Boys don´t cry

15.03.2010 um 21:59 Uhr

Wir wollen Sommer, wir wollen Sommer, wir wollen Sommer ...

von: Ryan

Im Moment isses ganz gut. Ich fühl mich sogar fit morgens und versuch nen bisschen was zu schaffen in meinem Leben. Zum Abend hin werde ich dann immer etwas erschöpfter, aber dieser Zustand ist ja jetzt nix neues für mich. Ich bilde mir sogar ein, dass mir die Immunkur etwas hilft - auch wenn sie ziemlich teuer ist. Ängste überwiegen abends häufig. Ich sitz dann aufm Sofa und krieg plötzlich total unrealistische Ängste. Dass ich vielleicht bald sterben muss, weg bin, einfach ausgeschlöscht. Der Gedanke ist ziemlich unerträglich. Erst dann wird mir wieder bewusst wie unbedingt ich am leben bleiben will. Wie sehr ich mir wünsche meine Zukunft zu erleben, Steffi heiraten, Kinder bekommen, ein Haus abbezahlen, meinen Enkeln beim Spielen zugucken. Das alles will ich dringend noch erleben bevor ich sterbe.

Zweite Angst: Die nahe Zukunft. Ich weiss immer noch nicht genau wie es weitergehen soll. Ich glaube, mein Arbeitgeber ist schon recht nett bezüglich krankschreibung usw. Aber Monate lang kann ich das auch nicht bringen. Mal davon abgesehen, dass ich auf jeden Fall wieder versuchen werde zu arbeiten, solange bis es mir wieder so schlecht geht, dass ich nicht mehr kann. Und davor fürchte ich mich schon sehr, vor neuen Symptomen, vor inneren Zuständen, die ich kaum aushalte. Davor dass ich wieder tagelang nicht vom Sofa aufstehen kann, zu erschöpft um irgendwas zu machen außer nur da zuliegen, aber zu wach um zu schlafen.

Morgen gehts erstmal wieder in den Kurzurlaub, zu Steffis Eltern in den Osten. Eine ruhige sehr idyllische Stadt nahe der Ostsee. Viel Ruhe, mal was mit Steffis Freunden und Geschwistern unternehmen, von meiner zukünftigen Schwiegermutter bekocht werden. Und dann werde ich nochmal alles geben um irgendnen Psychiater in ganz Hamburg zu finden, der mich noch vor dem Sommer mal anhören möchte. Ja und mit meinem Arbeitgeber muss ich nochmal reden. Auch ein schwerer Schriitt. Ich glaube, eines der schlimmsten Dinge an einer psychischen Grippe isses, dass man dauernd irgendwelchen Leuten, zu denen man kaum Vertrauen hat, erklären muss, was innen drin bei einem los ist. Seelenstriptease dreimal die Woche.

Ich denke viel an meine Freunde, von denen ich genau weiss, dass sie chronisch psychisch krank sind. Einer meiner besten Freunde ist bipolar - oder besser gesagt: manisch-depressiv. Eine andere Freundin leidet an einer Borderline-Persönlichkeit. Erst jetzt kann ich halbwegs nachvollziehen, wie sie sich fühlen. Bei mir dauert der Zustand erst 2-3 Monate an, mal schlimmer aber irgendwie aushaltbar. Die beiden haben mit ihrem Kram Jahrelang zu kämpfen. Jahrzehnte lang sogar. Schlimm.

Was wünsche ich mir? Kraft, innere Stabilität, Freude, den Ansporn wieder was zu machen, keine Angst mehr, innere Ruhe. Und ein bisschen Sonne draussen. Jetzt mal ehrlich, ich bin überzeugt, dass der harte Winter ein Teil zu meiner Dekompensation beigetragen hat. Bei dem Wetter kriegt man auch nichts anderes als Depressionen. Schlechtes Wetter, Kälte, Dunkelheit - da kriegt mein Gehirn auch keine Glückshormone, wie auch. Letztes Jahr um diese Zeit waren Steffi und ich grade umgezogen. Ich weiss noch, dass ich beim Umzug nen Tshirt getragen hab. Nen paar Tage später war ich bei ner Freundin zum Geburtstag eingeladen, bin mit dem Fahrrad zu ihr gefahren und hab mich abends geärgert, weil ich keinen Pullover mitgenommen hatte und es abends dann doch kälter wurde als gedacht. Und heute, ein Jahr später ist es zu kalt für Sneakers, ich renn immer noch mit Mütze und Winterjacke durch die Gegend und wir müssen den ganzen Tag heizen. Mal davon abgesehen, dass bis heute morgen noch Schnee lag.

Ich wünsch mir so sehr den Sommer herbei. Von dem erhoffe ich mir nämlich viel. WM ist mal wieder, viel draussen sein, Stadtpark, Sonnenbaden, Schwimmen gehen - okay, ich geh echt kaum in Schwimmhallen, eher so nen "Wild-Schwimmer" in der dreckigen Elbe oder im Stadtparksee. Grillen aufm Balkon, Fussball gucken aufm Heiligengeistfeld und danach die halbe warme Sommernacht auf dem Kiez feiern. Nur noch barfuss laufen und wenns sein muss, dann eben mit Flipflops. Nur in Jeans und Tshirt durch den Stadtpark zur Arbeit radeln. Nicht mehr frierend dick eingemurmelt auf die U-Bahn warten. Meine Freundin in einem Kleid sehen. Ich hab das Gefühl die letzten warmen Sommertage sind Jahre her. Ich freu mich so sehr auf das erste kühle Bier im sonnigen Biergarten.

Donnerstag soll es endlich etwas wärmer werden. Ich glaube, 13 Grad hab ich gehört. Zumindest pack ich morgen meine Winterjacke ein UND meine Lederjacke/Übergangsjacke ein.


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