Mein Leben als Superschalker

17.12.2013 um 20:40 Uhr

Mythos-Tour

von: Superschalker   Stichwörter: Schalke, Mythos, Tour

1904 Worte in 04 Minuten

Als einer der Autoren der 1904 Geschichten wurde ich freundlichst vom Herausgeber Matthias Berghöfer zur Mythos-Tour eingeladen.
Mythos-Tour? Wie jetzt?
Dass Schalke ein Mythos ist, ist klar. Aber wie genau kann so eine Tour aussehen? Es muss doch auf jeden Fall irgendetwas mit dem Ortsteil Schalke und dem Ursprung des Vereins zu tun haben. So dachten vermutlich auch die anderen eingeladenen Gäste.

Und so trafen wir uns am 15.12.2013 an der Pfarrkirche St. Joseph in Gelsenkirchen-Schalke. Das letzte Heimspiel in diesem Jahr stand um 15:30 Uhr gegen den SC Freiburg an, und so begann die Tour bereits früh morgens um 9:44 Uhr.

Olivier Kruschinski (Oli4) fing direkt neben der Kirche an zu erzählen. Und man sah direkt den Glanz in seinen Augen. Der Glanz, für den ich den Mythos Schalke verantwortlich mache.
Sofort packte er mit seinen Worten die aufmerksamen Zuhörer. Man machte Späße, es wurde gelacht.

In der Kirche zeigte uns dann der stolze Pfarrer das Fenster mit dem Heiligen, der Fußballschuhe trägt und vor sich einen blau-weißen Fußball liegen hat. So etwas wird es in der Welt kein zweites Mal geben, da stimme ich dem Pfarrer zu. Der Glaube an Gott ist offensichtlich in der Tat vergleichbar mit dem Glauben an den Verein Schalke 04. Ich bin schon jetzt beeindruckt, eine kleine Gänsehaut macht sich bemerkbar.

Raus aus der Kirche geht es einfach ein paar Meter über die Straße zu einem Denkmal. Oli4 erzählt wieder interessante Geschichten, aber die vielen Worte prasseln mit der Zeit an einem ab, man wird leicht unkonzentriert. Seine Frau sagt wohl auch oft, dass er viel erzählt, erzählt er. „Lange Rede, kurze Hose.“ scheint sein Lieblingsspruch zu sein. Aber zum Glück ist da ja noch die Kirche. Es ist 11 Uhr und die lauten Kirchenglocken machen es vielen schwer, die Rede akustisch weiter zu verfolgen. Ich gehöre dazu, denn ich stehe nicht in seiner Sprechrichtung. In diesem Fall war es allerdings auch sehr interessant, Oli4 und seine Gesten zu beobachten, sowie in die Gesichter der anderen zu schauen, die ihn verstehen konnten. Der Glanz und das Feuer in den Augen waren immer noch vorhanden. Nun auch bei einigen anderen.
Die Glocken hatten ausgeläutet und wir gingen wieder ein paar Meter weiter zum Schalker Markt. Ich bin ehrlich, ich hatte jetzt mit einem schönen Marktplatz gerechnet. Es war aber mehr ein Parkplatz. Und überhaupt kam an dieser Stelle kein Gefühl für Schalker Geschichte auf. Dafür war die Örtlichkeit zu sehr verfremdet, und die Vorstellungskraft war schlichtweg überfordert.

Es schloss sich ein kleinerer Fußmarsch über eine Brücke an, an deren Ende Oli4 wieder einiges zu erzählen hatte. Durch vorbeifahrende Autos konnte ich wieder nicht alles verstehen, aber im Prinzip ist die Schalker Meile auch selbsterklärend.

Ein Highlight der Tour war für mich die Kampfbahn Glückauf. Schon beeindruckend, wenn man sich die alten Fotos in Erinnerung ruft, und die Kinder aus Platzmangel auf der Latte des Tores hocken, um das Spiel zu verfolgen. Ich stelle mir vor, wie die Hütte hier brechend voll ist. Die Jungs spielen den Schalker Kreisel. Faszinierend! Ernst Kuzorra, Fritz Szepan, aber auch Norbert Nigbur und Klaus Fischer haben hier gespielt. Leider konnte ich das nie miterleben, und ich beneide alle, die solche Erinnerungen haben dürfen.

Oli4 hat in den 04 Stunden der Tour viel über Schalke erzählt. Nicht nur über den Fußballverein, sondern auch über die Region, über die Menschen, die dort lebten. Und er stellt Fragen, warum die Vereinsfarben Blau und Weiß sind, warum es „auf Schalke“ heißt.
Und er hat absolut Recht, wenn er leicht kritisiert, dass man der Mannschaft z. B. nach Mailand und London folgt, aber es bisher versäumt hat, sich mal die Wurzeln in Schalke selbst anzuschauen.
Ich selbst habe schon einige Schalke-Bücher gelesen und die Geschichten rund um Schalke haben mich schon immer sehr interessiert, aber nun kann ich auch jedem wirklich nur empfehlen, sich selbst mal den Ort vom Schalker Mythos näher zu bringen.
Schalke ist nicht nur die Mannschaft, die um Punkte kämpft. Schalke ist nicht nur die Stimmung im Stadion.
Man spürt und versteht Schalke noch besser, wenn man mal eine Mythos-Tour mitgemacht hat.