Boys don´t cry

26.08.2013 um 17:38 Uhr

Untitled

von: Ryan

Musik: NOFX - The greatest songs ever written (by us)

Heute ein Eintrag, nur aus und wegen Frust. Eigentlich ist ne Menge passiert, über das es sich mehr lohnen würde zu schreiben. Ich könnte von dem großartigen Konzert berichten, auf dem ich vor ein paar Tagen war - ich könnte erzählen, wie ich es geschafft hab mir vorletzte Woche ne Gibsschiene zuzulegen - ich könnte philosophieren, wie sich mein Leben und der Kontakt mit meiner Umwelt sich verändert hat, seitdem auch der Unterarm fertig tätowiert ist (vormittags im Supermarkt versuchen jetzt nicht mehr alle alten Damen mir ein Gespräch an die Backe zu drücken, sondern beäugen mich kritisch und mit Skepsis) - ich könnte was von Technotyps neuesten Eskapaden erzählen, warum mein Fahrrad neuerdings klebt oder was meine nähere Umwelt so treibt.

Nein, die Pampe, die zur Zeit mein Gehirn ist, ist nur voll mit Arbeit. Dabei muss ich mir von allen Seiten folgenden Spruch anhören: "So wie du arbeitest, möchte ich mal Urlaub machen!" Natürlich isses mal schön, nur 3-4 Tage die Woche arbeiten zu müssen - dabei vergessen alle, dass ich im Frühjahr teilweise 70 Stunden-Wochen schieben musste. Aber wenn ich mal arbeite, dann weiß ich plötzlich wieder ganz genau, wieso ich mich nach nem neuen Job umschaue.

Die Chefgeschichte ist gegessen - offiziell heißt es: "Die Station macht wieder auf, wenn es sich lohnt. Halten Sie sich bereit und gehen Sie ruhig zu den Besprechungen - Sie haben zwar offiziell keine Station unter sich, aber ... bla bla bla." Um´s kurz zu machen: Meine Station könnte von heute auf morgen aufmachen. PENG - da isse wieder. Ich glaube wirklich, diese Aussage soll nur dazu dienen, um mich als Mitarbeiter bei Laune zu halten. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zu letzt - die hab ich allerdings letzte Woche schon zu Grabe getragen. Nachdem ich jetzt drei Monate den Status einer Aushilfe habe und nur in begrenzten Zeitrahmen einen Dienstplan bekomme (meine Station könnte ja nächste Woche aufmachen - würde ich längerfristig geplant werden, fiele ich plötzlich aus dem Dienstplan raus und das wäre ja eine Katastrophe), hab ich mich mal mit den Fakten auseinander gesetzt: Die Station ist schon zu lange dicht. Der Wiedereröffnungstermin ist lange, lange überschritten. Personal gibt´s auch nicht mehr - zwei meiner Mädels haben gekündigt, eine hat Berufsverbot. Keiner geht freiwillig auf eine Station, deren längerfristiges Bestehen nicht sicher ist. Und der wichtigste Fakt, warum ich glaube, das sich das für immer erledigt hat: Die Station ist eine einzige Baustelle und wird grade umgebaut, damit eine andere vergrößert werden kann. Wände rausgerissen, Lager ist vollständig geplündert, Gerätschaften wurden auf andere Stationen verteilt. Keiner weiß so recht, wo "meine" Überwachungsmonitore geblieben sind - und ich erst recht nicht. In meinem Büro sitzt schon seit geraumer Zeit eine Frau aus der Abrechnungsabteilung, die sich mittlerweile gemütlich eingerichtet hat und nicht so wirkt, als habe sie das Büro nur vorrübergehend zugeteilt bekommen.

Auf jeden Fall brauche ich dringend einen neuen Job. Der Schichtdienst und der Schlafmangel machen mich halb irre - wie schon erwähnt, mein Kopf fühlt sich im Moment an, als würde nur eine undefinierbare, grüne Suppe darin schwimmen, die kaum fähig ist Sätze zuende zu denken. Und meine Fähigkeit für einen Mann relativ multitastingkfähig zu sein, hat sich mittlerweile auch verabschiedet. Zum Beispiel hatte ich mir heute in der Übergabe einen großen Zettel mit To-Do´s für den Tag geschrieben - leuchtend bunt gemarkert ... und dann vergessen bis Mittags einmal draufzuschauen. 

Auf der anderen Seite hab ich grad zur Zeit wieder das Gefühl, je mehr ich mache, desto mehr ruhen sich alle anderen aus. Ryan ist doch da, der macht das schon ...  zum Beispiel hatten wir heute den Fall, dass ich etwas nacharbeiten musste (5 geschlagene scheiß Stunden lang!!), was einfach ignoriert wurde die letzten Tage. Ich will nicht sagen, dass irgendwer Schuld hat - es war einfach eine Sache, die wirklich extrem schief gelaufen ist bei einer Patientin. Eine Mischung aus "Mach ich morgen.", "Wird schon nicht so schlimm sein, dass ich mich drum kümmern muss." und "Ich trau mich das nicht!" Und dann stand plötzlich ein Anwalt, sämtliche Ärzte und meine Chefin vor mir und wollten wissen, was da los ist - und ich stehe selber kopfschüttelnd vor dem Desaster, weiß gar nichts zu sagen, weil ich selber so entsetzt von der ganzen Grütze bin. (Nur nebenbei: Ich hatte das WE frei, und wenn ich da gewesen wäre, wärs auch nicht so weit gekommen.) Ende vom Lied, irgendeiner musste das ausbaden, alles akribisch nacharbeiten - nach 3 Stunden merkte ich so langsam, was für ein Berg auf mich abgewälzt wurde und hab seitdem grottenschlechte Laune.

Zudem nervt mich schon wieder diese Abneigung von diversen Kollegen sich mit Dingen, die eigentlich selbstverständlich sein sollten, zu befassen. "Geh mal zu Ryan, der weiß das." Ryan hatte allerdings heute den halben Tag seine Nase in 3 Dutzend wichtiger Zettel und hatte weder Zeit noch Muse sich mit der einfachen Stationsorganisation zu befassen - und dann sind die Kolleginnen noch beleidigt, wenn ich sag: "Ich hab dafür keinen Kopf! Ich muss mich hier echt konzentrieren!" Aber sobald der Spätdienst da ist, bekomme ich von den gleichen Kolleginnen ein gebasteltes Fleißbienchen überreicht - also zähneknirschend "Danke" sagen - und "Blöde Kuh" denken.

Ein Gutes hatte die ganze Sache allerdings - positiv denken! - der Chefarzt, der mich sonst immer behandelt, als sei ich ein Eindringling in seinem Götterhimmel, sagte beinahe anerkennend: "Gut, dass SIE heute da waren und sich der Sache angenommen haben." HA!  Hört sich ja beinahe nach respektvollen Umgang an, oder?

Für ein Schlusswort bin ich zu müde.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenClarice schreibt am 30.09.2013 um 14:20 Uhr:hey ryan, alles klar bei dir? mach mir ein bißchen sorgen
  2. zitierenRyan schreibt am 01.10.2013 um 16:58 Uhr:Ja, alles okay. Ich versuche die Tage zu bloggen, im Moment bin ich ziemlich erkältet und zu "voll" mit der Arbeit.

Diesen Eintrag kommentieren