Boys don´t cry

03.08.2009 um 18:25 Uhr

Unser Theaterstück von der Unsinnigkeit der Liebe

von: Ryan

Es ist mal wieder so ... nennen wir es ... theatralisch. Genauer gesagt: Ich bin theatralisch, meine Gefühlswelt springt im viertel Stunden Takt von Verzweiflung zu Euphorie, und ne ganze Menge mehr Gefühls-Kumpels sind auch dabei, die sich heute vormittag zu ner Party in meiner Psyche versammelt haben. Der Gastgeber ist noch unklar, ich glaube es waren mehrere, aber "Unzufriedenheit" ist auf jeden Fall einer der größten Veranstalter.

Ziehen wir das Ganze mal aus der Ferne auf: Unser Portagonist Ryan in unserem Stück ist wie immer fleissig dabei nach besten Wissen und Gewissen seine hilfsbedürftigen Patienten zu versorgen (das Stück spielt im Krankenhaus, war klar oder?) Äußerlich wirkt alles gut, er wirkt glücklich, gut gelaunt, fachlich kompetent, alles ganz gut soweit. Áber innerlich umschleichen ihn Dämonen, dunkle Gedanken, vielleicht auch ein versteckter Irrsinn, man weiss es nicht genau. Er zweifelt ob sein Leben so toll verläuft wie er denkt. Er ist oft zufrieden und glücklich, aber noch öfter leider nicht.

1. Akt: Ein sehr guter Freund tritt auf, erzählt unserem Helden davon, dass er sich nun endlich dazu durchgerungen habe einen Studiengang zu wählen. Nach langer Suche und viele arbeitsreiche Tage, weiss der Freund nun, dass es seine Berufung ist Arzt zu werden. Ryan zweifelt nicht daran, dass dieser Freund sein Ziel erreichen wird, er kennt ihn und er kennt seinen Ergeiz - er beneidet ihn darum sogar. Der Freund zieht strahlend von dannen, überschäumend vor Plänen und Euphorie, Motivation und Stolz. Ryan kommt sich dagegen sehr klein und schwach vor. Er beginnt mal wieder an zu zweifeln, fragt sich ob er noch auf dem Weg steht den er bezwingen wollte oder ob der Weg ihn bezwungen hat.

2. Akt: Ryans Vernunft überwiegt dann endlich mal, er führt ein klärendes Gespräch mit seinem Liebhaber in der unnützen Hoffnung eine unmoralische Liebesnacht ungeschehen zu machen. Der Liebhaber alias "der Hübsche" wusste eh schon, dass er in Ryan keine Gefühle investieren darf. Das Gespräch räumt ein beisschen zwischen den beiden auf, man nimmt sich fest vor nur Freunde zu sein. Die Situation scheint mal wieder geklärt zu sein.

3. Akt: Es kommt zwischen Ryan und seiner betrogenen Lebensgefährtin und Seelenverwandte (ich bin jetzt kitschig, ist mein Text) zum handfesten Streit. Es geht um eine Lüge, die Ryan sehr verletzt hat, seiner Lebensgefährtin tut es sehr leid. Man spricht sich aus, es fliessen Tränen, Entschuldigungen, man geht schliesslich schlafen, da es tiefste Nacht ist. Man ist versöhnt, aber es knackst hier und da noch ... am nächsten Tag kehrt Ryan ins Krankenhaus zurück um seinen Lohn zu verdienen, die Lebensgefährtin verabschiedet sich in dieser Situation in den Kurzurlaub. Das Wochenende vergeht ohne nennswerte Erlebnisse.

4. Akt: MONTAG MORGEN (Achtung, es wird spannend) Ryan treibt sich mal wieder nichts ahnend auf der Arbeit rum, geniesst eine Schicht inmitten des Sommerlochs in diesem Jahr und merkt irgendwann im völlig übermüdeten Zustand wie anmutig bezaubernd der neue Arzt ist. Jung, schlank, gutaussehend, fröhliche Augen. Ein Bild von einem Mann ... eine Raucherpause später sind sämtliche Informationen gesammelt, es steht fest: Schwul, Single, Ende 20, man weiss nur nicht für was zu haben, aber er wirkt leidenschaftlich - in Ryans Fantasie. Es gab sogar eine kurze Gesprächssequenz, die mal wieder furchtbar interessant war für unseren Helden, in dem er seine eigene bisexuelle Situation deutlich machte: Pause, Doc und Held trinken Kaffee, Smalltalk, der Doc will wissen ob es nur zwei Pfleger gibt auf der Station. Ja sicher, Pflege ist ein Frauen-Beruf. Der Doc sagt, er habe mal gehört, dass viele Krankenpfleger schwul seien und er fragt noch ob das bei uns denn so statistisch auf dieser Station zuträfe (klever, diese Ärzte) ... Ryan erwidert irgendwas von: "Ja, zum Teil ..." und er läutert dabei, dass der andere Kollege eine Freundin habe ... Der Doc schaut Ryan tief in die Augen ... beisst sich kurz auf die Unterlippe ... und da war der Moment auch schon vorbei und es geht weiter mit Smalltalk und Arbeit. Aber Ryan interpretiert ja und wundert sich wie ein einziger Augenaufschlag mal wieder eine Ewigkeit dauern konnte.

Akt 5: angekommen im Jetzt: Ryan sitzt zu hause und ist von Zweifeln geplagt, an sich slebst, an seinen Gefühlen, die ihmm immer wieder Streiche zu spielen scheinen und an der Klarheit von allem überhaupt.

Um jetzt mal die Tragödie mit meinen Worten und in der Ich-Form fortzuführen: Wie kann es sein, dass das schon wieder passiert? Da kommt ein Mann und bringt alles durcheinander. Wie kann das sein, obwohl ich mir meinen Gefühlen gegenüber meiner Freundin so sicher scheine? Es sprechen 10.000 Gründe für die Beziehung mit meiner Freundin und kein einziger für diesen Mann. Gut vielleicht sprechen doch 1-2 Gründe für ihn, vielleicht auch 3-10 wenn ich mir Mühe gebe Gründe zu finden - aber was sind 10 gegen 10.000? Oder ist es mal wieder eine Schwärmerei, die ich einfach zu ernst nehme? Gut, ich sehe meine Beziehung mal wieder bedroht. Neulich philosophierte eine gute Freundin in alkoholgeschwängerter Atmosphäre über ihre Polyameurie = die Fähigkeit mehrere Menschen gleichzeitig zu lieben. Ich hab zwar interessiert zugehört, aber fand und finde immer noch, dass sowas nicht funktionieren kann. Zumindest nicht für mich.

Wenn ich es mir genauer überlege, mache ich schon wieder ein Drama daraus, dass ich nen Kerl scharf finde - auf der anderen Seite hab ich es ja neulich mal wieder geschafft aus der Kombi "Scharffinden" und "Lebenszweifel" meine Freundin zu betrügen. Neulich haben sie und ich im Bett kurz vorm schlafen über Bisexualität geredet und sie fragte, ob es mir schwer fallen würde auf Sex mit Männern zu verzichten. Ich sagte nein und das war ehrlich gemeint. In dem Moment, in dem ich sie betrogen hab fiel es mir nicht schwer auf homosexuellen Sex zu verzichten, es fiel mir eher schwer die Hände von dem wunderschönen Mann zu lassen. Es fiel mir schwer auf ihn zu verzichten. Ich fragte sie darauf, was sie sagen würde, wenn ich "rhetorisch" mit einem Mann schlafen würde und sie sagte (auch ganz ehrlich), sie wüsste es nicht, die Vorstellung sei fremd für sie. Es sei ja keine andere Frau, aber es sei "komisch" (das Wort hat sie benutzt). Nicht verletztend, nicht niederschmetternd, nur komisch. Ich hätt´s beichten können in diesem Moment, er wäre gut gewesen - ich hab´s aber nicht gemacht.

Ja und jetzt ... schon wieder so ein Mann, der genau in einer angeknacksten Situation meinen Weg streift und mir einen tiefen Augenkontakt schenkt. ja ... für den Augenblick ist glaube ich alles erzählt, was es zu erzählen gibt. Ach, noch ein winziges Detail: Frauchen kommt erst Ende der Woche aus ihrem Kurzurlaub wieder ... ich glaub ich brauche sie ganz dringend um mir selbst noch mal ganz klar zu machen, dass sie mein ein und alles ist und dazu würde ich sie gerne in meinem Armen haben.


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