Gedichte,
Kurzgeschichten,
Momentaufnahmen

18.12.2006 um 17:03 Uhr

"Wer braucht eine Vergangenheit, wenn er keine Zukunft hat?"

von: AngelInChains   Kategorie: Kurzgeschichten

Auszuege aus meinem letzten Werk. Wer getriggert werden koennte, liest bitte NICHT weiter! 

"Langsam inhalierte er den weissen Rauch, spuerte gar, wie er durch seine schmerzende Lunge zirkulierte. Es war nicht schade um seinen jungen Koerper, dachte er sich. Was zaehlte, war nur der Moment. Er suchte die Ruhe, als er dort am Strassenrand stand, an einen Laternenmast gelehnt, und ins Dunkel hinaus sah. ER zitterte. Er roch immernoch das billige Rasierwasser, vernahmt immernoch den keuchenden Atem, hoerte das erniedrigende Lachen. Sein Herz schlug schneller. Wo war er gelandet? Wie konnte all dies nur geschehen? Nichts wuenschte er sich sehnlicher, als von hier fort zu kommen, von diesem Ort, an dem er sich beschmutzt, missbraucht und unendlich einsam fuehlte.

(...)

Mit seinem zarten Koerper wirkte er wie eine Porzellanpuppe: Zerbrechlich und erst darum wunderschoen. Er war ein Lustobjekt fuer all jene, die Befriedigung darin fanden, einen unschuldigen Menschen zu zerstoeren, ihm sein Innerstes zu nehmen und ihn dann verstuemmelt zurueck zu lassen. So oft war es schon geschehen, dass man ihn zusammengeschlagen hatte, dass sein gesamter Koerper brannte, dass alles schmerzte. Man hatte ihm die Augen blau geschlagen, seine Arme und Beine waren uebersaeht mit Bluterguessen und Narben. Und alle Versuche, sich zu verteidigen, erwiesen sich als wirkungslos. Er lag auf dem Boden, weinend, im eigenen Blut sterbend liegen gelassen - Wie auch jetzt. All diese Erinnerungen, die ihn auch jede Nacht in seinen Alptraeumen ueberkamen, konnte er kaum mehr ertragen. Es war auch schon hier geschehen, an diesem Ort, wo er nun die Nacht verbringen sollte, in diesem Gebaeude, in diesem Raum.

(...)

Er konnte keine Traenen mehr vergiessen, seine Seele war tot. Selbst die Erinnerungen waren langsam verblasst. Wer braucht schon eine Vergangenheit, wenn er keine Zukunft hat?"

18.12.2006 um 16:29 Uhr

Die Voeglein singen weiter (10.11.06)

Ein weisses Netz faellt ueber die Welt
Das Band, das sie zusammen haelt
Droht unter der Last zu brechen

Man hoert die Raben kraechzen
Und lautstark bricht ein Ast
Zerklirrt am Grund, von Eis umfasst

Und wie der Blaetter viel'
Faellt auch ein Mensch, ganz ohne Ziel
Zu Boden und zerschellt

Was kuemmert es die Welt?

Die Voeglein singen weiter.

18.12.2006 um 16:27 Uhr

Rosenbluete (9.11.06)

Als sie des Fruehs die Rosen sah
So rot, wie frisches Blut
War schnell die Hand den Dornen nah
Doch Mutter losch die Glut

Als sie des Mittags wiederkehrt'
Das Leuchten sie verfuehrt'
Doch Mutter fasste ihren Arm
Bevor sie es beruehrt

Am Abend dann, als Mutter schlief
Das Maedchen wollte gehn
Hinaus an jenen Teichesrand
Wo hoch die Rosen stehn

Doch als sie stand am Ufer da
Sah nichts mehr dort, was glueht
Sie war bestuerzt, den Traenen nah
Die Rosen laengst verblueht

18.12.2006 um 16:26 Uhr

Theorie (9.11.06)

Sie glauben, weis' und stolz zu sein
An Wissen reich, ihr Rat sei gross
Und reden all den Jungen ein
Sie seien Narren bloss
 

Sie predigen Angst vor der Welt
Man solle leben, doch bedacht
Doch was der Narr fuer Denken haelt
Hat niemand' weit gebracht

So mahnen sie und lehren sie
Und sperren ein den Geist
So dass die Jugend lerne nie
Was "Leben" wirklich heisst

In Theorie begraben, dumm
So endet dann das Lied
Die Jungen bleiben weiter stumm
Den Narren galt der Sieg