Saint Sunniva in den Stahlkammern

27.03.2012 um 11:20 Uhr

Fuckin' Friendly Fire

Stimmung: wie von einem Tsunami überrollt
Musik: Jethro Tull - The Broadsword

Eines haben unsere Eltern gut gemacht: Wir sind ohne Zukunftsängste aufgewachsen. Nie war sich eine Generation ihrer Lebensberechtigung so sicher wie meine. Welche Abinote auch immer und welche Praktika auch immer oder nicht - irgendwas Lustiges würde schon kommen, so dachte ich. Und wenn das eine Lustige nicht kommt, kommt das andere Lustige. Kein Vergleich mit heute. Oh weh.  Unsere Praktikanten! Können sehr wenig, wissen das aber nicht, und haben alle Naselang Angst vor ganz normalen Dingen wie: Nicht-übernommen-werden, Hartz-IV-beantragen-Müssen, Es-nicht-zu-einem-Häuschen bringen (eh net schad' drum, wenn man sich die grottigen Neubauten genauer anschaut), Die-richtigen-Leute-nie-Kennenlernen und so fort. Uns ist das alles passiert, aber es macht uns keine Angst, sondern es macht uns wütend.

Am wütendsten machen mich die Wohlstandsbürger, die glauben, dass Geld vom Himmel fällt, und deren größtes Problem in ein wenig Passivrauch besteht. Oder darin, dass bei einem durchstartenden A-380 überm Haus ihre Kois im Teich Schluckauf kriegen. Oder darin, mit ihrem dicken SUV am Parkhaus an die Wand zu schrappen. Oder mit ihrem dicken Hintern in kein buntgeschecktes Strenessekleidchen zu passen. Ätsch! Fangt doch an zu heulen! Ihr könnt froh sein, wenn ich euch nicht auf den Grill lege, und der Gedanke kommt mir öfter, als euch lieb sein kann.

Aber um diese Spezies geht's mir gar nicht, sondern ich erkenne immer deutlicher das Problem, dass ich einen neuen Rechner brauche. Den kann ich mir aber nur leisten, wenn ich dem Mock nicht die Brocken hinschmeiße. Genau das will ich aber seit einigen Tagen ganz dringend, weil er sich wieder einmal völlig unangemessen aufführt. Sinck hat kurzfristig eine Sitzung anberaumt und darin das neue Pflegende-Angehörige-Heft vorgestellt, dass er dem Mehlich und der Mock wiederum ihm abgekauft hat. (Also, ihr merkt es schon, immer dieselben Gesichter, immer derselbe inzestuöse Kreis, den ich schon ewig und drei Tage satt satt satt habe!) Nennen wir dieses sehr hübsche Produkt verschärfter PR-Arbeit hier zur Tarnung "Letzte Runde" (obwohl es reallife natürlich nicht so einen sarkastischen Titel hat). Mock hat, so Sinck, weder ihn bezahlt noch neue Kunden in nennenswertem Ausmaß  gewonnen, dafür aber gemeckert, dass ein größerer Kunde aus dem Heft ausgestiegen sei, den der Sinck schon vor Verkauf des Heftes an Mock unter Vertrag genommen hatte. (Alles klar?) Besagter Kunde hatte behauptet, den Vertrag hatte der alte Marketingchef geschlossen, das gehe ihn jedoch nichts an, er sei der neue Marketingchef und sehe nicht ein, den Vertrag zu erfüllen, und drohte dem Mock an, nie mehr eine Anzeige in FAME zu schalten, wenn Mock darauf bestehe, er solle in der "Letzten Runde" mitmachen, zumal die "Letzte Runde" auch nicht seine Zielgruppe sei. Langer Rede, kurzer Sinn: Der Mock wollte, so Sinck, dem Sinck den verabredeten Kaufpreis nicht bezahlen, worauf der Sinck dem Mock antwortete, es sei nicht seine, Sincks, Sache, was Mock mit seinen Kunden vereinbare. Der Mock hat dem Sinck darauf nicht nur zu wenig, sondern bisher den Sinck überhaupt nicht bezahlt.

Das bräuchte mich nichts anzugehen, doch es hat zur Folge, dass der Sinck mich jetzt preislich drückt. Sinck wollte nämlich auf eigene Faust 2 neue "Letzte Runde"-Regionalausgaben lancieren, bei der er mich zur Mitarbeit anwerben wollte. Nun kann er aber nicht nur einen geringeren Preis für die Texte, sondern auch keine Fahrtkosten etc. zahlen, worauf ich argumentierte, zumindest die eine Regionalausgabe sei mit erheblichen Fahrtkosten für mich verbunden. Nach vielem Hin und Her leierte ich ihm wenigstens eine One-for-All-Fahrtkostenpauschale aus den Rippen. Es war eine stressige Sitzung, bei der ich viel nachgeben musste.  

 

 

 

29.02.2012 um 15:02 Uhr

Jetzt schalten wir das Jahr!

Stimmung: wie ein Mogwai
Musik: Eisbrecher - Verrückt

Echt blöder Song übrigens, gefällt mir gar nicht.

Viele Grüße zum frisch geschaltenen 29. Februar, für Sprachpuristen: geschalteten.

Der Prinz ist krank geschrieben, der aktuelle FAME noch nicht erschienen, ich könnte was arbeiten, treibe aber so träge und müde und perspektivelos dahin, dass es sinnlos ist anzufangen. Ich tue es heute Abend. Ich gehe zuerst einkaufen.

Die Perspektivelosigkeit drischt mich nieder. Glücklicherweise ist es plötzlich viel wärmer geworden, und mein Gesicht erreicht mit neuer Gesichtscreme trotz der Wahnsinnsringe um die Augen eine sportlich-muntere Frische *g*

Mehlich hat einen echten Pups gelandet und im aktuellen FLEXX (für Leute, die mich noch nicht lange lesen: Ich arbeitete bis 2009 für Mehlich und sein Flaggschiff FLEXX und verlor den Job Knall auf Fall, weil Mehlich einen Anfall von Verfolgungswahn bekam - er glaubte, ich hätte ihm Anzeigenkunden abgeworben und zu FAME gelotst! Selbstverständlich stimmte das nicht, und allein dieser Verdacht ist schon eine hinreichende Beleidigung Mehlichs mir gegenüber gewesen. Doch wenn ein Auftraggeber sich etwas in den Kopf gesetzt hat, nützen weder Geld noch gute Worte, man verliert ihn so sicher wie das Amen in der Kirche!) ein "Top Ranking der wichtigsten Leute der Region" produziert. Ihr wisst schon, so wie der FOCUS mit seinen "Die besten 100 Anwälte", "die 250 besten Rückenmarkschirurgen", "die 300 beklopptesten Halfpipes". Nur dass Mehlich sich nicht mal um messbare Popularitätswerte bemüht hat, sondern seine Top-Kandidaten offenbar einfach nach Gusto in die Liste aufgenommen hat.

Über dieses Ranking lachen der Kronprinz und ich schon seit 48 Stunden. Wir entdeckten darin einen Haufen Anzeigenkunden und Titelblatt-VIPs und Wannabes aus Mehlichs Umkreis, sogar seinen Stamm-Pommesbudenbesitzer, komischerweise aber auch 8 Leute aus dem BösV (Ex-Arbeitgeber des Prinzen), sodass wir spekulieren, der BösV werde wohl demnächst FLEXX übernehmen. Ich wette, mit dem Ranking wird Mehlich sich wieder viele Feinde machen, die das dann auch haarklein im Faecesbook kundtun. Auf diesen Lesegenuss verzichte ich aber, weil ich Faecesbook für mich zur No-Go-Area erklärt habe. In der Top 100-Liste befindet sich übrigens auch ein alter Bekannter von mir, der Geheimnisträger. Er spielt derzeit keine größere Rolle im Geschehen innerhalb meines totalitären Privatstaats, ich beschloss aber trotzdem, das neue Bild aufzubewahren. Man kann nicht wissen, wann wieder etwas Geheimnisvolles vorgeht.

Mir spuken Hausfrauendinge im Kopf herum: Was soll es heute zu essen geben? Und: Wie feiern wir Babys Geburtstag? Und: Wie hängen wir die herausgenommene Backofentür wieder ein? (Wenn der Ofen kein N*EFF ist, bereitet das tatsächlich ungeahnte Probleme, wenn es ein I*ndesit ist, unlösbare Probleme). Und: Wie kriege ich Babys Schuhe wieder sauber? Und: Wie komme ich schnellstmöglich in den Second-Hand-Shop? Und: Wie halte ich morgen das Gequassel Tines, des "Ängstlichen Mädchens" 2 Stunden lang aus? Und: Wie bekomme ich Baby vom TV weg und an die Hausaufgaben? etc.

Eins muss mal gesagt werden: Baby ist süüüüüüüß! Ihre Lieblingssendung ist derzeit "Kein Keks für Kobolde". Leider mag sie auch "Cosmo & Wanda". Diese Sendung wäre ja noch erträglich, wenn sie nicht zu 99 % aus Gekreische bestehen würde. Am Wochenende waren wir in "5 Freunde" - eine erstaunlich nette filmische Umsetzung dieser eigentlich total käsigen Geschichte. Selbst der Kronprinz guckte, und der schläft in Filmen, die ihn kaltlassen, mit einer Wahrscheinlichkeit von 100 % ein.

Der Prinz will einen neuen Arbeitgeber finden. Habe ich das schon erzählt? Er ist sicher, bei einem der regionalen Kies- und Abbruchunternehmen was zu bekommen. ICH bin da NICHT sicher. Manchmal ist das Leben so ein Wackelpudding. Aber nicht in ner Schüssel (da wäre ja wenigstens ein fester Rand in der Nähe), sondern ein endloser schwabbliger waldmeistergrüner Ozean, der sich zäh wie Teig um Arme, Beine und vors Gesicht legt, und um nicht unterzugehen, schluckt man, bis man kotzt.

 

02.02.2012 um 10:58 Uhr

Mein kleines Irrenhaus

Stimmung: Müdigkeit grausam niederkämpfend
Musik: Marillion - Chelsea Monday

Die Sonne hat sich zu einem breiten Grinsen verzogen. Genau in der Mitte scheint sie eine lange dünne Zunge herauszustrecken. Nee, ich halluziniere nicht. Das sind bloß irgendwelche Nebensonnen, die durch die Kälte entstehen. Das Licht bricht durch die hohen kalten Luftschichten, dann noch einmal durch den Hochnebel, und dann kommt es eben so heraus. (Keine Dämonen, nirgends :-))

Einkünfte: 0. Inhalt meiner Geldbörse: 14 EUR (geliehen). Inhalt von Babys Spardose: 7,32 EUR (das soll möglichst nicht angerührt werden). Verbliebene Zigaretten: 6. Inhalt des Kühlschranks/Vorratsregals: 1 angebrochene 2-Liter-Bombe Milch, 1 und 1/4 Flasche Pfanner Multivitaminsaft, 1 Malzbier (Babys Marke), 6 Eier, 1/2 Pott Belmandel, 1/2 Pott Erdnussbutter, 1/4 Pott Kräuter-Streichkäse, 1 Fruchtjoghurt, 1/2 Schnittbrot (nicht mehr frisch), 1 Kefir, 1 Dose Erbsen, 1 Glas Rotkraut, 1 Tüte Linsen, 1/4 Päckchen Reis, 1/4 Vorratsdose Tomatensoße, paar Reste in diversen Nudeltüten, 1/8 Päckchen Instant-Couscous, 1/2 kleiner Romanasalat (angewelkt), Tube Senf, Tube Tomatenmark. Verhungern werden wir demnach nicht. Jedenfalls heute nicht. Schon mal beruhigend.

Kronprinz ist heute früh um 5 Richtung Nürnberg zur Playmobilfabrik abgedüst. Open End. Er hat seinen Schlafsack mitgenommen. Und das brandneue Lkw-Navi, das ihm seine Firma gekauft (allerdings nicht geschenkt, sondern auf Kredit verkauft) hat. Er soll dort irgendwas hinbringen oder abholen, allerdings ist es - angeblich - kein Playmobil. Baby hatte sich schon Hoffnungen gemacht, doch ich erklärte ihr, dass das Playmobil nicht in der Playmobilfabrik verkauft, sondern von dort aus nur in die Läden gebracht wird. Enttäuschung babyseits.

Während ich das hier schreibe, hat sich die lange dünne Zunge der Sonne wieder zurückgezogen. Jetzt streckt unser Zentralgestirn einen kurzen Zeiger genau senkrecht nach oben. Will mir die Sonne etwas sagen? Ist die Schrift der Sonne prophetisch? Wir wollen es hoffen ;-) Verbliebene Zigaretten jetzt 5. Der Wind ist aus meinem Fenster heraus nicht spürbar, doch drückt er den Rauch flach auf die Dächer. Eben zwitscherte ein Vögelchen mit ganz leisen, süßen Tönen. Als daraufhin ein zweites Vögelchen gleicher Bauart erschien, begann das erste eine wüste Schimpfkanonade. Sicher ein Vogelkronprinz, der seine Frau zusammenfaltete, weil sie nicht unmittelbar hinter ihm geblieben ist.

Richard Sennett schreibt, im Zeitalter der Flexibilität ist der Arbeitnehmer wegen der Unlesbarkeit seines Bezugssystems und der daraus resultierenden Unmöglichkeit, seine eigene biografische Position zu bestimmen und für sich gewinnbringend zu verwerten, gezwungen, täglich auf immer dasselbe unmittelbare Problem zu starren. Ist es ein blöder Kollege, wälzt er Probleme über diesen. Ist es fehlendes Geld, ist er wie besessen vom fehlenden Geld. Ist es seine eigene Haarfarbe, führt diese für ihn fast zum Weltuntergang. Ist es eine runtergefallene Radkappe, kriegt er tagelang Weinkrämpfe deswegen. Das alles, weil er sich, seine Zukunft betreffend, in keine Richtung bewegen kann, ohne dass das Risiko vollends unkalkulierbar wird.

Dieses Phänomen beschreibt ziemlich genau das, was Leute mit einem generalisierten Angstsyndrom empfinden. Außerdem scheint es das zu sein, was Leute dazu bringt zu bloggen. Man beachte die Explosion der Blogs in den letzten paar Jahren (die technische Möglichkeit dazu hat die Basis geschaffen, um weltweit ein endloses Redebedürfnis rauszulassen).

Hatte letztens die letzte Stunde Hausaufgabenbetreuung. Anwesende: 8. Man sollte meinen, eine leichte Übung. Doch das ist es nicht, wenn Justin und Hanno gleichzeitig anwesend sind. Die beiden rauften pausenlos. Als ich sie trennen wollte, vereinten sie sich plötzlich und verpassten mir Faustschläge auf die Arme. Dabei landete einer der tapferen Ninjas auf meinem Handwurzelknochen und begann vor Schmerz zu brüllen. "Selbst schuld", sage ich kühl.

Alexis, eine Viertklässlerin, kam mit einigen Minuten Verspätung zu uns, nachdem die nachmittagsbetreuende Erzieherin zu ihr gesagt hatte, sie solle sich nicht dauernd um die Hausaufgaben rumdrücken. Also, Alexis stolziert herein, wirft einen verächtlichen Blick in die Runde, katscht auf ihrem Kaugummi und verlässt den Raum wieder. Draußen ruft die Erzieherin: "Alexis, geh zu den Hausaufgaben zurück!" Alexis' Blick wird noch verächtlicher: "Da ist es mir zu laut." Ich: "Alexis, das stört dich doch sonst auch nicht." Alexis zur Erzieherin: "Ich gehe zurück, wenn Frau B. (ich) für Ruhe gesorgt hat." Ich rufe sie noch mal, jedoch vergeblich, ich sehe nur noch ihre Leggingsbeine plus darübergezogenem Minirock auf der Treppe. Es ist, wenn man nur Klamotte und Gesichtsausdruck sieht, fast nicht schätzbar, ob dieses Kind 10 oder 15 Jahre alt ist. Aber das ist nicht die Spezialität von Alexis, viele sehen so aus. (Richard Sennett: Unbestimmbare Position in der Biografie).

Ich kann mich aber nicht weiter um Alexis kümmern, ich muss schnellstens zu meinem Randalierer-Duo zurück, das inzwischen unartikuliert schreit, mit Ranzen und Mäppchen wirft und sich gegenseitig durch den Raum jagt. Um meine Tochter und ihre beste Freundin Enola herum hat sich währenddessen, inklusive Nachbarskind Hadiya und deren Freundin Amelie, ein Quassel-, Blödel-, Kraftausdruckbenutz- und Bleistiftzerbrech-Club gebildet. Ich brülle nun auch: "Justin, Hanno, setzt euch auf die Plätze, aber dalli. Sonst fliegt einer von euch beiden raus." Die tun, als hätten sie überhaupt nichts gehört. Ich brülle "Ene mene mu, und-raus-bist du!!!" Es hat Hanno erwischt. Er zieht einen Flunsch und ist willens, nicht zu gehorchen. 

Bauz, da fliegt die Türe auf, und herein in schnellem Lauf stürmt herein Frau Kopp, Lehrerin einer 1. Klasse (nicht der von Justin und Hanno). "Justinus", brüllt sie, "setz dich augen-blick-lich hin!!! Ich höre dich bis in den 2. Stock!!!! Jetzt ist RUHE!!!!" Erstaunlicherweise gehorchen die beiden kleinlaut. Wie macht die das nur?, denke ich staunend. Sie dreht sich zu mir um, ihr Blick ist fast so verächtlich wie der von Alexis: "Sie müssen mehr den Daumen drauf haben!" Ich fühle mich etwas gedemütigt, bedanke mich jedoch und sie rauscht, so schnell sie gekommen ist, aus heiligen Hallen wieder hinaus.

Justin hat jetzt ein neues Beschäftige-dich-mit-mir-und-nur-mit-mir-Programm. Er hält seinen kaputten Drehbleistift hoch. Die Tränen laufen ihm über beide Backen. "Kapuuuuuuuttttt", schluchzt er. "Kann jemand dem Justin einen Bleistift leihen?", frage ich in die Runde. Aus der Quassel-, Blödel- etc. Clique - die immerhin zu einem großen Teil jetzt Hausis macht - werden dem Justin hilfsbereit mehrere Stifte gereicht. "Die wiiiiilllllll ich nicht!!!! Ich will meiiiiiiinen!" Ich wage einen Einwand: "Justin, das ist nicht so schlimm. Deine Mama kauft dir einen neuen."

"Neeeeiiiiiin", heult Justin, "der war so teeeeeeuuuuuuer! Er hat 80 Euro gekostet, sagt Mama!" - "Der ist doch nicht aus Gold! Sie meint wahrscheinlich 3 Euro 80", sage ich, "außerdem freut sich deine Mama immer, wenn du deine Hausis fertig hast, egal mit welchem Stift." Die Stimme der Vernunft kommt bei dem Mini-Ninja nicht an. Er nimmt, statt einen der ihm dargebotenen Bleistifte,wieder mich aufs Korn und will mich boxen. "Ich kann ganz schön aggressiv werden!!", droht er (mit exakt diesen Worten!). "Huuuuh, jetzt kriege ich aber Angst", feixe ich. Der Mini-Ninja braucht mindestens noch 10 bis 15 Jahre, bis jemand von meiner Größe und Bemuskelung ihn fürchten könnte. "Wo ist dein Heft?"

Justin ist anscheinend jetzt müde geworden vor lauter Bleistiftkummer, jedenfalls knallt er sein Schreibheft vor sich auf den Tisch und beginnt, die ganze Welt hassend, mit menschenfresserähnlicher Miene zu schreiben: "Anton malt...." Nach diesen 2 Wörtern unterbricht er jedoch wieder, stellt sich auf den Stuhl, dreht sich mit dem Rücken zu den anderen, zieht sich die Hose runter und zeigt seinen Kam'raden mal eben den nackten Vollmond. Ich schaue ziemlich perplex, denn das ist neu. Natürlich erntet er allgemeines Gegröle, das sich noch steigert, als er gar seine Pobacken mit den Händen packt und in die Breite zieht. Selbstverständlich zieht sich jetzt auch Hanno aus, um kein Verlierer zu sein. Glücklicherweise aber nur obenrum. "SCHLUUUUUSSSSS JETZT", donnere ich. "WEITERMACHEN!!!!"  Ich weiß nie, was richtig ist - Kaserne scheint am ehesten zu helfen.

Wie es zugeht, dass Hanno, Hadiya und sogar Justin ihren Schreibtext doch noch zu Ende bringen, kann ich mir kaum erklären, vielleicht ist es die Aussicht,den Kram abends daheim fertigmachen zu müssen, wenn eigentlich Wii, TV oder Comics angesagt wären. Jedenfalls werden sie auf die Minute fertig. Da es meine letzte Stunde ist, verteile ich an alle, die bis zum Schluss durchgehalten habe, Super-Dickmanns. Justin lädt sich gleich vier auf den Tisch und mampft auf beiden Backen. Dann torkeln sie raus, der eine verschwindet schneller als eine gereizte Schlange, der nächste trödelnd und mehrmals zurückkehrend, weil er was vergessen hat. Ich fege die Schokokrümel von den Tischen und verzwitschere mich dann, wie üblich mit den Sachen meiner vorausgerannten Tochter bepackt. Bin sehr nachdenklich.

Mir ist klar, dass die Kinder so sind, wie sie sind, um die maximale Aufmerksamkeit zu bekommen. Eigentlich bräuchte jedes von ihnen eine Privatbetreuungsperson (Mama!), die sich geduldig mit ihm hinsetzt und es ohne Ablenkung immer wieder sanft, aber beharrlich auf die eigentliche Aufgabe zurückbringt, bis diese erledigt ist. Dann kräftig loben und bestärken. In der Gruppe ist es aber kaum möglich. Kümmert man sich um einen, schreien die anderen, manche werden gar eifersüchtig ("Immer nur hilfst du der DOOFEN Annabelle und NIE mir!!! Annabelle, du bist DOOOOOF!!!" - "Aber Lea, du BRAUCHST doch gar keine Hilfe bei diesen Matheaufgaben, du KANNST die doch, du hast alles richtig, guck mal..."). Und immerzu geschehen Dinge, die von den Aufgaben ablenken: "Mein Bleistift ist kaputt/weg/stumpf, ich habe kein Papier, mein Heft ist voll, der Günni klaut dauernd mein Mäppchen, ich hab Tintenkiller in den Mund gekriegt, ich brauche ein Pflaster, ich hab nichts mehr zu trinken..."

Mit anderen Worten: Die Hausaufgabenmama muss alle Aufgaben einer richtigen übernehmen. Die Kinder bleiben bis 4 oder 5 in der Schule, einige essen nicht richtig, denn beim provisorischen Mittagstisch gibt es bisher nur 30 Plätze (bei 60 Anmeldungen!), sie können vor der Hausi-Betreuung, die schon um 2 beginnt, auch nicht mehr toben (oder chillen, je nach Temperament).

Besagter Hanno z.B. war früher nicht so wild, er ist sehr intelligent und langweilt sich wahrscheinlich den ganzen Tag fürchterlich. Nun hat er in Justin einen herrlichen Zeitvertreib entdeckt und spielt den starken Mann, genau wie der. Neulich, als in der Nachmittagsbetreuung wenig los war, lag Hanno auf der Matte im Eck, zugedeckt mit einer roten Decke, und ließ sich gemütlich von der Erzieherin vorlesen - so wie Baby das am Abend bei mir macht. Der Justin scheint mir ein Winterhoff-Fall zu sein: Eigentlich noch ein richtiges Baby, aber von seinen Eltern durch das Hineinziehen in Erwachsenen-Angelegenheiten gleichzeitig erhöht und überfordert. Er hat entdeckt, dass er durch seine Ungebärdigkeit und Lautstärkeeine ganze Gruppe aufmischen kann. Das Rezept wäre, ihn nicht zu beachten, doch wie soll man ihn nicht beachten, wenn dafür alle anderen ihn beachten? So "gewinnt" er doch jedes Mal.

Ganztagsbetreuung? Davon bin ich absolut kein Fan, jedenfalls nicht nach dieser Erfahrung. Für mich ist das eine Notlösung, die eher schwer arbeitenden Eltern hilft als den Kindern. Und wenn, braucht man kleinere Gruppen, mehr Betreuerinnen, einen Automaten mit Getränken und Fleischbrühe, Obst und mehr Räume. Nicht schlecht wäre auch ein Fußball- oder Ringkampf-Angebot für die Wilderen. Ja, man könnte, man müsste. Aber es geht ja nix.

 

 

 

 

30.01.2012 um 11:39 Uhr

Design und dessen Sinn und Unsinn

Stimmung: würd gerne jemanden vergackeiern, weiß aber nicht wen
Musik: Gordon Lightfoot - The Wreck of the Edmund Fitzgerald

Beim Putzen - und das ist das wirklich Lustige daran - bekommt man tiefe Einblicke in die Lebensweise anderer Leute. Heute: Der Design-im-Sonderangebot-Freak.

War ich neulich mal in einer ganz neu eingerichteten Wohnung, die ich auf den ersten Blick sehr bewunderte. Es handelte sich um eine dieser modischen, wenigzimmrigen Wir-kochen-im-Wohnzimmer-und-baden-im-Schlafzimmer-Modelle mit viel Fußboden um Kochinsel und Lowboard herum und mit breiten Loungesesseln auf dem winzigen Balkönchen. Die Besitzer gaben sich sehr selbstbewusst, doch mir machten sie nichts vor, ich weiß, wie Schulden aussehen, wie sie riechen und wie sie sich anfühlen.

Menschen mit Schulden haben gehetzte, gierige Blicke, immer sind ihre Gedanken woanders, sie versuchen aus jedem Moment und jeder auch noch so flüchtigen Bekanntschaft für sich einen Vorteil rauszuschlagen. (Das bestätigte sich, nachdem der Putzauftrag beendet war. Sie wollten meine Chefin, die mit mir zusammen geputzt hatte, verklagen. Angeblich hätten wir ihre krachneuen Fensterscheiben von außen verkratzt. Wir besuchten sie erneut, um die Stellen in Augenschein zu nehmen, und siehe da, die gute Wohnungsbesitzerin fand die angebliche Kratzstelle trotz intensivster Betrachtung selbst nicht mehr! Dies nur am Rande...)

Aber um auf die Einrichtung zurückzukommen: Wir sahen eine Küche mit schrillorangenerHochglanzoberfläche und ein HiFi-TV-Lowboard mit einigen modischen Wandbrettern darüber in grell laubfroschgrünem Hochglanzlack. Ich sagte einige bewundernde Worte, da die Möbel tatsächlich spektakulär aussahen (und zudem wegen ihrer Kahlheit sehr leicht abzustauben sind). Da sagte die Besitzerin: "Das sind Ausstellungsstücke, die haben wir im Möbelhaus X zu einem Super-Sonderpreis gekriegt." - "Oh, hatten Sie ein Glück", sagte ich. "Keine Spur", meinte die, "die Angestellten sagten, diese Möbel verkaufen sich ganz schlecht, die meisten Leute haben einen zu konservativen Geschmack dafür." Ich merkte mir das im Geiste vor, falls ich mal wieder zu Geld kommen sollte.

Aber dann zogen mich meine Putzaktivitäten ins Badezimmer. Und nun sah ich, dass man vor lauter Super-Sonderpreis-Designfieber auch in die Falle tapsen kann. Das Badezimmer war sehr hübsch, mit einer modernen barrierefreien Dusche mit dem gleichen Fußboden wie das ganze Badezimmer, ohne Vorhänge oder Glastür und mehreren Brauseköpfen von Nadelspitz-Regen über Mittelkörper-Massagebreitstrahl bis hin zum ein Meter breiten Wasserfall von ganz oben. Klasse. Doch das Doppelwaschbecken war die reinste Katastrophe. Das waren keine Waschbecken, sondern auf Holzsockeln montierte Zimmerbrünnchen. Sie bestanden aus einer flachen Glasschale, etwa so breit und so tief wie eine gewöhnliche große Fleischplatte mit Rand, aus grünlichem Glas. Darüber erhob sich senkrecht eine kleine, viereckige Metallstele mit einem kleinen schwarzen Dach. Dies muss der Wasserhahn sein, kombinierte ich scharfsinnig, und probierte aus, wie er sich betätigen ließe, nämlich mit Bewegungssensor. Das Wasser jedoch floss nicht oben heraus, sondern aus einem winzigen Löchlein ganz unten, am Fuß der kleinen Metallstele, sprudelte ein feines, bandartiges Bächlein heraus.

Da war ich nahe daran zu prusten. Putzeimer füllen - keine Idee.  In so einem Becken kann man sich weder Hände noch Haare, geschweige denn einen Pulli, ja noch nicht einmal einen BH waschen. Und hier befanden sich gleich zwei von diesen absolut unbrauchbaren Zierbrunnen in einem Badezimmer für zwei Berufstätige! Das war wohl das Super-Duper-Wahnsinnssonderangebot an diesem erfolgreichen Einkaufstag. Na ja. Sieht ja auf den ersten Blick auch ganz nett aus, gell!? Bis man dann  halt versucht etwas darin zu waschen.

Ähnlich schockiert war ich nur noch einmal, nämlich als ich in dem Haus einer winzigen Frau eine kreisrunde  Badewanne von etwa 2 1/2 m Durchmesser und 80 cm Tiefe gefunden habe. Ich selbst bin nicht gerade ein Zwerg und musste trotzdem eine Teleskopstange benutzen, um auch nur den Stöpsel aus dem in der Mitte des Beckens gelegenen Abfluss zu ziehen - ansonsten hätte ich in das Becken reinklettern müssen. Was will die bloß damit, schwimmen lernen?!, fragte ich mich grinsend.

Oder der Typ, der eine zugegeben spektakuläre grabsteinschwarz glänzende Marmortreppe in seinem Haus hatte. Sah in den ersten Stunden des ersten Tages sicher spektakulär aus. Aber kaum wird sie vom Fuß eines beliebigen Lebewesens berührt, hinterlässt dieser seine Spur. Und fällt ein Härchen, Farbkrümelchen oder Pulloverfaserchen daneben, dann stellt das glänzende Grabsteinschwarz diese unbedeutende Hinterlassenschaft so deutlich zur Schau wie in einem Museum. Nach wenigen Stunden gewöhnlicher häuslicher Beanspruchung sieht das Treppenhaus dann so aus wie in der New Yorker U-Bahn am Spätnachmittag. Einfach uuuuaaaaach!!!!

Ich selbst bekam auch mal ein Stück unbrauchbaren Quatschdesigns zum Geburtstag, nämlich eine schwere, viereckige, gläserne Magnettafel in Schneeweiß. Sah echt toll aus. Leider löste sich der Kleber, mit dem die Glasplatte an der Metallunterlage unvorsichtigerweise nur angeklebt war, in der Wärme unserer sommerlichen Wohnung auf und die ganze Herrlichkeit krachte von der Wand. Design oder Nicht-Design, auf jeden Fall Kaputt-Sein!!! :-))

Was gibt es sonst Neues? Nicht sehr viel. Prinz wartet auf seinen Arbeitsvertrag und fährt und fährt. Ich mache Veranstaltungskalender. Morgen habe ich das letzte Mal Hausi-Betreuung. Babys Halbsjahres-Elterngespräch brachte erfreuliche Ergebnisse, sie beeindruckt besonders mit Lese- und Sachkenntnissen. Ist eben mein Baby, haha! Ferner gibt es häusliche Kleinkonflikte, die mit Kirchgängerei zusammenhängen. Der Kronprinz ist ein eingefleischter Atheist, aber mein Job ist es, Baby auf die Erstkommunion vorzubereiten. Daher reiße ich mich am Riemen und scheuche sie und mich so oft es geht in die nahe gelegene Kirche. Der Prinz hat es stets hingenommen, dass Baby in der Bibel liest und den Reli-Unterricht besucht, nur zähneknirschend hat er ihrer Taufe zugestimmt. Ihm missfällt es aber, dass ich mit ihr in die Kirche gehe.

Gegen unsere Kirche kann man überhaupt nichts sagen, ich fühle mich in ihr echt zu Hause, denn sie wirkt witzigerweise wie das architektonische Kreuzungsprodukt der beiden modernen Kirchen, in die ich als Kind/Teeny am häufigsten gegangen bin (übrigens damals nicht einmal besonders gern!). Zudem ist sie nur ein paar Schritte von unserem Haus entfernt und hat langschläferfreundliche Gottesdienstzeiten. Die Gemeinde ist super nett, es gibt viele Angebote für Kinder und Familien, viel Musik, und auch unsere "geischdlingen Herrn" sind voll in Ordnung. Letztens hat unser Monsignore gar nicht nur Baby selbst, sondern sogar ihrem unvermeidlichen Kuschelhasi ein Kreuz auf die Stirn gemacht!! Cool! Dazu gibt es einen Diakon Dr. Liebherr, der ausgesprochen lieb ist und sogar psycholgische Sprechstunde für geplagte Gemeindeschäflein anbietet. Kann sein, dass ich da sogar mal hingehe, weil ich vor Babys Erstkommunion noch das Problem lösen muss, wie ich meine Eltern und den Kronprinzen an einen gemeinsamen Tisch bringen kann. Bisher beiße ich beiderseits auf Granit. Doch es hieße den Gedanken der Kommunion mit Füßen treten, wenn die zerstrittenen Familienmitglieder sich an diesem Tag weiterstreiten oder zumindest kein freundliches Wort miteinander reden würden. Niemand verlangt, dass sie sich jeden Tag zum Nachmittagskafee treffen! Aber sie könnten sich doch zumindest stillschweigend gegenseitig tolerieren, oder!?

Also, wie gesagt, eine nettere Kirche kann es kaum geben, und der Kronprinz hat keinen Grund, darüber abzulästern. Ich sage zu ihm, er solle nicht so "ossig" sein, und er wisse verdammt gut, wie nötig wir alle Erlösung hätten, so geplagt und schikaniert wie wir sind, und wie so wenig wir doch selbst in der Hand hätten, unser Leben zu gestalten (wenn man anfängt, darüber nachzudenken, verfällt man echt ins Elend - nach allem, was wir uns als 18-Jährige mal so ausgedacht haben, wie unser Leben mal sein und verlaufen würde...)

Zudem hat die Rosemarie sich begeistert geäußert, als ich vorschlug, wir könnten ja am nächsten Sonntag auch mal in ihre Kirche gehen, wenn bei uns keine ist, und nun glaubt der Kronprinz wie üblich, wie "Weiber" in seiner Familie machten Front gegen ihn.

Das ist ein Thema ohne Ende, aber ich muss trotzdem jetzt erst mal Schluss machen. Irgendwas wollte ich noch tun, bevor Baby von der Schule heimkommt. Was war das nur? Bitte sagt jetzt nicht "Küchenfußboden putzen" - aber genau das war's. Habe vorgestern die Ofentür ausgehängt, um das jahrhundertealte Bratfett aus den Ritzen zu schaben. Ofentür ist blitzsauber. Doch wir haben es selbst mit vereinten Kräften nicht geschafft, sie wieder einzuhängen.

Gestern habe ich einen doofen Witz gehört, den ein Russe erzählte. "Was sagt ein Russe, wenn er mit dem Flugzeug in der Türkei landet?" - "N-Jet!"

Baby wird Cowboy zu Fasching und hüpft Tag und Nacht im Kostüm und mit Colt und Steckenpferd rum. Habe ihr absichtlich noch keine 8-er Zündplättchen gekauft, um das Geknalle in Grenzen zu halten. Ihr aktueller Lieblingsheld ist Lucky Luke und sie beschafft sich auf jede erdenkliche Weise Comics von ihm.

 

 

 

 

 

 

25.01.2012 um 01:11 Uhr

Dadimm da dum daa daa

Stimmung: schläfrig
Musik: eh egal

Ich weiß nicht, was ich schreiben soll, weil der Kronprinz dermaßen laut schnarcht, dass ich meine eigenen Gedanken nicht höre. Der "Allgäu Airport" hat mir soeben seine neueste Bilanz gemailt, aber die werde ich mir erst morgen richtig anschauen. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall schickte ein mehrseitiges Statement mit qualitativen und evaluativen Forderungen an die neu eingerichteten Gemeinschaftsschulen. Das hatten die neulich schon mal, aber ich muss es trotzdem anschauen, es könnte sein, dass Neues dazugekommen ist.

Ich bin so wütend. Waaaaaruuuum eröffnet dieses Möbelhaus jetzt plötzlich erst im IV. Quartal? Und waaaaarum muss ich das aus dem Lokalkäseblatt erfahren statt von ihnen selbst? Wiiiird das überhaupt noch was? (Immerhin soll ja Weltuntergang sein, n'est-ce pas?) Wiiiiieee lange soll der Prinz noch für umsonst Lastwagen von A nach B bugsieren? Wiiieeeeesoooo zerschmeißt meine Tochter ihren Globus? Waaaarum antworten diese Idioten nicht, bei denen ich mich kurz vor Weihnachten in einem Anfall von Jahresendpanik noch beworben hatte, obwohl ich das eigentlich nicht tun wollte?!

Waaaaarum nehmen die Kinder in der Hausaufgabenbetreuung die Kreide, um die Wandtafel zu bekritzeln, NACHDEM man ihnen gesagt hat, sie sollten NICHT die Kreide nehmen und die Wandtafel bekritzeln? Und waaaaaaruuuum beginnen die Kinder sich auszuziehen (außer den Schuhen) und auf den Tischen herumzuhüpfen? Und wiiiiieeee hindert man sie daran? Waaaarum sind Lehrer solche Mimosen und ständig nur KRANK oder NICHT IN DER STIMMUNG, etwas zu erörtern? Waaaaaarum bin ich ich und nicht James Brown, Franka Potente oder Jake Gyllenhaal? (Aha, jetzt wird's philosophisch! Zudem bin ich wenigstens nicht dieser komische Kerl, der da in Norwegen Amok gelaufen ist oder der Käptn, der sei Schiff fluchtartig verlassen hat. Mir stellt wenigstens keiner so unangenehme Fragen).

Die Kinderchen sind schon komisch. Inzwischen kenne ich sie ja schon recht gut, aber sie sorgen für immer neue Überraschungen. Heute z.B. wollten sie die Jalousie unten haben, da sie - so der Tenor - die Sonne nicht vertrügen. "Wollt ihr es lieber grau?", fragte ich sie verblüfft. "Jaaaaa", riefen die Kinderchen. Ich könnte es ja noch verstehen, wenn irgendwo im Saal ein Fernseher oder PC liefe, aber das ist nicht der Fall. Ich jedenfalls bin für jeden kleinen Sonnenstrahl dankbar.

Nein, tut mir leid, vorhin, ja, da war ich wütend, aber jetzt bin ich eigentlich nur müde. Also vielleicht sollte ich jetzt einfach mal schlafen, das wäre ja das Vernünftigste, nicht wahr, wenn ich nicht zu schläfrig wäre den Rechner runterzufahren, die Treppe runterzuhumpeln, mich auszuziehen und in die Pofe zu legen. Das ist mir alles zu viel Aufwand. Mal ehrlich, ja.

Die Kamelie, um eure Frage zu beantworten, liebe Mitblogger: Die hat in der Zwischenzeit 90 % ihrer Blätter abgeworfen. Gefragt, warum sie denn die Kamelie aus dem 8 Grad kühlen, ungeheizten Eckschlafzimmer in das 20 Grad warme Vorderschlafzimmer gebracht habe, antwortete Rosemarie: "Ich habe mich mit ihr unterhalten und sie sagte, sie wolle wärmer stehen." Also so fängt's ja meistens an, ne? Ich wurde dann doch etwas unwirsch und befahl, die Pflanze in das kalte Zimmer zurückzubringen, egal, was sie gesagt habe. Pflanzen könnten nicht immer wissen, was gut für sie sei, da sie ja als Importware in fremden Gegenden leben müssten und zudem in Treibhäusern vorgezogen würden. Ob die Rosemarie dies aber befolgt hat, erfahre ich wohl erst in wenigen Tagen. Sie hat jedenfalls sehr verständnislos dreingeschaut.

Mich deucht, der Kamelie wäre es besser bekommen, ich hätte sie auf meinem Balkon hinter dem Windschutz stehen lassen. Aber nun müssen wir dem Schicksal seinen Lauf lassen.

 

05.12.2011 um 01:10 Uhr

Weihnachtsduft in je-de-hem Raum...

Stimmung: vorweihnachtlich
Musik: keine

Bin sehr zufrieden mit mir, habe heute einen Last-Minute-Kleinauftrag bekommen. Ein Lokalpolitiker, der einen Leserbrief - oder aber eine Pressemitteilung, das wusste er selbst noch nicht - schreiben wollte, dem aber aufgrund von zeitlicher Belastung nichts zum Thema einfallen wollte. Mir fiel schon was ein, aber ich bin jetzt erst fertig geworden.

Habe heute Bratäpfel für die ganze Familie gemacht, die herrlich dufteten. Weil das Baby zusätzlich dazu kräftig das Räuchermännchen räuchern lässt, riecht es bei uns derzeit gewaltig nach Weihnachten. 

Bin mit dem DAK-Kram fertig geworden. Muss mich als nächstes um Auslandsweihnachtskarten plus Fotos kümmern, uff.  Sowie um Babys Nikolausgeschenke. Dann kommen Auslandsweihnachtspakete. Geht jetzt alles so langsam los.

Baby weigerte sich heute Flöte zu üben und spielte zuerst absichtlich nur Mist. Dann aber fiel ihr ein, dass sie aufhören könnte, wenn sie das Stück richtig spielte, und - ta-da!!! - spielte sie korrekt.

Sind demnächst bei René und seiner hysterischen Mama, dem sogenannten "Ängstlichen Mädchen", zu Renés Geburtstag geladen. Ich wollte erst Baby allein gehen lassen, aber als ich hörte, dass Enolas Mama samt Enolas Bruder Noah auch eingeladen sind, siegte bei mir die Neugier und ich beschloss, doch hinzugehen. Das Ängstliche Mädchen hatte auf Baby einen verheerenden Einfluss.Weil sie kreischt, sobald sie einen Hund in 500 m Entfernung sieht, fürchtet sich Baby jetzt ebenfalls vor Hunden. (René fürchtet sich ohnehin schon von Geburt an vor Hunden!) Meine Mutter ist darüber sehr wütend, denn sie vergöttert ihren Hund und duldet nicht, wenn jemand Angst vor ihm hat.  Jetzt sind Baby und ich über die Ferien bei meinen Eltern eingeladen, das heißt, wir müssen uns konstruktiv mit dem Hund auseinandersetzen.

 

15.10.2011 um 17:32 Uhr

Knochen

Stimmung: unendlich müde
Musik: U 2: Electrical Storm

Möchte euch heute eigentlich einen lustigen Brief schreiben, aber irgendwie gelingt mir kein lockerer Tonfall. Ich bin, glaube ich, etwas angegrippt, jedenfalls gibt es nichts, was mich aus meiner permanenten Müdigkeit herausreißt. Heute morgen, ich war gerade aufgewacht, streckte ich meine Beine im 90-Grad-Winkel seitlich von mir, und als ich die Knochen meiner Beine spürte, dachte ich plötzlich: "Das sind meine Beine. Dieselben Beine, die ich mit 15 hatte." (Von der Form und vom Umfang her ähneln die jetzigen Beine den früheren Beinen eher etwa so wie ein fertig gebackenes Brötchen dem Brötchenrohling, deshalb ist es seltsam, dass ich aufgrund der Form und Länge der Knochen plötzlich meine Ex-Beine wiedererkannte.) "Wenn ich also noch meine Teenagerbeine habe", dachte ich weiter, "muss ich kräftig genug sein für alles Kommende." (Weiterhin seltsam, da das bewusste Fühlen von Knochen ja eigentlich an den Tod erinnern müsste.)

Mir tut der Nacken undendlich weh, und wenn ich mich bücke und wieder aufrichte, habe ich einen solchen Schwindel, dass ich fast umfalle. Die Hände sind ausgetrocknet, aufgerissen, zerstoßen und blutig, und müde bin ich, so müde, dass ich mich einfach irgendwo in die Ecke legen und sterben möchte.

Bei uns knirscht es wie üblich im Fundament, erste Steine fallen aus dem Mauerwerk. Ende nächsten Monats geht die Karmaniaka weg, die erste Putzkundin habe ich deshalb schon gekündigt (wegen künftiger Nichterreichbarkeit ihres weit abgelegenen Hauses). Auf Wiedersehen, kleine Karmaniaka! Hoffentlich kommst du zu guten Leuten.

Ging am Mittwoch zum Möbelhaus zum ersten Bewerbungsgespräch mit dem zukünftigen Generalmanager des neuen Centers, und da ich wusste, dass es richtig ist, versuchte ich nach besten Kräften wie eine große Umsatzbringerin auszusehen: Gepflegter Frack, edle Schuhe, perfektes Make-up. Und: Keep smiling. We do it the American way. Wenn alle Rezepte nicht mehr funktionieren, tu was anderes, und tu es einfach - so die Amis, unsere fremde Lieblings-(und Hass-?)kultur. Ich schwebte ein wie der lächelnde Engel, der Umsätze regnen lassen wird. Ich bestand das Gespräch, offenbar sogar bravourös, und wurde "für den Großmöbelbereich" eingestuft (Umsatzerwartung: 700.000 bis 1.200.000 EUR jährlich). Wohlgefällig schaute ich mich im Spiegel an: Sieh an, das bist du, die 1,2 Millionen im Jahr umsetzen soll - und wird. (Natürlich nicht für mich, doch es wird eine ordentliche Provision dabei herauskommen!).

Im Januar wird es nun erst mal noch ein zweites Gespräch geben. Haken bei der ganzen Sache: Das Möbelhaus wird, da es noch um- und anbauen will und daher mit Behörden im Clinch liegt, nicht zum 1.1. eröffnen, sondern voraussichtlich erst Mitte '12. Das hatte ich mir allerdings schon gedacht. Vorab muss ich ohnehin noch zu einer 8-wöchigen Schulung nach Dresden, denn das Haus in Dresden sei das organisatorische und umfängliche Vorbild für das neue Haus in Orlando-Alaska, sagte der Manager. Mit Todesverachtung sagte ich zu, in einem Ton, als sei das das beste Geschenk, das ich je erhalten hätte. Dabei habe ich keine Ahnung, wie ich in dieser Zeit das mit der Betreuung der Kleinen regeln soll. Aber da noch einige Monate Zeit sind, sollte uns eigentlich etwas Gescheites einfallen. Erst mal abwarten, wie der Kronprinz bis dahin fährt (im Wortsinn!) ;-)

Der hat sich übrigens wieder gefangen und findet keine Schwierigkeit mehr, weder bei der Theorie noch der Praxis des Brummifahrens. Das finde ich sehr gut. Nicht so gut finden wir, dass auch er noch auf seinen ersten echten Einsatz wird warten müssen, da es keine Abschlussprüfung ohne bearbeitete Amtsformalien und keine Anstellung ohne Abschlussprüfung gibt. Die Amtsformalien ziehen sich, wie wir von darin erfahrenen Leuten gehört haben, vier bis sechs Monate hin... Wenn es von so etwas abhängt, dann hat es eigentlich keinen Sinn, die Ausbildung so geballt in einem zeitaufwendigen Crashkurs zu absolvieren.

Ist es eigentlich typisch deutsch, dass alle Bewerbungsverfahren und Formalien so endlos lange dauern? (Bei dem Möbelhaus hatte ich mich im Juli beworben!) Wenn ja, dann ist dieses der Grund für "hohes Alter" bei Berufsanfängern und schlechte Wiedereinstiegsmöglichkeiten für arbeitslos Gewordene - und nicht etwa PISA, zu lange Schul- und Studienzeiten oder gar Unwillen zum Neubeginn und Umzug. Amtliche Formalien dürften eigentlich überhaupt nicht lange dauern, da sie kaum Materialien erfordern, die extra bestellt werden müssen, und da die Leute, die wissen, wie's geht, schon da sitzen. Bewerbungsverfahren sollten im Internetzeitalter - und auch sonst in einem "schnelllebigen" Zeitalter - eigentlich innerhalb max. 4 Wochen abgehandelt werden können, da man ja eigentlich nicht  Leute zum Bewerben auffordert, wenn man noch gar nicht weiß, zu wann man sie überhaupt braucht, und wie viele von ihnen eigentlich. Lassen sich alle diese Dinge jedoch nicht verkürzen, ist es ein ziemlicher Sadismus, das "Abrutschen" in Hartz IV schon nach 10 Mon. beginnen zu lassen.

Würde gerne noch mehr schreiben, doch mein Kopf ist wie gelähmt und ich finde nicht die rechten Worte. Sorry, liebe Leute, ich bin außer Form. Möchte eigentlich ein wenig schlafen, da Baby und der Kronprinz ins Kino gegangen sind (Wickie). Kann aber nicht, weil ich Rouladen machen muss.

 

20.07.2011 um 23:55 Uhr

Auf dem Ordinarischiff

Stimmung: bong
Musik: Laibach: Alle gegen alle

Wat heißt'n dat hier? Ab sofort werden alle Links automatisch auf nofollow gesetzt? Kapeh ich nich :-) Aber die Ausschaltung der komischen "liam1234*bullshit"-Spams scheint zu funktionieren, danke, liebe neue admins! *kusshandwerf*

Habe heute auf youtube mit Baby alte Sesamstraße-Sketche angeschaut und gebrüllt vor Lachen! Ob die Sesamstraße wegen politischer uncorrectness nicht mehr im TV ist? Das Krümelmonster z.B. singt ein langes Lied darüber, dass es nur Kekse zum Frühstück isst (Spiegelkekse, Rührkekse, Kekse Kekse Kekse...), schlimmer wäre heutzutage wohl nur Zigarettenwerbung *chr-chhhrrr-hhhhrrr*

Baby hat nur noch 2 Tage Kindergarten. Sie hat das heftigst herbeigesehnt, jetzt aber, nach der offiziellen Verabschiedung der Vorschulkinder mit Kaspertheater, Eis, viel Gesang, Abschiedsgeschenkle und einer Ranzen-Modenschau auf einem echten Laufsteg, scheint sie plötzlich kalte Füße zu bekommen. Sie tut, als könne sie keinen einzigen Buchstaben mehr schreiben, und weint fürchterlich, wenn ich sie morgens nicht aus dem Hochbett hebe...

Kann's ja nachvollziehen. Für mich war der Schulbeginn damals wie "Urteil Lebenslänglich". Schon allein die Vorstellung, die (damals) 13 Jahre dort brüten zu müssen, immer still auf dem Stühlchen, während draußen die Sonne lacht. Und dann die Praxis: Täglich die letzten 10 Minuten bis zum Schulschluss nur Däumchen drehen und auf den Haaren kauen, während der stockdoofe Loddar (Tom, Daniel, Matti...) versucht, sich durch einen Satz aus dem Vorlesebuch zu kämpfen. Auf meine freundliche Frage, ob meine Freundinnen und ich denn schon mal nach Hause gehen dürften, erntete ich großes Unverständnis von der Lehrerin, und natürlich biss ich mit meinem "unmöglichen" Ansinnen aug Granit...

Aber dass ich die Schule aus tiefstem Herzen hasste, habe ich nie zu Baby gesagt, im Gegenteil, ich habe ihr immer gesagt, es sei viel spannender als der KiGa, es gäbe tausend tolle Sachen zu lernen, viele neue Freunde und nette Lehrer, und sie hat sich bisher immer darauf gefreut. Bis gestern. Allmählich spürt sie, dass es Ernst wird.

Hab ich's nicht gesagt? Mein Zahn ist völlig hinüber. Habe ich am Montag zum Zahnarzt getraut. Was auf dem neuen Röntgenbild zu sehen ist, sieht nicht aus wie etwas, das man im Mund haben kann, ohne dass man vor Schmerzen schreit. Eine Art U-Bahn-Tunnel führt quer durch einen der Wurzeläste des Backenzahns, und es fehlt noch etwa ein halber Millimeter bis zum Durchbruch auf der gegenüberliegenden Seite. Also erstmal gleich Wurzelbehandlung. Nun ist die Frage: Implantat mit Krönung oder Brückenfest mit drei Krönungen. Beides heißt aber Zahn raus. Ich fürchte weder Tod noch Teufel, aber Zähneziehen, besonders wenn die vier Wurzeläste einzeln gepflückt werden müssen, was - dem Zahnarzt zufolge - mehr als wahrscheinlich ist. Ooooh weeeeh. Ich hatte mir fest vorgenommen, nach meiner Schilddrüsen-OP im Januar KEINE STÜCKE MEHR von mir herzugeben, jedenfalls nicht dieses Jahr. Und schon soll wieder ein armes, hilfloses Ich-Stückchen mich verlassen und vorzeitig im Klinikmüll landen. Ich mag das nicht, aaaarghhhhhhh!

 

11.07.2011 um 17:57 Uhr

Würgt sie!!!

Stimmung: crispy
Musik: niente

Heeeey, neuer Blogigo-Oberadmincheckermac, freue mich, wenn ihr diese ekelhaften Spambots mal auszuschalten schafft *frohlock*

Heute dachte ich, ich hätte endlich den Heldennotausgang aus meiner ewigen Finanzmisere gefunden. Fand in der Lokalpresse einen Bericht über ein Möbelhaus, das hierhin expandieren will. Angeblich suchen die mehrere Hundert Mitarbeiter, die sie via Schulung fit für den Einsatz in ihrer neuen Filiale machen wollen. Keine Billigmöbel, Edelmöbel wohlgemerkt! Sie wollen Leute aus der Arge dazu rekrutieren. Wow, gehe ich Möbel verkaufen, nahm ich mir vor!

Gleich heute rief ich in der Arge an, meinen Ansprechpartner über diesen neuen Input zu informieren. Ansprechpartner nicht da. 3 Stunden später Rückruf von einer Argetussi, die von der ganzen Sache noch nix wusste und nur knurrte, ich solle mich bei der Firma direkt bewerben (unausgesprochener Nachsatz: "...und wagen Sie es nicht wieder, uns mit so etwas zu belästigen!"). Per Mail habe ich das auch schon getan, aber damit schwinden meine Hoffnungen wieder. Gewöhnliche Bewerbungen bringen nichts, wie jeder weiß. Natürlich kann ich es versuchen und werde es auch, aber ich verspreche mir nichts davon. Nichts mit Heldennotausgang, wieder einmal!

Heute Morgen, als ich mir die Haare abtrocknen wollte, fiel eine tote Fliege aus dem Mikrofaserhaartrockentuch.

Baby hat sich mit Innenhof-Erzfeindin Hadiya versöhnt. Jetzt spielen sie zusammen mit Schleich-Pferden und Babys selbst gebasteltem Papp-Pferdestall.

05.07.2011 um 17:02 Uhr

Wem wir gehören

Stimmung: zufriedener geht\'s kaum
Musik: keine (Baby sieht fern)

Ahahaha! Wir (blogigo) gehören also jetzt jemand anders. Daran ist nichts zu ändern, doch vielleicht bekommt der neue Betreiber diese komischen exam101rülps2 und chyiusuzuki2654f**ck mal in den Griff, die hier alles sinnfrei bespammen und immer die vernünftig getexteten Blogs in den Chartlisten verdrängen, sodass jeder Erstleser denken muss, hier ist nur Blindtext online oder das ist ein Probelauf für Fremde-Websites-Kaputtmach-Software. By the way, neuer Betreiber: hast du echtes GELD für uns bezahlt? Und tu mal die komische Treppenlift-Werbung von meiner blogigo-mainpage, ich brauche auf absehbare Zeit keinen Treppenlift. Tu mir lieber was Nettes drauf, wie z.B. zalando, tchibo, heine, pro-idee, ryanair, janssen-cilag, monsanto.com oder meinetwegen auch bahn.de oder bundeswehr.de...

ENDLICH!!! habe ich meine Bewerbung für Spiegel-Online fertig, das wurde auch Zeit, nachdem ich sie schon vor 2 Wochen per Mail angekündigt habe. Wie kann ich Spiegel-Online bloß so lange warten lassen? Das gehört sich nicht, wo die doch jetzt alle neugierig auf mich geworden sind :-))) Bewerbungen fertig und aus dem Haus haben macht ebenso glücklich wie die Steuererklärung fertig haben, und auf dieses Glücksgefühl möchte ich um nichts in der Welt verzichten, auch wenn beides im grunde sinnfreie Beschäftigungen sind. Die Bewerbung wird in spätestens 4 Tagen mit einem fotokopierten Schuhabdruck oder dem Abdruck eines Glühstempels, lautend ARSCH! wieder bei mir im Briefkasten liegen. Mit einem Wort: Snafu!

In 2 Wochen hat Baby fertig mit Kindergarten, und das macht uns alle beide NOCH glücklicher! Mich ganz speziell, weil ich dann hoffentlich das Ängstliche Mädchen und andere Nullcheckerbunnys für immer los bin. Ein bisschen weniger Gequassel im Leben ist manchmal echtes Gold wert. Kennt einer die geniale Kurzgeschichte von Heinrich Böll, "Dr. Murkes gesammeltes Schweigen"? Ich sage euch, der weiß, was in mir vorgeht. Der kannte das offenbar auch, der Böll. Kein Wunder. Hat ja mal für Radiosender g'schafft :-)

01.07.2011 um 16:06 Uhr

Ich und mein...

Stimmung: träge
Musik: Rammstein: Haifisch

"...wenn einerrrr nicht mithälllt, halllten wirrr soforrrrt..." :-)

Zehn Dinge, auf die ich gerne verzichte:

1. Facebook

2. Twitter

3. Morningshows im Radio wegen ihres Gutelaunezwangs

4. Spam-Anrufe, besonders von Versicherungs-, Versandhaus- und Klassenlotterieagenten

5. Stadtbüchereiausweise, die plötzlich 50 % im Preis gestiegen sind

6. Benzinpreise über 1,50 EUR

7. Chi-Chi-Love-Plastikköter im Kreditkartenformat mit Glitzer-Clutchbags

8. Glitzer-Clutchbags

9. Männer, die genau dann aufstehen, wenn man den Rechner endlich angeschmissen hat und sich konzentrieren will

10. Oliver Pocher

Viele Grüße mal an alle, muss wieder wech :-)

"...in derrr Tiefe ist es einsam und so manche Zähre fließt, und so kommt es dass das Wassääärrrr von den Tränen salzich iiiist...."

13.04.2011 um 13:29 Uhr

Leb wohl, kleine Puppe

Stimmung: so müde, dass ich nie wieder aufstehen möchte
Musik: Simple Minds: New Gold Dream 81-82-83-84

Falls sich einer hier darüber wundern sollte, warum mein Blog so schlecht gelayoutet ist: Ich schreibe gerade an einem uralten iBook mit einer Safari-Version von Anno 2002, die die blogigo-Formatierungen aus der Texteingabemaske nicht übernimmt.

Baby hat vor Kurzem aus Tonpapier und Watteklümpchen einen Osterhasen mit Handy, Puppe und Puppenbett gebastelt und ihn irgendwo hingelegt. Nach einigen Tagen räumte ich ihn zu ihren anderen gesammelten  Werken. Sie dachte nicht mehr an ihn. Eines Tages, nachdem ich gestaubsaugt hatte, fiel ihr Blick in den durchsichtigen Staubbehälter des Dyson. "Mama", rief sie, "da drin  ist die kleine Wattepuppe, die ich mal für den Osterhasen, du weißt doch, den mit der Watte, gebastelt hatte!" "Nein", sagte ich nach einem kritischen Blick auf den Staubbehälter. "Die ist da nicht drin. Aber wir können den Behälter ja mal ausleeren und gucken."Ich leerte den Behälter mit aller Vorsicht in eine frische Mülltüte und nahm die Staubklumpen auseinander. Doch ich sah nur Schnipsel."Siehst du", sagte ich zu Baby. "Da ist nichts."

Baby stellte sich vor den Mülleimer und warf einen langen, kummervollen Blick hinein. Dann sagte sie: "Leb wohl, kleine Puppe."

Die Art, wie sie das sagte, wollte mir das Herz brechen. Nachdem Baby ins Bett gegangen war, leerte ich die Mülltüte auf eine Zeitungsdoppelseite, und während mir die Tränen in einem endlosen Strom über die Wangen flossen, kämmte ich mit einer doppelzinkigen Fleischgabel sämtliche Staubflusen haarklein auseinander und drehte jeden einzelnen Schnipsel, der darin hing, um. Schließlich fand ich einen Schnipsel, auf dem ich ein winziges Gesicht zu erkennen glaubte, und deponierte ihn auf dem Esstisch.Dann ging ich zu Babys Gesammelten Werken, zog den Osterhasen nebst Zubehör aus dem Stapel und legte ihn ebenfalls auf den Tisch.

"Guck mal", sagte ich am nächsten Morgen zu Baby, auf den Schnipsel zeigend. "Ich habe die Puppe gefunden.""Nein", sagte Baby, "das ist das Handy. Aber die Puppe ist ja hiiiier!" Und glückstrahlend zeigte sie auf ein weiteres kleines Pappgesicht, das sich bei dem Osterhasen befunden hatte.Ich tütete das Gesamtkunstwerk vorsichtig in einen Frühstücksbeutel ein und sagte zu Baby: "So, jetzt bleibt es alles zusammen."

Vor einigen Nächten wachte Baby auf und kam weinend die Treppe rauf. Das war, weil ihre Eltern sich mit voller Lautstärke in den Haaren gelegen hatten.Einige Abende noch weiter zurück hatte Baby das Spiel revitalisiert, das wir beide manchmal gespielt hatten, als sie etwa 2 war: Sie sei das "liebe Baby einer lieben Mutter", das plötzlich von einer "bösen Mutter geklaut" wird.Sie kriecht dann unter die Bettdecke (das ist der Schrank der bösen Mutter, die das gestohlene Baby darin versteckt), bis die "liebe Mutter" zusammen mit der Polizei bei der "bösen Mutter" klingelt, das Piepsen des Babys aus dem Schrank hört und es der "bösen Mutter" wieder abnimmt. Im Triumphzug wird die "böse Mutter" ins Gefängnis überführt, womit das Spiel dann endet.

Baby verabschiedet sich offenbar gerade von ihrem Status als Baby, hat aber gleichzeitig etwas Angst vor dem Großsein. Den Streit, den sie mit angehört hatte, haben wir sehr schnell beendet und nicht mehr wiederholt, aber ich weiß nicht, ob Baby nicht doch misstrauisch ist deswegen. Baby sagte: "Ich will BEIDE Eltern! Papa SOLL nicht ausziehen!""Keiner zieht aus", versicherten wir und küssten sie und anschließend einander.

Meine Mutter hält allerdings in ihrer selbstgerechten Art genau das, was Baby fürchtet, für die Mutter aller Lösungen. Dann gäbe es keine BEDARFSGEMEINSCHAFT mehr und keinen Typ, für den ich arbeiten müsse. (In der unaufgeklärten Sichtweise meiner Mutter zahle ich etwa 90 Prozent der familiären Ausgaben. Das stimmt allerdings nicht.)"Ja, und was soll es dann geben?", frage ich sie entgeistert. "Dann muss ich genau so arbeiten wie jetzt. Und Miete zahlen wie jetzt. Und werde genau so schlecht oder nicht bezahlt wie jetzt. Und wer ist für das Kind da, wenn ich unterwegs bin? Das kriegt dann einen Schlüssel um den Hals, ja?" (Sie, die die ganze Zeit im Ausland weilt, wird ja wohl kaum die Tagesmutti spielen????)"Du musst ja wissen, was du tust", schnappt sie dann bissig."Ich tue, was ich tun MUSS", korrigiere ich sie einigermaßen bestimmt. "Wie du dich erinnerst, habe ich mir diese Lage der Dinge auch nicht ausgesucht. Doch eine andere Lage der Dinge gibt es leider nicht. Im Übrigen geht es voran."

"Was geht denn? Hast du was von der Firma gehört?""Nein. Auf die warte ich noch. Aber der Kronprinz ist bei der Marketingfirma in Hagen für ein Probepraktikum aufgenommen. Vier Wochen darf er jetzt für die schreiben und dann wird er eingestellt.""Was zahlen die denn für das Probepraktikum?""Nichts. Wir bekommen weiter das, na, du weißt schon.""WIE!!!!!", explodiert sie. "Und das lässt der sich gefallen?"

Ich bin bei der Nachricht, dass sie während des Probepraktikums nichts zahlen, nicht mal zusammengezuckt - ja, es ist mir nicht mal aufgefallen, dass das etwas Besonderes sein soll (so hat man uns schon abgerichtet!)."Wir haben doch keine Wahl", sage ich. "Entweder das oder nix.""Das ist doch nicht dein Ernst", brüllt sie. "Weißt du noch bei dieser Personalberatung, für die du umsonst mehrere Texte gemacht hast? In dieser Villa in Dreieich? Die dich dann nicht genommen haben? Und die Texte trotzdem behalten?"

"Das waren nicht die in Dreieich, es waren die in Troisdorf, und für die musste ich nicht texten, sondern ein Heftkonzept entwerfen, und ja, sie haben das Heftkonzept behalten und mich nicht genommen. Sicher ist das unverschämt. Aber so machen sie es nun mal alle. Da kann man nichts machen.""Der ist doch bekloppt, das mitzumachen", schnaubt sie.

"Wie gesagt, was sollen wir machen? Wir haben es der Arbeitsagentur mitgeteilt. Vielleicht sagen die ja was dazu", erwidere ich, "aber einfach absagen können wir nun mal nicht, mangels Optionen."Sie versteht wieder einmal die Welt nicht mehr, aber das liegt daran, dass sich die Welt, in der die allermeisten Menschen leben - nämlich alle, die nicht besonders viel Geld haben - so sehr von ihrer eigenen unterscheidet. 

31.03.2011 um 19:56 Uhr

"Dünner...!"

Stimmung: mit einem imaginären Zobelpelz in einem Schlitten sitzend
Musik: Tears For Fears: Pale Shelter

... sprach der alte Zigeuner in dem fiesen Film zu dem Kerl, der seine Frau angefahren hatte. Und der Kerl wurde immer dünner. Bis er zum Schluss richtig in Panik war. Jo! So geht es mir auch, obwohl ich niemanden angefahren habe. Die Röcke, die ich mir vor Weihnachten zugelegt habe, rutschen mir jetzt schon bis auf die Hüftknochen runter. Wenn ich auf die Waage steige, glaube ich nicht, was ich sehe. Ist die eingerostet?Immerzu bin ich müde außerdem. Bin ich vielleicht gar krank? Oder bin ich nur hormonell ausgesteuert?

Geldmäßig ist der freie Fall vorerst gebremst, aber erst nachdem wir einen Eilantrag auf eine Einstweilige Verfügung beim Sozialgericht eingereicht hatten. Das geschah in letzter Minute - beinahe hätte der Kronprinz sich schon eine neue Gelegenheitsarbeit gesucht, bei AVIS ha ha! Jetzt ist er wieder drumherumgekommen, so ein Mann hat es gut, nicht wahr? 

Jobmäßig ist ansonsten nichts, obzwar einige Bewerbungen offen sind. Der Kronprinz soll bis morgen 2 Probeartikel für eine Firma schreiben, er sagt aber, ihm fällt nichts ein. Dann legt er sich schlafen. Ja, soll ich die vielleicht für ihn schreiben? Bin ich eine Fremdaufgabenfreiwilligübernehmmaschine?

War mit Sinck und Konsorten auf einer Messe, wo wir eine Menge potenzielle Kunden für das neue Projekt ansprachen. Doch wann startet dieses Projekt endlichendlichendlichendlich?

Erst viel Sonnenschein, jetzt Regen. Baby liest ganze Buchseiten laut vor, lacht und streitet wie immer. Sie ist in der Schule angemeldet und würde am liebsten morgen schon hingehen.

Die neuen Rosen sind ein absoluter Murks. Sie waren schon tot, als ich sie den Verkaufstöpfen entnahm. Aber zweckoptimistisch wie ich nun mal bin, habe ich sie in schöne Pflanzerde getan, gedüngt, gewässert und in die Sonne gestellt. Sie sind tot wie tot wie tot. 

Der Geheimnisträger hat neulich verbale Dresche von ungefähr 100 Anwohnern seines neuen Bauprojektes gekriegt. Aber ich habe darüber nur in der Zeitung gelesen. Die betreffende Veranstaltung war hier ziemlich nahe, doch obgleich ich das Gefühl hatte, der Geheimnisträger sei in der Gegend, achtete ich nicht darauf, weil ich es nicht glaubte.

01.12.2010 um 18:05 Uhr

Wort des Jahres

Stimmung: grinsend
Musik: zählebige Stille, umwabert von Küchendünsten

Ich habe ein neues Lieblingswort: PROBLEMFLÄCHENQUALIFIZIERUNG. Das stammt aus einer Baubeschreibung eines Gewinners des Deutschen Bauherrenpreises. Das Wort ist so unglaublich Klasse, dass ich es nur zu gerne im Alltag anwenden möchte, beispielsweise:

"Es ist unglaublich, was man mit etwas Problemflächenqualifizierung alles erreicht."

"Seine Arbeit als Personalentwickler ist sehr kompetent, er hat nicht nur Helicopter View, sondern er ist sogar im Stande, Problemflächen zu qualifizieren."

"Früher renaturalisierte man Industriegebiete. Heute qualifiziert man Problemflächen."

"Ich lebe mitten in einer qualifizierten Problemfläche und bin stolz darauf!"

"Großartige Problemflächenqualifikation ist mit diesem Gremium wirklich nicht zu betreiben."

"Heute schon Problemflächen qualifiziert?"

"Vertrauen Sie uns die Qualifizierung Ihrer Problemflächen an!"

"In wochenlangem Engagement entstand ein detaillierter Kriterienkatalog zur Qualifizierung auch der schwierigsten Problemflächen...."

"Wer rechtzeitig Problemflächen qualifiziert, investiert in die Zukunft."

"Ich habe noch nie eine so unqualifizierte Problemfläche gesehen! Wenn etwas geändert werden muss, dann das!"

"Hast du dir noch nie gewünscht, eine Problemfläche zu qualifizieren?"

"Meine Stärken sind Weitblick, Mut zum Zupacken, Organisationstalent und Problemflächenqualifizierung!"

Und BLAH! :-)))

25.11.2010 um 17:30 Uhr

Schwarz

Stimmung: den Toten mit einem Ohr nah oder Klopfkäfer hörend
Musik: kein

Heute ist so ein Tag, der vorbeischleicht, als wolle er nicht bemerkt werden. Ich bin bedrückt, weil Baby jetzt bald wegfliegt.Baby, mein Baby! Wie schnell bist du gewachsen, es geht so schnell, da ist aus dem Apfelkern schon ein Bäumchen geworden, und jetzt ist das Bäumchen schon unübersehbar groß und stark.

Ich kratze das letzte Geld zusammen, um eine schwarze Bluse zu kaufen, denn es ist gerade eine in der Galeria im Sonderangebot. Nicht, dass das Wetter mich zum Schwarztragen animiert, eigentlich sollte man um seiner psychischen Gesundheit willen jetzt lieber bunt tragen, aber die Bluse passt zum schwarzen, zum schwarzweißen und zum grauen Rock.

Ich schau rauf zum grauen Himmel und schneide Schilf, um damit eine angehäufelte Rose zu umhüllen. Das Schilf ist fahl und raschelt trostlos. Ich merke mal wieder, dass ich nicht zu Hause bin. Aber wo bin ich zu Hause? In der Stadt schäumt der Fluss. Wenn eine Ente auffliegt und dabei ein klatschendes Geräusch macht, sieht das Wasser noch kälter aus, finde ich. Ich kenne hier so viele Ecken und so viele Menschen, ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn Sommer ist und Feste sind, aber was bedeutet mir das alles?

Der Kronprinz lud mich zu einem Kaffee ein, ein selten gewordenes Ereignis. Er findet den neuen Job doof und anstrengend, außer dass man Mandarinen essen darf, so viele man will. Er bekommt nur 24 Tage Urlaub, was seinem Wegfahrfimmel eine natürliche Grenze setzt. Aber damit wird er, so prophezeie ich, nicht glücklich sein. Er wird unausstehlich sein, immerzu motzen und Sachen durch die Gegend werfen, und vom Geld, das er verdient, wird nichts bleiben, wie auch von dem Geld, das ich verdiene.

Habe die Nikolausgeschenke eingepackt und tue noch ein paar Lindt-Schokoladennikoläuslein und eine große Box Feodora-Täfelchen dazu, denn meine ganze Verwandtschaft in den USA soll Schoko aus der alten Heimat haben. Hershey's Schokolade kann man ja nicht als Schokolade bezeichnen, Cadbury's ist zwar gut, zumindest einige Sorten, kommt aber nicht so zartschmelzend daher wie die unsrige.

Eine Nation, die keine Schokolade isst bzw. Hershey's für Schokolade hält, weil sie richtige Schokolade nicht kennt, ist irgendwie nicht ganz bei Trost, oder? Genau wie die betrübliche Tatsache, dass Maxwell House kein Kaffee ist und TATSÄCHLICH das Salz mit Magnesium gestreckt wird und Kuchen mit süßer Füllung, aber mit salzigem Teig gebacken wird, das geht alles GAR NICHT!!!! Wie kann man in einem Land so üppig leben, ohne ordentliche Süßigkeiten zu haben? Vielleicht sollte ich dort mal eine "European Traditional Chocolaterie" oder so was eröffnen? Das wär was. Aber ohne 105%-Edelbitter-mit-Chili-Orange-Majoran-Drachenfrucht, denn auch so was ist für mich Unschokolade. Könnte mir Mark, der immer noch keine Firma zum Kaufen gefunden hat, finanziell bei helfen.

Werd ich niemals weise

Leben macht nicht stark

Tränen tropfen leise

in den Früchtequark.

Die Tage haben Preise

blattlos glänzt der Park

ich bin auf einer Reise

die enden wird im ****

 

 

 

28.08.2010 um 23:26 Uhr

Fäschbrbixx

Stimmung: grinsend
Musik: nicht zu glauben, aber es ist Fischer-Z: Four Minutes At Durham

Habe furchtbare Angst, meine Tochter könnte irgendwann nur noch Orlando-Alaskanisch sprechen. Was wird, wenn wir mal nach Berlin auswandern? Oder in den Ruhrpott? Da versteht sie doch keiner! Jedenfalls gehen ihr Sätze wie "Hajdenaj, etz hänni schohwidda mei Fäschbrbixx dahanne vergesse" (norddeutsch übersetzt: Verdammt! Jetzt hab ich schon wieder meine Lunchbox dort vergessen!) um einiges leichter über die Lippen als mir. Dabei lebt sie erst 5 Jahre hier und ich schon 10. Was, 10? Jaha! 10!!!!

27.08.2010 um 10:34 Uhr

Achtung: Trollfutter!

Stimmung: grinsend
Musik: keine

Ich liiiiiiiiebe Thilo Sarrazin!!!!!!!!!!!!!Fröhlich

13.08.2010 um 21:21 Uhr

Me, myself & the others

Stimmung: zapplig
Musik: Depeche Mode: Personal Jesus

Hatten heute Team-Fotoshooting für das Sinck-Projekt. Komme ich heim, modelmäßig geschminkt, sitzt da der Prinz am PC und kocht vor Wut. "Guck dir mal an, was der Kieberer hier geschrieben hat", knurrt er. Ich trete näher, Böses ahnend. Der Kieberer ist einer unserer kleinen Freunde von der Lemberger Straße . Er hat sich am Freitagnachmittag die Mühe gemacht, eine extra lange Mail zu schreiben, die ihm anscheinend sehr viel Spaß gemacht hat, sonst hätte er sie nicht am Freitagnachmittag geschrieben, sondern wäre nach Hause entfleucht. Er muss sich ja nicht um seinen Job sorgen.

Es geht um irgendwelches Geld, das wir der Wohngeldstelle ihrer Meinung nach noch schulden. Es interessiert die Wohngeldstelle nicht, ob wir gerade Wohngeld bekommen oder nicht - dieses Wohngeld jedenfalls soll baldigst zurückgezahlt werden, koste es, was es wolle. Die hübschesten Sätze in dieser Mail lauten: "Herr G., haben Sie zur Kenntnis genommen, dass sie ab Oktober 2010 nur noch 50 % des Wohngeldes bekommen? Haben Sie sich Gedanken gemacht, wie Sie den monatlichen Differenzbetrag aufbringen? Wie stellen Sie sich vor, Ihren Lebensstil aufrechterhalten zu können? Haben Sie sich nach anderen Wohnungen umgeschaut?"

"Er will ernsthaft wissen, wie wir unseren Lebensstil aufrecht erhalten wollen? Er will wissen, ob wir schon eine Wohnung für 453 Euro gefunden haben - in Orlando-Alaska, wohlgemerkt? Ist das die heilige Inquisition?!", frage ich entgeistert. "Kommen wir jetzt auf den Scheiterhaufen, wenn wir nicht den Lebensstil wechseln?" By the way ist unser Lebensstil nicht gerade aufwendig. Mein Magen würde das mit einem lauten Knurren jederzeit bestätigen.

"Keine blöden Sprüche jetzt", knarzt der Kronprinz. "Sag mir lieber, ob wir in der Lage sind, 20 EUR monatlich für diesen Sauhaufen abzuzwacken."

"Ich seh das nicht ein", brumme ich. "Wir sind schon am Boden. Und sie lassen uns noch mehr bluten."

"Das ist doch egal", sagt der Prinz. "Können wir oder können wir nicht?"

"Eigentlich nicht", antworte ich. "Aber wir müssen wohl. Bluten, bis nix mehr geht. Mistladen. Schön. Aber es wird nichts abgebucht."

"Das wollen die aber", sagt der Kronprinz. Ich schlage die Hände über dem Kopf zusammen. Auch noch abbuchen!!!!! Ich sehe schon wieder eine endlose Kette vonDispoüberschreitungen, Rückbuchungen, Rückbuchungsgebührenumlage, Mahnschreiben und Drohbriefen auf uns zukommen.

"Du solltest das auf jeden Fall vor Gericht zur Sprache bringen", quetsche ich zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. "Damit der Richter sieht, welchen Schikanen der BösV uns mit seinen Geldzurückhaltefinten aussetzt."

Der Prinz nickt. "Also, das ganz bestimmt."

Wir schauen uns ausdruckslos an.

"Meinst du, ich könnte bei euch einen Putzjob kriegen?", fragt der Prinz.

"Sicher", sage ich. "Die K. kann immer Männer gebrauchen für die schwereren Sachen."

Ich merke, dass der Prinz jetzt allmählich erkennt, dass die Hütte brennt. Jetzt beißen ihn die Rauchschwaden in die Nase. Niemand wird uns retten. 

Ich denke an Baby. 

Wir können das hier nicht mehr länger durchhalten. Es wird Zeit, die brennende Hütte zu verlassen. Ich würde Orlando-Alaska keine Träne nachweinen, ganz bestimmt nicht. Für mich hat sich Orlando-Alaska schon lange überlebt. Aber der Prinz? Wird er mitkommen? Wie sieht die Lösung aus? Trennung auf Zeit, Zerschlagung der Bedarfsgemeinschaft, damit wir aus den Klauen der Ämter kommen und uns irgendwie wieder fangen?

Umzugsfirmen rechnen pro Quadratmeter 1 Karton. Macht 95 Kartons. Oder sollen wir den ganzen Plunder einfach in den Hof schleppen und anzünden? (Der Gedanke gefällt mir, ehrlich gesagt. Ich seh' das Sofa schmelzen und die Bilder in glühenden Fetzen gen Himmel schweben, das TV wird implodieren, die Spraydosen verwandeln sich in Feuerwerksraketen, und alle Bücher, Hefte, Zettel werden in Sekundenschnelle zu nichts verzischen. Mit lautem Gekrache schmeißen wir das Geschirr und die Gläser in das Flammenmeer, die CDs, PCs, Fahrräder und Metallregale fliegen hinterher. Die Lederklamotten riechen nach gegrilltem Büffel und die 7-Kern-Latex-Matratzen wie eine angekokelte Kunststoffabrik nach einem Anschlag von El-Qaida. Der Himmel würde kilometerweit orangerot leuchten. Das wäre ein Abgang nach meinem Geschmack. Sayonara, Orlando-Alaska, 'nen letzten schönen Gruß von uns allen!!!! Leider in Wohngebieten verboten.)

 

02.08.2010 um 02:08 Uhr

Wer ist das?

Stimmung: immer noch mit Hasskappe
Musik: nix - alles, was ich hören mögen tät', wär' zu laut

Habe hier was Lustiges gefunden , da soll man spontan 10 Sachen über sich selbst schreiben.

Ich, ja ich, Eure Niva, bin...

1. phänomenal

2. zum Kotzen

3. sophisticated

4. eine Neolib-Märtyrerin

5. Scheißi-Mami (O-Ton meine Tochter!)

6. nicht ganz passend

7. hypoman

8. nicht von dieser Welt

9. Murphys Ehefrau

10. Kilroys ewige Geliebte!!!!!!!!!!!!!!!!

Wühle im Hass. Vergrabe mich darin. Beiß' in die Kissen vor Hass. Wo sind bloß meine Tramadol? Hab Kopfschmerzen wie der Seewolf , wenn er nicht gerade mal wieder jemanden umgebracht hat. Hab es tatsächlich nicht geschafft, meinen Text zu schreiben. Kann keine Texte mehr schreiben. Will auch keine mehr schreiben. Ich hasse Texteschreiben. Es ist so sinnlos. Ich gebe mich ihm hin, gehe völlig auf in ihm, verfließe in ihm - im Hass, Hass, Hass. Der Hass schmeißt mich hin und her wie ein Elektroschocker. Gegen ihn bin ich willenlos und leichter als eine Feder. Der Hass ist größer als Gott. Der Hass ist eine strahlende schwarze Supernova. Mit glitzernder kalter stählerner Außenhaut. Wunderbar, dieser Hass. Ein herrrrrliches Geschöpf. So intensiv blllllutig. So vielarmig lebendig. So unzerstörbar, so undeformierbar, so monumental, so grandios. Und voller Stacheln, länger als die Hölle und schärfer als das Schwert des großen Halldor. Fallt vor ihm auf die Knie. Lasst uns ihn anbeten. So ein Hass!!!!!!!!!!!!!!!!! Ich liebe diesen Hass!!!!!!!!! Er ist das Größte, das mir je widerfahren ist!!!!!

"Hör auf", sagt der Moralapostel. "Es gehört sich nicht, solche Dinge zu schreiben. Das ist blasfemisch. Du trittst die Schöpfung mit Füßen und verkaufst deine Seele. Du musst das Leben anbeten und die Liebe, nichts sonst."

"Uäääh! Ach komm mir doch nicht damit! Du kannst mich, Moralapostel! Kann sein, dass du länger lebst als ich, aber im Moment sitz' ich hier am Ruder!!!!!"

"Du und dein Wolf Larsen", grinst der Moralapostel.

"Der gehört dem Kronprinzen", maule ich. "Von irgendwelchem gepumpten Geld hat er den Film gekauft. Ich habe geschworen, für ihn zu sterben, für diesen Satansbraten von einem Geldverbrenner und Weißen-Handschuh-über-alle-Ecken-Sauberkeitstester, diesen Mit-dem-Kopf-durch-die-Wand-Woller und Kinder-Anschreier. Aber wer sagt, dass es schnell geht, für jemanden zu sterben?Was tue ich, wenn es 60 Jahre dauert?!"

"Der ist es nicht, den du hasst", sagt der Moralapostel.

"Hast Recht, Alter", sage ich gefügig. "Ich wollte ja bloß erklären, warum ich die Liebe nicht anbete. Weil sie tötet. Und weil sie das sehr, sehr langsam tut."

"Du wirst nicht davonlaufen", sagt der Moralapostel sanft. "Du - nicht."

"Tja", sage ich. "So schaut's."

"Ich sag' dir, warum. Du weißt, dass du sterben musst, aber du würdest es nicht gerne ohne Grund tun, ohne guten Grund, nicht wahr?"

"Halt die Klappe. Wegen dir kriege ich noch ein Glioblastom", knurre ich.

"Wie Wolf-Larsen-haft", zirpt der Moralapostel. Macht er sich über mich lustig?

Außentemperatur 11 Grad, Innentemperatur 24,5 Grad, Luftfeuchtigkeit 57 %. Dreck klebt unter meinen Fingernägeln. Schweiß trocknet. Ein Gewitter verzieht sich. Der Kronprinz schnarcht. Der Teppich wellt sich. Orlando-Alaska wächst. Das Herz der Finsternis schweigt.

 

 

 

 

 

31.07.2010 um 12:03 Uhr

Strategie

Stimmung: zuversichtlich
Musik: Soundgarden: Black Hole Sun

Der Kronprinz trifft sich mit seinem Anwalt, um den Schriftsatz für den Großen Jahrhundertprozess gegen den BösV zu entwerfen. Er hat gesagt, er schläft zwar gut, doch in den frühen Morgenstunden wacht er mit Beklemmungen auf.

Meine Bank hat mir geschrieben, sie habe sich nicht in der Lage gesehen, EUR 10,00 von meinen überzogenen Konten für meinen Strafzettel zu überweisen.

Geld ist auf dem Papier eine ganze Menge in Sicht, doch wann wird es hier ankommen? Ich weiß es nicht. (Und es ist mir egal. Wenn ich nichts kriege, können meine Gläubiger eben auch nichts kriegen, soooo einfach ist das.)

Zwegat? Zwegat? Wo bist du?

Baby hüpft freudestrahlend in einem der geschenkten Kleidchen herum. Sie ist so süß, wie man es sich nur wünschen kann. Gestern hat ihre Exfreundin Enola sie überraschend für kommende Woche zum Spielen zu sich eingeladen - Versöhnung hat wohl stattgefunden :-)

Heute stand in der Tageszeitung, einige Krankenkassen hätten wegen ihrer Zusatzbeiträge sehr viele Mitglieder verloren. Ich erinnere mich an ein Gespräch in der Lembergerstraße, in der ich gemahnt wurde, meine Kasse zu verlassen, um in die AOK einzutreten, damit ich den Zusatzbeitrag spare - denn die Lemberger Straße übernehme Zusatzbeiträge mitnichten. So also hintertreibt unser Staat seine eigene Gesundheitspolitik. Was für ne Suppe wird da eigentlich gekocht? Ist das Ziel, in 10 Jahren nur noch AOK zu haben? *kopfschüttel* Ich bin aber in der Kasse geblieben, weil ich mit ihrem Service sehr zufrieden bin, sie jederzeit ansprechbar ist und mir nie Probleme macht. Dazu schicken sie mir immer schöne Flyer zum Thema Kindererziehung,  (*Anzeige* DAK - Unternehmen Leben! *Ende der Anzeige*).