Von der Tigerin zur Löwin
Du bist die perfekte 10
Eigentlich wollte ich hier nichts mehr schreiben. Keine Lust mehr, meiner Innerstes der Weltöffentlichkeit zu offenbaren. Versteckt hinter einer Adresse und einem Nick, den nur die wenigsten mit einer realen Person verbinden können. Doch wenn du das Gefühl hast, dass du eine bestimmte Person nicht mehr erreichst, sie vielleicht/hoffentlich diese Zeilen liest und sie auch die Beziehung herstellen kann; dann ist es genau der richtige Weg.
Mit jeder Zeile, jedem Wort und jedem Buchstaben verschwindet der Druck in der Brust. Sich einfach mal wieder etwas von der Seele schreiben können. Wenn du nicht mehr weißt, wohin mit dir, ist die Flucht nach vorne vielleicht das einzige, was noch geht. Ein Hilfe-Ruf. And nothing else matters.
Wieso sind wir an diesen Punkt gekommen? Wie kann das sein, wie kann das gehen? Wo haben wir die falsche Abzweigung genommen? Im einen Augenblick sind wir ein Herz und eine Seele, gehen zusammen durch dick & dünn, gemeinsam gegen die Probleme des Alltages und der unangenehmen Überraschungen. Im nächsten Moment diskutieren (Diskussion, man beachte den dritten und vierten Absatz) wir gereizt und uneinsichtig über Kleinigkeiten. Du sagst, du magst das Diskutieren. Ich auch, aber nicht diese Art und Weise. Ich möchte zu Hause Harmonie und Rückhalt vorfinden, keinen Kriegsschauplatz.
Du beschwerst dich darüber, dass ich dir meine Gedanken & Gefühle nicht offenbare. Ich bemühe mich oft, dies zu tun. Doch genauso wie dir, fällt mir das stellenweise alles andere als leicht. Doch wenn ich dir dein Innerstes zeige, wird es von dir nicht erkannt, nicht akzeptiert oder du gehst erst gar nicht darauf ein.
Ich fühle mich in einem Teufelskreis gefangen. Wieso soll ich meine Gedanken & Gefühle offenbaren, wenn sie fast zu einem kleinen Streit führen? Wieso muss ich mich dafür rechtfertigen? Ist es zu viel verlangt, darüber in sachlichem Ton zu reden. Ich habe nichts gegen nachfragen und kann mich auch gerne zu den einzelnen Themen erklären. Aber ich möchte mich weder verteidigen, noch mir irgendwelche Standpunkten (welcher Art auch immer) anhören.
Ich weiß, dass ich viele Fehler habe. Ich bin mit ihnen geboren und aufgewachsen. Jedem Menschen muss man seine Fehler mal aufzeigen. Manchmal ist es ein Gang auf einem schmalen Grand, die richtige Quantitäten der Anzahl der Ansprachen als auch die Art und Weise zu finden, wie man das anspricht. In letzter Zeit komme ich mir aber eher vor als hätte ich eine Zielscheibe auf der Brust tätowiert. Es geht fast kein Tag, in dem ich in deinen Augen etwas falsch mache und mir dafür erst eine - mal kleine, mal große - Tirade anhören muss. All das, was ich richtig gemacht habe oder sogar als Sahnehäubchen dazu gemacht habe, wird eventuell registriert aber für Selbstverständlich hingenommen.
Wenn ich nun dich auf etwas aufmerksam mache, was mir nicht gefällt, muss ich mir auch erstmal anhören, was ich denn für eine falsche Meinung hätte. Wieder ein Parcour aus Rechtfertigungen, aus dem Zusammenhang gerissenen Vergleichen und Beharren auf dem eigenen Standpunkt.
Ist es so schwer, auch mal die Meinung des anderen zu akzeptieren? Einzusehen, dass es nicht nur einen Standpunkt auf dieser Welt gibt? Dass man nicht immer die gleichen Gedanken und Ansichten haben muss? Auch wenn man zusammen wohnt, lebt und liebt?
Du + Ich = WIR
Wir können den Weg nur gemeinsam gehen. Weder der eine noch der andere kann für den anderen gehen oder entscheiden.
Quo vadis?
Lieber Danny,
dies ist der zweite Brief, den ich dir schreibe. Im Gegensatz zum ersten wirst du ihn aber nicht mehr lesen können. Dein Körper hat den Kampf gegen den Krebs verloren.
Wir finden Trost in der Tatsache, dass die Qualen der letzten Wochen für dich ein Ende hatten und du zum Schluß im Koma keine Schmerzen mehr leiden musstest.
Heute ist deine Beerdigung, doch ich werde nicht dort sein. Hier warten leider noch einige Aufgaben für mich (die mir im Augenblick so sinnlos vorkommen), so dass ich die lange Anreise gemieden habe. Auch bin ich mir nicht sicher, ob ich die Trauer und die Missstände in der Verwandtschaft in den vier bis fünf Tagen ertragen hätte. Da ich dir nicht die letzte Ehre an deinem Grab erweisen kann, möchte ich dies auf andere Art und Weise tun.
Du warst in den letzten Wochen und Monaten für uns alle ein Vorbild. Du hast gekämpft und deine schwere Bürde mit Fassung getragen. Du warst ein Licht in der Dunkelheit. Während alle anderen Starr vor Schock und Trauer waren, hast du dein Leben in vollen Zügen genossen; so gut es deine Krankheit zugelassen hat. Selbst die Ärzte und Schwestern, die dich behandelten, konntest du mit deinem Wesen beeindrucken.
Anstatt nun über deinen Tod zu trauern, respektiere und bewundere ich deinen Charakter und deine Courage trotz aller Widerstände. Für mich bist du ein Vorbild, an das ich mich halten möchte. Ich hoffe dies entschädigt mein Fernbleiben von deiner Beerdigung.
Ruhe in Frieden. Ich hoffe, dass es dir nun besser geht. Wo auch immer du bist...
So langsam geht es auf die Renovierungszielgerade. Allerdings sind die Handwerker natürlich noch nicht fertig geworden. Dafür können sie aber eigentlich nichts, wenn die nötigen Materialien erst später bzw. unvollständig geliefert werden. Nebenher gibt es noch Probleme beim Aussuchen der Tapete. Nachdem wir uns endlich auf eine Tapete einigen konnten, war diese natürlich prompt aus dem Programm genommen. Heute sind endlich die Ersatzmuster angekommen; mal schauen, ob da das passende dabei ist und ob die dann auch kurzfristig lieferbar sind.
Somit hat sich der geplante Umzug schonmal um eine Woche verschoben. Gut, dass wir keinerlei Verpflichtungen haben. Nur meine Holde kommt langsam in Bedrängniss mit der Uni. Ich hoffe, ich habe die Zeit und die Möglichkeit den Löwenanteil des Umzugs zu erledigen, damit sie auch mal zum Lernen kommt.
So lange der Umzug aber noch warten lässt, genieße ich noch ein wenig meine kleine Unabhängigkeit. In meiner Bude regiert das Chaos und ich genieße einfach ein wenig das Luderleben. Wie ein kleines Kind, dass die letzten Tage vor dem Erwachsenwerden noch für sich auskosten möchte. So fühle ich mich. Wenn du einen Neubeginn wagst, möchtest du halt noch ein wenig was vom "alten Leben" haben. Es wird nicht wieder zurückkommen.
Heute haben wir wieder ein kleines Jubiläum. Seite nunmehr 16 Monaten sind unsere Herzen nun verbunden, mit dem vorläufigem Ergebnis, dass demnächst auf dem Klingelschild unsere beide Namen stehen. Und irgendwann...ja irgendwann soll nur noch ein Name dort stehen. Dort, wo zwei Augenpaare nicht genug voneinander bekommen, wo zu den unmöglichsten Situationen Knutschorgien angesetzt werden, wo sich gegenseitig geneckt und verhätschelt wird.
Die ersten Renovierungen sind durchgeführt. Es ist schon fantastisch, welch emotionale Bindung man mit seinen neuen vier Wänden aufbaut, wenn man stundenlang Tapete abspachtelt
Die Küche ist auch bereits geordert. Wir haben da zwar mehr Geld ausgegeben als ursprünglich geplant, aber es lohnt sich. Auf dass viele gemeinsame Kochabende mit hoffentlich leckeren Ergebnissen folgen.
Heute abend werden die neuen Tapeten ausgesucht und sobald die Handwerker mit den restlichen Renovierungen fertig sind, können wir endlich mit den restlichen Einrichtungen und dem Umzug beginnen.
Ich freu mich schon riesig darauf :)