Boys don´t cry

05.05.2008 um 02:17 Uhr

Two Beers later

von: Ryan

Es ist alles mal wieder ganz abgrundtief scheisse ... ich hasse meine Arbeit und ich hasse das Leben, was ich fgrund meiner Arbeit führe. Ich arbeite und arbeite - wahrscheinlich liegt es auch ganz stark daran, dass ich irgendwie nur Spätdienste und Nachtschichten schiebe und drum rum nicht viel von meinem Leben habe - außer schlafen. Wenn ich Spätdienst hab, komme ich abends nach Hause und bin zu müde um noch was produktives zu machen, ich seh fern bis 2 Uhr nachts, gehe ins Bett und schlafe bis 11 Uhr um dann zu duschen und wieder zur Arbeit zu gehen. Nachtdienst - noch schlimmer ...

Ich hab meine Leitung drauf angesprochen und von ihr kam nur so eine seufende Begründung alla: "Naja, du bist der einzige Mann zur Zeit im Team. Du hast keine Familie oder Kinder, und wir müssen auf die Kolleginnen mit Kindern Rücksicht nehmen." Super - aber warum muss ich immer Rücksicht nehmen? Ich hab mal ganz fett in den Wunschdienstplan geschrieben: "FRÜHDIENSTE!!" Mal schauen ob sie drauf reagiert.

Meine Überstunden häufen sich ohne Ende ... gestern dachte ich wirklich mal, ich könnte pünktlich abhauen - Pustekuchen. Fremde Nachtwache vonner Zeitarbeitsfirma, die erstmal alles erklärt und gezeigt kriegen musste. Dann als ich grade dabei war mich abzumelden ... Neuaufnahmen ... also hab ich die auch noch gemacht. Wieder 2 Stunden meines Lebens, die ich unnötig auf der Arbeit rumgelungert hab. Mit meinem Gewissen kaum vereinbar einfach alles fallen zu lassen und zu sagen: "Ich hab jetzt Feierabend, sieh zu wie du fertig wirst!" Meine Kollegin meinte heute zu mir, als ich mich etwas bei ihr ausgekotzt hab: "Ryan, das musst du aber. Wenn hier alles glatt läuft, nur weil du dich aufopferst, sieht niemand wie doof hier alles läuft." - Und sie hat recht. Aber da ist ja noch mein Gewissen ... und die Patienten, die in dem Moment nicht versorgt sind.

Wir arbeiten alle im Moment überdurchschnittlich lange und viel. 10-16 Dienste am Stück ohne einen Tag frei. Diesmal hab ich "nur" 10 Dienste, ich hab jetzt 6 gearbeitet und Montag Abend geh ich in meinen 4-Nächte-Turn. Ich hab keine Lust auf Nächte - ganz alleine auf der Station sein, alle Patienten versorgen, für neue Windeln sorgen, alle Medikamente stellen (und die kriegen alle ne riesen Latte an Medis), und alles Organisatorische managen, aufräumen was im Tagdienst übrig geblieben ist ... nach Hause fahren, wenn alle anderen zur Arbeit erst gehen und den halben Tag schlafen bei dem schönen Wetter. Ich bin immer müde im Nachtdienstturn, egal zu welchen Zeit. Es ist wider der Natur Nachts wach zu bleiben und tagsüber zu schlafen und das macht mein Körper mir immer sehr schnell klar. Ich bin dauermüde in der Zeit, trinke Kaffee, Energydrinks etc. ohne Ende und bin nie wirklich konzentriert, weiss nicht welcher Wochentag ist und häng einfach nur durch für ne ganze Woche. Morgen um diese Uhrzeit arbeite ich noch und ich bin super unmotiviert.

Und einfach mal krank machen? Geht auch nicht, da kommt wieder mein schlechtes Gewissen durch, denn wenn kurzfristig einer ausfällt, heisst das für die anderen Kollegen Doppelschichten schieben und das will ich auch niemanden antun.

Mal was schönes aus meinem Leben: ich hab in den ersten Mai gefeiert, wohl das erste Mal in meinem Leben, mit einigen Kolleginnen, die auch Spätdienst hatten ... am nächsten Tag waren wir alle seeeehr müde, aber glücklich. "Weisste noch gestern Abend ..." sehr geil, das hat mir gut getan.

Und meine Freundin, sie tut mir so gut und ich liebe sie so sehr. In 3 Wochen feiern wir unsere Einjähriges - 1 ganzes Jahr sind wir dann zusammen - und ich bin immer noch sehr verliebt. Manchmal beschleichen mich Gedanken, dass sie zu gut für mich ist, dass sie vielleicht irgendwann jemanden mit mehr Ausstrahlung und Energie findet und mich dann links liegen lässt - jemand der nicht dauernd Überstunden macht und sich stunden lang über die Arbeit aufregt, wenn er nach Hause kommt. Sie sagt, sie hat Angst, dass mich die Arbeit kaputt macht - und ich kann noch nicht mal sagen: "Nein, Schatz, das ist nicht so." denn sie hat recht - ich hab diese Angst auch. Es ist unglaublich was ich für sie fühle und wieviel ich mir mit ihr zukunftstechnisch vorstellen kann - das war noch nie so - mit keinem Menschen mit dem ich zusammen war. Mittlerweile schaue ich regelmäßig nach Wohnungen, weil wir beide "nicht abgeneigt sind zusammen zu wohnen". Unglaublich ... ich kann mir vorstellen mit einem Menschen zusammen zu leben ... selbst mit meiner Exfreundin, mit der ich 3 Jahre zusammen war, konnte ich mir das nicht vorstellen. Aber mit ihr ist das alles anders. In meine Kopf spiele ich Szenarien durch, wie wir in 50 Jahren uns noch gegenseitig ärgern oder im Park mit unseren Enkelkindern spazieren gehen.

Vielleicht werde ich nur einfach erwachsener und vorraus planender. Vielleicht liegt es auch daran, dass meine Umgebung älter wird - die ersten Freunde bekommen Kinder oder heiraten - oder beides. Um mich herum gründen Gleichaltrige Familien und vielleicht will ich das auch. Aber vielleicht kann ich mir das auch nur vorstellen, weil ich einen Menschen gefunden hab, mit dem das alles auch umsetzbar wäre ... nicht nur so für den Augenblick oder fürs nächste halbe Jahr, sondern so für IMMER. Für immer und immer. Auf der einen Seite verstehen wir uns so gut, wir können immer reden, über alles, sie hört zu, ich hör zu, wir können albern sein - und dann manchmal schaue ich sie an und denke mir nur einfach: "Gott, sie ist schön - so hübsch - und das ist deine Freundin." und dann bin ich sprachlos - also für mich selbst - weil ich sie so schön finde und hab wirklich Angst, dass jemand anderes sie auch so schön und hübsch finden könnte, wie ich es tue und sie mir "wegschnackt". Ich bin von mir selbst überrascht wie schnell ich doch bereit bin so viel zu geben in einer Beziehung - meine Freiheit alleine zu leben und das alles, mich so stark zu öffnen und der Wunsch sovieles in Zukunft noch mit ihr teilen zu wollen.

Gut - zum schluss möchte ich noch erwähnen, dass ich ca. 0,7 Liter Bier intus hab (meine Kollegin: "Trink mal nen Bier, wenn du zuhause bist, das tut dir mal ganz gut." Jupp) und irgendwie sehr tiefgründige, angetrunkene Gedanken grade von mir gebe.


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