Boys don´t cry

16.05.2013 um 23:34 Uhr

Untypisch - Steffi hat Schnupfen und ich will früh ins Bett

von: Ryan

Ich versuche seit Tagen einen Blogeintrag zu schreiben, aber hab bislang alles wieder gelöscht. Ich hatte das Gefühl, ich schwaffel rum, komm nicht auf den Punkt. Also here we go again. Ich arbeite immer noch viel. Dieser Dienstplan macht mich ziemlich platt - den ich ja nicht selbst geschrieben habe, sondern meine Vorgesetzte, mit der ich mittlerweile nicht nur große, sondern fast monströse Probleme habe. Aber dazu später. Vor allem dieses Schichten-Wechseln macht mich fertig. Vier Nachtdienste, ein Ausschlaftag, sofort wieder zwei Frühdienste, ein Spätdienst, ein Tag frei, drei Spätdienste, ein Frühdienst ... da wird man irre. Das ging soweit, dass ich jetzt Tage lang richtig Probleme hatte mit dem Schlafen. Ich bin immer nach drei bis vier Stunden Schlaf aufgewacht und konnte nicht wieder einschlafen. Bin dann völlig übermüdet zum Dienst gelaufen und hab mich so durchgebissen, bin früh ins Bett, nur um dann wieder nach wenigen Stunden aufzuwachen und mich im Bett zu wälzen. Noch nicht mal "Probleme wälzen", sondern einfach nur völlig kaputter Tag-Nacht-Rhythmus.

Ich bin dann gestern an meinem freien Tag am Vorabend ins Bett gefallen und hab fast 18 Stunden am Stück geschlafen, bin nur kurz aufgewacht um was zu trinken und hab sofort weiter geschlafen. War auch nicht weiter schlimm, weil es eh den ganzen Tag geregnet hat. Ich arbeite immer noch viel, das liegt aber eher daran, dass ich nicht weiss wie ich den Dienstplan füllen soll. Ich hab eh schon so wenig Personal und alle machen geplante Überstunden. Ich versuche "Mehrarbeit" gerecht zu verteilen, aber ich will auch keiner Kollegin mehr aufbürden als ich bereit bin zu arbeiten. So versuche ich zum Beispiel die ausstehenden Nachtdienste zu verteilen, da eine Kollegin schwanger ist - jede Kollegin macht ein paar Nächte mehr, aber dennoch läuft es darauf hinaus, dass ich ca. 12 Nachtdienste mache diesen Monat. 

Das eigentliche Problem ist, wie gesagt, meine Chefin. Sie kann mir nicht die Verantwortung übergeben. Zum einen das Dienstplan-Problem: Ich hab den Dienstplan fertig, will ihn grade abgeben, bin völlig im Zeitrahmen - schwupp, hat sie für die nächsten drei Monate einen Dienstplan abgegeben, in dem kein Urlaub und kein Wunsch von irgendwem berücksichtigt wurde. In der Woche, wo ich mit gerissener Sehne zuhause saß, fing sie an meine Station umzustruktrieren. Zum einen darf sie das nicht, zum zweiten habe ich die Strukturen vom Vorstand vorgesetzt bekommen, umgesetzt und aufgebaut. Kaum bin ich nicht da, schmeisst sie alles wie ein Legohäuschen über den Haufen und baut mit Superkleber zwischen den Legosteinen große Türmchen. Und wer konnte die Scheisse ausbaden? Ich. Ich hab von der ärztlichen Direktion tierisch aufm Deckel bekommen, weil das alles doch gar nicht so vorgesehen war, wie es plötzlich war. Meine Kolleginnen standen köpfeschüttelnd daneben, während sie  aus dem geplanten Flughafen ein Einkaufszentrum bauen wollte. 

Als ich wieder da war, musste ich als Papa Schlumpf erstmal wieder Ordnung reinbringen. Kleines Beispiel: Sie hat meine Überwachungsbetten abgeschafft. Fand sie doof. Sie hatte auch drei fadenscheinige Begründungen, wieso das nicht machbar sei - lief aber schon zwei Monate großartig. So ein Scheiss. Seltsamer Weise war die "Abschaffung" der Betten mit niemanden besprochen. Der Oberarzt kam nur eines Tages an meiner Station vorbei und wunderte sich. Ich hab mich genauso gewundert - zwei Minuten später erzählte meine Kollegin was vorgefallen sei, ich bin mittelschwer ausgerastet, darauf rastet der Oberarzt aus, dann der Chefarzt und am Ende die halbe Direktion. Ende vom Lied: Ich hab die Überwachungsbetten wieder (2 Stunden hab ich gebraucht, sie hat 3 Tage gebraucht um die abzuschaffen).

Es ist ein riesiges Theater. Heute hatte ich nach dem Dienst nochmal ein langes Gespräch mit wichtigen Leuten, in denen ich einiges ansprechen konnte, u.a. dass in meine Arbeit reingefuscht und rummanipuliert wird, was große Unruhe und Chaos bringt. Wie gesagt, die Probleme die ich vorher hatte, wirken jetzt wie Mückenstiche. Und das Blöde ist ja, es wäre vermeidbar. Völlig unnötiger Scheiss, der nur entsteht weil jemand sich einmischen will. Es gehtja nicht darum, dass mein Laden nicht läuft - es läuft großartig ohne sie. 

Ende des Gespräches war: es wird weitere Gespräche geben - was ja soweit nicht schlecht ist, was aber wiederrum bedeutet, dass die Geschichte noch nicht geregelt ist. Das nervt mich auch so an, immer muss alles sechs Mal mit hundert verschiedenen Leuten diskutiert werden, wenn die Sache doch so eindeutig ist. Und immer sag ich meinen kleinen Standartspruch: "Es wird nicht wieder vorkommen, wir haben einen klare Ansage und danach wird gearbeitet. Ich setze mich dafür ein, dass alle Instanzen informiert werden." Jeder ist ja eigentlich informiert, nur eine schiesst quer - und macht riesen Unruhe.

Ja, das dazu. Wie gesagt, das Thema ist noch nicht vom Tisch, aber hat Aufschub, weil jetzt erstmal Pfingsten ist. Ich befürchte, das einzige Grund ist weswegen sie mich nicht ernst nimmt, ist weil sie meine Mutter kennt. Für alle die es nicht wissen, sowohl meine Oma als auch meine Mutter waren Jahrzehnte lang Krankenschwestern in meinem Krankenhaus. Ich weiss, dass Mama und sie sich nicht gut leiden konnten, zudem war ich mit ihrem Sohn zusammen im Betriebskindergarten. Und nun will das Balg von der ehemaligen, ungeliebten Kollegin eine ganze Station alleine leiten und meint wie der Hase richtig läuft. Ich weiss nicht, ob es wirklich daran liegt, aber ich hab die Vermutung.

Zu dem hab ich noch das Problem, dass die halbe Station traumatisiert ist seit Anfang der Woche. Ein Patient hat sich versucht zu suizidieren - und meine Kollegin, die grade mit einer Schülerin rauchen gehen wollte, war unfreiwillig Ersthelfer. Ich will gar nicht drauf eingehen, was genau passiert ist, aber es muss ganz schlimm für beide gewesen sein - die Schülerin wollte mir unbedingt heute morgen davon erzählen und weinte daraufhin gleich ganz furchtbar. Auf jeden Fall hab ich beide erstmal ausm Dienstplan gestrichen und die Pfingsttage freigegeben, damit sie Abstand kriegen. Da kann ich schon wieder was Positives sagen: obwohl mein Team zusammengewürfelt ist und eigentlich relativ kurz erst besteht, halten alle zusammen. So waren zwei meiner Mädels sofort bereit einzuspringen, nach dem Vorfall. Auch sonst merke ich, dass die Mädels versuchen aufeinander zu achten. Zum Beispiel habe ich häufig erlebt, dass eine schwangere Kollegin als Belastung und Mehrarbeit empfunden wird - kurz zur Erklärung: schwangere Krankenschwestern dürfen keine Nachtarbeit mehr machen, dürfen nicht mehr mit Blut und Ausscheidungen in Berührung kommen, dürfen nur noch 10 kg heben, dürfen keine Spritzen setzen und und und. Bei uns läuft das aber erstaunlich gut und harmonisch. Ich hab die Kollegin jetzt viel für Büroarbeit und Organisation eingeteilt und die Mädels meinten, sie fänden das gut, dass sie jetzt mit dem Dienstzimmer nix mehr am Hut hätten seitdem unsere Schwangere das als ihre Aufgabe wahrnimmt. 

Apropo schwanger, ich will nix beschwören, aber Steffi ist so dermaßen überfällig, dass ich langsam nervös werde.  Eigentlich könnten wir ganz entspannt sein, wir sind lang genug zusammen, wir sind einem Alter, in dem man so reif und gesetzt ist, um auch mal ein Kind zu bekommen. Wenn es so wäre, kriegen wir das gut hin - aber wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich noch warten. Natürlich haben wir schon häufig drüber geredet. Steffi will zum Beispiel, dass ich sofort mit dem Rauchen aufhöre, wenn sie schwanger ist - verständlich, aber ich rauche ´ne Schachtel am Tag. Das wird defintiv nicht leicht. Außerdem erwartet sie, dass ich keinen Schluck Alkohol trinke in der Zeit, wegen Solidarität und so. Ich hingegen stelle so Forderungen wie regelmäßige Beschallung von Mutter und ungeborenen Kind mit guter Musik. In der letzten Woche benimmt Steffi sich auch anders - sie benimmt sich eigentlich wie immer, aber sie ist krank geworden. Das ist extrem untypisch für sie. Natürlich war sie schon mal krank, aber dann mit so Sachen wie Steißbeinprellung, Hexenschuss, Splitter im Auge oder sowas. Ich hingegen bin ja bis zu vier Mal im Jahr krank mit Erkältung, Mandelentzündung oder gar Grippe. Mindestens 1-2 mal im Jahr kriege ich richtig dolle Fieber und bin völlig fern ab von Gut und Böse, liege nur im Bett - Steffi kennt sowas nicht. Bei ihr läuft eine Erkältung so: Sie sagt abends, sie fühle sich "krank", nimmt abends Vitamin C, legt sich mit Pullover und Schal ins Bett und ist am nächsten Morgen wieder fit und gesund. Diese Woche schleppt sie sich schon mit Schnupfen, Husten und Halsschmerzen durch die Gegend. Total untypisch für sie. Das erste Mal in neun Jahren, wo ich Steffi mit Schnupfen sehe. Meine schwangere Kollegin schnupft auch schon dauernd rum ... mmh, auf den Schreck erstmal ein Vitamalz.

Ich lese grad einige sehr gute Bücher. Ich hab Joey Goebel entdeckt - wahnsinnig guter Autor. Erst habe ich "Vincent" gelesen, jetzt bin ich bei "Heartland" - wie gesagt, großartiger Autor. Davor habe ich einiges von Nick Hornby gelesen - "Das Lied von Eis und Feuer" pausiert, nachdem ich 5 Bände durch hab (zwei weitere liegen noch in meinem Nachtschrank), irgendwann war es zuviel Drachen, Ritter und politische Mittelalter-dramen.

Mich überkommt grad maßlose Müdigkeit - auch untypisch für mich vor Mitternacht freiwillig ins Bett zu wollen

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenLiesi schreibt am 20.05.2013 um 13:48 Uhr:Hat Steffi denn schon einen Test gemacht? Oder sieht sie das alles eher locker?
  2. zitierenKris schreibt am 20.05.2013 um 18:50 Uhr:Dann viel Erfolg bei den weiteren Gesprächen im Krankenhaus.
    Ja genau, testet Steffi sich jetzt, oder wartet sie seelenruhig?
    Sagtest du nicht mal, das passt nun nicht grade, wegen ihrer Ausbildung oder Fortbildung?
    Oh Mann, viel Spaß, wenn die ganze Arbeit, die so n Kind macht, ausschließlich an dir hängen bleibt, ungefähr so wie mit der Hausarbeit... uh uh.
    Auch wenn sie nicht schwanger ist, reduzier doch schon mal deinen Zigarettenkonsum, dann fällts dir vielleicht leichter, wenns soweit ist.
    Das mit dem aus Solidarität nichts trinken usw. find ich n bißchen komisch. Man muss dann ja nicht vor der Schwangeren sitzen und was trinken und sagen "mhmhmmm schmeckt das guuuut, aber DU darfst nicht", aber wenn man jetzt mit seinen Freunden unterwegs ist, und die Schwangere nicht dabei ist, kann man doch ein Bier trinken... deswegen ist man doch nicht unsolidarisch. Finde ich vielleicht auch nur persönlich so, weil es für mich jetzt kein DERMASSEN grosser Verzicht wäre, so lange nix zu trinken, und das deshalb auch nicht von meinem Partner verlangen würde, wäre ich jetzt ne Frau und schwanger. Das klingt fast so, als wäre es superschwer für Steffi, auf Alk zu verzichten, das würde mich nachdenklich stimmen. Raucht Steffi auch?
    Also, musst du aufs Rauchen dann aus Solidarität verzichten, oder weil in der Wohnung nicht geraucht werden darf? Was genau spräche in letzterem Fall dagegen, dass du auf Arbeit rauchst, oder vor der Haustür/auf dem Balkon/usw?
    Wie auch immer, sag bescheid, wenn man dem angehenden Papa gratulieren darf! ;-)

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