S.F... wie in Science Fiction

26.11.2016 um 09:48 Uhr

Schlechte Verhältnisse

"3%" ist toll! Wow!

Während das französische "Trepalium" einfach nur schrecklich ist und ich nach fünf Minuten umschalten mußte, war es bei "3%" ganz anders.

Die brasilianische Serie hat von Bild 1 an ein frisches Erscheinungsbild. Oberflächlich betrachtet befinden wir uns wieder ein einer dieser Teenie-Dystopie-Testverfahren-Geschichten. "3%" hat schon einen "Auswahl-Prozeß" zum Thema: 3 % der armen Bevölkerung dürfen sich im Alter von  20 Jahren für das Leben auf einer Insel qualifizieren, wo es weder Krankheit, noch Hunger gibt. 

"3%" fängt da aber erst richtig an, wo andere aufhören. Es gibt immer wieder kleine Nebengeschichten, die der Hauptstory, vor allem aber den Charakteren Tiefe verleihen. In ein, zwei Folgen passiert schon unheimlich viel. Es gibt kleine Twists, überraschende Aussagen.

Die Brasilianer schaffen es, mit wenigen einfachen, gut eingesetzten Mitteln eine ganz neue Welt zu erschaffen. Wunderschön, allein dieser Kontrast zwischen den bunten Lumpen der Armen und den weichen grauen Jerseyklamotten der Reichen.

Die Testaufgaben sind ja teilweise abstrakte Denkaufgaben. Da brauchte man nur ein modernes Museumsgebäude oder eine Galerie, ein paar Installationen. Weil es den Machern auf das WER, WARUM ankommt, müssen sie keine Raumschiffe explodieren oder Aliens blau blinken lassen. Das Abstrakte, Cleane unterstützt die klare, gleichzeitig vielschichtige Story.

Bin begeistert!

Daumen hoch, 10 Punkte, Netflix hat mal wieder alles richtig gemacht.

 

- Rechte bei Pedro Saad/ Netflix -

 

20.11.2016 um 21:02 Uhr

Menschenskinder

von: SweetFreedom   Kategorie: Filmtips

Netflix hat "Children of Men" hochgeladen, nun habe ich den Film endlich mal gesehen.

Hatte meinen Eintrag hier schon fertig, jetzt ist er weg. Eigentlich ist das aber gar nicht schlimm.

Ich kann alles bestätigen, was ich vorher gelesen und erhofft hatte: Die ungewöhnliche Sichtweise auf Gewalt, dadurch extrem beeindruckende Bilder, die wunderbare Detailverliebtheit, die tolle Symbolik...

"Children of Men" ist ein grandioses Meisterwerk, das seinesgleichen sucht.

Besonders gut gefielen mir drei Dinge: der clevere Einsatz von CGI, der Umstand, daß der Protagonist in all dem Chaos selbst nie zur Waffe greift und die Filmmusik, die mir teilweise das Blut in den Adern gefrieren ließ.

Wow! Dieser Klassiker ist so aktuell wie niemals zuvor. So geht Sci-Fi: Man zeigt die Menschheitsprobleme anhand einer Zukunftsvision auf, vermittelt gleichzeitig Hoffnung, daß diese Probleme doch gelöst werden könnten, hat eine klare Aussage, was man für moralisch richtig hält und kompromittiert seinen Protagonisten nicht!

Wenn man dann bedenkt, daß sich sowas wie "The Expanse" auch Sci-Fi nennt, wird mir schlecht. "Children of Men" wurde von Kritikern immer hoch gelobt, allerdings klingelten die Kinokassen nicht. Ich kapier's nicht, auch 7,9 imdb-Punkte sind 2 zu wenig. 

Screenshot, Quelle unbekannt

08.11.2016 um 16:17 Uhr

Please add coffee beans. ;-)

von: SweetFreedom   Kategorie: Muß nicht sein

Ich fand das lustig, wie in "The Expanse" 200 Jahre nach uns noch immer der Kaffee eine tragende, äh süchtigmachende Rolle spielt... Tolle Idee!!!
Jim Holden sucht in der Kombüse des neu "erworbenen" Schiffes nach Kaffeebohnen und findet... DAS war lustig, weil ich Kaffeejunkie bin.

Aber sonst so?

"The Expanse" wird von den Rezensenten sehr gelobt, angeblich ist die SyFy-Serie seit langem mal wieder etwas, was dem Sender zum Ruhme gereicht. Nun auf Netflix verfügbar und mit für Januar angekündigter zweiter Staffel mußte ich natürlich reinschauen.

Es geht auch schön los, ganz spannend und stylish (mal aufpassen, die in der Schwerelosigkeit wirbelnden Haare der in ihrer Zelle eingesperrten Schönheit sind animiert, nicht unter Wasser gedreht), es bleibt spannend, als sie sich befreien kann, allein auf dem Schiff herumfliegt, krasse Dinge entdeckt und auch, als auf Ceres ein Detektiv ihr Verschwinden aufklären soll.

Die Welt ist schön gezeichnet, mir gefallen die Düsterheit und gleichzeitige Betriebsamkeit auf Ceres, die wunderschönen Bilder von der Erde, fast alle Effekte. Ein Satz über Prostitution hätte meiner Meinung nach nicht ins Drehbuch gehört (a la "eine ehrliche Arbeit, mehr als man von anderen hier sagen kann") - aber der Satz paßt zu der Person, die ihn sagt und damit habe ich es abgehakt.

Ich mag Thomas Jane und seinen Joe Miller sehr, aber danach wird's mit dem Cast für mich ganz dünn, leider. In den Büchern, auf denen die Serie basiert, ist der gute Jim Holden wohl um einiges älter - ich glaube, das wäre hier auch gut gewesen, aber vielleicht nicht so attraktiv (wenn man auf Milchbubis steht).

Die Musik ist cool, der Vorspann allein ist der Burner. Die Geschichte um die Geschichte herum, diese Politik zwischen Mars, Erde, Belter-Welt usw. usf., die ist super gut ausgearbeitet und spannend erzählt. Ich habe das ganze auf Englisch geschaut und mußte teilweise arg aufpassen, um die Entwicklung noch mitzubekommen.

Aber...

Ja, da kommt mein Aber: Ich mag die Prämisse nicht. Bitte denkt Euch doch mal was anderes aus! Ich kann diese Stories nicht mehr ertragen... Das x-te Mal sehen wir das nun schon...

Zum Ende zu wird's echt fies gewalttätig und auch sehr gemein, ohne daß man jetzt einen Sinn dahinter erkennen könnte. Mir fehlt was ganz entscheidendes: Moral. Wenn auch die "Guten" an jeder Ecke nur gemein und gewalttätig sind, macht mir das alles keinen Spaß mehr.

Da fehlt mir so sehr mein "Star Trek", Kirk, Picard und Janeway, die lieber einmal mehr nachdachten und sich selbst in Gefahr brachten, als leichtfertig einem Fremden etwas anzutun. Moral und Ethik, das war es, was Gene Roddenberrys Werke vermitteln wollten und für die wir sie liebten.
Diese Zwickmühlen, Gedankenspiele, eine mögliche Entscheidung, die wir hier für uns selbst auch durchdachten, auf der Enterprise treffen wollten und zu rechtfertigen versuchten.

Bei "The Expanse" und vielleicht auch den Büchern scheint es eher darum zu gehen, wie man effizient Menschen um die Ecke bringt.

Dann habt Ihr noch etwas gemacht, das ich jetzt so nie machen würde, wenn sich die ganze Zeit alles um die Suche nach einem Mädchen dreht... Vielleicht ist das neu und alternativ oder originell, hier macht's einen nur traurig.

Not my investment case, ich bin draußen.

Deshalb ordne ich für mich, auch wenn "The Expanse" ein paar Stunden spannender Unterhaltung bietet, das ganze Ding in "Muß ich nicht haben" ein. Wenn ich mit einem schlechten Gefühl im Bauch rausgehe, fühlt sich die gesamte investierte Zeit wie eine einzige Verschwendung an.