SCHLAMPENJAHR

14.04.2011 um 21:48 Uhr

Die ausgewachsene Mutterkuh in Deinem Magen

von: JonaJones   Stichwörter: Abnabelungsphase, Bier, und, Zigaretten

64 Stunden und 54 Minuten nach dem Abschied:

oder besser gesagt 4 Bier und gefühlte 5 Päckchen Zigaretten später (allesamt in den letzten zwei Stunden konsumiert)...

Wisst ihr wie es sich anfühlt, wenn sich eine ausgewachsene Mutterkuh in Eurem Magen wälzt? Und als ob das nicht schon genug wäre, entbindet diese dumme Kuh, ausgerechnet in dem Moment, in dem sie in DEINEM Magen liegt, auch noch ein 15 Kilogramm schweres Kalb!!!

Der nächste Tag war erfüllt von Verblendungen durch anstehende Sportliche Aktivitäten. Bis heute hatte ich die so genannte "Abnabelungsphase" eigentlich ganz gut gemeistert...dachte ich zumindest...

Heute frage ich mich jedoch, wie ich all diese Vorsätze eigentlich durchstehen soll?!!! Allein auf der Couch sitzend... für die nächsten 8 Monate noch mindestens...

Wäre alles anders gewesen, wenn ich Bummels goldene Regel befolgt hätte und mich nicht einfach mal wieder selbst verarscht hätte?!

Ja, das wäre es wohl...

 

12.04.2011 um 21:43 Uhr

Ping, Pow Pow Pow & Ouch!!!

Hallo Welt,

ich bin Jona.

Eigentlich bin ich schon ganz lange Single. Wie lange genau, das ist abhängig davon welche leidigen Versuche man mitrechnet. Wenn ich unehrlich zu mir bin (dazu tendiere ich überwiegend), dann bin ich seit 2004 offiziell Single. Ich möchte diese kläglichen Versuche meiner Selbst einfach nicht mitrechnen. Deswegen habe ich eigentlich auch nur drei Exfreunde. Im Laufe diese Blogs, werden wahrscheinlich noch mehr Exfreunde auftauchen...aber dazu später mehr, wenn wir uns etwas besser kennen gelernt haben.

Ich bin 28 Jahre alt (noch; ich bewege mich rasant auf die 30 zu) und habe dieses Jahr offiziell zu meinem Schlampenjahr auserkoren. 2011: das wird mein Jahr, mein Jahr ganz alleine; mein SCHLAMPENJAHR J Wie bereits erwähnt bin ich jahrelang erprobter Single. Allerdings war ich bis Mitte letzten Jahres davon überzeugt, dass dieser Zustand nur vorrübergehend ist. Nach 6 ganzen Jahren (die, wie ich mit erschrecken feststellen musste, wahnsinnig schnell vorüber gegangen waren!!) war mir dann allerdings klar, dass dies kein Schwebezustand zwischen zwei Beziehungen mehr war. Mir viel auf, dass in diesen 6 Jahren eigentlich nur die von Pleiten erfüllten Versuche störend waren.

Ende letzten Jahres fiel es mir dann wie Schuppen von den Augen: ich bin glücklich als Single! Ich fing an, dies genauer zu erforschen. Nach langen Überlegungen bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass ich mein Singleleben zunächst einmal als dauerhaftem Zustand akzeptieren sollte. Ich würde aufhören mir den Kopf zerbrechen, welcher Typ Mann zu mir passt. Ob Manager oder Gärtner, Hippie oder Sportler, alt oder jung, sie würden mich alle nicht mehr interessieren. Denn ich war Single und das war gut so!

Ich fange also sofort an meinen Freundin Bummel zu interviewen wie man Männer zum einfachen und vor allem: UNVERBINDLICHEN Sex brachte. Sex war immer ein grosser Bestandteil meines Lebens (und höchst wahrscheinlich auch Verursacher von so manchen Beziehungsversuchen, die alle samt scheiterten). Auf einmal verstand ich, dass Sex nicht zwangsläufig einen nervigen Beziehungsversuch nach sich ziehen musste. Bummel stand mir tatkräftig zur Seite und gab mir Tipps. Die goldene Regel von Bummel: gib ihm nicht Deine Nummer!Mein neuer Vorsatz für das Jahr 2011 stand also fest! Und Bummels goldene Regel sollte mir dabei helfen. Genau so begann ich das Jahr 2011 auch. Zu Sylvester habe ich einen Bekannten zu mir nach Hause eingeladen und hatte Sex. Allerdings hatte dieser Bekannte meine Nummer bereits und schickte mir im Anschluss noch gefühlte 1Mio SMS mit kläglichen Versuchen ein weiteres Treffen zu arrangieren. Ich blockte ab. Denn das war mein Jahr, mein SCHLAMPENJAHR ohne nervige Pleiten! Und dieser Kerl hatte ein riesen Potenzial eine grosse Pleite zu werden!  Nach Sylvester kam lange nichts. Man muss dazu sagen, dass ich nicht der Typ zum Weggehen (oder wie man in meiner aktuellen Wahlheimat sagt: für den „Ausgang“) bin. Ich bin unter der Woche eher ein Workaholic und am Wochenende ein Sportfanatiker, der früh ins Bett geht, weil man wieder früh aufstehen muss um seine wöchentliche POrtion Sport zu bekommen. Schlagartig fiel mir auf, dass mit dieser ungünstigen Konstellation mein Vorsatz etwas, na wie soll ich sagen.., „dürftig“ ausfallen würde.

Ein neuer Vorsatz war geboren: ich müsste mir die Zeit nehmen wenigstens ab und zu auf Partys zu gehen. Am 12. März 2011 war es dann so weit. Nach einem ausgiebigen Tag auf dem Snowboard ging es dann auf zur angesagtesten Party im Skigebiet. Gegen Mitternacht viel mir ein total stylischer Kerl auf. Nachdem ich mich an der Bar an ihm vorbeigezwängt hatte (und wir den obligatorischen Blickkontakt hatten), sprach er mich später im Club auch direkt an.

Alles lief perfekt. Er hatte jede Menge Gutscheine für Bier und wir wurde auch direkt etwas touchy. Gegen 1 Uhr nachts knutschten wir bereits wie wild rum. Ich fühlte mich grossartig! Ich konnte es!!! Zwischendrin kam Bummel zu mir rüber, den Zeigefinger mahnend auf die Uhr hinweisend und sprach „Mädel, wenn Du den abschleppen willst musst Du Dich beeilen. Es ist bald 2 Uhr und wir wollen morgen noch Boarden gehen!“. Wie von der Tarantel gestochen schnappte ich den Kerl und bat ihn mit mir irgendwo hin zu gehen wo wir alleine sein können. Ca. 20 Minuten später waren wir dann auch schon bei seinem Kumpel im Wohnzimmer auf der Matratze und hatten Sex. Ich fand mich klasse. Aber schlimmer war: ich fand ihn noch viel mehr klasse. Nach gefühlten 2 Stunden Sex und unsäglichen leidenschaftlichen Blicken in die Augen dieses australischen Surfertyps ging ich nackt in die Küche um Leitungswasser zu trinken. Plötzlich stand er hinter mir und wir machten es noch mal . Dass jeden Moment sein Kumpel (ehrlich gesagt eine weilbliche Profiboarderin) neben uns stehen könnte störte mich keineswegs. Das zweite Mal Sex endete auf der Matratze im Wohnzimmer. Wir umarmten uns innig und er viel langsam in den Schlaf.

An die Weisen Worte von Bummel denkend, dachte ich daran mich nun aus dem Staub zu machen. Ohne meine Nummer und einen Namen zu hinterlassen. Der Wille war da!!! Das kann mir niemand anlasten. Beim Versuch seinen Arm von mir zu nehmen wachte er auf und bat mich bei ihm zu bleiben. „OK Honey“ flüsterte ich mit einer schrecklich süssen Stimme und merkte wie glücklich mich das machte. Am nächsten Morgen versuchte ich erneut zu gehen ohne ihn dabei aufzuwecken. Es missglückte.

Er stand ebenfalls auf zog einen Flyer aus seiner Tasche. Daneben legte er einen Kugelschreiber. Nervös zupfte ich an meiner Hose herum und tat so als ob ich das nicht gesehen hätte. Ich ging dann auf ihn zu, küsste ihn zur Verabschiedung und lief in Richtung Türe (jetzt nichts wie weg hier… die GOLDENE REGEL Jona!!!! Bloss nicht die goldene Regel brechen!!!). Er kritzelte was auf den Flyer und folgte mir mit dem Kugelschreiber in der Hand. Er riss den beschriebenen Teil des Flyers ab und drückte ihn in meine Hand, während dessen schauten wir uns wieder so an. Auf diese ganz besondere Art und Weise… ich bekam weiche Knie und nahm den Kugelschreiber. Clever wie ich bin wusste ich nun einen Ausweg. Bummel hatte nichts davon gesagt, dass man nicht seine Emailadresse hinterlassen dürfte. Da war er wieder, der Moment in dem ich mich selbst verarschte.

Ich verliess also das Haus. Lief mit gefühlten zwanzig Trilliarden Glückshormonen durch das Skigebiet um zum Haus meiner Freunde zu kommen. Entsetzlich eklig grinsend spazierte ich zum Bäcker und kaufte ein grosszügiges Frühstück für mich meine Freunde ein. Plötzlich machte es Ping in meiner Hose. Und das war sie.. die unbeschreiblich zuckersüsse Email von meinem australischen Surfer, der ausserdem ein Profiboarder war.  Er hatte diesen seltsamen Vornamen, den ich noch nie zuvor gehört hatte. Und da stand er nun… SEIN VORNAME in meinem Posteingang. Ich war glücklich. Für einen Moment vergass ich zu atmen. Mein Kehlkopf ringt nach Luft und ich seufze als hätte ich gerade mein Erstgeborenes auf dem Arm. Machte ich alles richtig? War das so wie es Bummel auch machte? War das normal nach einem 1-Night-Stand? Egal,… ich schlenderte zurück und weckte mit überschwänglicher guten Laune meine Freunde mit frischen Brötchen.  Um meine Tarnung nicht komplett auffliegen zu lassen erklärte ich meine überaus positive Stimmung mit sexueller Befriedigung. Es dauerte ca. 4 Stunden bis es dann aus mir raus platze. Alle fassten sich an den Kopf, schüttelten diesen und wimmerten meinen Namen… In seiner Email schrieb Lincoln (mein australischer Traummann) dass er mich wieder sehen wollte. Spontan schlug ich ihm das kommende Wochenende vor. Er entführte mich in die Welt des POW POW POWs und ich entdeckte nicht nur die Liebe zum Freeriden, sondern auch, dass Lincoln und ich seelenverwandt sind. Genauer gesagt viel ihm das auf. Ich bin dieser Hinsicht eher etwas zurückhaltend mit meinen Formulierungen, aber nachdem er das so ausgedrückt hatte, stimmte ich ihm in diesem italienischen Restaurant mit grossen Augen  und vehement kopfnickend zu.  

Er sprach mir aus dem Herzen, Wir entdeckten tausend Gemeinsamkeiten und noch mehr Eigenschaften, die uns verbinden. Unter anderem die bewusste Akzeptanz des Singledaseins und der gemeinsame Vorsatz in naher Zukunft Single zu bleiben. In dem Moment wurde es mir klar: es war Schicksal, dass ausgerechnet er mein erster vorsätzlicher 1-Night-Stand war. Wir kannten uns kaum aber fühlten uns als kennen wir uns schon Jahre lang. An diesem Abend beim Italiener haben wir uns unser Leben erzählt. Jetzt ist es als ob wir alles gemeinsam erlebt haben.

Ich bewundere ihn, nein es ist mehr..ich liebe ihn auf diese ganz besondere Art und Weise… Ich bilde mir ein ihn lieben zu können ohne mit ihm eine Beziehung führen zu wollen. Ich habe den Beziehungen abgeschworen. Aber ich liebe ihn. Heute ist er wieder nach Australien geflogen. Davor nahm er allerdings noch 5 Stunden Zugfahrt auf sich um mich wenigstens noch 14 Stunden und 12 Minuten sehen zu können. Heute Morgen um 5 Uhr habe ich ihn zum Zug gebracht. Später bei der Arbeit schrieb ich meiner Freundin Sandra folgende Email:

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Von: Jona

Gesendet: Dienstag, 12. April 2011 09:45

An: Sandra

Betreff: outch!!!

Oh man Süsse… “OUTCH” ist alles was mir dazu einfällt. Fühlt sich so an als wäre gerade ein grosser Teil von mir auf dem Weg nach Australien. Bin total schwach auf der Brust…

Wir haben bis zur letzten Sekunde zusammen gelacht und uns grossartig gefühlt. Keine Weinerei, nur positive Gedanken und Gefühle und jede Menge Liebe in der Luft.Stundenlange Gespräche darüber wie besonders wir beide zusammen sind und dass es an ein Wunder grenzt. Abschweifungen zu dem Thema „wenn die Situation anders wäre, würde er mir gar keine andere Wahl lassen als mit ihm zusammen zu kommen“ bis hin zu dem Thema „man muss sich wieder sehen“ dann wieder „maybe babe“ und „wir dürfen das Level X (bei dem beide anfangen von dem anderen etwas zu erwarten) nicht erreichen, denn dann würde es kompliziert/ besonders in unserer Situation“. Dann tausend Liebesgeständnisse dass wir beide gar nichts dagegen tun können weil es „höhere Gewalt“ ist. Ein Ausbrechen in ein riesen Gelächter bei der Vorstellung, dass wir beide wirklich einmal irgendwann irgendwo zusammen sein werden und das obwohl beide so sehr dagegen ankämpfen, damit wir das Positive was wir haben nicht mit einer schrecklichen Beziehung zerstören. Manchmal haben wir fest daran geglaubt es ist gut, dass er jetzt geht und im nächsten Moment fanden die Welt wieder grausam dass sie uns auseinander reisst. Es war wie in einem Raum ohne Sauerstoff in dem man mit jeder Sekunde, in der man dem anderen in die Augen schaut, ein bisschen mehr das Bewusstsein verliert. Die 14 h und 12 Minuten waren das Höchste der schönsten Gefühle.

Erst als die Türe zu ging und der Zug weg gefahren ist hat es weh getan.

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Diese Email und all meine guten Vorsätze zu Beginn diesen Jahres machen diesen Tag zu dem perfekten Tag meinen Blog zu beginnen. Ich bin Jona und das ist meine Geschichte, mit all meinen wechselnden Vorsätzen mitten drin in meinem Selbstexperiment:  das SCHLAMPENJAHR 2011.

Bis bald meine Lieben!

Eure Jona