Verzweiflung
Da waren wir nun gestern ob des schönen, sonnigen Wetters ein paar Schritte im Wald, und ich Stiesel versaue Frank die Laune, indem ich auf die Bemerkung, wie toll doch das Wetter sei - was nebenbei gesagt nach Tagen des ständigen Wechsels zwischen brennender Sonne und sturzfallartigen Regengüssen stimmte - antwortete, mir sei das Wetter egal. Okay, ich hatte gerade Atemprobleme, wollte Frank nur seine Idee, das schöne Wetter zu nutzen, nicht verderben. Was ist nun besser, ehrlich einzugestehen, dass man keine Lust hat, weil das Befinden mies ist oder gute Miene zum miserablen Befinden zu machen und dann doch mit der Wahrheit herauszuplatzen? Eines so doof wie das Andere!
Immer wieder muss ich daran denken, dass es besser gewesen wäre, wenn ich bei dem Schlaganfall gestorben wäre. Ich ertrage mein körperliches Handicap kaum noch. Fünf Jahre lebe ich nun damit, habe um eine Verbesserung meines Zustandes erbittert gekämpft, erreicht, dass ich wieder arbeiten kann. Es wird immer schwerer den Alltag zu ertragen, die linke Seite hinter mir her zu schleifen. Nein, ich will kein Mitleid. Ich bin mir mehr als bewusst, dass Jammern nicht hilft.
Ab und an kommt die Frage hoch, wie das mit zunehmendem Alter weitergeht
Fakt ist, da ich sowieso für einen weiteren Schlaganfall prädestiniert bin, muss ich eine Patientenverfügung verfassen, um zu verhindern, dass ich ein noch stärker eingeschränktes Leben führen muss. Viele sagen mir, ich sei stark. Bin ich nicht mehr. Es gelingt mir nicht, ausreichend Demut aufzubringen, mich einfach daran zu erfreuen, wie wichtig ich meinem Mann bin. Ich weiß nicht, wie ich es schaffen soll, wieder positiv zu denken

ob vielleicht eine Selbsthilfegruppe für Schlaganfallpatienten dir etwas geben könnte? Etwas mehr Mut und einiges deiner Verzweiflung nehmen?
Ich weiss, als nichtbetroffener hat man immer gut reden, kann jedoch garnicht wirklich beurteilen wie es sich anfühlt.
Selbst wenn man es sich vorstellen könnte, ist es doch nicht das.
Auch wenn ich es an meinem Vater gesehen habe, wie er nach dem Schlaganfall sogar wieder das Fahradfahren erlernte.
Und ich ihn Jahre später, nach seinem 3. teilweise pflegte.
Du verlangst sehr viel von dir selbst.
Liebe Grüsse und ich hoffe, dass deine Verzweiflung inzwischen etwas weniger geworden ist.