Boys don´t cry

07.04.2007 um 02:01 Uhr

Ryans psychosoziale Unfähigkeit

von: Ryan

Musik: Olli Schulz & der Hund Marie - Weil die Zeit sich so beeilt

Ja, mein Tag war wie erwartet - um 2 ins Bett, um 4 wieder aufgestanden, halbtot die Schicht hinter mich gebracht, schlafen und mit Freunden treffen.

Und irgendwie war es mal wieder das alte Spielchen. Seit unserem 16. Lebensjahr haben bestimmte Leute Depressionen, Abstürze etc pp. Und lassen die ganze Welt und insbesondere den engeren Freundeskreis dran teilhaben. Ne Freundin von mir ist grade sehr verliebt, hat nen stressiges Studium und kommt grade überhaupt nicht mit sich selbst klar. Sie arbeitet selbst im Gesundheitswesen und sie weiss, dass ich mich mal selbst verletzt habe. Gut, wir sitzen also inner Kneipe und sie cremt sehr offensichtlich neben mir an ihrerm Arm rum und ich nur: "Was hast du denn ..." und seh diverse oberflächliche Schnitte an ihrem Arm (sie war kurärmelig unterwegs) und sie nur: "Das müsstest du doch kennen." Ich hab nur von meinem Bier genippt und gar nichts gesagt - ich wollte dazu auch irgendwie nichts sagen. Und sie: "Ryan, mir gehts im Moment echt schlecht und ..." Ich bin daraufhin aufgestanden und erstmal 5 Minuten vom Tisch weg.

Das hat sie sicherlich total vor den kopf gestossen und ich weiss auch, dass ich ja eigentlich für meine Freunde da sein möchte und helfen möchte ... aber ich wollte das nicht. Ich konnte es auch nicht. Ich weiss, dass sie Probleme hat und dass es im Moment heftig ist und sie leidet bestimmt, das zweifel ich nicht an ... aber ... nee. Ich konnte mir das nicht anhören, ich wollte damit nichts zu tun haben. Es war auch irgendwie so ... ich weiss gar nicht wie ich das formulieren kann ohne dass es sich vorwurfvoll anhört ... es war so offensichtlich. So ein plumper Hilfeschrei. Sicherlich muss man jeden Hilfeschrei ernst nehmen ... aber das war so nach: "Schau wie schlecht es mir geht, und DU weisst wie schlecht es einem gehen muss, damit man SOWAS macht." Ich versteh das auch irgendwie nicht - sie wollte dass wir (bzw. ich) das sehen. Ich wollte nie, dass jemand meine Schnitte sieht bzw. die Narben. Ich habe keine einzige Hose im Schrank, die nicht mindestens bis übers Knie geht und ich habe mir NIE in die Arme geschnitten.

Der Abend war eigentlich ganz nett - man redet über dies und jenes und wir mögen uns ja auch alle, immerhin kennen wir uns seit fast 10 Jahren. Naja, irgendwann ging die betreffende Freundin aufs Klo ... und kam nicht wieder ... bis ich ner andere Freundin gesagt hab, dass mir das irgendwie zu lange dauert, ob sie nicht mal nachschauen könnte ob alles in Ordnung sei. Zwei Minuten später: "Ryan, kannst du mal kommen?" Ich habs mir fast gedacht ... naja, sie saß dann apathisch aufm Klodeckel, die andere Freundin, die nach ihr gesehen hatte war so: "Mmh, und jetzt?" und sie hatte sich natürlich geschnitten. "Ich muss Druck abbauen." - Ich nur: "Ja ist klar." Es hat "nicht mal" geblutet. "Ich hab Verbandszeug in meiner Tasche." Oh also geplant ... gut. Ich hab dann echt schweigend ihren Arm desinfiziert, ne Kompresse drauf gemacht, geklebt ... und sie (diejenige welche nun Patientin war): "Ryan, willst du gar nichts dazu sagen?" Ich hab dann nur geseufzt und meinte: "Ich kann dir nicht helfen, ich würd´s gerne, aber ich kann nicht."- "Wie meinsten du das jetzt?" - "Ich hab dir oft gesagt, dass du in Therapie sollst, du reitest dich dauernd in die Scheisse. Am laufenden Band "passieren" dir solche Sachen." - "Ja aber was soll mir Therapie bringen?" Wieder Seufzer von mir. "Dann ist das wohl der falsche Zeitpunkt für dich in Therapie zu gehen." und bin dann irgendwie nur raus.

Die andere Freundin war dann noch mit ihr alleine da und sie haben geredet (im nachhinein hab ich von der Freundin gehört, das Gespräche wäre um die ewigen leidigen Themen gegangen und einsichtig war sie auch nicht). Aber ich bin dann zurück zu den anderen und hab das irgendwie ganz weit weg geschoben von mir.

Später meinte die Freundin, die bei ihr geblieben ist, zu mir: "Auf dich hört sie." Aber was soll ich machen? Ich hatte stundenlange Gespräche mit ihr, ich kenne ihre Probleme und ich hab ihr Lösungsvorschläge ohne Ende gemacht und sie nimmt auch irgendwie nichts an. Mal nebenbei der wichtige Faktor, dass ich selbst genug Leichen im Keller hab, die ich im Gegensatz zu ihr nicht breittrete und öffentlich mache ... aber ich fühl mich halt ganz stabil zur Zeit (meistens) und ich mag es stabil zu sein, und irgendwie hab ich auch Angst ausm Gleichgewicht zu geraten, wenn sich jemand an mir festhält. Mal davon abgesehen, dass ich nicht glaube, dass sie retten kann.

Und nochmal zu meinem Leben: Der Abend gestern war total schön - auch wenn ich heute den ganzen Tag vor Müdigkeit kaum aus den Augen gucken konnte. Warum bedanken sich Frauen eigentlich für schöne Abende?

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenSchussel schreibt am 07.04.2007 um 11:42 Uhr:Frauen bedanken sich in der Regel für einen schönen Abend, weil sie hoffen, dass dieser widerholt wird :-)))
  2. zitierenPaulinchen schreibt am 07.04.2007 um 17:02 Uhr:Oder weil schöne Abend nicht so selbstverständlich sind?
    Ich kann Dich gut verstehen, dass Du Deiner Freundin momentan nicht helfen kannst. Einmal musst Du erst mal selbst mit Dir klar kommen und dann ist es bei ihr offensichtlich, dass es ein Schrei nach Deiner Beachtung ist, ein Versuch, sich auf die Art bei Dir interessant zu machen. Letzten Ende ist das eine Verniedlichung der Probleme, ein Lustigmachen über das Thema an sich. Denn ich glaub schon, dass sich jeder, der sich verletzt oder ein anderes Problem hat, versucht, dies zu verleugnen und nicht öffentlich darzustellen.
    LG und frohe Ostern
  3. zitierenRyan schreibt am 08.04.2007 um 06:12 Uhr:@Schussel: Ich hoffe, dass es so ist ;)

    @Paulinchen: Auch das ist ne schöne Antwort auf meine Frage ;) Zum Rest: Du hast schon sehr recht, aber irgendwie konnte ich an diesem Abend nict auf dieses "ich brauche Beachtung von dir" eingehen und fühl mich deswegen schon fast schuldig. Vor allem weil ich heute mit dieser Freundin wieder weg war und sie auf die gleiche Weise apathisch in der Gegend rumschaute, mich anschaute und ich dann letztendlich doch mit ner anderen Freundin losgezogen bin, weil ich FÜR MICH nen Abend ohne Stress, ohne Leid und nur Spaß brauchte und wollte. Und deswegen fühl ich mich jetzt irgendwie sehr egoistisch, obwohl ich genau weiss, dass ich diesen Egoismus für mich selbst brauche - vor allem um mich abzugrenzen, weil ich genug mit mir selbst zu tun habe. ABER wie kann man das erklären und würde es überhaupt verstanden werden von einer Person, die sich in so nem Zustand befindet - ich weiss es nicht, ich weiss nicht mal ob ich mich selbst erklären möchte oder sollte oder ob ich einfach sagen muss: Okay, ist so und Punkt Ende aus.
  4. zitierenPaulinchen schreibt am 08.04.2007 um 12:46 Uhr:Ich verstehe es. Ich weiß, dass so eine Abgrenzung manchmal sehr nötig ist. Du musst Dich auch nicht schuldig fühlen, man ist nie für die Probleme anderer zuständig. Hilfe angeboten hast ihr ja wohl genug. Und wenn ihre "Spielchen" nur um Deine Beachtung gehen, ist es ungerecht Dir gegenüber. Ganz hart ausgedrückt ein perfides Spiel.

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