Boys don´t cry

12.02.2005 um 23:18 Uhr

Zuhause ...

von: Ryan

Musik: Rob Zombie - House of 1000 Corpses

Ich bin viel zu nachdenklich. Ich hab mich oft so gefühlt, als ob irgendwas fehlt. Vielleicht isses ne Kindheit, ein Vater, irgendsowas was vielen fehlt und sie deswegen nicht zur Ruhe kommen.

Ich hatte mit Mama ein Gespräch. Ich hab ihr gesagt wie abartig ich die Situation finde, in der sie/wir leben.
Sie hat sich arrangiert mit der Situation, für sie ist das anscheinend lebenswürdig.
Sie trinkt viel in letzter Zeit, auch vor ihm und mit ihm (was das ganze noch schlimmer macht). Ich hab Grenadin und Rum gefunden, versteckt irgendwo im Haus. Ich hab vor der Arbeit immer mal wieder nachgeguckt ob was fehlt (weil ich ne Stunde vor allen anderen aufstehe), und es fehlt immer was.
Flaschenberge im Keller und "Nein, ich trinke nur weil es mir schmeckt." Typisch, woher kenn ich das?
Mein Vater ist nen Spiegeltrinker, er riecht zu jeder Tages- und Nachtzeit nach Bier und Rum.
Als er noch vor uns trinken durfte, gabs auch Bier zum Frühstück. Für mich ist das normal. JETZT macht es mir Angst, weil ich weiss, dass es nicht normal ist.

Mama war lange Zeit auch Spiegeltrinkerin. Meine erste Kindheitserinnerung ist, dass ich morgens in die Küche kam, ich war noch nicht 6, ich ging noch nicht zur Schule. Meine Mutter stand in der Küche, ich hab ihr zugesehen wie sie Frühstück für meine Brüder und meinen Vater gemacht hat. Und ich weiss ganz genau, dass da nen Glas Wiskey stand.

Mein einer Bruder Steve trinkt seit etwa 3 Jahren gar nichts mehr. Nicht mal zu Silvester, auch zu keinem Geburtstag. Bewundernswert. Wir anderen ... wir trinken auch ziemlich viel, um alles besser ertragen zu können, vertragen auffällig viel - und sind natürlich auffällig psychisch.

Maik, Chris und ich haben uns selbst verletzt. Von Chris wusste ich es lang nicht, er ist sehr verschlossen, wirkt offen. Ich muss an ihn denken wenn das Lied läuft "Walk like a man, walk like a man by sun."
Maik ist leichtsinnig und war sehr lange drogensüchtig, Chris ist wie gesagt verschlossen und wirkt kalt wie Stein, er hat grad nen Burn-Out-Syndrom. Vorbildlicher Workaholik, promiskuitiv, depressiv, was man eigentlich nur dadurch mitkriegt dass er sich von einem Tag auf den anderen nicht mehr meldet. Vom Erdboden verschluckt.
Irgendwann taucht er wieder auf, fröhlich wie eh und je.
Steve ist in Therapie, war lange fast manisch-depressiv könnte man sagen, aber ich glaube dazu muss man noch extremer sein, obwohl wir alle schon sehr extrem ausschlagen. Er nimmt seit über 4 Jahren Medikamente, wirkt aber genau wie Maik als hätte er seinen Frieden gemacht. Die beiden haben seit Jahren keinen Kontakt mehr zu meinen Eltern. Chris ist der Arsch, der sich immer breit schlagen lässt von Mama.
Zu Lukas kann ich nichts sagen, er ist mein ältester Bruder und ist schon ausgezogen als ich noch viel zu klein war um es mitzubekommen und ihn jemals richtig kennen zu lernen.
Christine ... keine Ahnung was auf sie noch alles zukommt. 13 issn schwieriges Alter und ich bin wohl auch zu sehr mit mir selbst beschäftigt um für sie da zu sein. Leider.
Ich hab ihr nur neulich nen ziemlich Einlauf verpasst als sie versucht hat mir Zigaretten zu klauen. Sie soll gar nicht erst anfangen damit.

Mein Vater ist seit Stunden verschwunden.
Was tut er? Wo ist er?
Trinken? Bei einer anderen? Wie isser drauf wenn er wiederkommt?
Ich versteh nicht was er hier will. Seine Kinder interessieren ihn nen Scheissdreck, man kanns nicht anders sagen.

Eine Nacht haben sich meine Eltern angeschrien, die Hälfte unserer Gläser ist dabei zu Bruch gegangen. Und ich lag im Bett, ich musste in die Schule ... und ich konnte die ganze Nacht kein Auge zu machen, ich hab auf jedes Geräusch gehorcht und auf jedes Wort, gefasst drauf, dass ich aus dem Bett springen muss.

Ich glaub die ganze Angst hab ich nur deswegen, weil meine Eltern nun mal Schusswaffen im Haus haben. Ich glaub ich war 12, als mein Bruder und ich alle Jagdmesser meiner Eltern, die so verstreut im Haus rumlagen eingesammelt haben und weggeschmissen haben. Aber natürlich haben wir nicht alle gefunden. Waffen und Alkoholiker vertragen sich nicht.
Ich weiss dass sie beide irgendwas versteckt haben, falls der eine den anderen körperlich oder verbal angreift. Wir habens oft genug gehabt, dass mein Vater ausgerastet ist. In den letzten paar Jahren nicht mehr, ich glaub er hat Angst vor mir, weil ich körperlich stärker bin als meine Mutter und meine Schwester.
Aber es ist echt ein scheiss Gefühl Jagdmesser hinter der Mikrowelle zu finden oder Alkoholflaschen in den Wohnzimmerschränken.

Ich will weg.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenno_name schreibt am 13.02.2005 um 11:32 Uhr:Hi



    Wow... ich kann euch gut verstehen, warum ihr all diese Probleme mit euch habt. So wie ich es mitbekommen habe seit ihr oder wenigstens der ein oder andere in Therapie.



    Hat einer von euch schon mal über eine stationäre Therapie nachgedacht, um aus dem genazen schlammassel raus zukommen?`Sicher ist auch dies kein einfacher Weg aber dennoch eine gute Chance.



    Oder wass ist mit betreutem Wohnen? Gibts bei euch so etwas? Ich mein die verhältnisse sind doch überall besser als zu Hause.



    Es tit mir wirkich weh wenn ich sowas lese, auch wenn ich nicht die gleiche Problematik hatte wie ihr, weiss ich denk ich dennoch wie man sich fühlt. Ich denk wichtig ist es nur, ansich selber zu arbeiten um den rank zu finden, ich hatte glück und habs nach langem, schmerzlichen Weg geschft, mein Bruder allerdings nicht, er hat realitätsflucht begangen und lebt meist in seiner Phanasiewelt.



    Ich wünsche euch, dass ihr trotz allem eueren Weg findet. Das Leben kann so schön und lebenswert sein.



    Liebe Grüsse



    no name
  2. zitierensoulmate schreibt am 15.02.2005 um 22:37 Uhr:wenn ich die richtigen worte finden würde, würde ich etwas dazu sagen, aber leider hab ich keine richtigen worte...fühl dich umarmt!
  3. zitierenSpionageschwester schreibt am 26.02.2005 um 13:27 Uhr:Das ganze erinnert mich an meine \"Familie\". Zwar hat nur mein Vater gesoffen, gestimmt hat jedoch nichts.

    Auch wir (die Kinder) sind alle krank geworden.

    Magersucht, Drogensucht, Depressionen usw.

    Ich habe mich von meiner Familie losgesagt. Das war das Beste, was ich tun konnte.

    Seitdem gehts bergauf und meine Probleme haben sich reduziert.

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