Boys don´t cry

27.04.2007 um 00:43 Uhr

Sonne, Bier und Selbsthilfegruppen

von: Ryan

Ich hab sie nicht abgeholt ... ich hab zu lange geschlafen. Wie immer, wenn ich frei habe. Ich verschlafe mein gesamtes Leben noch, wenn das so weiter geht. Und nachdem ich dann grade wach war, rief nen Kumpel an, ob wir uns nicht in die Sonne legen wollen. Also hab ich geduscht, mir frische Klamotten angezogen, mich mit dem Kumpel getroffen, mit dem noch eben Bier geholt und dann lagen wir 3 Stunden an der Alster in der Sonne rum. Also wieder nix produktives an diesem Tag gemacht.

Und dann ist mir aufgefallen, dass ich weder was gegessen hatte, noch was brauchbares zuhause habe, was man essen könnte und bin mit Heisshunger und vom Bier benebelt einkaufen gewesen - und hab nur Scheiss gekauft, wie immer in solchen Situationen. Schokolade, Chips ... Zuhause Fressanfall, kotzen ... mal wieder. Es wird weniger, aber es ist noch da.

Ich überlege, ob es nicht klug wäre in ne Therapie zu gehen wegen dieser Bulimie-Sache. Aber ich denke, eine Therapie hätte zum Ziel meiner äußeren Umstände zu stabilisieren - aber ich bin stabil und vielleichte habe ich schon den Zustand alleine erreicht, den man bei Essgestörten haben will. Meine Krankheit ist nicht mehr lebensgefährlich und ich kotze so selten, dass ich nicht mehr als bulimiekrank eingestuft werde nach der offiziellen Definition. Ich achte übertrieben auf mein Gewicht und kotze ganz selten. Eigentlich bräuchte ich mehr als eine Meinung zu dem Thema und schon mal gar nicht meine eigene, um bewerten zu können was gut für mich ist. Leidensdruck ist sicherlich da, aber nicht so ausgeprägt, dass ich mich in ne Klinik einweisen lassen müsste.

Dann hatte ich noch die Idee mit Selbsthilfegruppe - sowas gibt es massig in einer Großstadt wie Hamburg. Und vielleicht würde mich so ne Selbsthilfegruppe sogar noch weiterbringen. Hört sich für mein Ego besser an, als ne stationäre oder ambulante Therapie. Auf der anderen Seite befürchte ich, dass mich da ne Gruppe von Frauen erwartet, ich sitz da als einziger Mann zwischen und werde sehr kritisch gemustert während ich sage: "Hallo, ich bin Ryan, 22 und hab seit über 8 Jahren ne Esstörung." Dann könnt ich auch gleich hintendran hängen: "Ach ja, ich bin Krankenpfleger und hab einigen magersüchtigen Mädels schon Magensonden verpasst."

Morgen früh nehme ich auf jeden Fall das frühe Aufstehen in Angriff.


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