Boys don´t cry

26.10.2006 um 02:39 Uhr

Wann geht das vorbei

von: Ryan

Super Abend ... ich dachte ich sollte was essen ... das ist postwendend im Klo gelandet. Wenn ich schon leide, kann ich auch abnehmen, oder? Meine Haupt-Kalorienquelle ist Bier ...

 Und ich lag im Bett und ich wollte schlafen. Ich wollte wirklich, ich soll um 11 bei nem Kumpel beim tapezieren sein. Und da ist es ja auch ganz sinnvoll früh im Bett zu sein, bzw. um 2 Uhr nachts. Mittlerweile haben wir fast 3 Uhr nachts. Und ich lag im Bett, hab mir irgendwas im fernsehen angeschaut, bin weggedämmert, aber noch nicht so richtig und hab dann Musik gehört ... und wirklich ALLES erinnert mich an ihn. ALLES ... und ich weiss genau, ich kann nicht schlafen. Und ich geh in die Küche und hab sein Gesicht vor Augen und wie er für mich ne Flasche Rotwein aufmacht und wie er von seinem Glas nippt und ... und ja, dann hab ich mir erstmal ne Flasche Rotwein aufgemacht.

 Wie lang geht das noch? Ich weiss nicht wie ich mich morgen zum tapezieren schleppe, wie ich wieder aussehe - wahrscheinlich mit großartigen Augenringen und kaum geschlafen und ner Fahne.

Wieso dekompensiere ich mal wieder so? Eigentlich bin ich doch so schön kühl und abgehärtet und eigentlich bin ich doch so nen toller Mensch, dass die meisten Menschen mich "fressen" wie es so schön heisst. Allerdings genau ein Mensch nicht, der es grade soll. Und ich frage mich ob das Schicksal ist, ob mir ein härteres Schicksal erspart bleibt. Vielleicht wird er in 3 Jahren Alkoholiker oder tief Heroinsüchtig und ich werde daraufhin in großer Liebe zu ihm coabhängig und werde ein furchtbares Dasein frissten mit diesem drogenabhängigen Freund, den ich so liebe und nicht mehr verlassen kann. Vielleicht gibt es wirklich tiefere Hintergründe, die ich heute nicht erahnen kann aber die sich Jahre später als Glücksfall herausstellen sollen.

Ich habe eine Bekannte - sie ist in meinem Alter und ich kenne sie eigentlich nur als sehr unglückliche, unzufriedene Frau. Sie fühlte sich immer zu fett, hat alles getan um den Männern zu gefallen. Hatte diesen und jenen und war auch sehr schnell sehr unglücklich verliebt. Sie ist und war immer schon ein sehr lieber und sensibler Mensch. Und ich habe sie neulich mal angerufen nach mehreren Jahren, in denen ich nur so einiges von ihr gehört hatte, aber auch nichts konkretes. Und irgendwie habe ich mit einem völlig anderen Menschen telefoniert, als den ich kannte. Sie ist wie gesagt, genauso alt wie ich und sie erzählte mir, dass sie mittlerweile sehr glücklich mit einem Mann zusammen sei. Sie sind grade zusammen gezogen, die gemeinsame Tochter ist 3 Monate alt und sie meinte, sie sei sehr, sehr glücklich. Und sie habe sich immer diese Familie gewünscht, die sie nun habe. Und dann kam ein Satz, der mich irgendwie sehr bewegt und nachdenklich gemacht hat, nachdem ich ihr meine Geschichte der letzten *Tage* erzählt hab: "Ryan" sagt sie. "Ich bin durch so viele Höllen gegangen und hab nun endlich das gefunden, was ich immer haben wollte. Und das wird bei dir eines Tages auch so sein. Du bist ein so lieber Mensch, und liebe Menschen haben es verdient das Glück zu finden. Und sieh mich an - schau was ich jetzt hab ... und bring Kuchen mit, wenn du uns besuchst."

Das ist doch irgendwie wieder ein Lichtblick in der Finsternis und ich kann mich ehrlich mit ihnen freuen - und für mich freuen, dass es sowas gibt. Mein Mitbewohner und sein Freund haben sich im übrigen endlich verlobt. Und ich freu mich auch mit ihnen und bin auch wenig neidisch - muss ich zugeben - nicht weil ich es ihnen missgönne, sondern, weil ich mir für mich sowas auch wünsche.

Vielleicht gehen diese Wünsche aus dem tiefen Bedürfnis heraus eine Familie zu haben. Ich hatte nie eine und mir eine sehnlichst herbei wünsche. Ich war mit meinem Bruder und seiner Kleinen spazieren. Und er schiebt so den Kinderwagen im Eichtalpark bei uns hier in Wandsbek vor sich her, und ich lauf nebenbei und wir unterhalten uns und mir fällt auf wie sehr ich ihn beneide. Und er kommt nach Hause, seine Tochter schläft im Kinderwagen und seine Frau küsst ihn und sagt: "Wo ward ihr denn?" - "Im Eichtalpark spazieren mit Onkel Ryan." Und ich merke, dass ich sowas auch möchte. Jetzt noch nicht, aber irgendwann mal mit irgendjemanden, der perfekt ist. Der mich liebt und unwahrscheinlich glücklich mit mir ist und aus unserer unsagbaren Liebe ein Kind entsteht, was ich durch den Eichtalpark schieben kann und mich mit anderen glücklichen Eltern über die Fortschritte unserer Kinder unterhalten kann.

Vielleicht werde ich auch einfach nur zu alt und beginne meine innere Uhr auf diese Weise ticken zu hören. Es geht mir nicht darum zwanghaft Vater zu werden, mehr darum endlich mein Glück zu finden und nicht mehr auf dieser unendlich langen Suche zu sein. Und wenn ich sowas sehe, denke ich mir "Das könnte es sein - auch für mich - vielleicht." Und wenn ich dann das Wort "irgendwann" mir dazu denke, werde ich wahnsinnig.

Aber was erwarte ich? Ich bin an einem ganz anderen Standpunkt meiner Entwicklung - ich bin grade vor 2 Wochen in meine erste wirklich eigene Wohnung gezogen, die ich nun noch einrichte nach meinen Bedürfnissen. Und ich gehe durch verschiedene Billigläden und frage mich: "Spiegelt dieser Aschenbecher meine Persönlichkeit wieder?" Ja ich gebe zu, meine Wohnung soll meine Persönlichkeit wiederspiegeln, meine wilde Seite *im Flur* und meine gemütliche, eigentlich sehr solide und sensible Seite in meinem Schlafzimmer. Und nebenbei muss meine Wohnung so sein, dass man jedes Mal was neues entdeckt, wenn man sie betritt. Ich lege sehr viel Wert auf Deatils, Bilder, Deko und so nen schwachsinnigen Kram, um den man sich nur Sorgen macht, wenn man wirklich keine andere Möglichkeit findet sich auszudrücken.

Mein Bild hängt mittlerweile sehr unfertig an der Wand und jedes Mal, wenn ich daran vorbei gehe, überlege ich was ich verändern und besser machen kann. Und mir fallen soviele Kleinigkeiten auf, die mich stören, die ich jetzt schon versaut habe, dass ich mir immer wieder denke: "Morgen, das ist ein schwieriges Projekt." und so ist es ja mit allem, was ich kreativer Weise anfange und nicht beende.

Ich wollte auch was weltbewegendes schreiben, weil ich dachte, dass das Schreiben mir liegt und ich hab einige Leute auch Probe lesen lassen *die begeistert waren*, aber mittlerweile glaube ich dass das alles unstrukturiert ist und eigentlich will ich der ganzen Sache eine neue Struktur geben, aber das ist wieder ien große Hürde, die ich nicht nehmen will oder kann. Keine Ahnung - so verlaufen sich meine kreative Geschichten, mit denen ich aus der Masse der Unbekannten herausstechen würde. All mein Leid könnte in großartige Kreativität umgesetzt werden, wenn ich nicht so unzufrieden mit mir sebst wäre. Und vor allem mit dem was von mir kommt. Zu wenig Selbstbewusstsein? I don´t know ... alle großen Künstler haben große Leiden hinter sich gebracht und wieso gelingt es mir nicht meine ansatzweisen großen Künste zu Ende zu bringen? Wenigstens für ein paar Menschen oder für mich selbst.

Aufgabe an mich selbst für heute Mittag nach dem Tapezieren: Bild malen.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenNimien schreibt am 26.10.2006 um 07:30 Uhr:Die Sehnsucht, von der du schreibst, kenne ich nur zu gut. Sie hat mich viele Jahre meines Lebens begleitet, mal mehr, mal weniger intensiv. Ich hatte mehrere Beziehungen und die meisten endeten schon nach relativ kurzer Zeit mit unglaublichem Liebeskummer (oder waren schon während der Dauer der Beziehung die meiste Zeit von Kummer geprägt). Ich habe mich sehr oft gefragt, warum das Glück nicht zu mir kommt und was ich falsch mache. Mittlerweile bin ich 35 und vor einem Jahr hat eine Liebe mein Leben berührt, die mir ein wirklich wohliges Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit schenkt. Zwar bin ich vorsichtig geworden, was Aussagen über die Zukunft angeht, aber in dieser Liebe erscheint es mir zum ersten Mal nicht wie ein waghalsiger, kühner Wunschtraum, einen Zeitraum von einem Jahr zu überblicken und davon auszugehen, dass wir auch dann noch zusammen sein werden. Was ich damit sagen will: Es ist nie zu spät. Alles hat seine Zeit. Das ist das eine.

    Das andere ist, dass die langen Jahre des Kummers und des Alleinseins mich auch verwandelt haben. Meine brennende Sehnsucht des jungen Erwachsenenalters ist allmählich einer stillvergnügten Heiterkeit gewichen. Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich auch mit mir allein ein sehr glückliches und erfülltes Leben führen kann, dass mein Glück keineswegs davon abhängt, ob ich in einer Partnerschaft lebe oder nicht. Auch das hat allerdings seine Zeit gedauert. Heute blicke ich mit großem inneren Frieden auf die letzten zehn oder fünfzehn Jahre meines Lebens zurück. Es war tatsächlich alles gut so, wie es war.

    Vielleicht kann dir das ein wenig Mut machen - auch wenn es denn akuten Schmerz sicher nicht lindern wird. Es tut einfach sauweh, von einem Menschen, den man liebt, zurückgewiesen zu werden. Daran können auch die klügsten Einsichten nicht viel ändern.

    Im übrigen finde ich es gar nicht schwachsinnig, dass du dir so viele Gedanken um deine Wohnung machst. Die Wohnung gilt schließlich als "dritte Haut", da erscheint es nur natürlich, dass du Wert darauf legst, dass sie zu deiner Persönlichkeit passt. Alles Gute und viel Freude beim Gestalten!
  2. zitierenPavelina schreibt am 26.10.2006 um 16:38 Uhr:Ach Ryan, deine Wohnung! Mach dir keine Gedanken. Es dauert, bis alles so ist, das du zufrieden bist. Und schön ist doch, wenn man irgendwie nie ganz fertig wird. So hat man immer etwas, was man noch ändern kann. Ich bin auch noch nicht ganz fertig. Und ich lebe mit den Kids auch schon seit Juli hier. Meistens fehlt einfach das nötige Kleingeld! Lass den Kopf nicht hängen! :)
    LG Pavelina

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