When reality hits you hard...und es geht doch immer weiter

29.09.2007 um 17:19 Uhr

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von: Sadeyes

Mir brummt der Schädel... wenigstens hab ich mich beim vielen Nichtstun ganz gut erholt. Ich kann ja auch nichts dafür, dass ich gestern nach der Arbeit (und dem üblichen Hickhack der Bahn) so ko war, dass ich gestern Abend nur noch ins Bett gesunken bin und bis heute Mittag zu nichts weiter fähig war.

Jetzt fühl ich mich wach, habe aber dafür Kopfschmerzen. Vielleicht, weil ich nichts weiter gegessen habe. Und auch nichts getrunken, außer 2 Tassen verschiedener Kaffeesorten, um meine neue Senseo auszutesten. Habe sie hauptsächlich für ihn gekauft, weil er Unmengen von Kaffee trinkt und das bisher immer ein wenig schwierig war (und er viel zu viel Kaffeepulver verbraucht hat). Er hat sich auch ziemlich gefreut, als ich ihm gestern gesagt hab, dass ich die Maschine bestellt habe.

Was ich ihm nicht gesagt habe ist, dass ich mir einen Sprachkurs besorgt habe. In 3 Wochen werde ich das erste Mal zu ihm fahren. Ob er mich da auch ein paar seiner Freunde vorstellen wird, weiß ich nicht. Kann ich mir noch nicht so ganz vorstellen. Er ist da irgendwie ein wenig komisch. Vermutlich schon allein, weil unsere Kulturen doch ein wenig anders zu sein scheinen. Laut ihm zeigen sie dort ihre Gefühle nicht so. Meiner Meinung nach halten wir uns ja schon gar nicht so oft an den Händen oder geben uns ein Küßchen, aber er meinte, wenn sein bester Freund ihn so sehen würde, dann würde er ihn sicherlich aufziehen...
Und na ja, seiner Familie wird er mich sicher nicht vorstellen... Irgendwie mag ich seine Sätze wie "falls Du jemals meine Familie/diesen Freund/jenen Freund kennenlernen wirst" eh nicht mehr hören. Für mich hört sich das dann immer so an, wie wenn er das bezweifelt. Obwohl er andererseits ja auch Deutsch lernt, zumindest im Urlaub eine Weile mit mir gelernt hat. Weil er vielleicht hierher kommt zum Arbeiten und weil er meine Freunde und Familie besser verstehen können möchte. Und so geht es auch mir. Ich würde es schön finden, wenn ich mich dort nicht ganz so fremd fühle, wenn sie alle um mich rum so ganz anders reden. Und vielleicht finden mich seine Eltern auch nicht ganz so furchtbar, wenn sie merken, dass ich mir Mühe gebe und ihre Sprache lerne. Na ja, Sprachen lernen hat eh noch niemandem geschadet...

Werde jetzt gleich zu meiner Freundin fahren. Mit gemischten Gefühlen. Unser letztes Treffen hat mich noch mehr runtergezogen, weil man förmlich spüren konnte, wie schlecht es ihr geht. Weil es überall wie eine dicke Wolke hing. Dicke, depressive Luft. Und mit "ach, es wird schon alles gut werden" ist irgendwann ja auch nicht mehr geholfen. Aber wie soll ich ihr Mut machen? Ich kann ihr ja auch keine Antworten oder schöne Erlebnisse herbeizaubern. Ich kann nur versuchen, für sie da zu sein, aber wirklich nicht einfach derzeit. Ein bissel, wie wenn ein Blinder einem Blinden sehen helfen will *seufz*

Hoffe, ich erwische dann wenigstens noch meine beste Freundin später. Haben es gestern und heute noch nicht geschafft zu reden. Auch wenn wir beide immer dauermüde sind, so geben wir uns doch gegenseitig Halt. Denn wir hören uns zu und wissen, wir sind nicht allein. Und wenn es uns nicht gut geht, so dann eben auch nicht alleine. Und letztendlich schaffen wir es immer wieder, zusammen zu lachen und die Welt ist schon viel freundlicher...

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenVeela schreibt am 30.09.2007 um 18:00 Uhr:Ich wünsche dir viel ERfolg beim Sprachkurs (was lernst du denn überhaupt? *grübel*).

    Freundinnen sind dazu da sich Mut zu machen oder auch einfach "nur" füreinander da zu sein und sich gegenseitig das Leid zu klagen. WEnn man der Freundin nicht helfen kann, ist es nicht so schlimm, für mich ist die Hauptsache, dass meine Freundin DA ist wenn ich sie brauche.

    Gruß
    Veela
  2. zitierenpauline25 schreibt am 30.09.2007 um 18:20 Uhr:ja, würde mich auch interessieren, was du für eine Sprache lernst und woher dein Liebster kommt? Ihr spricht also eine "neutrale" Sprache miteinander, vielleicht Englisch? Dann ist es sowieso schwieriger, sich richtig zu verständigen, viele Begriffe sind dann einfach schwer zu erklären. Ich freue mich aber, dass du jemanden gefunden hast, auch wenn es nicht immer einfach ist. Aber es ist doch auch schön, wenn man jedes Mal etwas mehr erfährt? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man so nach 3 Monate weiss, ob sich eine Beziehung weiter entwickeln kann oder ob man es lieber sein lässt. Er scheint mir sehr vorsichtig zu sein, meinst du dass dies mit seiner Kultur zusammenhängt oder ist er einfach ein etwas scheuer Mann in der Öffentlichkieit?

    Ich hoffe also schon, dass ihr auf gutem Wege seid!
    Liebe Grüsse, Pauline
  3. zitierenSadeyes schreibt am 30.09.2007 um 18:56 Uhr:Veela, da hast Du Recht, dass man einfach füreinander da sein sollte. Trotzdem fühle ich mich eben schon hilflos, wenn ich merke, meiner Freudin geht es schlecht und ich kann nicht wirklich helfen. Irgendwie fällt es mir immer leichter, wenn ich aktiv sein kann oder es einen Plan gibt... Aber das liegt wohl an mir ;)

    Pauline, ja, unsere "neutrale" Sprache ist Englisch. Wobei er mehr die britische Variante spricht, während ich flüssig die amerikanische Version beherrsche. Mir ist auch schon ein paar Mal aufgefallen, dass wir uns sehr unterschiedlich ausdrücken bzw einige Worte anders nutzen. Ob das nun Mann/Frau typisch ist oder daran liegt, dass es eben für uns beide eine Fremdsprache ist und wir manche Worte anders interpretieren, weiß ich nicht.
    Sein Deutsch ist übrigens auch ziemlich gut. Also, er muss zwar immer ein wenig überlegen und es klingt ein wenig holprig, aber man kann sich richtig mit ihm auf Deutsch unterhalten. Im Urlaub haben wir ein wenig geübt. Er meinte, dann würde es ihm leichter fallen, mit meiner Familie und meinen Freunden zu reden und vielleicht bekommt er auch eine Arbeitsstelle bei mir in der Nähe.

    Wenn man tatsächlich nach 3 Monaten mehr weiß, dann haben wir noch einen Monat, um das herauszufinden. Wobei ich durchaus bei ihm das Gefühl habe, dass er das bereits als langfristig ansieht, auch wenn er manchmal so komisch redet.

    Was die Öffentlichkeit angeht. Ich würde ihn nicht als scheu betrachten, aber was eben Küssen und Händchen halten und sowas angeht, hat er gesagt, dass sie da eher zurückhaltend wären und seine Freunde wohl entsprechende Kommentare machen würden, wenn sie ihn so sehen würden. Während ich jetzt nicht sagen würde, dass wir es übertreiben.
    Ob das jetzt komplett auf das ganze Land bezogen ist oder nur auf die Region, wo er lebt oder seine Familie, das weiß ich nicht. Seine Familie allerdings ist wohl eher ein wenig unterkühlt.

    Er kommt übrigens aus Holland, ich lerne also derzeit Niederländisch, was dann doch schwerer ist, als es im ersten Moment aussieht ;)

    Liebe Grüße an Euch :)
  4. zitierenVeela schreibt am 01.10.2007 um 17:04 Uhr:hm... also die Holländer... eigentlich sind die doch viel offener als wir... *grübel* nun jedenfalls würde ich das so sehen - meine Eltern waren oft in Holland mit mir und ich habe gute Freunde dort gehabt über zwei Jahrzehnte.

    Aber das kann wirklich auch regional unterschiedlich sein... da hast du vielleicht recht, oder die Erziehung oder oder oder...

    Ich kann mich erinnern, dass ich als Kind mit holländischen Kindern auch englisch geredet hab.

    ich beneide dich nicht um den Sprachkurs, ich glaub es ist schwierig.

    Da ich nicht weit von der Grenze wohne, kann ich es ziemlich gut verstehen, aber sprechen... *kopfschüttel* geht gar nicht..

    Fühl dich lieb gedrückt!

    Veela
  5. zitierenSadeyes schreibt am 01.10.2007 um 20:34 Uhr:Ja, verstehen tu ich auch so einiges, wenn ich ihn mal telefonieren höre. Aber sprechen oder lesen... das wird ja alles ganz komisch und komplett anders geschrieben. Derzeit merke ich doch, wie schön klar unsere Sprache ist. Wir haben wenigstens keine zig Ausspracheregelungen und Sonderzeichen.

    Also, ich weiß nicht so viel von seiner Familie. Wohl recht religiös und schon irgendwie kühl.
    Und er hat da echt manchmal Ansichten zum Gruseln. So richtig altmodisch. Die Frau hat den Namen vom Mann anzunehmen. Dass ich noch verheiratet bin, stört ihn auch, weil ich so ja nicht ganz ihm "gehöre". Auch wenn das nur ein Stück Papier ist. Ein Mann hat stark zu sein und nicht so viele Gefühle zu zeigen, außerdem muss der Mann alle größeren Schritte tun und was weiß ich noch alles...
    Also, ich bin mal gespannt, wie es in Holland dann so wird...

    *zurückdrück*

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