When reality hits you hard...und es geht doch immer weiter

03.05.2006 um 22:11 Uhr

Changes...

von: Sadeyes

Gerade wieder gekommen von einem langen Besuch bei meiner Oma und hinterher noch was essen. War mit meiner Ma auch ihre Medikamente holen. Ist wichtig, dass sie jetzt nicht auch noch schlapp macht.

Tja, was soll ich über den Besuch bei meiner Oma sagen? Es ist verdammt schwer, solche Gefühle in Worte zu fassen. Als wir in das Zimmer sind und der erste Moment, wo ich sie gesehen habe... ich war irgendwie geschockt. Ich hab sie noch so vor Augen gehabt, wie sie im Sessel saß, als sie M kennengelernt hat und wie ich sie das letzte Mal verabschiedet hab. Da hat man ihr zwar angesehen, dass sie alt ist, aber sie hatte so viel Lebensfreude und schien so fit. Heute sah sie ganz anders aus. Ihr Gesicht wirkt irgendwie... entstellt.... ihre Augen sind glasig und schwer und sie sieht um Jahre älter aus. Ich denke schon, dass sie mich erkannt hat, obwohl sie nie meinen Namen genannt hat.

Mehrere Schläuche sind an sie angeschlossen. Zum Messen der Herzfrequenz und für die künstliche Ernährung. Die Magensonde und auch den Sauerstoff reißt sie sich immer wieder raus. Ihre linke Körperhälfte ist größtenteils gelähmt. Nein, sie so zu sehen ist ein Schock... sie sieht gar nicht gut aus. In den Augen meiner Ma tut sie das wohl, weil sie eine Besserung gegen Montag sieht. Ich habe aber gesehen, dass es meine Oma, so wie sie mal war nie wieder geben wird.

Ich mag solche Gedanken noch nicht mal haben, aber es ist so schwer, sich vorzustellen, wie ein Leben für sie außerhalb des Krankenhauses mal aussehen soll. Sie wird wohl kaum noch selbständig sein können, vielleicht noch nichtmal mehr hier in der Wohnung bleiben können. Und es fällt mir so schwer mir vorzustellen, dass sie das mögen würde.

So sehr ich denken möchte, dass alles wieder gut wird, so schwer fällt es mir aber auch, die Augen vor der Wahrheit zu verschließen.
Ich weiß es einfach nicht. Die Ärzte machen Hoffnung, sagen gleichzeitig, sie können eigentlich gar nichts sagen. Bluthochdruck und eine Infektion machen ihr jetzt noch zusätzlich zu schaffen. Alles Dinge, die nicht gerade positiv sind. Die Blutung hat allerdings aufgehört. Erstmal, sagte der Arzt, das kann jederzeit wieder anfangen. Es bleibt also nur abzuwarten und das beste zu hoffen. Leider weiß ich nicht, was das beste ist... für sie!

Als wir uns verabschiedet waren und ich fast zur Tür draußen war, hat sie auf einmal ihre Hand nach mir ausgestreckt und gesagt, vergiß mich nicht...
Ich weiß nicht, ob ich denken soll, dass sie sich von mir verabschiedet hat... für immer...

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenGalahad schreibt am 04.05.2006 um 08:11 Uhr:Ach, meine Kleine - ich glaub\', du weißt selbst am besten, was dein Besuch für sie bedeutet hat. Ja, sie hat sich von dir verabschiedet, so lange sie es noch konnte - weil sie selbst nicht weiß, wie es mit ihr weitergeht.



    Vielleicht schafft sie es trotzdem nochmal, verlier\' nicht den Mut. Ich denke an dich und bete mit dir für sie...



    *drückdich*
  2. zitierenk_fee schreibt am 04.05.2006 um 09:03 Uhr:Ich denke auch ganz fest an Dich.Verlier nicht den Mut,es kann sich alles wenden und keiner weiß, wie es weiter gehen wird. Ich kann mir vorstellen, dass es besonders schwer ist, sie jetzt so zu sehen!

    Positiv ist erstmal, dass die Blutungen aufgehört haben.Sicher, dass sich Ärzte nicht festlegen wollen.Und die Augen vor der Wahrheit zu verschließen,das sollte man nicht. Alles gehört zum Leben(leider auch das traurige)und was Deine Oma braucht, das seid ihr.Ich bin mir sicher, sie wird kämpfen.Ich drück Dich ganz fest und denke an euch. Liebe Grüße
  3. zitierenPetra01 schreibt am 04.05.2006 um 10:58 Uhr:Mir fehlern grad ein bisschen die Worte, denn ich weiß, so richtigen Trost gibts in so einer Situation nicht. Ich nehm dich ( wenns auch nur in Gedanken geht) einfach mal ganz fest in den Arm und denk an euch.

    Ganz liebe Grüße, Petra
  4. zitierenSternchen_ schreibt am 04.05.2006 um 19:51 Uhr:Ja, die Auseinandersetzung mit dem Tod ist nie einfach. Vor allem weil man so unbewußt auch immer wieder an den eigenen Tod erinnert wird. Denn, und darin sind alle Menschen gleich, egal ob weiß, schwarz, braun, auch wir werden nicht ewig leben.



    Ich wünsche Dir einfach nur ganz viel Kraft. Ich finde es schön, dass Ihr Euch so lieb um sie kümmert. Das ist wichtig, nicht nur für sie, auch für Dich.



    Halt die Ohren steif.
  5. zitierenSadeyes schreibt am 05.05.2006 um 18:50 Uhr:Danke an Euch alle!



    Ich hoffe, dass sie es spürt, dass wir alle so viel an sie denken und für sie da sind! Vielleicht gibt ihr das die nötige Kraft! So, ich muss jetzt los zu ihr....

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