Boys don´t cry

04.02.2006 um 15:07 Uhr

Über gesunde Instinkte und Psychiatrielehre

von: Ryan

Musik: Farin Urlaub - Zehn

Ich empfinde mich irgendwie im Moment als sehr wehleidig. Alles ist böse, die böse Psychiatrie, die bösen Kekse, die mich dick gemacht haben, die Langeweile, die mich alle Nase lang überkommt.

Aber irgendwie bin ich ja selbst Schuld. Ich krieg den Arsch nicht von der Couch und beschwere mich, dass nichts los ist in meinem Leben. Großartig.

Ich hab zum Beispiel heute gemerkt, wie gut mir Sport tut. Und selbst wenn ich nur 20 Minuten Fahrradfahre. Das tut mir total gut, ich fühl mich besser und ich hab auch eigentlich Spaß dran. Aber wieso überwindet man sich dann nicht mal öfter Sport zu machen?`


Diese ganze Essengeschichte läuft gut. Ich hab zwar noch nicht abgenommen, aber ich bin ja auch ein ungeduldiger Mensch, ich erwarte schon wieder Wunder.
Ich hab gestern viel Obst gegessen, 2 Teller von dieser Wundersuppe und 2 Kartoffeln. Und ich war satt, hatte keinen Heisshunger auf was Süßes oder ähnliches. Und ich gewöhn mir grade an morgens Müsli zu essen. Kellogs Spezial K (Schleichwerbung), aber das ist irgendwie das einzige Müsli, was ich echt gerne esse.
Und ich weiss nicht ob ich es mir einbilde, aber ich fühle mich ziemlich fit.

Genug vom Essen, ich glaube im Moment ist mein Weblog ziemlich langweilig. Viel passiert ja nicht in meinem Leben und irgendwie drehen sich meine Gedanken doch nur wieder um die gleichen Themen.


Ich hab grade ium Internet die Geschichte "Hans, mein Ingel" gefunden. Mit der Geschichte hat uns ein Dozent versucht die Borderline-Störung zu erklären. Die meiste Zeit verstehe ich sowas auch, Psychiatrie ist eben sehr schwammig und man muss wohl vieles auch eigenen Erfahrungen übertragen um zu verstehen.
Zum Beispiel muss man mal sehr traurig gewesen sein, um sich unter Depressionen halbwegs was vorstellen zu können.
Es ist unglaublich was ein Mensch alles kriegen kann, man kann in jedem Alter noch irgendeine Störung entwickeln.
Man sieht den Menschen eigentlich als neurotisches Wesen. Jeder von uns hat seine Macke, unabschreitbar. Kein Mensch ist psychisch völlig gesund, aber dann kann es eben passieren, dass durch ein Trauma oder Rückerinnerungen an verdrängte Traumen der Mensch dekompensiert. Und wenn der Mensch nicht innerhalb weniger Tage Hilfe bekommt, kann er eine Persönlichkeitsstörung entwickeln.
Das ist schon echt interessant, was unsere Psyche aushält, wie sie sich schützt mit den ganzen unbewussten Verdrängungsmechanismen und ab wann das irgendwann nicht mehr klappt und die Leute "ver-rücken".

Ich hätte trotzdem nicht so Lust inner Psychiatrie länger zu arbeiten. Ich steh nicht so aufs quatschen. Ich muss körperlich irgendwas machen, Omis vom Bett in den Rollstuhl heben und sowas.
Mal davon abgesehen, dass das Psych-Personal in somatischen Fällen völlig überfordert ist. Die brechen in Panik aus, wenn sie nen Verband wechseln sollen. Ich steh dann echt seufzend daneben und sag: "Sag mir wo alles steht, ich mach das schon." und denk mir nebenbei: "Wo haben die ihr Examen gewonnen?"
Oder dann der Härtefall: Es sollte doch wirklich jemand Risperdal i.m. kriegen. Und sofort die Schwester: "Nein, das muss der Arzt machen, wenn er sowas anordnet, muss er das auch spritzen. Ich kann das nicht spritzen, ich hab in meiner Ausbildung nur 2 mal i.m. gespritzt, das muss der Doktor machen."
Und ich sitz brav daneben, lächel verständnisvoll und verkneif mich jegliche Kommentare - und schlage irgendwann vor, ob ich das nicht tun soll. Ich müsste doch üben für die Ausbildung. Und sitzt dann da vorm Patienten, erklär meiner examinierten Kollegen was ich da mache und frage später nur Anstandshalber: "War alles in Ordnung?" - "Ja, perfekt." und weiss ganz genau, ich hätte der was vom Pferd erzählen können und es wäre immer noch perfekt gewesen, weil sie einfach nur froh war, dass sie nicht spritzen musste.

Ich glaub ich mach mir irgendnen Gemüse warm, ich krieg Appetit.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenFeuerdrachen schreibt am 09.02.2006 um 01:58 Uhr:Als ehemaliger Krankenpfleger kann ich nur sagen du scheinst an der richtigen Stelle zu sein! Zumal wer soll deine Patienten besser verstehn, als jemand der auch so seine Störungen hat (Essstörung), auch ein neurotisches Störungsbild! Ich selber habe irgendwann umgesattelt in den Erziehungsbereich und bin jetzt Erzieher und Heilpädagoge und arbeite in einer therapeutischen WG für Jugendliche mit ADHS Störungen und anderen psychiatrischen Störungsbildern, selber bin ich ADHSler. Das macht es mir in der Arbeit leichter meine Kids zu verstehn! Was ich von dir gelesen habe hat mir gut gefallen, reden alleine hilft den Patienten nicht, sie wollen auch was tun. Also viel Spaß beim Ausdenken von Tätigkeiten, die du auch in der Ausbildung mit den Patienten machen kannst z.B. Gesellschaftsspiele, kleinere sportliche Dinge! Die Patienten werden dir dankbar sein. Rede doch einfach mal mit dem Stationsarzt darüber, ich glaube du wirst auf offene Ohren stoßen!

    Lass dich nicht unterkriegen und weiter viel Spaß bei deiner Diät!

    Gruß Michael

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