Es war neun Uhr. Ein Samstagmorgen im Dezember 2006. Da stand ich, mit einem Handtuch um den Körper und einer Zahnbürste in der Hand in dem leer geräumten Badezimmer. Draußen hörte ich die hecktischen Schritte von Mr. Magnum. Wir haben verschlafen. Nein, eigentlich wollten wir das Bett nur nicht verlassen. Als er dann mit einem "Mist, ich muss in zehn Minuten los aber Du kannst ruhig noch liegen bleiben", vom Bett aufsprang, lag ich noch eine Weile da und schaute an die weiße Decke. Mein Kopf war leer. Bis auf das Plätschern der Dusche war es vollkommen ruhig, die Stadt war noch nicht erwacht. Eine letzte unbeschreibliche Nacht mit Mr. Magnum. Nach dieser Nacht wird es keine Nächte mehr geben. Ich blickte in den Spiegel und fühlte mich elendig. Ich hörte nur noch wie er mir zurief "Lebe wohl Madame, Du kommst ja zu recht hier. Lass die Tür einfach zufallen, wenn Du gehst. Ich muss leider los, bin schon fast zu spät". Und weg war er. Und ich stand da, in seiner leergeräumten Wohnung. Leere Zimmer. In der Küche stand noch der Küchentisch und darauf ein Zettel seiner Putzfrau "Komme nächste Woche noch mal, habe mir einen Kaugummi von Dir genommen, hoffe, das ist ok". Das Wohnzimmer war leer, im Schlafzimmer stand noch das Bett, eine Kleiderstange mit seinen Klamotten und ein Tisch mit seinem Mac. Alles andere, leer geräumt. Die Regale voll mit Büchern - keine Regale mehr, Leere. Diese Regale, die ich so geliebt hatte, von oben bis unten mit wunderbarer Literatur vollgepackt. Ich betrat das letzte Mal das leere Wohnzimmer, stellte mich das letzte Mal an die große Fensterfront und schaut hinaus. Es war ruhig da draußen, still und leer und irgendwie eiskalt. Dann spürte ich die Wintersonne, die sich in das leere Zimmer verirrt hatte. Die Tränen rollten mir die Wange herunter. Aber ich war still, gab keinen Laut von mir. Ich konnte noch nicht einmal schluchzen. Meine Kähle war trocken. Ich wusste nicht genau was ist fühlen sollte. Ich fühlte mich wie dieses Zimmer, einfach nur leer. Ich musste diese Wohnung verlassen. Ich nahm meine Sachen, knallte die Tür hinter mir zu, rannte die Treppen hinunter, in den Hinterhof und dann raus auf die Straße. Ich wusste nicht wohin ich gehen sollte. Zu einer Freundin, zu meiner Schwester oder gar zu meiner Mutter. Ich fühlte mich verloren, leer, alleine gelassen. Da ich nicht zur Kommunikation fähig war, beschloss ich, einfach zu laufen. Vorbei an den Cafés, an den hübschen kleinen Einrichtungs- und Klamottenläden, die ich immer so einladend fand. Vorbei an der Bar, wo alles begann. Damals, als er mich fragte was er denn tun müsste, um mich zu einem Date zu bewegen. Und ich sagte, dass man mich leicht mit einem Magnumeis bestechen könnte. So verabredeten wir uns für einen Sommerabend. Er stand tatsächlich da, mit einer Packung Magnumeis in der Hand. Wir gingen in die besagte Bar. Redeten viel, Lachten viel und tranken eine Menge. Irgendwann beschlossen wir, den Abend in seiner Wohnung weiter fortzusetzen. Wir lagen auf dem Bett tranken Wein und er las mir vor. Natürlich blieb es nicht beim Vorlesen. Wir schliefen miteinander. Es war der beste Sex, den ich je in meinem Leben gehabt habe. Es hat einfach alles gepasst. Ich habe weder vor noch nach der Geschichte mit Mr. Magnum das durchlebt und gefühlt beim Sex wie mit diesem Mann. Nicht, dass es ganz außergewöhnliche Dinge waren, die wir da praktizierten. Es passte einfach alles von Anfang an, als ob wir einfach zusammengehören würden, als ob unsere Körper nur darauf gewartet hätten, miteinander zu verschmelzen. Und dass, obwohl ich nicht seinem Frauentyp entsprach.
Mr. Magnum und die Frauen
Er stand nicht auf Blondinen. Ansonsten war er auch kein unbeschriebenes Blatt. Das machte mir nicht viel aus, ich konnte von mir auch nicht wirklich behaupten, dass ich ein Kind von Traurigkeit gewesen bin.
Es gab nie irgendwelche Absprachen zwischen uns. Keine Festlegung oder Definition unseres Zusammenseins. Wir arbeiteten beide viel und lebten beide gerne. Wir hatten nicht viel Zeit. So verlief immer alles sehr spontan. Wir trafen uns immer dann, wenn wir uns mal langweilten, um uns dann gemeinsam zu langweilen. Nie hätte ich gedacht, dass ich auch nur eine Träne vergießen würde, wenn er irgendwann einmal wieder aus meinem Leben gehen würde.
Ich vergoß nicht nur Tränen. Wie ich so geradeaus lief, unfähig irgendetwas zu fühlen, kam mir die Idee, es wäre an der Zeit, eine Veränderung vorzunehmen. Und ich machte etwas, was wohl viele Frauen in meiner Situation getan hätten. Natürlich, ich ging zum Friseur. Ich beschloss, ich würde ab sofort keine Blondine mehr sein wollen. Ich verließ den Laden zwei Stunden später mit schwarzen Haaren. Die Person, die ich dort im Spiegel sah, war mir fremd. Doch das machte mir nicht viel aus in diesem Augenblick. Im Gegenteil, es tat mir gut, mich zu entfremden. Ich rannte weg und wollte so alles hinter mir lassen. Mit der Leere, die ich immer noch in mir verspührte kam ich zurecht. Es waren die Gefühlsausbrüche, vor denen ich Angst hatte, denn die hätten mich völligst aus der Bahn geworfen. So stürzte ich mich in Arbeit. Glücklicherweise, dank neuer Projekte, konnte ich nicht über Arbeitsmangel oder Langeweile klagen. So rettete ich mich also in das Jahr 2007, große seelische Zusammenbrüche blieben aus.