When reality hits you hard...und es geht doch immer weiter

03.06.2006 um 16:59 Uhr

Gedanken ordnen

von: Sadeyes

Wetter mittlerweile wieder grau und diesig. Wie wenn es mich ärgern will. Warum scheint die Sonne morgens so schön, wenn M Tennis spielt. Und wenn ich abends weggehn mag, wirds kalt und düster.

Viele Gedanken heute zu sortieren. Denke viel an M, denke über ihn nach. Über alles, was ich bis jetzt über ihn gewußt und gedacht habe. Und über alles, was ich gestern Neues erfahren habe.

Ich denke, mittlerweile viele seiner Probleme zu kennen und zum Teil auch die Ursachen dafür. Jetzt, wo ich auch seine Freunde kenne und einen Teil seiner Familie, vervollständigt sich immer mehr das Bild.

Ich brauche diese Gedanken, um mich selber damit auseinander zu setzen. Weil ich verstehen muss... weil dann alles klarer und vielleicht auch leichter ist. Ein wichtiges Gespräch steht noch aus. Ich hoffe, dass das vielleicht schon nächste Woche statt finden wird. Es wird zwar sicher für andere nicht nachvollziehbar sein, aber ich brauche das.
H hat mir versprochen, mit mir zu reden. Ich weiß, er hat auch nur eine begrenzte Sicht von außen. Aber ich hoffe, dass ich noch etwas mehr über Ms Geschichte herausfinde.

Warum ich das brauche? Weil so komisch es sich auch anhört, ich kann nicht einfach so jemanden aufgeben. Selbst nicht nach gestern. Es ist nicht meine Art. Ich gehöre nicht zu den Menschen, die vor Problemen oder dann, wenn es schwierig wird, gleich weglaufen.

Außerdem bin ich "vorbelastet". Ich habe eine verdammt schwere Kindheit gehabt. Ich weiß, was man als "Belastungen" da alles mit ins Erwachseneleben nehmen kann. Ich weiß, wie schwer es ist, solche Dinge aufzuarbeiten und mit den alten schlechten Verhaltensmustern zu "brechen". Und ich weiß auch, wie schwierig es sein kann, sich noch Leuten zu öffnen, Vertrauen zu fassen und ähnliches. Und ohne "echte" Freunde ist es auch schwer.

Ja, gut möglich, dass ich dadurch eher Dinge "entschuldige" oder verstehen zu versuche. Aber ich bin sowieso der Typ Mensch "Der Krug geht so lang zum Brunnen bis er bricht". Bindungen oder Gewohnheiten zu lösen, fällt mir sehr schwer...

Was das alles mit M zu tun hat? Es ist sein Leben, darum habe ich bis jetzt noch nie so viel darüber hier geschrieben. Aber jetzt brauch ich das...

Auf eine gewissen Weise hat auch er keine leichte Kindheit gehabt.  Ihm hats sicher an nichts gefehlt, aber es gibt auch Grenzen und irgendwann ein Zuviel. Seine Kindheit ist sicher von den Ereignissen nicht mit meiner zu vergleichen. Aber genau wie ich, ist er stark davon geprägt.

Ich denke, dass er sich einerseits sehr stark nach Nähe und Geborgenheit und vermutlich auch Liebe sehnt. Aber gleichzeitig bekommt er es mit der Angst zu tun, immer wenn er dann das alles bekommt. Weil er dann anfängt, sich zu öffnen, weil tiefere Gefühle da sind. Und ich vermute, dass er Angst davor hat, dass ihn diese Gefühle auf eine Art und Weise zu sehr "fesseln" könnten. Und eben auch vor seinem sehr weichen, verletzlichen Inneren, was dann zum Vorschein kommt.

Als ich ihn damals kennen gelernt habe, haben wir viele Stunden damit verbracht, uns einfach festzuhalten und zu erzählen. Es ist nicht zu erklären, aber die Art und Weise, wie er jemanden festhält, sich an einen drückt, es hat was unheimlich sehnsüchtiges. Gleichzeitig ist da Unsicherheit, Verletzlichkeit, da sind Ängste. Ich hab das alles gespürt. Klar, man kann sich auch täuschen, aber umso mehr ich von ihm kenne, glaube ich das nicht.

In sich drin, ist er wirklich unheimlich lieb und sehr zärtlich. Aber traut sich kaum, das auszuleben.

Und da liegt sein Knackpunkt. Schiebt er all diese Gefühle weit von sich, weil er gerne stark und selbstsicher auf andere wirken will. Weil er zeigen will, dass er alles unter Kontrolle hat. Dann wird er unglücklich, weil in seinem Leben eben die Geborgenheit und die Wärme fehlen.
Läßt er Wärme und Geborgenheit zu, ist er total ausgeglichen und fühlt sich gut und entspannt. Bis er dann merkt, dass er anfängt sich wieder mehr zu öffnen, dass seine Gefühle sich verändern. Dann kommt wieder die Angst und er zieht sich zurück. Das ist ein verdammt übler Kreislauf, weil er so eben nie zu dem findet, was ihn wirklich glücklich macht. Ich denke, richtig glücklich ist er in jeder Situation immer nur für kurze Zeit und dann kippt es.

Und ich finde es schlimm und traurig. Dass es ihm so geht, dass es überhaupt jemanden so geht. Ich weiß, dass das eigentlich nicht mein Problem ist. Genau so, wie ich weiß, dass ich es nicht lösen kann.

Aber ich habe ihn eben kennen gelernt. Ich hab sein Inneres gesehen und ich hab ihn schätzen gelernt und ihn wirklich sehr lieb gewonnen. Wenn man dann miterlebt, wie ein Mensch, den man so gerne hat, immer wieder sich selber im Weg steht oder mit sich selber kämpft, das tut weh! Ich würde ihm wünschen, glücklich zu sein! Aber ich sehe es nicht...

Ich hab gestern viele von seinen Freunden kennen gelernt. Meiner Meinung nach alles gute Bekannte... Da ist er der lustige, nette M, immer gut gelaunt, etc.
Ich glaube nicht, dass sonderlich viele von ihnen auch seine anderen Seiten kennen. Es gibt so 3 oder 4 Menschen, wo ich glaube, dass die ihn besser kennen und in einem anderen Licht sehen. Ich habe mit zwei davon geredet. Beide kennen ihn lange und haben mir einige Dinge erzählt. Diese Dinge haben komplett meine Meinung gedeckt. Ich habe auch nicht nachgefragt, das wurde mir so erzählt.
Aber auch diese Personen sind ihm zwar näher, aber auch da scheint er auf eine gewissen Distanz zu achten.

Warum auch immer ich dann zu den Personen gezählt habe, die er dazu auserkoren hat, dass er sie näher an sich ranläßt, ich weiß es nicht.

Und was will ich mit all dem sagen? Dass ja, mich die ganze Situation tatsächlich immer wieder auch belastet. Aber es gibt auch sehr viele sehr schöne Stunden, die wir miteinander hatten.Es fällt mir schwer, manche Entscheidungen zu treffen, weil ich weiß, er ist eigentlich nicht so wie gestern Abend. Zwar auch so, aber keinesfalls hauptsächlich. Weil ich weiß, was bei ihm dahinter steckt. Weil ich weiß, wie schwierig sowas alles sein kann. Weil ich ihm versprochen habe, dass ich für ihn da bin... und weil ich weine, während ich diese Zeilen schreibe...


Diesen Eintrag kommentieren