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31.08.2006 um 23:49 Uhr

Lieber denkend und unzufrieden, als blind und gluecklich? (30.8.2006)

von: AngelInChains   Kategorie: Gedanken

 

Menschen neigen oft dazu, beurteilen zu wollen, ob etwas falsch oder richtig sei... Machen sie dabei nicht schon den allerersten Fehler, da Dinge nicht immer in Schubladen einteilbar sind, schon gar nicht der menschliche Geist? Kann man sagen, ein Mensch EMPFINDE richtig oder falsch, wo doch jeder ANDERS empfindet? Wenn man sagt, jemand ist krank, weil er anders ist, als die Massen, ist man dann nicht selbst krank, weil man es sich anmasst, einem Menschen persoenliche Dinge, Gefuehle, die eigentlich nur ihn etwas angehen, vorschreiben zu wollen? Menschen moegen vor dem Gesetz gleich sein (Das hoffe ich), das ist richtig so, sie sind koerperlich vielleicht auch weitestgehend gleich, aber seelisch, charakterlich, ist jeder Mensch verschieden. Es gibt solche, die sich aehneln, es ist sehr schoen, wenn solche sich begegnen, aber charakterlich sind eben nicht alle Menschen GLEICH. Daher kann man, zumindest bei Gefuehlen und Gedanken keine Regeln aufstellen. Verhaltensregeln vielleicht... Aber sie sind von Menschenhand definierte "Gesetze", meiner Meinung nach keine biologischen, sagen wir "unabaenderlichen", WAHREN Regeln. Sie sind nichts, was man Naturgesetz nennen koennte, sondern eine Erfindung. Oft sinnvoll, das stimmt. Aber Gedanken sind frei...

Die naechste Frage, die mich beschaeftigt, waere eine "uralte" Diskussion, der Konflikt schlechthin, sozusagen, zwischen den Denkern und den nicht denken wollenden Massen. Ich sage: Es ist schlecht, wenn Menschen nicht denken, wenn sie die Wahrheit nicht erkennen wollen, sondern sich blenden. Andere sagen mir, ich sei krank, da ich mir Gedanken mache, ich solle das Leben doch lieber geniessen, ich haette ja nur eines. Wer hat Recht? Hat ueberhaupt jemand recht? Ich sehe ein, dass man gedankenlos vielleicht eher Spass haben kann, und vielen Menschen scheint Spass das wichtigste im Leben zu sein. Aber jeder hat andere Prioritaeten und eine von meinen nennt sich WAHRHEIT. Sicher kann man daran scheitern, ich stimme auch zu, dass man verrueckt werden kann, wenn man eine Frage loesen will, die sich einfach nicht loesen laesst, wenn es beispielsweise um das Dasein nach dem Tod geht oder um die Entstehung des Universums. Dinge, die niemand von uns beurteilen kann, es wird NIE eine wirklich sichere Antwort geben. Vermutungen, Theorien, wissenschaftliche Arbeiten, Gedanken. Aber eine KLARE Antwort auf die Fragen? Ich kann gut dalegen, wieso ich persoenlich finde, dass das Nachdenken wichtig ist und fuer mich ueber dem ewigen "Spass" steht. Erstens geschehen viele schlechte Dinge, wenn der Mensch nicht nachdenkt... Gedankenlosigkeit fuehrt zu Krankheit (AIDS durch Sex ohne Verhuetung), Elend (Kriegsfuehrung ohne Gedanken an die Opfer) und Unfaellen (Wenn man beispielsweise Schutzmassnahmen nicht beachtet). Sprich: Wenn man nie nachdenkt, dann koennen Dinge passieren, die sich keiner wuenscht. Daher halte ich es nicht nur fuer EGOISTISCH, sondern auch fuer GEFAEHRLICH, komplett gedankenlos, dumpf und geblendet durchs Leben zu gehen! Vielleicht hat es mit meiner Erziehung zutun, ich weiss es nicht. Schon immer sagte man mir, zu lernen sei wichtig und ich habe, das muss ich zugeben, zum Teil auch Spass daran. Ich stelle mir gerne Fragen zu meinen Interessensgebieten und habe Freude, wenn ich neue Dinge erfahre. Was ich schlimm daran? Ich fuehlte mich nicht als vollwertiger Mensch, waere ich geistig hohl, unterbelastet, wuerde nie nachdenken, wie ein toter Schwamm vor mich hin vegetieren - NEIN, danke! Ich moechte denken und ich faende es schoen, wenn mehr Menschen denken woellten und wuerden. Wieso ist Nachdenken "out" geworden? Ja, es macht vielleicht mal ungluecklich, wenn man beispielsweise das Elend der Welt betrachtet, aber ist es der richtige Weg, die Augen einfach zu verschliessen und so zu tun, als gaebe es all das gar nicht, als lebe man in einer "heilen Welt"?! Ist das der richtige Weg? Nein, ich glaube, das vergroessert das Elend noch, weil ALLE wegsehen und damit niemand etwas gegen die Probleme unternimmt! DENKEN ist wichtig. Und ich habe auch einen pesoenlichen "Drang", soetwas wie die Realitaet (Was auch immer sie sei) herausfinden zu wollen. Einfach ein Interesse, eine NEUGIER auf Erkenntnis. Wie kann es sein, dass einigen Menschen das Interesse an ihrer Umwelt vollkommen fehlt? Dass sie sich nur fuer TV-Serien, vielleicht auch noch die Fussball-Bundesliga und dann auch noch irgendeinen Star-Tratsch interessieren und fuer sonst nichts? Sicher, die Interessen jedes Menschen sind verschieden, aber ich finde es doch merkwuerdig, dass einige Leute vor dem Aussen, vor ihrem Umfeld schon, vor Allem um ihre Wohnung herum, die Augen meisterhaft verschliessen. Was meint ihr, sollte jemand sich Zeit genommen haben, dies zu lesen: Lieber blind und gluecklich, als sehend uns daher vielleicht manchmal deprimiert?

Ich persoenlich meine uebrigens, dass man sehrwohl "sehend" sein kann, ohne dauerhaft Depressionen zu haben. Man kann sich Problemen bewusst sein, kann versuchen, sie zu loesen, und trotzdem auch Glueck empfinden. Sich Auszeiten nehmen, sich auch mal ablenken (Lesen, malen, was auch immer - Was einem Freude und ein Stueckchen "heile Welt" bringt, wenn man so will), aber eben nicht blind durch die Gegend laufen. Ich bin dankbar fuer jede Person, die die Augen nicht verschliesst, dagegen vorgeht, sich vielleicht "sogar" sozial engagiert. Und wenn sie nur erkannt hat, dass es wichtig ist, nicht blind zu sein, dann ist das doch schon ein erster Schritt und Lob wert...

cn P