"Wer braucht eine Vergangenheit, wenn er keine Zukunft hat?"
Auszuege aus meinem letzten Werk. Wer getriggert werden koennte, liest bitte NICHT weiter!
"Langsam inhalierte er den weissen Rauch, spuerte gar, wie er durch seine schmerzende Lunge zirkulierte. Es war nicht schade um seinen jungen Koerper, dachte er sich. Was zaehlte, war nur der Moment. Er suchte die Ruhe, als er dort am Strassenrand stand, an einen Laternenmast gelehnt, und ins Dunkel hinaus sah. ER zitterte. Er roch immernoch das billige Rasierwasser, vernahmt immernoch den keuchenden Atem, hoerte das erniedrigende Lachen. Sein Herz schlug schneller. Wo war er gelandet? Wie konnte all dies nur geschehen? Nichts wuenschte er sich sehnlicher, als von hier fort zu kommen, von diesem Ort, an dem er sich beschmutzt, missbraucht und unendlich einsam fuehlte.
(...)
Mit seinem zarten Koerper wirkte er wie eine Porzellanpuppe: Zerbrechlich und erst darum wunderschoen. Er war ein Lustobjekt fuer all jene, die Befriedigung darin fanden, einen unschuldigen Menschen zu zerstoeren, ihm sein Innerstes zu nehmen und ihn dann verstuemmelt zurueck zu lassen. So oft war es schon geschehen, dass man ihn zusammengeschlagen hatte, dass sein gesamter Koerper brannte, dass alles schmerzte. Man hatte ihm die Augen blau geschlagen, seine Arme und Beine waren uebersaeht mit Bluterguessen und Narben. Und alle Versuche, sich zu verteidigen, erwiesen sich als wirkungslos. Er lag auf dem Boden, weinend, im eigenen Blut sterbend liegen gelassen - Wie auch jetzt. All diese Erinnerungen, die ihn auch jede Nacht in seinen Alptraeumen ueberkamen, konnte er kaum mehr ertragen. Es war auch schon hier geschehen, an diesem Ort, wo er nun die Nacht verbringen sollte, in diesem Gebaeude, in diesem Raum.
(...)
Er konnte keine Traenen mehr vergiessen, seine Seele war tot. Selbst die Erinnerungen waren langsam verblasst. Wer braucht schon eine Vergangenheit, wenn er keine Zukunft hat?"
