Ich möchte es mal folgendermaßen formulieren:
Es gibt Situationen, die wiederholen sich. Ob man es möchte oder nicht (wobei jeder Einzelne dieses selbst bestimmen kann). Genau das trifft gerade auf einen Teil meiner Familie zu.
Ich bin ein Scheidungskind. Meine Eltern haben sich getrennt, als ich 3 Jahre war. Natürlich gab es dafür Gründe, auch wenn ich diese damals nicht kannte und erst Recht nicht hätte verstehen können. Im Laufe der Jahre kann man sich selber ein Bild über die unterschiedlichsten Charaktereigenschaften seiner Eltern bilden. Klar, ist es auch vorgekommen dass nicht immer die Wahrheit gesagt wurde oder das berichtet wurde, was man als Wahrheit empfand. Auch gab es Dinge, die komplett verschwiegen wurden. Aus welchen Gründen auch immer.
Es gab eine Phase in meinem Leben, in denen mir Erinnerungen aus der Kindheit sehr deutlich vor Augen kamen, die ich lange verdrängt habe und mit denen ich mich dann auseinandersetzten wollte und es auch tat. Das war nicht ganz einfach, denn wer sollte mir meine Fragen beantworten, wenn nicht die Personen mit denen es zu tun hatte ??? Um darauf Antworten zu bekommen musste ich lange bohren. Und um mir selber ein Bild zu machen, habe ich mir beide Seiten erzählen lassen sowie auch noch andere Sichtweisen von Außenstehenden (wenn man Großeltern als solche bezeichnen kann ).
Nachdem meine Eltern beide getrennte Wege gingen, hat jeder für sich versucht ein neues Leben aufzubauen. Meine Mutter gerat an viele Männer, manche haben sie ausgenutzt, kaum einer meinte es ehrlich mit ihr, ich war meistens nur das Anhängsel und doch hat sie erneut einen von ihnen geheiratet. Diese Ehe hielt mehr oder weniger 15 Jahre, von den sämtlichen Zwischenfällen oder anderem möchte ich an dieser Stelle nicht berichten, das würde den Rahmen sprengen.
Sie schaffte trotz allem den erneuten Absprung und lernte zum ersten Mal in ihrem Leben was es heißt alleine zu sein, sein Leben zu führen. Und so kam es, wie es kommen sollte, meine Mutter lernte wieder Männer kennen und das Ende vom Lied ist, dass sie nächsten Monat ein drittes Mal heiraten wird (wobei ich dazu erwähnt haben möchte, dass dieser Mann ihr mehr als gut tut und ich es ihr gönne!!!)
Im Leben meines Vaters gab es auch Frauen (allerdings habe ich keine davon kennen gelernt, denn er war so schlau und dachte darüber nach was es für ein kleines Kind bedeutet ihn mit wechselnden Frauen zu sehen). Als ich 6 Jahre war, lernte ich seine jetzige Ehefrau kennen. Sie gewann mich sehr schnell, auch wenn ich es ihr nicht wirklich einfach gemacht habe ;-) Er war halt mein Papa! Mit Sicherheit lag es auch daran, dass uns nur 13 Jahre Altersunterschied trennen. Aber mit dieser Frau versuchte er sein neues Leben zu leben. Sie heirateten und vor 12 Jahren bekam ich einen Bruder *meinganzerStolz*
So, und jetzt nähern wir uns dem, worauf ich hinaus möchte……..
Mein Vater wird nächstes Jahr 50 und seit geraumer Zeit lebt er mehr in seiner Welt, in seiner Realität als im wirklichen Leben… Es macht den Anschein als wäre er in seiner geistigen Weiterentwicklung in der Mitte des vorigen Jahrtausends stehen geblieben. Mein Vater mutierte zum Alphatier, zum Anführer. Sein Wort ist Gesetz und da wird nicht diskutiert. Wenn er einen Beschluss gefällt hatte, wurde dieser umgesetzt ohne Rücksicht auf Verluste. Er sah auch nicht dass es nicht immer rechtens war, was er tat.
Letztes Jahr verbrachte ich mit meinem Vater und seiner Familie einen Urlaub und auch wenn es schön war, war es anstrengengend. Ich habe drei Kreuze gemacht als ich im Bus saß, auf dem Weg nach Hause. Das war überhaupt nicht die Art Urlaub wie ich sie mag und es gab auch div. Meinungsverschiedenheiten im Verhalten meines Vaters.
Wenn man ihn aber darauf ansprach, egal worum es ging, verhielt er sich als würde man ihn unschuldig an den Pranger stellen und verstand auch in keinster weise dass es nie böswillige Kritik war. Man wollte ihn doch eher darauf hinweisen, dass es auch andere Möglichkeiten gibt eine Situation zu gestalten.
Nun ist es soweit, dass mein Vater, nach 20 Jahren Beziehung (scheinbar) erneut vor den Scherben seiner Ehe steht. Es wurde über einen Zeitraum von 2 Jahren immer wieder versucht konstruktiv mit ihm zu sprechen. Es war gar kein Rankommen an ihn. Er sah überhaupt nicht, dass sein Verhalten unrecht war, für ihn war alles rechtens was er tat. Egal ob andere darunter gelitten haben oder nicht, denn schließlich war es ja (in seinen Augen) nicht verkehrt.
Er verschloß sich mehr und mehr der Aufgeschlossenheit (was ne Ausdrucksweise *gg*) und ich sage nicht umsonst, dass ich keinen Menschen kenne, der so stock konservativ ist, wie mein eigener Vater !!!!
Er hatte bei weitem genügend Chancen was eine Einsicht anging oder sonstigem. Ich kann es sehr gut verstehen, das irgendwann ein Punkt erreicht ist, an dem man sagt: „Bis hier hin und nicht weiter! Ich kann einfach nicht mehr!“.
Und auch jetzt ist er der Meinung, dass er nichts Falsches getan hat, dass alle anderen Schuld sind und diese auch tragen müssen!!!!
Ich krieg es nicht in meinen Kopf!!!! Mein Vater tut mir irgendwie Leid. Nein, eigentlich wünsche ich ihm dass er glücklich ist. Aber er ist es doch selber Schuld!!!! Er hat an seinem Verhalten im Grunde nie etwas geändert. Man kann einen Menschen in seinen Grundmauern auch nicht ändern. Am liebsten würde ich ihm so gerne verbal vor die Füße kotzen. Aber nicht weil ich ihm was will sondern eher weil ich mir wünsche dass er endlich die Augen aufmacht, versteht und umsetzt! Aber ich weiß auch, dass es nichts bringen würde. Schließlich ist er doch der Meinung, dass ich ihm gegenüber immer „hinterherhinke“ aufgrund der Tatsache dass ich immer jünger als er sein werde und dementsprechend nicht die Lebenserfahrung vorweisen werde, wie er sie hat und mir immer im Vorraus haben wird!
Aber mal ganz ehrlich….jeder normaldenkende Mensch müsste doch spätestens wenn sich eine Situation in den Grundsätzen wiederholt, anfangen nachzudenken. Meine Mutter und meine Stiefmutter sind zwei ganz unterschiedliche Charaktere. Haben aber die selben Beweggründe warum sie sagen oder gesagt haben: NEIN! (gut, bei jeder kamen auch noch andere Sachen hinzu aber das ist schon auffällig). Da MUSS man doch mal ins Grübeln kommen und auch wenn es schwer fällt, sich vielleicht mal eingestehen dass man doch nicht so fehlerfrei ist, wie man immer gedacht hat.
Nein, statt dessen macht er ihr Vorwürfe, versucht ihr ein schlechtes Gewissen einzureden. Sie könne ihm das nicht antun. Er sei doch ein Familienmensch, er habe bereits einmal seine Familie verloren, das könne er nicht noch einmal verkraften.
Ich, ich, ich, ich!!!! Nicht einmal hat mein Vater an andere gedacht, er sah nur seine Fälle schwimmen und dieses ist ein absolut typisches Verhalten von ihm.
Er wird sich nicht ändern, er kann sich nicht ändern. Er ist so wie er ist und auch wenn ich kein Verständnis dafür habe, so ist er mein Vater. Er versteht es einfach nicht. Und so wird es immer bleiben!!!!
Natürlich habe ich eine eigene Meinung dazu (das sollte sich hier herausgespiegelt haben). Ich werde meiner Stiefma nicht sagen was sie zu tun und zu lassen hat, da habe ich gar nicht das Recht zu. Ich wünschte mir, dass es nicht so weit hätte kommen müssen. Ich kann nur hoffen, dass mein Vater einfach mal anfängt im Hier und Jetzt zu leben. Selbst seine eigenen Eltern verstehen die Welt nicht mehr, versuchen ihm zu zeigen dass es unrecht war/ist wie er sich verhält/verhalten hat.
Aber er kann einfach nicht anders. So schwer es mir fällt das zu akzeptieren.
Derzeit habe ich mich von meinem Vater ein wenig distanziert, nicht wegen seiner innerfamiliären Situation sondern wegen meiner eigenen ganz speziellen Vorfälle mit ihm.
Wenn er nur einmal fragen würde oder überhaupt auf einen anderen Menschen zugehen könnte, man würde ihn mit offenen Armen empfangen.
Mann Papa….auch wenn ich Dich lieb habe, da musst Du jetzt wieder durch und ich kann Dir nicht versprechen, dass ich nicht zu Dir sagen werde: „Siehst Du Vater, das ist jetzt natürlich eine weniger schöne Situatuion, aber auch das wird vorbeigehen….“ Denn das sind genau Deine Worte, die Du allen anderen gegenüber in einer solchen Situation sagen würdest. Darüber habe ich mich oft aufgeregt, dass Du nicht in der Lage bist auch nur ein klitzekleines bisschen emotional zu denken/handeln. Und genauso habe ich Dir gesagt, dass irgendwann der Tag kommen wird, andem ich vor Dir stehen werde, Dir in die Augen schaue und genauso mit Dir reden werde, wie Du es mit den anderen machst. Dass es weh tun wird, das wirst Du dann merken.
Mich persönlich macht es traurig dass mein Bruder jetzt scheinbar ähnliches durchmachen wird, wie ich es musste. Ein Stück weit komme ich mir auch um 20 Jahre zurück versetzt vor…….Aber das ist leider das Leben und jeder ist seines Glückes Schmied….
Anmerkung für meine Mutter:
Ich weiß, dass Du das hier irgendwann lesen wirst. Ich hoffe dass Du über dieses Thema stillschweigen halten wirst. Verstehe das jetzt bitte nicht falsch. Aber dieses Blog dient mir dazu, über Dinge zu reden, die mich beschäftigen und evtl. Meinungen von Menschen zu lesen/hören, die absolut neutral sind, denn sie kennen die Personen nicht, um dies es sich hier dreht. In Deinem Fall weiß ich allerdings wie wissbegierig Du bist, wenn es um das Leben meines Vaters geht. Und ich habe Dir bereits im Vorfeld einmal gesagt, als Du nachgefragt hat, dass es Dich nichts angeht!!! So bitte ich Dich, nehme zur Kenntnis was hier gerade geschieht aber kommentiere es nicht und!!!! sprich bitte nicht mit Gott und der Welt darüber!!!! Wie gesagt, ich will Dich nicht angreifen, aber ich kenne ich Dich halt doch ein paar Tage :-D
Trotz allem hab ich Dich lieb !