Boys don´t cry

25.05.2010 um 01:57 Uhr

Seele nackig

von: Ryan

Es läuft nicht gut - um ehrlich zu sein bin ich stockdepressiv seit Tagen. Ich muss dauernd heulen und ich bin unendlich traurig ohne Anlass. Gleichzeitig unruhig. Seltsame Kombi, aber nichts neues für mich. Zumindest nicht in den letzten 6 Monaten. Morgen hab ich wieder nen bisschen was vor mir und die Tage vor sowas sind immer etwas schlimmer - wahrscheinlich wegen dem innerlichen Druck oder sowas. Oh man, ich bin so unbelastbar geworden.

Eigentlich hatte Chris, Steffi und ich uns verabredet für heute. Wir haben alle frei, wir wollten zusammen was essen, dann nen paar Drinks und Kino. Ja - daraus wurde mal wieder nichts weil ich abgedreht bin. Tränen über Tränen, den ganzen Tag lang. Dann haben beide mich mal um den Block geschleppt und ich konnte mich halbwegs zusammenreissen, so dass ich das Sushi auch ohne heulen im Restaurant essen konnte. Aber mehr war nicht drin. Chris und Steffi diskutierten mittags über den Film - und ich bin alleine bei dem Gespräch schon so überfordert gewesen, dass ich dauernd geweint hab. Waaah ... warum ist das so? Es nervt mich so.

Chris erzählte beim Essen von nem Artikel, den er vor ein paar Monaten gelesen hatte - ich hab ihn auch gelesen, aber völlig verdrängt. Es ging um Burnout-Syndrome bei jungen, ergeizigen Menschen. Unter anderen ein Beispiel: junger Mann, im Büro, sehr ergeizig, konnte selten seine Arbeit abgeben. Hat seine gesamten Büroschränke alle alleine abgearbeitet, Tag für Tag, solange bis er eines Nachts aufwachte und keine Luft mehr kriegte und wusste nicht was los war. Also Notarzt gerufen. Aber der konnte keine Ursache für seine Luftnot finden. Dann wurde der Mann depressiv, es ging nichts mehr. Tagelang katatonisch aufm Sofa gelegen, solange bis er sich Hilfe suchte. Und was kam raus? Die Luftnot war symbolisch von seiner Psyche umgesetzt worden quasi "als würde sein Aktenschrank auf seiner Brust liegen". Und alle interviewten Personen hatten ähnliche Erlebnisse, alles war gut bis zu dem Tag wo plötzlich sehr seltesame und lebensbedrohliche Symptome auftauchten. Kaum zuzuordnen, aber echt fiese Symptome, und dann der psychische Zusammenbruch und ne echt lange Heilungs- und Regenerationsphase.

Und wo gehe ich jetzt hin wo ich weiss, was los ist? Ich geh erstmal in Urlaub. Ziemlich lange. Ich rede morgen mit meinem Geschäftsführer und dann bin ich echt lange nicht auf Arbeit - und ich bin jetzt überzeugt, dass mir das gut tun wird. Kein Druck, nix, nur ich und mein Leben. Hobbys, Freunde treffen, nen bisschen WM-Fussball gucken, sonst nichts. 10 Wochen lang. Natürlich nen paar Termine bei meinem Therapeuten und Psychiater, aber die sollen mir ja helfen. 

Ich hab mir vorgenommen viel zu malen und zu lesen - und den Haushalt zu machen. Ich muss mir noch ein wenig mehr vornehmen, sonst macht mich das Nicht-Arbeiten vielleicht auch noch irre. Irgendne Außenaktivität pro Tag, wie zum Beispiel mindestens ne halbe Stunde spazieren gehen oder Sport machen oder sowas. Mal sehen. Jetzt hab ich morgen erstmal das Gespräch vor mir (wieder mein Seelenleben offen legen, und grade im Moment fällt es mir schwer ...) - und dann brauch ich noch ne Krankschreibung für die Woche (zweites mal Seelenstrippteas ...) und übermorgen hab ich nen Date mit meinem Therapeuten - drei mal Seele nackig machen in zwei Tagen, das wird ganz schön anstrengend.


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