Manchmal frage ich mich, was ich mit meinem Vater gemeinsam habe...
Fangen wir mal ganz von vorne an. Da ich ein Scheidungskind bin, bin ich bei meiner Mutter aufgewachsen und habe von meinem Vater nicht all zu viel mitbekommen. OK, alle zwei Wochen war ich bei ihm. Aber als ein Familienleben kann man das nicht bezeichnen zumal es immer wieder längere Abschnitte gab, in denen wir keinen Kontakt zueinander hatten. Vielleicht liegt es auch daran dass ich nicht wirklich mit ihm wie mit einem Vater umgehe sondern eher wie mit einem Freund. Das beinhaltet auch dass ich ihm klip und klar meine Meinung vor den Kopf äußere. Egal ob positiv oder negativ. Er macht es ja nicht anders.
Ich möchte anmerken, dass ich selten einen Menschen kennen gelernt habe, der so stockkonservativ ist wie mein Vater!!!! Selbst die kleinste Form der Veränderung (und sei es nur der Teppichboden in der Diele) bereitet ihm zu schaffen. Er hält an Werten fest, die mittlerweile längst überhohlt sind. Als Bsp: nachdem ich bereits 2 Jahre mit meinem Ex zusammen gewohnt habe wollte mein Vater uns dazu drängen doch endlich zu heiraten denn so, in wilder Ehe, geht es ja nicht. Da müssen doch Nägel mit Köpfen gemacht werden. Mein Vater macht keine Fehler, er ist das Alphatier und sein Wort ist Gesetz! In den letzten Jahren hat er sich sehr verändert. So dass es mittlerweile soweit gekommen ist, dass seine Frau dieses Spielchen langsam aber sicher nicht mehr mitmachen will (verständlicherweise). Leider sieht mein Vater das nicht und wenn man versucht ihn in irgendeiner Art und Weise darauf hinzuweisen, durch die Blume oder auch direkt, sieht er dies als Lapalie an und damit ist das Thema gegessen.
Jetzt hatte ich auf dem Geburtstag meines kleinen Bruders eine Auseinandersetzung mit ihm die, in meinen Augen, mehr als überflüssig war. Aus meiner letzten Beziehung befindet sich noch ein Bild im Wohnzimmer. Darauf sind mein Ex und ich abgebildet. Und auch obwohl wir seit mehr als einem Jahr getrennt sind, er ein neues Leben führt, genauso wie ich, sieht mein Vater es partout nicht ein dieses Bild weg zu stellen. Es sei ja schließlich seins und er würde es doch so schön finden....Alles vollkommen in Ordnung, nur entspricht es doch schon lange nicht mehr den Tatsachen. Ich habe versucht vernünftig und mit logischen Argumenten ihn gegenüber zu treten. Aber er sah es einfach nicht ein. Ich hingegen finde es unerhöhrt, wenn ich mit meinem neuen Partner komme und dort befindet sich noch groß und breit dieses Bild!!! Aber OK, dann bin ich zu Plan B übergegangen.....Es wird vielleicht irgendwann mal spontan zu Bruch gehen (ich weiß, keine schöne Geste, aber wer nicht hören kann, der muss halt fühlen).
Worauf ich eigentlich hinaus wollte ist folgende Problematik: Habe vorhin mit ihm telefoniert und er erzählte mir, dass der Mann der besten Freundin seiner Frau am Pfingstwochenende im Italienurlaub (allein) verstorben sei. Todesursache sei noch ungeklärt. Er hinterlässt eine Frau und zwei kleine Kinder. Aber mein Vater hält sich bedeckt und es kam mal wieder die absolut typische Aussage für ihn: Sie wird sich jetzt darum kümmern müssen wie es finanziell weiter geht und es bringt ja nichts, das Leben geht weiter!
Das ist so typisch!!!! Als meine Oma vor zwei Jahren gestorben ist kam keine andere Reaktion von ihm. Anstelle mich mal in den Arm zu nehmen, denn er sah wie sehr ich darunter litt, nein, kam so nen "Standartspruch". Ich habe ihm heute klip un klar vor den Kopf gesagt, dass ich ihn erleben möchte, in einer Situation die ihm die Kehle zuschnürrt und er das Gefühl hat dass man ihm den Dolch ins Herz rammt. Dann möchte ich vor ihm stehen und ihm sagen: Papa, es geht doch weiter.......Es ist nicht böse von mir gemeint. Aber er verhält sich immer so kalt, so distanziert den Dingen gegenüber. Seine Reaktion darauf war: Ach weißt Du das habe ich bereits hinter mir.
Klar, als die erste Ehe meines Vaters gescheitert ist, weiß ich, war es keine einfache Zeit für ihn. Ich war ein kleines Kind und eine Familie war immer sein Traum. Dieser wurde ihm genommen. aber ist das ein Grund sich dann so kühl zu verhalten??? Mag sein, dass er bedingt durch diese Erfahrung sich unangreifbar machen wollte. Mag sein, dass seine Mauer der Unterdrückung der Gefühle fast bis in den Himmel reicht. Aber ich habe da Probleme mit!!!! Mir gefällt es im Moment überhaupt nicht wie er sich verhält und es ist traurig dass er nicht sieht, wie seine Ehe bröckelt. Für ihn ist alles in Butter. Aber das ist seine Realität. Die Wahrheit sieht leider anders aus!!!
Ich hoffe, dass sich das ändern wird.