Boys don´t cry

06.03.2008 um 00:41 Uhr

Sturm&Drang, Müdigkeit und bessere Zeiten

von: Ryan

Musik: Clueso - Pizzaschachteln

Ich bin zur Zeit wenig am Computer, E-Mail kurz checken alle 2 Tage, sonst eigentlich nicht. Dementsprechend möchte ich mich entschuldigen, dass mein Blog schleift und kaum aktuelles aus meinem Leben erzählt. Eigentlich passiert auch kaum was. Meine sozialen Kontakte lasse ich auch schleifen, ich bin meist zu müde und zu erschöpft um etwas zu unternehmen und SMS schreib ich auch kaum noch. Traurig eigentlich.

Aber ich glaube an bessere Zeiten und klammere mich an die Hoffnung, dass diese auf jeden Fall kommen. Irgendwie macht mich dieses graue Regenwetter depressiv und antriebslos. Ich rauche zuviel, esse zu wenig und konsumiere zuviel Kaffee. Diese Tatsache macht mein Magen mir mittlerweile jeden Tag wieder bewusst - ich hab nämlich Magenschmerzen. Teilweise echt furchtbare Magenschmerzen - vor allem wenn ich morgens aufwache - "Nüchtern Schmerz" in meinem Medizinbuch genannt - ein eindeutiges Symtom für ne Magenschleimhautentzündung oder schlimmer: nen Magengeschwür. Immerhin führe ich das perfekte Leben dafür: ich esse unregelmäßig und wenn dann zwischen Tür und Angel: Also wenn ich grade dabei bin für die Patienten Brote zu schmieren, schmiere ich eins mehr für mich und esse im stehen. Keine Pausen, höchstens um zu rauchen - auf leeren Magen. Kaffee und Cola um wach zu werden und jetzt bedankt sich mein Magen für meinen rücksichtslosen Lebensstil. Wechselschichten, zu wenig Schlaf, 9 Stunden Dauerstress kommen noch dazu - ach ja, ich könnt mich mal wieder bemitleiden, dass ich mir den schlimmsten Beruf auf dieser Erde ausgesucht habe.

Auf der anderen Seite liebe ich ihn ja - ich fühl mich echt gut, wenn ich Dinge tue, die andere nicht tun dürfen - wenn die Schüler oder Praktikanten mir an den Hacken hängen und fragen: "Was machst du da?" und ich sage: "Ich richte die Infusionen, die der Arzt gleich anhängen muss." Ich bin gut in dem was ich mache - ich bin fit und darauf bin ich stolz. Zum Beispiel, wenn die Kolleginnen und ich inner Übergabe was bequatschen und wir rätzeln woher die Symptome von einem Patienten kommen könnten und ich sage: "Könnte auch ne Nebenwirkung des Medikamentes XY sein." und alleine erstaunt gucken und sich erinnern was sie vor langer, langer Zeit gelernt haben und nach kurzer Denkpause sagen: "Stimmt!"

Meine Kolleginnen mögen mich und ich glaube auch, dass sie mich schätzen, die Patienten mögen mich auch, die Ärzte wissen, dass alles unter meiner Schicht läuft wie es laufen soll - nur mein oberster Chef gibt mir das Gefühl komplett ersetzbar zu sein - und das kickt mich immer noch. Und vor allem kränkt es mich, dass meine Anträngung und mein Können nicht gewürdigt werden - und mein Gerechtigkeitssinn mal wieder an die Grenzen der realen Welt gestellt wird. Nach MEINEM Gerechtigkeitssinn ist es gerecht, dass man belohnt wird, wenn man hart arbeitet und sich Mühe gibt und kompetent ist. Und die reale Welt zeigt mir: Es ist nicht so. Kolleginnen kriegen unbefristete Verträge, die sich völlig ausgebrannt auf der Arbeit zeigen, und denen man vielleicht mit ner Kündigung sogar einen Gefallen tun würde, weil sie dir jede Minute in ihrem Dasein vermitteln, wie scheisse sie die Station, die Arbeit und alles drum herum finden.

Ich bin dann auch leider so nen Mensch, der versucht Verständnis für diese Kolleginnen zu zeigen, nochmal nen Handschlag mehr für diese erledigt, um sie zu schonen, weil sie es wohl mehr brauchen als ich selbst. Ich fange viel ab und ich arbeite viel und hart - und das wissen viele Menschen. Vor allem meine Freundin, wenn ich ihr völlig entnervt und erschöpft von einer Schicht erzähle - und was sagt sie: "Warum machst du dich kaputt für den scheiss Laden?" und sie hat recht.  Und ich versuche auch anders zu agieren und ich muss mich immer wieder dran erinnern mich nicht kaputt zu machen für das was ich leiste. Meine Freundin sagt oft: "Man arbeitet um zu leben, man lebt nicht um zu arbeiten." Aber leider ist genau das grade der Fall. Vielleicht sollte ich wirklich den Arbeitsplatz wechseln. Mein neues Ziel im Moment: Durchhalten irgendwie und dann was neues.

Was ich jetzt mal privat in Angriff nehmen will: Mein Führerschein. Es ist wahr: Ich bin 23 Jahre alt und ich habe keinen Führerschein - ich kann Autofahren und ich tue es auch ziemlich oft im Moment (meine Freundin besitzt nen Auto) aber ich hab keinen gültigen Führerschein. Ich hab damals in meinem Austauschjahr in Amerika den amerikanischen Lappen gemacht. Gut - kein Vergleich zu Deutschland: 20 Dollar und einmal um den Block fahren und ZACK hatte ich ihn. Zurück in Germany war er dann noch nen halbes Jahr gültig und danach muss man eben den deutschen Führerschein machen. Man braucht auch keinen Führerschein in der Großstadt, ich hab Bus und Bahn vor der Haustür und komm überall hin, wo ich grade hin muss. Und ich hab ihn eben nie gemacht. Einmal fehlte das Geld oder die Zeit oder die Laune. Und zufällig hab ich jetzt genug Geld und ne Fahrschule 3 Häuser weiter. Ich glaub, ich mach das jetzt.

Und sonst erfreue ich mich an den kleinen Dingen. Mit meiner Freundin auf der Couch liegen und die Simpson gucken, wenn wir mal zusammen Zeit haben. Shoppen gehen, sich daran erfreuen, dass die Wohnung nach 4 Stunden putzen sauber ist. Dass ich Greys Anatomy heute gucken konnte, weil ich heute mal keine Schicht habe - oder über ein Lied im Radio.

Aber im Moment reichen mir die Kleinigkeiten nicht. Ich würde gerne mal wieder was großes erleben. Oder selbst was großes machen. Ne Klausur schreiben oder sowas. Irgendwas worauf ich stolz sein kann neben der Arbeit - irgendwas was ich geleistet habe. Ich habe viele Ideen aber meistens zu wenig Konzentration oder Lust irgendwas umzusetzen. Ich hab Lust auf ein neues Tattoo aber ich meist zu müde um was zu malen. Ich würde gerne nen Buch schreiben - okay, es muss echt nicht veröffentlicht und gedruckt werden, einfach nur was, woran man arbeiten kann und Spaß dran hat und sich irgendwie sinnvoll vorkommt. SINNVOLL ist in dem Zusammenhang wohl ein wichtiges Wort für mich. Aber ich hab tausend Ausreden, warum ich dies und jenes grade nicht machen kann - so jung und tausend Ausreden - traurig. Ich muss den Arsch wieder hoch kriegen. Ganz dringend sogar. Soviel verschwendetes Potential. Wenn ich jetzt nicht meine Ideen lebe, wann dann? Irgendwann verlerne ich das.

Viele Künstler hatten in meinem Alter ihre Sturm und Drang Phase - und ich bin zu müde für meine, weil ich dauernd arbeite und auf dieser doofen, ungerechten Station bei den alten Omas meine ganze Energie verbrate? Irgendwie muss ich das ändern. Ich weiss nur nicht wie.

Erstmal freue ich mich auf meinen Urlaub. Mit meiner hübschen Freundin zusammen.


Diesen Eintrag kommentieren