Kapitel 2 Teil 2
Blut färbte die Flüsse rot, vergiftete sie. Blut tränkte das Land, ließ die Natur vergehen.Blut lag in der Luft, ließ das Atmen beinahe unmöglich werden.
Ein würgender Laut entkam seiner Kehle, kein anderer Ton. Er konnte nicht sprechen, nicht schreien. Nur Würgen, mehr nicht.
Auch konnte er sich nicht bewegen, konnte nur den Kopf wenden und die blutgetränkte Landschaft betrachten.
Etwas Nasses sammelte sich zu seinen Füßen, stieg langsam an, begann, seine Knöcheln zu bedecken.
Langsam, widerstrebend, senkte er den Blick, sah seinen nackten, blutverschmierten Körper hinab, von dem immer mehr der roten Flüssigkeit zu rinnen und sich mit dem zu seinen Füßen zu vereinigen schien.
War er verletzt? Nein, das spürte er. Es war etwas anderes, etwas...Fremdartiges.
Nach und nach stieg das Blut höher, bedeckte nun bereits seine Knie. Würde es denn ewig steigen, ihn vielleicht ertränken...?
Gequält stöhnte er auf. Er musste hier weg! Doch sein Körper versagte ihm den Dienst. Seine Füße wollten nicht fort, seine Beine sich nicht bewegen. Er selbst schien nicht mehr sich selber zu gehören.
Ein Kribbeln befiel seinen Körper, breitete sich von den Schultern abwärts bis zu den Fingerspitzen aus, wurde stechend, bohrend. Vergeblich versuchte er, sich zu bewegen, dies abzuschütteln.
Ein reißendes Geräusch ertönte, während unvorstellbarer Schmerz nun von seinen Händen aus nach oben raste, ihn aufjapsen ließ und ihm Tränen in die Augen trieb. Doch es löste die Starre, die ihn befallen hatte, wenigstens ein Stück, und zittrig betrachtete er seine Hände.
Seine?
Schwarze Schuppen glänzten feucht, umrahmten lange Klauen, während schwere dunkle Tropfen aus unzählingen Wunden hinabfielen, um sich mit dem Blut zu vermischen und es langsam schwarz zu färben...
Schreiend wachte Myhal auf.
Kalter Schweiß stand ihm auf der Stirn, sein Atem ging stoßweise. Noch immer die schrecklichen Bilder vor seinem inneren Auge abend setzte er sich auf und sah sich um.
Wald.
Es was noch immer der friedliche, ruhige Wald, in dem er sich zuvor zum Schlafen hingelegt hatte.
Mit einem zittrigen und erleichterten Seufzen wischte er sich über die Stirn, stockte dann im gleichen Moment. Unendlich langsam ließ er die Hand sinken, das Schlimmste erwartend.
Doch er sah nichts. Es war seine Hand, eine normale menschliche Hand. Lediglich eine Schnittwunde zog sich quer über die Fingerknöchel, aus der ein wenig Blut sickerte. Den Übeltäter hatte er auch schnell gefunden, der sie ihm zugefügt hatte. Ein scharfkantiger Stein war im hohen Gras verborgen gewesen, und er musste sich unruhig hin und her gewälzt haben, als er schlief, und diesen erwischt haben.
"Ein Traum...", murmelte er daraufhin leise. "Es war alles nur ein Traum.
Dann stand er auf und räumte seine wenigen Habseligkeiten zusammen, um wieder aufzubrechen. Auch wenn es noch Nacht war, würde er nicht mehr versuchen zu schlafen. Denn zu groß war die Angst, dass der Traum wiederkehren könnte.
