Fuckin' Friendly Fire
Stimmung: wie von einem Tsunami überrollt
Musik: Jethro Tull - The Broadsword
Eines haben unsere Eltern gut gemacht: Wir sind ohne Zukunftsängste aufgewachsen. Nie war sich eine Generation ihrer Lebensberechtigung so sicher wie meine. Welche Abinote auch immer und welche Praktika auch immer oder nicht - irgendwas Lustiges würde schon kommen, so dachte ich. Und wenn das eine Lustige nicht kommt, kommt das andere Lustige. Kein Vergleich mit heute. Oh weh. Unsere Praktikanten! Können sehr wenig, wissen das aber nicht, und haben alle Naselang Angst vor ganz normalen Dingen wie: Nicht-übernommen-werden, Hartz-IV-beantragen-Müssen, Es-nicht-zu-einem-Häuschen bringen (eh net schad' drum, wenn man sich die grottigen Neubauten genauer anschaut), Die-richtigen-Leute-nie-Kennenlernen und so fort. Uns ist das alles passiert, aber es macht uns keine Angst, sondern es macht uns wütend.
Am wütendsten machen mich die Wohlstandsbürger, die glauben, dass Geld vom Himmel fällt, und deren größtes Problem in ein wenig Passivrauch besteht. Oder darin, dass bei einem durchstartenden A-380 überm Haus ihre Kois im Teich Schluckauf kriegen. Oder darin, mit ihrem dicken SUV am Parkhaus an die Wand zu schrappen. Oder mit ihrem dicken Hintern in kein buntgeschecktes Strenessekleidchen zu passen. Ätsch! Fangt doch an zu heulen! Ihr könnt froh sein, wenn ich euch nicht auf den Grill lege, und der Gedanke kommt mir öfter, als euch lieb sein kann.
Aber um diese Spezies geht's mir gar nicht, sondern ich erkenne immer deutlicher das Problem, dass ich einen neuen Rechner brauche. Den kann ich mir aber nur leisten, wenn ich dem Mock nicht die Brocken hinschmeiße. Genau das will ich aber seit einigen Tagen ganz dringend, weil er sich wieder einmal völlig unangemessen aufführt. Sinck hat kurzfristig eine Sitzung anberaumt und darin das neue Pflegende-Angehörige-Heft vorgestellt, dass er dem Mehlich und der Mock wiederum ihm abgekauft hat. (Also, ihr merkt es schon, immer dieselben Gesichter, immer derselbe inzestuöse Kreis, den ich schon ewig und drei Tage satt satt satt habe!) Nennen wir dieses sehr hübsche Produkt verschärfter PR-Arbeit hier zur Tarnung "Letzte Runde" (obwohl es reallife natürlich nicht so einen sarkastischen Titel hat). Mock hat, so Sinck, weder ihn bezahlt noch neue Kunden in nennenswertem Ausmaß gewonnen, dafür aber gemeckert, dass ein größerer Kunde aus dem Heft ausgestiegen sei, den der Sinck schon vor Verkauf des Heftes an Mock unter Vertrag genommen hatte. (Alles klar?) Besagter Kunde hatte behauptet, den Vertrag hatte der alte Marketingchef geschlossen, das gehe ihn jedoch nichts an, er sei der neue Marketingchef und sehe nicht ein, den Vertrag zu erfüllen, und drohte dem Mock an, nie mehr eine Anzeige in FAME zu schalten, wenn Mock darauf bestehe, er solle in der "Letzten Runde" mitmachen, zumal die "Letzte Runde" auch nicht seine Zielgruppe sei. Langer Rede, kurzer Sinn: Der Mock wollte, so Sinck, dem Sinck den verabredeten Kaufpreis nicht bezahlen, worauf der Sinck dem Mock antwortete, es sei nicht seine, Sincks, Sache, was Mock mit seinen Kunden vereinbare. Der Mock hat dem Sinck darauf nicht nur zu wenig, sondern bisher den Sinck überhaupt nicht bezahlt.
Das bräuchte mich nichts anzugehen, doch es hat zur Folge, dass der Sinck mich jetzt preislich drückt. Sinck wollte nämlich auf eigene Faust 2 neue "Letzte Runde"-Regionalausgaben lancieren, bei der er mich zur Mitarbeit anwerben wollte. Nun kann er aber nicht nur einen geringeren Preis für die Texte, sondern auch keine Fahrtkosten etc. zahlen, worauf ich argumentierte, zumindest die eine Regionalausgabe sei mit erheblichen Fahrtkosten für mich verbunden. Nach vielem Hin und Her leierte ich ihm wenigstens eine One-for-All-Fahrtkostenpauschale aus den Rippen. Es war eine stressige Sitzung, bei der ich viel nachgeben musste.
