. 

Ich hatte auch Spaß. Ich fühlte mich seit langem endlich mal wieder frei und pudelwohl, obwohl ich wirklich wenig getrunken hab. Ich hatte wirklich Angst, dass ich ne geile Band verpasse, nur weil ich betrunken irgendwo eingeschlafen bin. Das wollte ich nicht. Ich bin auch nicht ganz so hardcore drauf, Körperhygiene war mir schon wichtig, ich bin auch einer der wenigen, die wirklich jeden Tag duschen gegangen sind und sogar Haarspray dabei hatten.

Was mich auch sehr beeindruckt hat, war wie schlecht wir Deutschen Englisch sprechen. Ich sprech je verhältnismässig gut Englisch, nachdem ich mal nen Austauschjahr in Amerika hinter mich gebracht hab und nen amerikanischen Vater hab, der kaum Deutsch spricht. Ich hatte mich gleich Freitag mit nem Mädel angefreundet, die in Deutschland ein Semester studiert, gebührtig aus Großbritannien und von ihrem Freunden gleich mal aufs Festival mitgeschleppt wurde. Ein paar deutsche Worte kannte sie, aber sobald 2 Sätze auf Deutsch fielen, kam sie nicht mehr mit. Sehr hübsch war sie im übrigen auch - aber da Steffi weder eifersüchtig noch beunruhigt war, weil ich soviel Zeit mit ihr verbracht hab, war ich es auch nicht. Ich fand´s sogar richtig schön, endlich mal wieder mich auf englisch unterhalten zu können. Steffi nur so nen bisschen bratzig (bzw. mir kam das so bratzig vor): "Ich hätte ja nicht gedacht, dass du so gut englisch sprichst" Ach ... ich hab 1 Jahr in Kalifornien gelebt, ich hab mich da nicht nur mit Handzeichen verständig gemacht. Aber nochmal zu den Deutschen: Alle Englisch-Unterricht ab der 5. Klasse aber so Sätze raushauen wie: "You have to drink more drunk." What? Das hab selbst ich nicht verstanden. Oder: "Do you like was du in Deutschland schon gesehen?" Tolles Phänomen: Die ersten Worte in Englisch anfangen und dann erwarten, dass auch der Rest verstanden wird.

Aber was auch schön ist: wieder nach Hause kommen, raus aus den dreckigen Klamotten, duschen und dann ins kuschelige Bett mit einer richtigen Matratze. Endlich wieder Stille um einen herum (erst zuhause im Bett merkte ich dass ich nen Tinitus hatte). Richtiges Essen, nicht nur Grillfleisch und Bier, saubere Kleidung, ein Badezimmer in der Nähe, nicht mehr schutzlos Wind und Wetter ausgesetzt zu sein. Aber es war schön. Chris fragt schon dauernd, ob er schon mal Karten für 2011 bestellen soll.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenhttp://noah.blogage.de/ schreibt am 27.06.2010 um 18:28 Uhr:Haha, dieses Phänomen mit dem auf Englisch anfangen und auf Deutsch aufhören, kommt mir auch irgendwo bekannt vor. Mir tun immer die Englischsprecher so leid, die kein Wort verstanden haben aber von denen trotzdem eine Antwort erwartet wird... na ja.

    Klingt nach vielen Erlebnissen, das ist immer gut!

    Viele Grüße
    eines Unbekannten ^^
  2. zitierenHedera schreibt am 29.06.2010 um 19:12 Uhr:das hört sich gut an!!!!! das freut mich wirklich, dass du ein wochenende voller spaß hattest!!!!!

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