Boys don´t cry

21.03.2013 um 00:12 Uhr

Verlobungsringe und Tiefkühlpizza vom Chef

von: Ryan

Ich schreibe zu unregelmäßig - ich würde gerne öfter schreiben, aber man hat ja noch ein Leben. Ja, was soll ich heute erzählen. Heute war ein wahnsinnig ruhiger Tag. Ich geniesse meine erste Urlaubswoche, Steffi ist gestern Abend zu ihren Eltern gefahren und ich hab sturmfrei. Also habe ich ewig geschlafen, bis die Post geklingelt hat. Danach in Ruhe aufstehen, Kaffee trinken, aufräumen - komisch, immer wenn Steffi wegfährt, räum ich erstmal die Butze auf und dann fühle ich mich erst wohl.

Was sehr seltsam ist - wir sind ja verlobt und es hat mich ewig angenervt, dass Steffi nicht so richtig einen Termin machen wollte während um uns herum sämtliche Freunde heiraten. Ich war schon ziemlich gnatschig, hab schon so ´nen Satz in meiner Wut abgelassen wie: "Wenn du nicht willst, müssen wir nicht heiraten." und vor ein paar Tagen stand sie plötzlich fast hyperventilierend vor mir und hat mir auch einen Ring überreicht. Sie findet, ich müsse auch einen Verlobungsring tragen. Da war ich erstmal baff. Gefreut hab ich mich natürlich, aber irgendwie isses jetzt anders. Ich fühle mich nicht besonders anders, aber jetzt wirkt es für mich realer. Jetzt hab ich was am Finger stecken und stell mir schon vor, dass das mein Ehering ist. Ich fühle mich so jung als hätte ich noch ewig Zeit für sowas ernstes und erwachsenes wie Heiraten und jetzt tragen wir beide schon Ringe und haben für nächstes Jahr im Mai einen Termin. Wir fangen an Geld zu sparen. Irgendwas bei 10.000 Euro soll die Grenze sein. Puh, jetzt wird´s ernst. Zu meiner sturmfreien Zeit gehört auch, dass ich keinen Ring trage - was nichts besonderes über meine Beziehung zu sagen hat, denn ich hab heute auch den ganzen Tag FlipFlops getragen, weil ich eh nicht vor die Tür gehen wollte.

Arbeit war großes Thema vorm Urlaub. Ja, ich bin Chef. Irgendwie fühlt sich auch das ganz Unreal an. Ich geh zur Schicht, mach weiter Nachtschichten und arbeite an Wochenenden, arbeite normal mit. Wir sind halt eine kleine Station, also nur ein Examinierter pro Schicht. Erst meinte meine Chefin, wir bräuchten Aushilfen und haben immer von Zeitarbeitsfirmen welche geordert. Nachdem ich aber drei Tage in jeder Tagschicht nur Leute hatte, die kein oder sehr unzureichend Deutsch sprachen und mir nicht mal verständlich machen konnten, ob sie überhaupt eine Art Ausbildung haben, bin ich ausgerastet - na, übertrieben, ich hab auf´n Tisch gehauen und sehr nachdrücklich gesagt, dass ich das für meine Kolleginnen und mich nicht mehr haben will. Ich habe auch gleich als guter Chef gesagt, ich wäre besser dran mit FSJlern und Auszubildenden. Zwei Tage später hatte meine Chefin Azubis zu uns versetzt und jetzt läuft der Laden gut. Sogar einen Buffti hab ich bekommen. 

Ansonsten hat sich die andere Leitung mal ein bisschen eingemischt. Ich hatte zwei Tage frei und sie hat gleich vorweg genommen den Dienstplan für April zu schreiben. Das war ein ganz schönes Theater den Nachtdienst vor meinem Tattootermin wegzutauschen. Klever war sie aber, indem sie einfach die Dienste, die sie nicht besetzen konnte, frei zu lassen und mir die Aufgabe zuzuteilen Leute zu rekrutieren. Um ehrlich zu sein, ich hab keine Leute. Ich brauche pro Schicht einen Examinierten, also drei am Tag, hab aber nur 4 Pflegekräfte (ich bin schon eingeschlossen), also hab ich eine Liste gekriegt mit Mädels, die ich fragen kann von anderen Stationen, die gerne aushelfen würden. Ich will auch ein netter Chef sein, ich geh nicht einfach zu jemanden sagen: "Du arbeitest da, keine Widerrede." Vielleicht kommt das ja noch, aber ich will nicht so sein. 

Was mich auch wundert: ich hab auf dieser kompletten Station meine Systeme eingeführt. Ich hab das Dienstzimmer so eingerichtet, wie ich das für sinnig hielt, ich habe ein neues Aktensystem einegführt mit dem ich seit Jahren schon liebäugel und alle machen das nach, was ich mache. Ich weiss nicht, ob das eine Respekt-Sache ist oder sie zu eingeschüchtert von meiner anderen Chefin sind, dass keiner was dagegen sagt. Das ist ein ganz seltsames Gefühl sagen zu können: "Wir machen das jetzt so" und die Mädels nicken nur brav. Wenn ich zuhause bei Steffi den gleichen Satz bringe, zeigt die mir ´nen Vogel und fragt ob ich noch alle beisammen hab.

Arbeit ist aber grade ganz weit weg, denn ich hab Urlaub - blöd, dass der Chef sich gleich im ersten Monat Urlaub gönnt, ich weiss, aber der ist seit Dezember geplant und vor Februar wusste ich ja noch nix von meinem heldenhaften Aufstieg. - und Kris: Es gibt natürlich nicht mehr Geld. Die Argumentation war, dass ich die Aufgabe ja nur komissarisch mache - offiziell. Darüber muss ich mich aber auch nochmal unterhalten mit den großen Oberchefs.

Und sonst sehe ich viel meine Freunde. Ne Zeit lang hatte ich wirklich das Gefühl, ich hätte keine Freunde mehr, weil alle arbeiten mussten, keiner Zeit hatte - im Moment sehen wir uns aber fast 1-2 die Woche. Für Leute, die im Schichtdienst arbeiten, ist das extrem viel.

Und - ich mag´s ja gar nicht sagen - ich schreibe viel. Irgendwie ist mir das unangenehm zu sagen: "Ich schreibe ein Buch" - weiss auch keiner, außer Steffi und euch Lesern meines Blogs. Ich will nicht erst protzen und dann den ganzen Salat in die Tonne kloppen. Aber ich versuch die ganze Sache schon ernsthaft zu betreiben. An manchen Tagen schreibe ich gar nicht, an anderen Tagen schreibe ich sechs Stunden und länger. Im Moment bin ich sogar recht zuversichtlich, dass ich das zuende kriege. Ich hab mich teilweise richtig hingesetzt, Charaktere ausgearbeitet, ich hab ein Stichwortheft, in dem ich alle blöden und guten Ideen eintrage, selbst wenn ich nachts im Bett liege. Genau 100 Seiten habe ich jetzt zusammen. Ich dachte ja wirklich, blauäugig wie ich war, ich würde mich einfach hinsetzen und in ein paar wenigen Tagen alles runterschreiben, einmal Fehler lesen, ausdrucken und weg zum nächsten Verlag. Ich hätte es mir nicht so anstrengend vorgestellt. So einen Blogeintrag schreibe ich eigentlich auch immer recht zügig runter. Aber mit dem Buch ist es anders. Ich hab bereits die komplette Einleitung einmal neu geschrieben, und ich weiss zwar grob wie ich den Spannungsbogen hinkriegen will, aber sitze trotzdem manchmal eine halbe Stunde vorm Rechner und weiss nicht wie das Kapitel weitergehen soll. Oder mir fehlen die Wörter, ich will jemanden mit einem Wort beschreiben und ich komme nicht drauf trotz Wörter googeln.

Steffi weiss, dass ich schreibe, aber ich hab ihr gesagt, sie darf es erst lesen, wenn es fertig ist. Und wenn es nicht fertig wird, kann sie es halt gar nicht lesen. Aber Regeln sind da um gebrochen zu werden - zwei Seiten durfte sie schon lesen - wirklich nur zwei völlig ausm Zusammenhang gerissen und sie fand´s gut. Natürlich muss sie es gut finden, sie ist die Frau, die mich heiraten will - aber sie sagte was anderes. Sie fragte, wo ich das abgeschrieben hätte. Und ich sagte, nirgendwo, das ist von mir. Und dann sagte sie, dass sie mir schon glaube, dass das von mir sei, aber irgendwie dann auch nicht. Irgendwie sei es unreal, dass ich sowas schreiben würde. Ich nehm das mal als Kompliment. Soviel dazu.

Und was noch der gute Nebeneffekt ist, ich bin total ausgeglichen seitdem ich das mache. Kein Meckern über die Arbeit, die Arbeit interessiert mich überhaupt nicht mehr. Ich beschäftige mich so sehr in meinem Kopf mit dem was ich schreiben will oder wo meine Geschichte hin soll, dass ich gar nicht mehr an die Arbeit denke. Jetzt im Urlaub sowieso nicht - okay, wenn ich mich an andere Urlaube erinnere, hab ich teilweise eine Woche gebraucht um die Arbeit ausm Kopf zu kriegen und im Urlaub anzukommen. Selbst wenn die mein liebevoll erarbeitetes Aktensystem crashen - was ich vermute - kümmere ich mich daraum, wenn ich wieder da bin. Interessiert mich grade gar nicht. Ich hab in den letzten drei Tagen öfter über Tiefkühlpizza als über die Arbeit nachgedacht. 

Irgendjemand eigentlich Lust Lektor zu sein? Meinen Freunden kann ich das nicht präsentieren aus Angst sie seien nicht objektiv aber "Fremde" im Internet kann man ja immer mal fragen. 

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierensunnysightup schreibt am 21.03.2013 um 07:57 Uhr:ich finds super!! das ist noch besser als studieren!! viel besser! ich kenn das gefühl, wenn man einfach nur mit dem formulieren und ideen finden beschäftigt ist, und alles um einen herum leiser und weniger bedeutsam wird...
    ich würd supergern Lektor sein! schon allein, weil hier endlich mal einer macht, was ich so gern machen wollte!
    toll!
    erwähnte ich schon, dass ichs toll finde?
    toll!
  2. zitierenHedera schreibt am 21.03.2013 um 08:49 Uhr:Ich wäre auch dabei, falls mich jemand fragt!!! (mit dem lektieren meine ich..!!!)
  3. zitierenKrissi (wortschatz) schreibt am 21.03.2013 um 12:30 Uhr:Es ist schon komisch nach fast 7 Jahren erst ein zweites Kommentar zu hinterlassen. Aber ja, ich würd auch gern Lektor sein :)
  4. zitierenGewuerzgurke schreibt am 21.03.2013 um 21:00 Uhr:Hiiier! :)
  5. zitierenKris schreibt am 22.03.2013 um 01:36 Uhr:Eigentlich schreibst du gar nicht unregelmäßig... Regelmäßig alle 3 oder 4 Wochen ist nur zu selten irgendwie, da man dich gerne liest... einziger Wermutstropfen deines Blogs übrigens, zu oft schaut man vorbei, und muss ohne einen neuen Beitrag von dir von dannen ziehen... :-D

    Auch wenn ich weiß, dass es lektorieren und nicht lektieren heißt ;-) suchste dir am besten nen Germanistik-Student, dazu reichen meine Kenntnisse vermutlich nicht. LEIDER.
    Aber falls du jemanden suchst, der Logik-Fehler, Wiederholungen, Flüchtigkeitsfehler oder dergleichen findet, bin ich dein Mann.
    (Merkste, was du für nen Kommentar-Boom verursachst? :-D)

    Das mit den abweichenden Charas aus Büchern und Serien kenne ich, dann warte mit der Serie noch, oder sieh sie als was ganz anderes, eigenständiges an.

    Genieß deinen Urlaub, und sei produktiv, wenn dir danach ist, wie lang haste denn Urlaub?
    Schön, wenn du bei Steffi nicht davon ausgehst, dass es wie bei deinem Kumpel läuft, der nun Single ist... aber bild ich mir das nun ein, oder war es bei deiner Ex (oder ExEx) nicht ähnlich? Mann, das muss auch schon Jahre her sein, so lang wie du mit Steffi schon zusammen bist...

    Hmm, für mich würde nicht das eine Geschlecht mit dem anderen Geschlecht konkurrieren, sondern der eine Mensch mit dem anderen. Ich verliebe mich/begehre nen Menschen, nicht sein Geschlecht. Aber ich weiß schon, wie du meinst. Ist n bißchen wie Äpfel mit Birnen vergleichen ;-)
  6. zitierenKris schreibt am 22.03.2013 um 01:57 Uhr:Also FALLS du keinen besseren Lektor findest, oder du mich einfach mal so in den Genuss eines Kapitels kommen lassen willst (worüber ich mich sehr, sehr freuen würde): Darrak@gmx.de
    Achja, Glückwunsch zum Verlobungsring :-D

    So. Ich geh jetzt heia.

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