Schneeengel

29.08.2008 um 12:48 Uhr

Zwischenlösung. Nein danke.

Vorgestern wurde mir mein Rad entwendet. Einfach so. Ohne Vorwarnung. Weg. Ich war traurig und fassungslos. Nein, ich bin es immer noch. Ich wollte gerade nach einem nervigen Tag im Büro nach Hause radeln und wer glänzte mit Abwesenheit. Mein geliebtes Fahrrad. Das Fahrrad, das doch so viele Momente mit mir erlebt hatte. Das mich durch den Sturz und dem folgenden physischen Schmerz über Mr. Yuppie hinweggetröstet hatte. Warum machen das Menschen und warum passiert es mir. Wahrscheinlich, weil sonst nichts Aufregendes in meinem Leben passiert.

Ja, in den letzten Tagen, ach was sage ich - Wochen - lebte ich nur noch für den Job. Ich trauere immer noch leicht um Mr. Magnum. Dabei ist die ganze Geschichte nun schon 1,5 Jahre her und danach gab es ja auch Mr. Yuppie. Trotzdem, Mr. Magnum war etwas Besonderes. Ich beschloss, Ablenkung täte gut. Also habe ich mich nun, seit gut einer Woche, in einer Singleboerse angemeldet. Meine Freundin K. hat mich für verrückt erklärt. Na ja, ich bin nun auch nicht ganz so hin und weg von diesem Medium. Weiß auch ehrlich gesagt nicht, ob ich da jemals einen treffen werde. Entweder suchen sie eine Zwischenlösung, getreu dem Motto "Meine langweilige Frau sitzt zu Hause und ich brauch ein wenig Abwechslung im Bett" oder sie sind einfach optisch total indiskutabel (hört sich jetzt gemein an, ich weiß). Aber eine gewisse optische Anziehung muss doch vorhanden sein und damit meine ich nicht Perfektion. Das gewisse Etwas, ein WOW-Effekt. Und manchmal stimmt die Kommuniaktion einfach nicht, da kann ich es ja dann gleich lassen, selbst wenn der Typ, zumindest nach Foto zu urteilen, in Kategorie WOW-Effekt fallen könnte. Dann gibt es da noch Uli. Uli finde ich sehr süß, ich mag seine Art. Wir schreiben uns seit ein paar Tagen regelmäßig Nachrichten. Uli könnte es viellciht in die Kategorie WOW-Effekt schaffen. Zumindest liegen wir, was die Kommunikation angeht, auf einer Wellenlänge. Er scheint wirklich ein kreativer, lustiger Kopf zu sein. Ein Mann mit Niveau. Getroffen habe ich ihn aber noch nich. Zeit wird es.

Ich strebe jedoch keine Zwischenlösung an. Von denen hatte ich viel zu viele. Ich hätte gerne die romantische Endlösung.

Gibt es die noch?

20.08.2008 um 09:50 Uhr

Schmerz gegen Schmerz

An einem Freitag, kurz vor Feierabend beschloss ich auszugehen. Ich rief K. an, eine sehr gute Freundin von mir. Ich hatte keine Lust, nach Hause zu gehen, hatte so gar keine Lust, mich weiter selbst zu bemitleiden. Wir gingen aus. Es war ja Freitagabend und das Wochenende stand vor der Tür. Ich wollte es nicht gleich übertreiben, schließlich musste ich mich ja wieder langsam an Menschen und an die eventuelle Möglichkeit, mal wieder Spaß haben zu können, gewöhnen. Ein kleiner Cocktail würde für den Anfang reichen. Es war wirklich nett, wir nippten an unseren Getränken und aßen Wasabinüsse. Ich sah ziemlich fertig aus. War müde und geschafft von der Woche und was ich in diesem Moment so gar nicht gebrauchen konnte war ein blöder Anmachspruch. Dieses "Willst Du noch einen Drink mit mir nehmen" war so alt und so abgegessen. N E I N. Er verstand nicht. Wir zahlten. Ich wollte gehen. Er textete mich weiter zu, lief mir hinterher bis vor die Bar. Er begriff nicht, dass es auch Frauen gab, die auf sowas keine Lust hatten. Und sowas passiert mir gerade heute, dachte ich genervt. Ich war nicht bereit für Männer und schon gar nicht bereit, mich auf so einen einzulassen. Wofür hielt er mich. Für eine blöde Blondine, die man einfach mal mit einem Spruch und einem Drink in die Kiste bekommen würde. So ein Pech, dass das nur funktioniert, wenn die blöde Blondine auch Lust auf so ein Spielchen hat. Leider hat sich Mr. Gigolo weder eine gute Zeit noch die richtige Blondine für seine innovative Annmache ausgesucht. Während ich versuchte mein Fahrradschloß aufzubekommen stand Mr. Gigolo immer noch da und gab nicht auf. Mittlerweile wurde es so nervig. Ich hatte das Bedürfnis loszubrüllen. Er nervte einfach nur. Das Schloß war endlich auf und Mr. Gigolo begriff endlich, dass da wirklich nichts zu holen war, bei mir. Er ging wieder in die Bar zurück. Es war eine warme und klare Sommernacht. Ich radelte los und fühlte mich irgendwie befreit.

Ich hörte eine Männerstimme, die meinen Namen rief. Ich drehte mich um und sah zwei männliche Gestalten, auf Fahrrädern sitzend. Sie winkten mir zu. Wie ich schon erwähnte, bin ich leider nachtblind. Es dauerte eine Weile, bis ich die Zwei identifizieren konnte. T., der Freund meiner Schwester und sein Kumpel Mr. B. Sie wollten gerade in die Bar und überredeten mich, doch noch auf einen kleinen Absacker mitzukommen. Ich wollte so gerne das Gesicht von Mr. Gigolo sehen, wenn ich mit zwei Männern doch noch einmal diese Bar betrete. So mussten mich die Zwei nicht lange überreden. Ein Absacker kann nicht schaden, dachte ich mir und betrat mit diesen zwei Prachtexemplaren die Bar. Es war einfach nur lustig. Sichtlich irritiert verließ Mr. Gigolo keine zwei Minuten später die Bar. Ich musste grinsen und bestellte den zweiten Cocktail an diesem Abend. Wir zogen weiter in eine andere Bar. WIR. Mein Plan nach Hause zu radeln und alles ruhig angehen zu lassen, ging nicht auf. Ich dachte mir, wenn ich schon wieder ins Reich der Lebendigen eintrete, dann nehme ich doch gleich das volle Programm. So radelten wir weiter nach Mitte trafen dort meine Schwester und ließen es uns gut gehen. Gegen zwei Uhr morgens wollten wir den Heimweg antreten und einen letzten Drink in der kleinen Luna Bar nehmen. Fröhlich radelten wir durch die Nacht. Ich, nachtblind und nicht mehr ganz so nüchtern. Und dann passierte es. Ich übersah die Straßenbahnschienen und legte mich mit meinem Rad schön auf die ...

Ich blutete. Es wollte gar nicht mehr aufhören. Die Jungs machten sich sorgen und wollten ins nächste Krankenhaus. Ich wollte nicht. Ich bin stark. Ich habe Mr. Magnums Weggang verkraftet und wurde von Mr. Yuppie abserviert. Ich werde mich doch nicht von so einer kleinen blutenden Wunde am Kinn unterkriegen lassen. Ich lebe noch und werde auch das hier überstehen. Wir radelten weiter. Eine halbe Stunde später saß ich mit einem Taschentuch am Kinn und einer nun rot gefärbten Bluse in der Luna Bar.

Es ging mir gut. Ich hatte es überstanden. Ich war wie befreit. Ich hatte zwar körperliche Schmerzen, die seelischen Schmerzen waren aber wie weggeblasen.

20.08.2008 um 09:00 Uhr

Schmerz

Ich gewöhnte mich irgendwie auch daran, dass er nicht mehr da war. Mein Mr. Magnum. Ich lernte R. kennen. Toller Mann - witzig und erfolgreich. Erfolg macht sexy. Wir mailten uns hin un her und trafen uns hin und wieder, wenn er mal in der Stadt war. Zwischen seinen Geschäftsterminen vertrieb ich R. die Stunden. Es machte Spaß - wir lebten unsere Phantasien aus. Es war nett. Es gab nette Geschenke, teure Restaurantbesuche und schmutzigen Sex. Mit R. war alles möglich. Es war fast wie mit Mr. Magnum. Dann passierte mir etwas, was nicht hätte passieren dürfen. Igendwie verliebte ich mich in R.
Es war ein Sonntag, er war gerade auf dem Weg zum Flughafen. Wir hatten mal wieder ein nettes Wochenende verbracht. Ich merkte, ich wollte mehr und schrieb ihm eine SMS. Die Folge war, dass unser Kontakt abbrach. Ich sah R. nie wieder, hörte nie wieder was von ihm. Ich fühlte mich elendig, litt Höllenqualen und verzog mich drei Tage mit zugezogenen Gardienen in meinem Bett. Ich wollte von der Welt da draußen nichts mehr mitbekommen. Wollte einfach nur noch mein Ruhe. Ich hoffte, der Schmerz würde vorrüber gehen. Anstatt, dass es besser wurde, wurde es immer schlimmer. Ich funktionierte nur noch, alles andere schaltete ich aus. Ging ins Büro, erfüllte meine Pflicht und konnte es kaum erwarten, wieder zu Hause zu sein und in mein Loch zu fallen.

19.08.2008 um 13:59 Uhr

Cameron Diaz

Ja, die großen seelischen Zusammenbrüche blieben aus. Aber dafür hatte ich ein paar kleinere zu verkraften. Am ersten Weihnachtsfeiertag wollte ich keine schwarzen Haare mehr. Ich wollte wieder ich sein und bleichte sie mir im heimischen Badezimmer. Und wieder stand ich im Badezimmer, diesmal mit einem Handtuch auf dem Kopf. Sie sahen leicht orange aus, meine Haare. Aber keine Panik, sagte ich mir. Nach dem Fönen werden sie bestimmt nicht mehr so orange aussehen. Die Haare im nassen Zustand sehen doch immer etwas anders aus. So versuchte ich mir Mut einzureden. Nun, auch nach dem Trocknen waren sie leider orange. Scheiße, ich sah wirklich aus wie eine Karotte. Hilfe war nicht in Sicht. Zumindest nicht in den nächsten 48 Stunden. Am 27. Dezember stand ich schon um 08.00 Uhr bei einem mir nicht bekannten Friseur (zu meinem traute ich mich nicht mehr, davon abgesehen, dass er mir auch nie die Haare schwarz gefärbt hätte) und flehte um Hilfe. Nach fünf Stunden sah ich einigermaßen blond aus auf dem Kopf. Meine langen Haare mussten daran glauben. Ich hatte nun einen Schnitt wie Cameron Diaz.

17.08.2008 um 19:39 Uhr

Leere

Es war neun Uhr. Ein Samstagmorgen im Dezember 2006. Da stand ich, mit einem Handtuch um den Körper und einer Zahnbürste in der Hand in dem leer geräumten Badezimmer. Draußen hörte ich die hecktischen Schritte von Mr. Magnum. Wir haben verschlafen. Nein, eigentlich wollten wir das Bett nur nicht verlassen. Als er dann mit einem "Mist, ich muss in zehn Minuten los aber Du kannst ruhig noch liegen bleiben", vom Bett aufsprang, lag ich noch eine Weile da und schaute an die weiße Decke. Mein Kopf war leer. Bis auf das Plätschern der Dusche war es vollkommen ruhig, die Stadt war noch nicht erwacht. Eine letzte unbeschreibliche Nacht mit Mr. Magnum. Nach dieser Nacht wird es keine Nächte mehr geben. Ich blickte in den Spiegel und fühlte mich elendig. Ich hörte nur noch wie er mir zurief "Lebe wohl Madame, Du kommst ja zu recht hier. Lass die Tür einfach zufallen, wenn Du gehst. Ich muss leider los, bin schon fast zu spät". Und weg war er. Und ich stand da, in seiner leergeräumten Wohnung. Leere Zimmer. In der Küche stand noch der Küchentisch und darauf ein Zettel seiner Putzfrau "Komme nächste Woche noch mal, habe mir einen Kaugummi von Dir genommen, hoffe, das ist ok". Das Wohnzimmer war leer, im Schlafzimmer stand noch das Bett, eine Kleiderstange mit seinen Klamotten und ein Tisch mit seinem Mac. Alles andere, leer geräumt. Die Regale voll mit Büchern - keine Regale mehr, Leere. Diese Regale, die ich so geliebt hatte, von oben bis unten mit wunderbarer Literatur vollgepackt. Ich betrat das letzte Mal das leere Wohnzimmer, stellte mich das letzte Mal an die große Fensterfront und schaut hinaus. Es war ruhig da draußen, still und leer und irgendwie eiskalt. Dann spürte ich die Wintersonne, die sich in das leere Zimmer verirrt hatte. Die Tränen rollten mir die Wange herunter. Aber ich war still, gab keinen Laut von mir. Ich konnte noch nicht einmal schluchzen. Meine Kähle war trocken. Ich wusste nicht genau was ist fühlen sollte. Ich fühlte mich wie dieses Zimmer, einfach nur leer. Ich musste diese Wohnung verlassen. Ich nahm meine Sachen, knallte die Tür hinter mir zu, rannte die Treppen hinunter, in den Hinterhof und dann raus auf die Straße. Ich wusste nicht wohin ich gehen sollte. Zu einer Freundin, zu meiner Schwester oder gar zu meiner Mutter. Ich fühlte mich verloren, leer, alleine gelassen. Da ich nicht zur Kommunikation fähig war, beschloss ich, einfach zu laufen. Vorbei an den Cafés, an den hübschen kleinen Einrichtungs- und Klamottenläden, die ich immer so einladend fand. Vorbei an der Bar, wo alles begann. Damals, als er mich fragte was er denn tun müsste, um mich zu einem Date zu bewegen. Und ich sagte, dass man mich leicht mit einem Magnumeis bestechen könnte. So verabredeten wir uns für einen Sommerabend. Er stand tatsächlich da, mit einer Packung Magnumeis in der Hand. Wir gingen in die besagte Bar. Redeten viel, Lachten viel und tranken eine Menge. Irgendwann beschlossen wir, den Abend in seiner Wohnung weiter fortzusetzen. Wir lagen auf dem Bett tranken Wein und er las mir vor. Natürlich blieb es nicht beim Vorlesen. Wir schliefen miteinander. Es war der beste Sex, den ich je in meinem Leben gehabt habe. Es hat einfach alles gepasst. Ich habe weder vor noch nach der Geschichte mit Mr. Magnum das durchlebt und gefühlt beim Sex wie mit diesem Mann. Nicht, dass es ganz außergewöhnliche Dinge waren, die wir da praktizierten. Es passte einfach alles von Anfang an, als ob wir einfach zusammengehören würden, als ob unsere Körper nur darauf gewartet hätten, miteinander zu verschmelzen. Und dass, obwohl ich nicht seinem Frauentyp entsprach.
 
Mr. Magnum und die Frauen
Er stand nicht auf Blondinen. Ansonsten war er auch kein unbeschriebenes Blatt. Das machte mir nicht viel aus, ich konnte von mir auch nicht wirklich behaupten, dass ich ein Kind von Traurigkeit gewesen bin. 
Es gab nie irgendwelche Absprachen zwischen uns. Keine Festlegung oder Definition unseres Zusammenseins. Wir arbeiteten beide viel und lebten beide gerne. Wir hatten nicht viel Zeit. So verlief immer alles sehr spontan. Wir trafen uns immer dann, wenn wir uns mal langweilten, um uns dann gemeinsam zu langweilen. Nie hätte ich gedacht, dass ich auch nur eine Träne vergießen würde, wenn er irgendwann einmal wieder aus meinem Leben gehen würde. 
 
Ich vergoß nicht nur Tränen. Wie ich so geradeaus lief, unfähig irgendetwas zu fühlen, kam mir die Idee, es wäre an der Zeit, eine Veränderung vorzunehmen. Und ich machte etwas, was wohl viele Frauen in meiner Situation getan hätten. Natürlich, ich ging zum Friseur. Ich beschloss, ich würde ab sofort keine Blondine mehr sein wollen. Ich verließ den Laden zwei Stunden später mit schwarzen Haaren.  Die Person, die ich dort im Spiegel sah, war mir fremd. Doch das machte mir nicht viel aus in diesem Augenblick. Im Gegenteil, es tat mir gut, mich zu entfremden. Ich rannte weg und wollte so alles hinter mir lassen. Mit der Leere, die ich immer noch in mir verspührte kam ich zurecht. Es waren die Gefühlsausbrüche, vor denen ich Angst hatte, denn die hätten mich völligst aus der Bahn geworfen. So stürzte ich mich in Arbeit. Glücklicherweise, dank neuer Projekte, konnte ich nicht über Arbeitsmangel oder Langeweile klagen. So rettete ich mich also in das Jahr 2007, große seelische Zusammenbrüche blieben aus.